Grundmuster
Ein Held oder eine Heldin sollte während der Geschichte eine oder mehrere (in der Regel sind es drei) Aufgaben erfüllen und wird am Ende belohnt.
Alle Märchen sollten so angelegt sein, dass der Held/die Heldin das Ziel erreicht.
Ort, Zeit und Namen
Ein Märchen sollte
ortlos sein, d.h. es muss überall spielen können.
Beispiel: In einem Wald … Das Schloss … Irgendwo, am anderen Ende der Welt … magische, verzauberte Orte, in denen Naturgesetze aufgehoben sind (z.B. das Reich von Frau Holle)
Ein Märchen sollte
zeitlos sein, d.h. es werden keinerlei Daten und auch keine Zeitangaben genannt. Aus althergebrachten Berufen bzw. Rängen (Müller, Spinnerin, Schweinehirt, König, Prinz…) wird deutlich, dass die Märchen irgendwann in der Vergangenheit spielen
Beispiel: Vor langer, langer Zeit … Einst lebte … Einige Zeit später … Nach langer Zeit … Einige Tage danach … (nicht drei Stunden später oder fünf Tage danach)
Sprache
· Tempus: Präteritum
· formelhafte Wiederholungen (s. auch „Bauweise“)
· einfacher Satzbau (Satzreihen)
· wenig abwechslungsreiche Verben (sein, haben, gehen, sagen)
· eher langweilige Adjektive, die oft Gegensätze ausdrücken (gut/böse, schön/hässlich, fleißig/faul)
Das Alter der Personen ist nicht maßgeben. Man spricht lediglich von einem „alten“ Mann, von einem „Mädchen“ oder von einer „jungen“ Frau.
Beispiel:
Man schreibt
nicht:
Der 30jährige Mann ging in den Wald. .... Nach fünf Jahren geschah ihm ....
sondern
Der junge Mann ging in den Wald. .... Einige Jahre später geschah ihm ...
(Auch sollten die Personen in einem Märchen keine Namen erhalten. Ausnahme könnte die Hauptperson selbst sein. Meist wird ihr Name dann auch im Titel des Märchens genannt.
Beispiel: Aschenputtel, Schneewittchen, Hänsel und Gretel
aber
Der König … Die Prinzessin … )
Das ist eher eine Kann-Regelung, denn auf Namen zu verzichten, ist kein unbedingtes Muss. Jeder Autor/Jede Autorin sollte dies nach eigenem Ermessen entscheiden.
Beispiel: Ein Märchen handelt von zwei Riesen, dann sollte man ihnen schon einen Namen geben.
Held, Heldin
Die Protagonistin/Der Protagonist sollte nicht unbedingt näher beschrieben werden. Der Leser soll das Gefühl haben, dass er selbst sich mit der Person identifizieren und an ihrer Stelle die Abenteuer erleben kann.
Will man doch einmal die Person genauer beschreiben, dann sollte diese Beschreibung einen Sinn für die Geschichte haben.
Beispiel: „so schwarz wie Ebenholz, so rot wie Blut …“ (Schneewittchen) oder die langen Haare von „Rapunzel“.
Inhalt des Märchens
Es sollten vom Helden/von der Heldin Aufgaben erfüllt werden, z.B. muss eine Prinzessin befreit oder ein Gegenstand geholt werden.
Dabei haben sie Abenteuer zu bestehen, müssen sich Gefahren stellen,die teilweise „unrealistisch“ sein können. Der Kampf gegen das Böse ist ein besonderes Stilmittel im Märchen. Dabei spielen übermächtige Wesen eine große Rolle.
Mittel
Bei der Lösung der Aufgaben stehen dem Helden/der Heldin gewisse Hilfsmittel zur Verfügung. Es können ihre guten Eigenschaften sein, wie Mut, List, Güte. Aber auch zaubermächtige Helfer oder Zauberdinge können ins Spiel gebracht werden.
Andere Märchenwesen
Neben dem Protagonisten/der Protagonistin treten noch andere Figuren auf (sonst wäre es ja langweilig!

):
- die Auftraggeber (z.B. der König, dessen Tochter befreit werden soll)
- Helfer, wie sprechende Tiere oder Fabelwesen
- Gegensatz-Figuren wie böse Familienangehörige (Stiefschwestern, ältere Brüder)
- Gegner, die sich auf dem Weg zum Ziel in den Weg stellen, wie Hexen, Drachen (wobei diese auch gute Eigenschaften haben können und dem Helden/der Heldin helfen)
Bauwesen
In der Regel gibt es im Märchen einen klaren Gegensatz von Gut und Böse.
Der Held/Die Heldin ist von Anfang bis Ende auf der Seite der Guten, während die „Stolpersteine“ die ihm/ihr auf den Weg gelegt werden, der Kategorie „Böse“ angehören.
In den seltensten Fällen ändert sich das Wesen des Protagonisten/der Protagonistin von böse zu gut.
Der Held/Die Heldin hat ihre Aufgaben zu erfüllen, wobei es meistens drei sind. Davon gehen in der Regel zwei schief und die dritte führt zum Erfolg.
Bedient man sich in einem Märchen Sprüchen, Formeln oder Befehlen, dann sollten auch diese dreimal wiederholt werden.
Ende
In der Regel geht ein Märchen gut aus. Das Gute besiegt das Böse. Der Held/Die Heldin erhält am Ende eine Belohnung (z.B. eine Menge Geld oder Juwelen oder die Heirat mit dem Prinzen/der Prinzessin).
Was auch noch sehr oft vorkommt
In den Märchen wiederholen sich verschiedene Elemente. Hier eine kleine Auswahl:
- magische Zahlen (sieben, drei, zwölf)
- Verwünschungen durch Hexen oder böse Feen
- Verwandlung vor allem in Tiere
- Tier und Dinge beginnen zu sprechen.
- Etwas verbirgt ein Geheimnis.
- Gute Menschen finden ihr Glück.
- Die Märchengestalten sind ohne Innenwelt, d.h. es fließt kein Blut bei einer Verletzung und sie empfinden keine Schmerzen
- Auch bleiben die Umwelt und das soziale Umfeld im Dunkeln. Man erfährt, dass die Person „arm“ oder „reich“ ist und im „Wald“ oder einem „Dorf“ wohnt. Wie es dort aussieht, wird nicht näher beschrieben.
Mit so einem Muster sollte man behutsam umgehen. Es muss sich nicht strickt an diese Regeln gehalten werden. Sie sollen lediglich als kleines Gerüst beim Schreiben eines Märchens gelten. Freiheiten der Autoren sind natürlich erlaubt.