Vor langer, langer Zeit lebte ein Mann, der ein grosses Vermögen besass. Da er aber sehr verschwenderisch war, büsste er in kurzer Zeit nicht nur dasselbe ein, sondern vererbte auf seine drei Söhne grosse, grosse Schulden. Kaum hatte der Alte ausgelebt, so fanden sich auch recht zahlreich die Gläubiger ein und schleppten auch das bisschen Habe fort, das etwa im Hause sich vorfand. Als die drei Söhne schliesslich ans Teilen gingen, da erhielt der älteste eine Flöte, der mittlere einen Mühlstein und der jüngste ein wenig Flachs. Der Älteste nahm seine Flöte und ging in die weite Welt hinaus, um sich sein Brot zu verdienen. Lange zog er von Dorf zu Dorf, ohne in einen Dienst treten zu können. Da kam er einmal durch einen grossen, grossen Wald und traf tief in demselben ein Wirtshaus an, worin niemand wohnte. Es freute ihn nicht wenig, denn er war schon wegen eines Nachtlagers in Besorgnis. »Hier«, dachte er, »werde ich ohne Furcht und ungestört ausruhen können.« Er ging hinein, legte sich in ein Bett, so gut er es fand, und entschlief bald. In der Nacht kamen wilde Tiere herein. Es war ein Wolf und ein Hase. Anfangs erschrak er ein klein wenig, fasste aber bald Mut, nahm seine Flöte und blies darauf einige Töne. Der Wolf war über die ungewöhnliche Musik erschrocken und fing an erbärmlich zu heulen; der Hase kauerte sich aber ehrfurchtsvoll in einen Winkel der Stube. Nachdem der Wolf sich satt geheult hatte, dachte er an den Ausgang, suchte und kratzte an den Wänden, aber vergeblich. In diesem Augenblicke war ein Reisender bei dem Wirtshause angelangt. Als er hineingehen wollte und eben die Thüre aufthat, machten sich der Wolf und der Hase auf und davon. Der Flötenbläser aber sprang von seinem Lager, packte den Reisenden bei dem Kragen und sagte: »Wer hat Dich geheissen, diese Tiere fortzulassen. Du musst sie jetzt einfangen oder Du wirst es mit dem Leben bezahlen. Die Tiere gehören dem Könige, für den ich sie abrichte.« Der Edelmann war garnicht im Zweifel, dass der Mann es ernsthaft mit der Sache meine. Er bat und flehte, ihn ungeschoren fortgehen zu lassen. Dies half aber nicht; erst durch eine grosse Summe Geldes schaffte er sich den Tierlehrer vom Halse. Der älteste der drei Brüder war nun in den Besitz einer namhaften Summe gekommen und machte sich auf, nach der Heimat zurück.
Auf dem Rückwege begegnete er seinem mittleren Bruder, der auch mit seinem Erbteile, dem Mühlsteine, in die Welt hinausgezogen war. Sie begrüssten sich gegenseitig und der Älteste erzählte ihm, wie er sein Glück gemacht hatte.
Ohne viel Zeit zu verlieren, lud der Mittlere den Mühlstein auf sich und ging fort. Das Schicksal wollte es, dass auch er den grossen Wald durchwanderte. Es wurde Nacht, ohne dass er ein Dach erreicht hätte, und so fand er es zweckmässig, auf einem Baume mit seiner Habe die Nacht zuzubringen. Als er so auf dem Baume sass und wachte, denn das unbequeme Lager und die Besorgnis, den Mühlstein zu verlieren, liessen ihm keine Ruhe, kam eine Räuberbande und lagerte sich gerade unter diesem Baume, um die Beute zu verteilen. Einer von den Raubgenossen aber schrie, dass ihm bei der Verteilung Unrecht geschehen sei. Da rief der Hauptmann: »So wahr ein Gott lebt!« blickte zum Himmel hinauf und wollte den Schwur zu Ende schwören. Allein der Mühlsteinbesitzer liess ihm dazu nicht Zeit. In Furcht, auf dem Baume bemerkt zu werden, begann der Bursche zu zittern; da entfiel ihm der Mühlstein und tötete den Hauptmann. Die Raubgesellen erschraken darob so sehr, dass sie samt und sonders die Flucht ergriffen. Als die Diebe fort waren, stieg jener vom Baume, steckte Gold und Silber, welches die Entflohenen zurückgelassen hatten, in seine Reisetasche, liess den Mühlstein gern zurück und trat den Rückweg an. Zufällig begegnete er seinem jüngsten Bruder, der sich bisher ohne Erfolg herumgetrieben hatte. Diesem erzählte er, wie er sein Glück unverhofft gemacht, wünschte ihm Glück in allen seinen Unternehmungen und ging fort.
Der jüngste Bruder, der das bisschen Flachs von seinem Vater ererbt, ging nun so lange herum, bis er in einer entlegenen Gegend zu einem Sumpfe kam, an dessen Ufer er im Schatten eines Baumes ausruhte. Nachdem er genug der Ruhe gepflogen hatte, holte er seinen Flachs hervor mit dem Gedanken, daraus Stricke zu machen und diese zu verkaufen. Gedacht, gethan! Eben war er mit seiner Arbeit beschäftigt, als ein Teufel aus dem Sumpfe zu ihm trat und ihn fragte, was er hier thue. »Ich habe den Auftrag«, antwortete dieser, »alle Teufel aufzuknüpfen, die in diesem Sumpfe hausen.« Der Böse erschrak nicht wenig und ging gleich zum Obersten, um zu berichten, welche Gefahr sie bedrohe. Nachdem der Herr der schwarzen Schar eine Weile nachgedacht hatte, befahl er einem von seinen Dienern auf die Oberwelt zu gehen und mit dem Fremdling um die Wette zu pfeifen. Der Teufel that, wie ihm befohlen wurde. Er pfiff und von dem Baume fielen die Blätter. Doch der Wandersmann verlor den Mut nicht und sagte zu dem Teufel: »Du musst Dir die Augen verbinden, damit sie nicht herausspringen, wenn ich pfeife.« Der Böse that es, und der Bauernjunge schlug ihn mit seinem Wanderstabe so gewaltig über die Augen, dass er ohne weiteres in den Sumpf entfloh. Als der Oberste vernommen, wie es ihm ergangen, nahm er zu einem anderen Mittel seine Zuflucht und schickte einen leichtbeinigen Teufel zu dem vorgeblichen Henker, dass er mit diesem um die Wette laufe. Als der Böse ihm den Antrag gemacht hatte, lachte er und sagte: »Du wirst nicht einmal meinen kleinen Bruder überflügeln können, der dort im Gebüsche ruht.« Dabei wies er auf einen Hasen und weckte diesen mit einem Steinwurfe, so dass er erschrocken über alle Berge entfloh. Der Wettläufer des Sumpfes kehrte unverrichteter Sache zu seinem Gebieter zurück. Dieser beorderte jetzt einen Starkgewachsenen aus seiner Schar, dass er mit dem Bauernjungen um die Wette ringen solle. Er ging auf die Oberwelt und forderte den Jungen zum Ringen heraus. Lächelnd sagte dieser: »Armer Höllentropf! Du dauerst mich, denn Du musst sterben. Gehe aber in den Wald, dort wirst Du meinen Grossvater unter einem Baume liegen finden. Gelingt es Dir, ihn zu besiegen, so will ich aus reiner Menschlichkeit mir Deinen Sieg auch über mich gefallen lassen.« Der Teufel traute dem ehrlichen Gesicht und ging in den Wald. Hier fand er unter einem Baume einen Bären liegen. Diesen reizte er zum Kampfe. Der Bär stand auf, packte den Teufel und warf ihn an einen Baumstamm, dass ihm Sehen und Hören verging. Es kostete ihm nicht wenig Mühe, bis er sich an die Möglichkeit zu verschwinden erinnerte. Er verschwand und rettete sich in den Sumpf. Der Sumpfgebieter erschrak, als er die traurige Nachricht vernahm. Jetzt war er genötigt, dem Wandersmann einen Sack Geldes auf die Oberwelt zu schicken. Das brachte ihn aber noch nicht von dem Vorhaben ab, alle Teufel aufzuknüpfen, und da mussten die Teufel sich entschliessen, ihm den Sack bis in das Elternhaus zu schleppen. So wurden alle drei Brüder reich, sehr reich.
[Ukraine: Raimund Friedrich Kaindl: Ruthenische Märchen und Mythen aus der Bukowina]