Motekuhzoma Xokoyotzin war unser neunter Herrscher. Er erließ das Gesetz, nach dem kein grünender Baum gefällt werden durfte, es war nicht einmal erlaubt, einen Ast abzubrechen. Eines Nachmittags machte Motekuhzoma einen Spaziergang. Unterwegs traf er einen Jungen, und er unterhielt sich mit ihm so gut, daß die Zeit im Nu verflog und es Nacht wurde. Es war Winter, Motekuhzoma fror, und er sagte zu dem Jungen: "Holen wir Holz für ein Feuer, mir ist sehr kalt."
"Es gibt hier kein dürres Holz", entgegnete ihm das Kind. "Dann brich ein paar Äste ab", befahl der Herrscher. Als das Kind meinte, die Äste seien doch noch grün", erwiderte er: "Hauptsache sie brennen."
"Aber unser Herr Motekuhzoma hat es verboten. Wir sollen die Natur achten, denn sie gibt uns Leben", belehrte ihn der Junge. "Keine Angst, Junge, ich bin Motekuhzoma selbst!"
"Dann schäme dich", tadelte der Junge ihn. "Wie kannst du Gesetze machen, die du selbst nicht respektierst? Wie kannst du von uns verlangen, daß wir die Natur achten, wenn du selbst es nicht tust? Glaubst du, nur weil du ein Gesetz gemacht hast, darfst du es auch brechen?"
Da schämte sich Motekuhzoma Xokoyyotzin und verbrachte die Nacht in der Kälte. Am nächsten Tag ließ der Herrscher den Jungen rufen und ihn von seinen besten Lehrern unterrichten, damit er ihm eines Tages helfe, das Volk zu regieren. Motekuhzoma hatte gelernt, daß auch ein Herrscher nur ein Schüler des Lebens ist.

Sage aus Südamerika

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