Es lebte einmal ein Mann, der hatte alles nur halb, was andere ganz haben, und er war verzweifelt über sein Geschick. Nun erfuhr der Halbe, wo der Gott des Schicksals seine Wohnstätte hatte, und er machte sich auf, um für eine Wandlung bei dem Schicksal zu klagen. Er wanderte über Berge und durch Täler, durch glühende Hitze und prasselnden Regen, und endlich kam der Halbe in das Tal, in dem der Palast des Schicksalsgottes stand. Und der Gott des Schicksals trat ihm unter dem Torbogen entgegen und fragte den Halben nach seinem Begehr. Da fiel der Halbe vor Gott auf die Knie und rief: „Ach Herr, alle Menschen sind ganz und nicht halb. Gib mir doch ein anderes Schicksal!“ Da griff der Gott des Schicksals hinter sich, gab dem Halben ein Bündel und sprach: „Nimm hin, aber wisse, auch ich greife nur blind in meine Bündel.“ Und der Halbe machte sich auf den langen, beschwerlichen Heimweg, und als er zu Hause das Schicksalsbündel öffnete, da fand er wiederum nur einen halben Menschen darin. Da knotete er das Bündel zusammen und machte sich auf den langen, beschwerlichen Weg zu dem Palaste des Schicksalsgottes. Und er klagte wiederum vor diesem. „Oh Herr, in dem Bündel ist wiederum nur ein halber Mensch.“ Da legte der Gott des Schicksals das Bündel zur Seite, griff hinter sich und gab dem Halben ein neues Bündel, und er sprach wiederum: „Nimm hin, aber wisse, auch ich greife nur blind in meine Bündel.“ Da machte sich der Halbe wiederum auf den langen, beschwerlichen Heimweg. Und als er zu Hause das Schicksalsbündel öffnete, siehe, da fand er wiederum nur einen halben Menschen darin. Da knotete er das Schicksalsbündel wieder zusammen, und wanderte wiederum zum Schicksalspalast und klagte voller Verzweiflung: „Oh Herr, in diesem Bündel ist wiederum nur ein halber Mensch!“ Da legte der Gott des Schicksals das Bündel zur Seite, nahm von ganz hinten ein neues Bündel und gab es dem Halben und sprach: „Nimm hin, aber wisse, ich greife immer blind in meine Bündel.“ Da machte sich der Halbe wiederum auf den langen, langen beschwerlichen Heimweg. Und als zu Hause das Bündel öffnete, siehe, da fand er zu dritten Mal einen halben Menschen darin. Da ergab er sich in sein Schicksal, und von da an war es ihm nur noch halb so schwer.

Märchen von der Insel Ceylon
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