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Wir waren seit langem unterwegs.Die Sonne brannte,die Luft kochte.Meine Frau Aischa sagte ihre Kehle sei trocken.Ihre Mutter klagte nicht und meine Mutter schwieg,.Mich quälte großer Durst, und ich konnte mir vorstellen, was die drei Frauen empfanden.
Allle vier waren wir schon zu lange unterwegs,Aischa und ihre Mutter, meine Mutter und ich.
Endlich kamen wir zu einem Brunnen.Ich gab meiner Mutter die Hand, und sie stieg in die Tiefe um Wasser zu schöpfen.Von Aischas Hand gehalten, hing ich über dem Abgrund,
und sie klammerte sich am Arm ihrer Mutter fest.Einer nach dem anderen haben wir das Wasser getrunken, das meine Mutter heraufbrachte.Sie wollte noch tiefer steigen, ich hielt sie fest an der Hand und hing dabei mit meinem ganzen Körper über dem Abgrund.Meine Hand wurde von Aischa gehalten, die ihrerseits den Arm ihrer Mutter umklammerte.
So bildeten wir eine Menschenkette,die aus vier Gliedern bestand.
Die unten waren denen oben auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.Wehe mir, wehe meiner Mutter, wenn Aischa, wenn ihre Mutter eine Schwäche befiele! Und jetzt, was jetzt soll ich tun?
Lass'die Hand der Alten los, Harun,hörst du? Wenn nicht, laß ich dich los! Das hat Aischa eben zu mir gesagt.
Meine Mutter ist weit unten im Brunnen, wenn ich sie loslasse, stürzt sie in die Tiefe und stirbt, wenn ich sie festhalte, läßt Aischa meine Hand los, und ich stürze mit meiner Mutter zu Tode.
Haß klang in Aischas Stimme, ob sie einen anderen liebt?
Mein Arm schmerzt, es ist dunkel im Brunnenschacht, mein Arm schmerzt stärker und stärker.
Harun, zum letzten Mal, lass'die Hand deiner Mutter los,schreit Aischa.
Was soll ich tun?
O du, der du mir in diesem Augenblick zuhörst, gib mir einen Rat, was würdest du an meiner Stelle tun?
Antworte mir schnell, ich spüre meinen Arm nicht mehr, Aischa hat meine Hand losgelassen.

Aus Orientalistik v.H.Marzi Frankfurt/M.
Märchenschätze.
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