Es war einmal ein Fischer Namens Mehemed. Dieser lebte davon, dass er Fische fing und sie verkaufte. Eines Tages warf ihn eine Krankheit ins Bett und da er nicht hoffte, gesund zu werden, so befahl er seiner Frau, dass sie nach seinem Tode seinem Sohne nicht sage, dass er vom Fischfang lebte. Damit starb er, nachdem seine Zeit abgelaufen war. Sein Sohn wollte dann irgend eine Beschäftigung ergreifen, allein was er auch begonnen, nichts wollte ihm gelingen. Bald darauf lief auch die Lebenszeit seiner Mutter ab und sie starb ebenfalls. Voll Sorge verbrachte der Sohn die Nacht und da er Tags darauf gar nichts zu essen hatte, so stöberte er im Gerumpel des Hauses herum, um etwas zu finden, was er verkaufen könnte.
Während des Suchens stiess er auf das Fischernetz seines Vaters. Als der Jüngling das erblickte, so wusste er, dass sein Vater ein Fischer war, nahm das Netz und ging damit zum Meeresufer. Er fing ein- zwei Fische, den einen verkaufte er, für's Geld kaufte er Brot und Kohle und ging damit nach Hause. Mit der Kohle kochte er den andern Fisch, verzehrte ihn und da dem Jüngling diese Beschäftigung zusagte, so ging er jeden Tag fischen und lebte davon.
Wie es geschah, wie es nicht geschah, da geschah es eines Tages, dass sich ein sehr schöner Fisch in seinem Netze verfing, so dass es ihm leid tat, ihn zu verkaufen, oder zu verzehren. Er trug ihn nach Hause, grub einen Brunnen und warf den Fisch hinein. Da er in jener Nacht bis in der Früh hungerte, so ging er zeitlich seiner Beschäftigung nach. Als er abends nach Hause kam, was sah er da? Das Innere des Hauses war fein gesäubert und rein gefegt. Da der Jüngling in der Meinung war, dass dies die Nachbarn für ihn besorgten, so betete er für sie. Als er am andern Morgen aufstand, entzückte er sich an dem Anblick des Fisches und geht dann wieder fort; als er später wieder zurückkommt, findet er alles bis zur Gassentüre verändert, geht in seine Wohnung und nachdem er sich mit dem Fische unterhalten, legt er sich nieder.
Als es Morgen wurde, ging er ins Kaffeehaus und indem er darüber nachdachte, wer der sein mag, der ihm jeden Tag sein Haus in Ordnung bringe, fragte ihn einer seiner Genossen, worüber er nachdenke. Der Jüngling erzählte ihm die Sache. Da fragte ihn sein Genosse, bei wem der Hausschlüssel sei und wer zu Hause geblieben. Der Jüngling sagt ihm, dass er den Schlüssel bei sich habe und dass zu Hause ausser dem Fische kein lebendes Wesen sei. Der Freund fragte ihn, was für ein Fisch das sei. Der Jüngling erzählte ihm die Geschichte. Darauf gab ihm sein Genosse die Unterweisung, er möge zu Hause bleiben und lauern, um zu erfahren, was das für ein Fisch sei.
Der Jüngling geht nach Hause und am andern Tage öffnet er zum Schein die Türe, macht sie wieder zu und versteckt sich auf einem Platze. Auf einmal sieht er, wie der Fisch aus dem Wasserbecken kommt, sich schüttelt und in eine schöne Jungfrau verwandelt. Als der Jüngling dies sah, da packt er schnell die Haut des Fisches und warf sie ins Feuer. Das Mädchen sagte hierauf zum Jüngling: »Das hättest du wahrlich nicht tun müssen, allein, da es nun einmal geschehen, so tut es nichts.« Der Jüngling freite dann um das Mädchen, das Mädchen willigte ein und am andern Tag treffen sie die Vorbereitungen zur Hochzeit. Alle die das Mädchen anschauen kommen, werden von ihrer Schönheit verblüfft und lassen es überall verlauten, dass sie eines Padischahs würdig wäre. Die Nachricht kommt dem Padischah zu Ohren, der sie zu sehen wünschte und man führte sie auch hin in seinen Palast. Der Padischah wollte das Mädchen dem Jüngling nicht entreissen, damit man nicht sage, der Padischah habe einem andern die Frau weggenommen. Er suchte daher irgend einen Vorwand, sie ihm wegzunehmen.
Er lässt daher den Jüngling rufen und spricht zu ihm: »Wenn du mir binnen vierzig Tagen in der Mitte des Meeres einen Palast aus Gold und Diamanten baust, nehme ich dir das Mädchen nicht weg; wenn du ihn aber nicht verfertigst, so wird sie dir weggenommen.« Der Jüngling geht nach Hause, sinnt nach und weint. »Warum weinst du?« fragte ihn das Mädchen. Der Jüngling erzählte ihr den Sachverhalt; das Mädchen aber sprach zu ihm: »Weine nicht, wir werden es schon zustande bringen, geh' dorthin, wo du mich herausgefischt und wirf dort einen Stein hinein, worauf ein Araber mit dem Worte: ›Befehlen?‹ erscheinen wird; sage ihm, dass ihn das Fräulein grüssen lässt und um das Bade-Bündel bittet; er wird es dir geben, übernimm es und wirf es dort in's Meer hinein, wo der Padischah sich den Palast wünscht und komm dann zurück.« Der Jüngling tat auch also, übernahm vom Araber das Bündel, warf es in's Meer und ging dann zurück. Als sie morgens aufstanden, da sahen sie, dass an der Stelle, wo er das Bündel in's Meer geworfen, ein Palast erstand, der noch schöner war, als wie ihn der Padischah sich wünschte. Darüber freuen sie sich sehr und liessen es den Padischah wissen, der ebenfalls sah, dass der Palast wirklich dort war.
Darauf wünscht der Padischah eine aus Kristall verfertigte lange Brücke. Der Jüngling geht nach Hause und bricht wieder in Weinen aus. »Warum weinst du?« fragte ihn das Mädchen. Der Jüngling erzählte ihr sein Leid, worauf das Mädchen ihn abermals zum Araber gehen heisst um von ihm den Polster zu verlangen; wenn er ihn bekommen, so soll er ihn vor den Palast hinwerfen. Der Jüngling tat also, er erhielt vom Araber den Polster, den er dann vor den Palast hinwarf. Wie er dann weiter geht und sich einmal umschaut, da sieht er, dass sich vor dem Palast eine lange Kristallbrücke befindet. Der Jüngling eilt schnurstracks zum Padischah und zeigte ihm die fertige Brücke.
Darauf verlangt der Padischah von ihm, dass er vierzig Tage hindurch eine solche Speise koche, von der alle Menschen der Welt sollen essen können und auch dann noch viel übrig bleibe. Der Jüngling ging nach Hause und als er so nachdachte, fragte ihn das Mädchen wieder nach seinem Leid. Sie sagte ihm: »Geh zum Araber und verlange von ihm die Kaffeemühle, dass du sie aber ja nicht auf dem Wege drehest.« Der Jüngling übernahm von Araber die Kaffeemühle und wie er mit ihr so auf dem Wege einherschritt, da – ohne zu wissen wie es geschah – drehte er sie zufällig etwas. Er sieht, dass ungefähr sieben bis acht Teller Speisen daraus herausfallen. Er hebt sie auf und trägt sie nach Hause. Tags darauf verständigten sie den Padischah, der im ganzen Lande verkünden liess, dass jeder in's Haus des Fischerjungen komme. So geschah es auch. Jeder fand sich im Hause des Jünglings ein, man ass sich satt und ging weg; wer nur auf der Welt war, ging nach und nach hin, ass sich satt und dennoch blieb viel von der Speise übrig.
Nun verlangte der Padischah, dass aus einem Ei ein Maultier herauskomme. Der Jüngling geht und erzählt das dem Mädchen. Das Mädchen sagt, dass er vom Araber drei Eier hole, die er aber ungebrochen nach Hause bringen soll. Der Jüngling ging wieder hin, holte die Eier, liess aber auf dem Wege eines zur Erde fallen. Da sprang aus dem Ei ein grosses Maultier heraus, das hin und her rannte, bis es sich endlich in's Meer stürzte. Der Jüngling ging mit den andern zwei Eiern nach Hause. »Wo ist das dritte?« fragt das Mädchen. »Zerbrochen,« antwortete der Jüngling. »Das hättest du nicht tun sollen,« sprach das Mädchen, »allein macht nichts, da es nun einmal geschehen« Der Jüngling nahm die Eier und trug sie zum Padischah und sagte, dass er indessen auf die Wandbank steigen will. Der Padischah erlaubte ihm dies und nachdem er sich auf die Bank gesetzt, nahm er das Ei und schlug es auf. Da sprang ein Maultier heraus und wie sich dieses auf den Padischah stürzte, erschrak der Padischah und wollte flüchten. Der Jüngling rettete den Padischah aus der Gefahr, worauf sich das Maultier ins Meer stürzte.
Nun wünschte der Padischah ein solch neugeborenes Kind, das schon gehen und sprechen könne. Der Jüngling erzählt auch dies dem Mädchen, worauf dieses sprach: »Geh' zum Araber, und sage ihm, dass ihn das Fräulein grüssen lässt und wenn dessen Schwester schon entbunden ist, so will sie das Kind sehen.« Der Jüngling ging zum Araber und überbringt ihm die Botschaft. Der Araber antwortete ihm: »Sie ist noch nicht entbunden, doch wart' ein wenig, gleich wird sie es gebären, dann bringe ich es.« Fassen wir die Sache kurz. Der Araber bringt das neugeborene Kind und wie dieses den Fischerjungen erblickt, rennt es auf ihn zu und sagt zu ihm: »Schwagerchen, wir gehen zur Tante, nicht wahr?« Der Jüngling nimmt das Kind und trägt es nach Hause; zu Hause springt das Kind, kaum dass es das Mädchen erblickt zu ihm hin und mit dem Worte: »Tantchen« umarmt es sie. Dann nimmt der Jüngling das Kind und geht mit ihm zum Padischah.
Wie das Kind vor den Padischah kommt, trat es auf ihn zu, schlug ihm ins Gesicht und sprach zu ihm: »Wie ist es möglich, dass in vierzig Tagen ein goldener und diamantener Palast, eine Brücke aus Kristall erstehe?, dass ein Mensch allein alle Leute der Welt satt speise?, dass aus einem Ei ein Maultier herauskomme?« und schlägt dabei in einem fort den Padischah, Da rief der Padischah dem Jüngling zu, er solle sich das Mädchen halten, nur möge er ihn von diesem Kinde befreien. Der Jüngling nimmt das Kind und trägt es nach Hause; mit dem Mädchen aber verheiratete er sich und vierzig Tage und vierzig Nächte dauerte ihre Hochzeit. – Vom Himmel fielen drei Äpfel herab. Der eine gehört mir, der andere dem Hüsni, der dritte dem Märchenerzähler. – Und welcher gehört mir? – Einer von den dreien.



[Asien: Türkei. Märchen der Welt]
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