In uralter Zeit, als das Sieb im Stroh lag, war alles Lüge, wenn es war und wenn es auch nicht war, alles war im Überfluss, wir assen und tranken den ganzen Tag, schliefen aber hungrig ein: in solcher Zeit, sag ich, lebte einmal ein Padischah. Freudlos flössen seine Tage dahin, denn er hatte keinen Sohn.
Kummervoll machte er sich mit seinem Lala (Hofmeister) auf den Weg und wie sie nun wandern, Kaffee trinken, Tabak rauchen, – gelangen sie in ein grosses Tal. Sie setzten sich nieder, um zu rasten und wie sie rechts und links blicken, erschallt plötzlich das Tal, Peitschengeknall ertönt und ein grünbekleideter, gelbbeschuhter, weissbärtiger Derwisch erscheint vor ihnen. Der Padischah und sein Führer bewegten vor Furcht kein Glied, aber als der Derwisch sich ihnen nähert und SELÂMIN ALEJKÜM grüsst, fassen sie Mut und grüssen zurück: VE-ALEJKÜM SELÂM.
»Wohin des Weges Padischah?« fragte der Derwisch.
»Wenn du es erraten konntest, dass ich der Padischah bin, so wirst du auch den Grund meines Kummers mir sagen können,« versetzte der Padischah. Der Derwisch nahm einen Apfel aus seinem Busen hervor, reichte ihn dem Padischah und sprach: »Die Hälfte gib der Sultanin, die andere Hälfte verzehre du selbst.« Hiemit verschwand er.
Der Padischah ging heim, gab den halben Apfel seiner Gattin, die andere Hälfte verzehrte er selbst und – nach neun Monaten und zehn Tagen ist ein Schehzade (Prinz) im Harem. Der Padischah wusste gar nicht, was er vor Freude beginnen solle; er liess den Armen Geld austeilen, schenkte Sklaven die Freiheit und gab ein Festessen nach dem anderen.
Damit wir die Sache nicht gar zu weit dehnen, – erzählt man Märchen, so vergeht die Zeit rasch – das Kind wuchs heran und erreichte sein vierzehntes Lebensjahr. Eines Tages sprach es zu seinem Vater also: »Padischah, mein Vater, lass mir einen kleinen Marmorpalast erbauen, aber einen solchen, dass er zwei Quellen habe; aus der einen fliesse Fett, aus der anderen Honig.« Der Padischah liebte sein einziges Kind gar sehr, liess ihm also gleich einen Palast erbauen mit zwei Quellen, so wie es sich der Sohn gewünscht hatte. In seinem Palaste sass nun der Prinz und sah den beiden Quellen zu, wie ihnen Fett und Honig entströmte, als eine alte Frau erschien mit einem Krug in der Hand um denselben aus den Quellen zu füllen. Der Prinz nahm einen Stein und zerschlug damit den Krug der alten Frau. Die Alte sprach kein Wort und entfernte sich. Am nächsten Tage kam sie wieder und wie sie eben ihren Krug aus den Quellen anfüllen wollte, warf der Prinz nach dem Kruge und zertrümmerte ihn. Ohne ein Wort zu sprechen, entfernte sich die Alte. Am dritten Tage kam sie wieder und zum dritten Mal ward ihr Krug zertrümmert. »O Jüngling,« sprach nun die Alte, »ich erflehe von Allah, dass du dich in die drei Orangen-Peris verlieben sollst.« Hiermit entfernte sie sich.
Von diesem Augenblicke an begann der Prinz, als ob ein Feuer ihn verzehrte, zu welken und zu kränkeln und als dies der Padischah bemerkte, liess er einen Arzt, einen Hodscha rufen, aber niemand konnte das Übel beheben.
»O Schah« sprach eines Tages der Prinz zu seinem Vater: »Mein Väterchen, nimmer werden diese Leute mich heilen; vergeblich ist ihre Mühe. Ich liebe die drei Orangen-Feen und habe so lange keine Ruhe, bis ich sie nicht finde.« – »O mein Kind,« jammerte der Padischah, »du bist mein Einziger auf der Welt; wenn auch du von mir gehst, woran soll ich dann noch Freude haben!« Der Prinz welkte dahin und der Padischah sah ein, dass es besser sei, ihn weggehn zu lassen, damit er den Balsam für sein Herz, die drei Feen finde Vielleicht kehrt er einmal zurück.
Leicht, aber mit kostbaren Schätzen beladen, machte sich eines Tages der Prinz auf den Weg; bald rastend, bald wandernd, gelangt er über Berg und Tal vorwärts. Auf endloser Ebene stand plötzlich die turmhohe Dew-mutter vor ihm. Mit einem Fusse stand sie auf einem Berge, mit dem anderen auf einem anderen; sie kaute Harz, sodass man es eine halbe Stunde weit hörte; Sturm erzeugte ihr Atmen; ihre Arme waren neun Ellen lang.
Mit einem »Guten Tag, Mütterchen!« grüsste sie der Junge, eilte zu ihr hin und umschlang mit seinen Armen ihren Leib. »Hättest du mich nicht ›Mütterchen‹ genannt,« sprach das Weib, »so hätte ich dich sogleich verschlungen«. Sie fragte dann den Jungen, woher er komme und wohin er gehe.
»O liebes Mütterchen,« seufzte der Knabe, »solch Unglück ist über mich hereingebrochen, dass es besser ist, wenn du nicht darnach fragst und ich es dir nicht sage.«
»Sag' es mir nur,« forschte die Mutter der Teufel.
»O liebes Mütterchen,« seufzte nochmals der Junge, »ich habe mich in die drei Orangen-feen verliebt; o wenn du mich hin zu ihnen weisen könntest!«
»Still!« schrie die Frau, »dies Wort auszusprechen ist verboten! Ich und meine Söhne bewahren sie zwar, aber wir selber wissen nicht, wo sie hausen. Ich habe vierzig Söhne, die durchwandern die Erde, vielleicht wissen sie es.«
Als es Abend wurde, nahm die Frau, bevor noch ihre Dew-söhne heimkehrten, den Prinzen bei der Hand und versetzte ihm einen Schlag, wodurch derselbe in einen Wasserkrug verwandelt wurde.
Dies geschah gerade zur rechten Zeit, denn plötzlich erschienen die vierzig Dew-burschen und riefen: »Menschengeruch riechen wir, Mütterchen!« – »Aber, aber,« besänftigte die Mutter ihre Söhne, »was sollte hier bei euch ein Menschenkind suchen! putzt euch lieber die Zähne!«
Jeder nahm nun ein Holzscheit zur Hand und wie sie sich also die Zähne stochern, fiel dem einen ein Bein, dem anderen ein Kopf, dem dritten ein Arm u.s.w. aus dem Munde heraus. Dann setzten sie sich nieder und assen Während des Speisens forscht die Mutter: »Wenn ihr einen Menschenbruder haben würdet, was tätet ihr?« – »Was wir täten,« – antworten sie, »wir würden ihn als unseren Bruder lieben.«
Da schlug die Frau auf den Krug und der Prinz erschien. »Hier ist euer Bruder,« sprach sie zu ihren vierzig Söhnen. Die Dews begrüssten ihn nun voller Freude, nannten ihn ihren Bruder, hiessen ihn Platz nehmen und fragten ihre Mutter, warum sie ihnen dies nicht früher mitgeteilt hätte, damit sie mit ihrem Bruder zusammen hätten speisen können. »O meine Söhne,« sprach die Frau, »er isst nicht solche Speisen wie ihr; Hühner, Schaffleisch und dergleichen essen die Menschenkinder.« Sogleich erhob sich der eine, entfernte sich und kehrte bald mit einem Schafe zurück, das er vor den Jüngling hinstellte.
»O du Kind,« sprach die Frau, »das muss man ja vorerst braten!« Die Teufel zogen also dem Schafe das Fell ab, machten Feuer, brieten das Fleisch und setzten es dem Prinzen vor. Er ass ein Stück davon und als er satt war, schob er den Rest beiseite. Die Teufelssöhne nötigten ihn weiter zu essen, die Frau aber sagte ihnen, dass die Menschenkinder nur so viel ässen. »Lasst sehen,« sprach einer der vierzig Brüder, »wie schmeckt dies Schaffleisch?« Er griff nun zu und in zwei, drei Bissen verzehrte er das ganze Schaf.
Am nächsten Morgen sprach die Frau zu ihren Söhnen: »Euer Bruder hat einen grossen Kummer!« – »Warum denn?« fragten sie, »vielleicht können wir ihm helfen!« – »Er hat sich in die drei Orangen-Feen verliebt,« versetzte die Teufelsmutter »Wir,« meinten die Teufelssöhne, »wissen nicht den Wohnort der drei Orangen-Feen, wir gehen nie in ihrer Gegend herum, aber vielleicht weiss es unsere Tante« – »Führt also den Jüngling hin zu ihr,« sprach die Frau, »sagt ihr, dass ich sie grüssen lasse und dass dies mein Sohn sei, den sie ebenfalls wie ihren Sohn aufnehme und ihm helfen solle.« Die Dews führten also den Prinzen zu ihrer Tante und teilten ihr ihre Absicht mit.
Sechzig Söhne hatte diese ältere Teufelsfrau und da sie die Wohnung der Orangen-Feen nicht wusste, so wartete sie auf die Rückkunft ihrer Söhne. Damit diese aber ihrem neuen Sohne kein Leid zufügen können, versetzte sie ihm einen Schlag, wodurch er ein Gefäss wurde. »Menschengeruch riechen wir,« schrien alle Teufel, als sie in die Stube hereinstürmten. – »Vielleicht habt ihr Menschenfleisch gegessen und davon ist euch etwas zwischen den Zähnen stecken geblieben,« sprach zu ihnen die Frau. Jeder nahm ein Holzscheit in die Hand und wie sie ihre Zähne stochern, fiel aus denselben irgend ein Fleisch, das sie rasch verschlangen. Da schlug die Frau auf das Gefäss und als nun die sechzig Dews ihren kleinen Menschenbruder erblickten, begrüssten sie ihn herzlich, boten ihm einen Platz an und brachten ihm etwas zu essen. »Söhne,« sprach am nächsten Morgen die Mutter der Teufel, »dies Kind hat sich in die drei Orangen-Feen verliebt, könnt ihr es nicht hinführen?« »Wahrlich das können wir nicht,« versetzten die Dews, »vielleicht weiss den Weg dahin unsere ältere Tante.« – »Führt ihn also hin,« sprach die Frau, »ich lasse sie grüssen; dies ist mein Sohn und er sei auch der ihre; sie möge ihm helfen.« Die Teufel führten also den Jüngling zu ihrer Tante und erzählten ihr die Sache. »O meine Kinder,« meinte die alte Frau, »das weiss ich nicht, wenn aber abends meine achtzig Söhne heimkehren, so werde ich sie darnach fragen.«
Die sechzig Dews gingen fort, liessen den Prinzen zurück und als der Abend heranbrach, versetzte die Teufelsfrau dem Jüngling einen Schlag, wodurch er in einen Besen verwandelt wurde, den sie hinter die Türe stellte Bald kamen die achtzig Dews heim, rochen auch den Menschengeruch und stocherten sich Menschenfleisch zwischen den Zähnen heraus. Während des Essens fragte sie auch die Frau, was sie täten, wenn sie einen Menschenbruder besitzen würden und als auch sie den Eid schworen, ihm kein Leid zuzufügen, ihn nicht einmal mit dem Finger anzurühren, da schlug die Frau auf den Besen und der Prinz erschien.
Herzlich empfingen ihn die Teufelbrüder, erkundigten sich nach seinem Befinden, geben ihm Speisen und pflegen und hegen ihn. Da fragte sie die Frau, ob sie nicht wüssten, wo sich die drei Orangen-Feen befinden, denn ihr neuer Bruder hätte sich in dieselben verliebt. Voll Freude sprang der jüngste Dew-sohn hervor und sagte, dass er es wisse. »Wenn du es also weisst,« meinte die Mutter, »führe diesen Jüngling hin, damit er seinen Wunsch erreiche.«
Am nächsten Morgen also führte der Teufelssohn den Prinzen mit sich fort. Als sie weiter gingen, sprach der kleine Dew: »Bruder, bald gelangen wir in einen grossen Garten, in dessen Wasserbecken sich die drei Orangen befinden«. Wenn ich dann sage: »schliesse die Augen, öffne die Augen, so greife das, was du erblickst.«
Sie gingen nun ein Stück Weges noch, gelangten in den Garten und als der Dew das Wasserbecken erblickte, rief er dem Jüngling zu: »Schliesse die Augen, öffne die Augen!« Der Prinz erblickte die drei Orangen auf dem Wasserspiegel, ergriff die eine und steckte sie in seine Tasche Abermals schrie der Dew: »Schliesse die Augen, öffne die Augen!« Der Prinz schloss und öffnete die Augen, erhaschte die zweite Orange und auf gleiche Weise auch die dritte. Nun sprach zu ihm der Dew: »Sieh zu, dass du die Orangen nicht an einem solchen Platze öffnest, wo kein Wasser sich befindet, denn du könntest es bereuen!« Der Prinz versprach, seinen Rat zu befolgen und nun trennten sie sich; der eine ging rechts, der andere nach links.
Als der Prinz über Berg und Tal dahinzog, fielen ihm einmal die Orangen ein und er nahm eine hervor, damit er sie öffne. Kaum schnitt er in die Orange hinein, da sprang aus dieselben eine so schöne Maid hervor, gleich dem Monde am vierzehnten. »Um Gottes Willen, gebt mir Wasser!« rief die Maid und als sie nicht sogleich Wasser bekam, verschwand sie von der Erde. Der Prinz bedauerte es sehr, aber es war nun geschehen.
Er zog weiter und da fielen ihm die Orangen wieder ein. Er nahm die zweite hervor und als er sie aufschnitt, so sprang aus ihr eine noch schönere Maid, als die erste gewesen, hervor, rief nach Wasser und als sie solches vom Prinzen nicht erhielt, verschwand auch sie.
»Na, die dritte werde ich besser behüten,« dachte der Prinz bei sich und zog weiter seines Weges. Er gelangte einmal zu einer Quelle, trank daraus und dachte bei sich, dass er hier die dritte Orange öffnen solle. Er nahm sie also hervor, öffnete sie und da entsprang derselben eine viel schönere Maid, als die beiden anderen es gewesen. Als sie nun nach Wasser schrie, führte er sie zur Quelle hin, gab ihr zu trinken und die Maid verschwand nicht; sie blieb am Leben. Die Maid war ganz nackt und da er sie so nicht in die Stadt führen konnte, sagte er ihr, sie solle auf den neben der Quelle befindlichen Baum hinaufsteigen, während er in die Stadt gehe. Als sich der Prinz entfernt hatte, kam eine schwarze Sklavin zur Quelle und als sie Wasser schöpfte, erblickte sie das Bild der Maid in demselben. »Ei, du Maid,« sprach sie zu sich, »du bist ja schöner als meine Herrin; wahrlich ich trage ihr kein Wasser; sie soll mir solches holen!« Hierauf zerbrach sie ihren Krug, ging heim und als ihre Herrin sie fragte, wo der Wasserkrug sei, antwortete die Negerin: »Ich bin schöner als du; von nun an hole du mir Wasser!« Die Herrin nahm einen Spiegel hervor und hielt ihn ihr hin, indem sie sprach: »Bist du von Sinnen; sieh dich hier im Spiegel an!« Die Negerin blickte in den Spiegel hinein und sah nun, dass sie wahrlich schwarz war. Ohne ein Wort mehr zu sagen, nahm sie einen Krug in die Hand, ging abermals zur Quelle hin und als sie wieder das Bild der Maid im Wasser erblickte, glaubte sie, dass sie es selber sei.
»Ich bin doch schöner als meine Frau«, rief sie abermals aus, zerbrach den Krug und ging nach Hause. Abermals fragte sie ihre Herrin, warum sie kein Wasser gebracht habe. »Ich bin schöner als du; bring du mir Wasser,« lautete ihre Antwort. »Du bist wahnsinnig geworden, Magd,« versetzte die Herrin, holte abermals den Spiegel hervor und als sich die Negerin darin erblickte, nahm sie wieder einen Krug zur Hand und ging zur Quelle hin. Das Bild der Maid erschien wieder im Wasser und als sie nun zum dritten Mal ihren Krug zerschellen wollte, rief ihr die Maid vom Baume herab: »Zerbrich deinen Krug nicht; du erblickst ja mein Antlitz im Wasser und glaubst das deine zusehen!« Die Negerin blickte empor und als sie die feenhaft schöne Maid sah, stieg sie zu ihr auf den Baum hinauf und schmeichelte ihr also: »O du goldiges Mägdlein, du bist ja ganz erschöpft vom Sitzen, komm'; damit ich dir im Haare kraue.« Sie legte nun das Haupt der Maid in ihren Schoss, kraute in den Haaren herum, nam eine Nadel hervor, stach in den Schädel der Maid hinein und – die Maid verwandelte sich in einen Vogel, husch! flog er davon und die Negerin blieb auf dem Baume allein zurück.
Nun kam der Prinz auf prächtigem Wagen in goldenen Kleidern heran, blickte auf den Baum hinauf und als er das schwarze Antlitz sah, fragte er die Maid, was ihr geschehen sei. »Du liessest mich hier zurück und gingst von dannen,« sprach die Negerin, »die Sonne hat mich so sehr geschwärzt.« Was sollte nun der arme Prinz beginnen; er hob sie in den Wagen hinauf und führte sie in das Haus seines Vaters. Die Palastleute harrten voll Neugierde auf die Feenbraut des Prinzen und als sie nun das Negermädchen erblickten, fragten sie den Prinzen: »Was hast du denn an diesem Negermädchen Liebenswürdiges finden können?« – »Sie ist keine Negerin,« versetzte der Prinz, »ich liess sie auf einem Baumwipfel zurück, dort ward sie von der Sonne so schwarz; wenn sie sich ausrastet, wird sie bald wieder weiss.« Er führte sie nun in sein Gemach und wartete, dass sie weiss werde.
Neben dem Palaste des Prinzen befand sich ein grosser Garten; auf einen Baum desselben flog der Orangenvogel hin und rief den Gärtner herbei.
»Was willst du von mir?« fragte der Gärtner. »Was macht der Prinz?« forschte der Vogel. »Er ist gesund,« versetzte der Gärtner. »Wie befindet sich seine schwarze Frau?« fragte der Vogel. »Nun, sie ist ja gesund und hockt in ihrem Gemache,« lautete des Gärtners Antwort.

»Sie soll nimmer sitzen können
Am Sitzfleisch sollen ihr Dornen wachsen
Und dann dieser Baum verdorren!«

Diese Worte sprach das Vöglein und flog von dannen. Am nächsten Tage kam es wieder hin, fragte nach dem Prinzen und dessen Frau und sprach abermals seinen gestrigen Wunsch aus. Am dritten Tage tat es desgleichen und jeder Baum, auf den es sich hinsetzte, verdorrte unter ihm.
Eines Tages langweilte sich der Prinz bei seiner Schwarzen und ging in den Garten, um dort zu spazieren. Er erblickte die vielen verdorrten Bäume, rief den Gärtner herbei und sprach zu ihm: »Aber Gärtner, warum pflegst du diese Bäume nicht; siehst du denn nicht, dass sie alle verdorren?« Hierauf erzählte ihm der Gärtner, dass er sie vergeblich pflege, denn seit einigen Tagen lässt sich ein Vogel auf die Bäume nieder, erkundige sich nach dem Befinden des Prinzen und seiner schwarzen Frau, wünsche dann, dass sie nimmer sitzen könne, dass ihr Dornen am Sitzfleisch wachsen mögen und der Baum, wo es sitze, vertrocknen möge. Der Prinz befahl nun dem Gärtner, dass er die Bäume mit Vogelleim einschmiere und wenn dann der Vogel festklebe, denselben abfange und ihm bringe. Der Gärtner also strich die Bäume ein und als sich am nächsten Tage der Vogel niederliess, blieb er am Baume kleben. Er nahm nun den Vogel und trug ihn zum Prinzen, der ihn in einen Käfig sperrte. Sobald die schwarze Frau den Vogel sah, erkannte sie in ihm die Gestalt der schönen Maid. Gleich stellte sie sich todkrank, liess den Oberarzt holen und durch vieles Geld bewog sie ihn, dass er dem Prinzen mitteile: seine Gattin würde nur so gesund werden, wenn man einen solchen und solchen Vogel ihr zu essen gebe.
Als nun der Prinz sah, dass seine Gattin schwer krank sei, liess er den Arzt rufen und fragte ihn, wodurch man seiner Frau die Gesundheit wiederschenken könne. Der Arzt teilte ihm mit, dass er sie wohl heilen könne, wenn er ihr einen solchen und solchen Vogel zu essen geben würde. »Gerade neulich fing ich einen solchen«, sagte der Prinz, liess den Vogel abfangen, ihn schlachten und seiner Gattin geben. Aber aus dem glänzenden Gefieder des Vogels fiel zufälligerweise eine Feder zu Boden, zwischen zwei Fussbodendielen, wo sie niemand bemerkte.
Zeit kam, Zeit verging, der Prinz wartete noch immer, dass seine Gattin weiss werde. Da war im Palaste eine alte Frau, welche die Harem-bewohnerinnen lesen und schreiben lehrte. Eines Tages, als sie die Stiegen herabschreiten wollte, erblickte sie einen glänzenden Gegenstand; sie hob ihn auf; es war die Feder des Vogels, voll Glanz, gleich einem Diamanten. Sie trug die Feder heim und steckte sie in eine Spalte des Gesimses. Am anderen Tage ging sie wieder in den Palast und während sie dort verweilte, flog die Feder herab vom Gesims, schüttelte und rüttelte sich und siehe da! es ward aus ihr die wunderschöne Maid. Sie fegte die Stube aus, kochte das Essen und nachdem sie alles in Ordnung gebracht, verwandelte sie sich wieder in eine Feder und schwebte auf das Gesims zurück Die alte Lehrerin kehrte heim und erstaunte über das Geschehene. Sie dachte nach, wer wohl dies alles zustande gebracht habe, durchstöberte ihre Wohnung, fand jedoch den Grund davon nicht.
Am nächsten Morgen ging sie wieder in den Palast, die Feder stieg wieder herab und brachte wieder alles in Ordnung. Nun, das musste sie auf welche Art immer erfahren, dachte sie bei sich und am nächsten Morgen stellte sie sich, als ob sie wegginge, sperrt die Türe ab und versteckt sich. Da sah sie nun eine Maid in ihrem Zimmer, die alles reinigte, dann kochte. Als die Maid mit allem fertig war, lief die Alte herbei, ergriff und fragte sie, woher sie denn herkomme. Die Maid erzählte ihr nun das Ereignis, dass ihr die schwarze Frau schon zweimal das Leben geraubt habe und auf welche Weise sie hierher in Federgestalt gelangt sei.
»Bekümmere dich nicht, meine Tochter,« tröstete sie die Frau, »ich werde schon heute deine Sache in Ordnung bringen!« Schnurstracks ging sie zum Prinzen hin und lud ihn auf den Abend zu sich. Der Prinz langweilte sich ohnehin bei seiner schwarzen Gattin, daher kam ihm die Einladung gerade recht und er ging abends in die Wohnung der alten Frau.
Nach dem Nachtmahl brachte man schwarzen Kaffee und als die Maid die Schalen hinstellte, blickte sie der Prinz an und er fiel beinahe in Ohnmacht. »Mutterchen,« fragte er, als er sich erholt hatte, »wer ist jene Maid?« – »Meine Dienerin« versetzte die alte Frau. – »Woher hast du sie?« fragte der Prinz, »würdest du mir sie nicht verkaufen?« – »Wie sollte ich sie dir verkaufen,« meinte die alte Frau, »wenn sie ja ohnehin dir gehört!« Sie fasste nun die Maid an der Hand und führte sie zum Prinzen, indem sie ihm auftrug, von nun an seine Orangen-fee besser zu behüten.
Nun erst war der Prinz einer Ohnmacht nahe. Er führte die Maid in seinen Palast, liess die schwarze Magd hinrichten und feierte seine Hochzeit mit der Fee vierzig Tage und vierzig Nächte lang. Sie haben ihr Ziel erreicht und wir können uns auch einmal auf unserem Diwan ausstrecken.


[Asien: Türkei. Märchen der Welt ]
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