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Der junge Neangir hatte die Jahre, worin man sich selbst zu erkennen anfängt, in einem Dorfe ungefehr zwanzig Meilen von Konstantinopel hingebracht. Ein alter Musulmann namens Muhammed, der mit seiner Gattin Zinebi von einem kleinen Gütchen lebte, hatte sich seiner während dieser Zeit angenommen, und Neangir wurde für seinen Sohn gehalten. Er hatte nun sein achtzehntes Jahr erreicht, und seine Gestalt sowohl als seine Sinnesart versprach weit mehr, als man von dem Stande, worin er aufgenommen war, erwarten konnte.

Eines Tages nahmen ihn Muhammed und Zinebi beiseite, umarmten ihn mit Zärtlichkeit und kündigten ihm an, sie hätten sich entschlossen, ihn nach Konstantinopel zu schicken, damit er sein Glück in der Welt versuchen könnte. «Du würdest zu nichts kommen, mein lieber Sohn», sagte ihm der alte Muhammed, «wenn du länger bei uns bliebest: wir haben dich so weit gebracht, daß du dir nun selbst forthelfen kannst; du weißt deinen Koran so gut als auswendig, und es kann dir nicht fehlen, entweder bei der Armee oder im Zivildienst unterzukommen. Laß uns wissen, wie es dir geht: wir wollen dich nicht im Stiche lassen. Nach diesem Bescheide gaben sie ihm acht Zechinen in die Hand, gesellten ihn zu einer nach Konstantinopel gehenden Karawane, bezahlten das Kost- und Reisegeld für ihn, umarmten ihn noch einmal und ließen ihn ziehen.

Nach einer Reise von etlichen Tagen langte Neangir in Konstantinopel an. Man kann sich leicht einbilden, wie ihm zumute war, sich auf einmal in einer so großen Stadt zu sehen, wo er weder Straßen noch Menschen kannte und ihm folglich alles so neu und fremde vorkam, als ob er unmittelbar aus dem Monde herabgestiegen wäre. Je mehr man Verstand hat, je verlegener fühlt man sich unter lauter Gegenständen, die man noch nie gesehen und wovon man nie reden gehört hat. Der gute Neangir dachte eben nach, wie er sich helfen wollte, als ein Mann von sehr gutem Ansehen mit höflicher Art zu ihm trat, den obern Teil seines Turbans befühlte und, nachdem er ihn einige Augenblicke scharf betrachtet hatte, ihm den Antrag tat, mit ihm zu gehen und, bis er etwa einen bessern Platz gefunden hätte, seinen Tisch und seine Wohnung anzunehmen. Neangir, der nichts Bessers zu tun sah, nahm den Antrag willig an und ging mit.

Der Unbekannte führte ihn in ein ganz artiges Gemach, wo sie ein schönes junges Mädchen von ungefehr zwölf Jahren im Begriff fanden, den Tisch für drei Personen zu decken, gleich als ob sie vorausgesehen hätte, daß der Unbekannte Gesellschaft mitbringen würde. «Zelide», sprach er zu ihr, «sagte ich nicht, ich würde dir einen Gast mitbringen und er würde mir keinen Korb geben?» - «Ihr sagt immer wahr, lieber Vater», versetzte das Mädchen, «Ihr habt Euch selbst noch nie betrogen und betrügt keinen andern Menschen.» Eine alte Sklavin, die in diesem Augenblick aus der Stadt ankam, trug etliche Schüsseln mit Pilau von verschiednen Farben auf, setzte drei Becher mit Scherbet auf den Tisch und entfernte sich.

Während der Mahlzeit unterhielt der Herr des Hauses seinen Gast mit allerlei Dingen, die ihm viel Vergnügen machten; aber was ihn am meisten bezauberte, war die kleine Zelide. Er lieh dem Unbekannten wohl die Ohren, aber die Augen konnte er von dem holden Mädchen nicht verwenden. Sie war aber auch unbeschreiblich schön und lieblich; ihre pechschwarzen, mit dem sanftesten Feuer erfüllten Augen schienen so groß als ihr Mund, dessen Röte den Glanz des Rubins übertraf. Ihre Haare fielen in schönen Locken auf einen Busen, der nur eben aufzuquellen anfing; ihre Figur war lauter Ebenmaß, ihre Bewegungen lauter Anmut, und eine Kleidung von grünem Goldstoff trug auch das ihrige bei, alle diese Reize in ein vorteilhaftes Licht zu setzen.

«Lieber Vater», sagte Zelide ein wenig stockend, «der junge Mensch sieht mich unaufhörlich an; wenn Hassan es erfährt, wird er eifersüchtig werden.» - «Nein, nein», versetzte der Vater, «du bist nicht für diesen jungen Menschen; hab' ich dir nicht schon gesagt, daß er deiner Schwester Argentine bestimmt ist? Ich will die Sache sogleich richtig machen.» Mit diesem Worte stand der Unbekannte auf, öffnete einen Schrank und holte etliche Körbchen mit Früchten und eine Flasche mit Likör heraus. Außerdem zog er noch eine kleine Dose von Perlenmutter, in Silber gefaßt, daraus hervor und setzte sie auf den Tisch.

Nachdem er wieder Platz genommen, sprach er zu dem jungen Menschen: «Kosten wir einmal von diesem Elixier!», und sogleich schenkte er ihm davon in sein Glas ein. «Gebt mir auch ein paar Tropfen», sagte Zelide. «Nein, nein», erwiderte der Unbekannte; «du hast deinen Teil schon davon bekommen, und Hassan auch.» - «So trinkt doch Ihr davon», sagte sie; «der junge Mensch wird sonst denken, wir geben ihm Gift.» - «Das will ich», versetzte der Unbekannte; «in meinem Alter ist dies Elixier nicht so gefährlich wie in dem deinigen.»

Der Unbekannte, sobald er selbst davon gekostet und Neangir sein Glas ausgetrunken, öffnete die Dose, die er auf den Tisch gelegt hatte, und bot sie dem Jüngling dar. Neangir erblickte mit Entzücken das Bildnis einer jungen Person, welche höchstens vierzehn Jahre alt schien und ihm noch zehnmal liebreizender als Zelide vorkam. Er geriet ganz außer sich bei diesem Anblick, und sein Herz, das noch nie erfahren hatte, was Liebe war, wurde von tausend unbekannten Regungen in die angenehmste Beklemmung gesetzt. Der Unbekannte schien Neangirs Gemütszustand mit Vergnügen zu bemerken, und Zelide sprach zu ihrem Vater, indem sie ihre Hand auf die seinige legte: «Lieber Vater, wir werden sie wiedersehen!»

«Aber so erklärt mir doch alle diese Rätsel», sagte Neangir. «Warum habt Ihr mich hiehergeführt? - wiewohl ich mich darüber nicht beklage, da Ihr mir wie einem Sohn begegnet. Warum habt ihr mich von diesem gefährlichen Tranke, der mich wie in lauter Feuer setzt, trinken lassen? Und warum zeigt Ihr mir ein Bildnis, das mich des Verstandes beraubt?» - «Ich will einen Teil deiner Fragen beantworten», versetzte der Unbekannte; «alles ist mir nicht erlaubt zu sagen. Ich nehme den Himmel und meine liebe Zelide zu Zeugen, das einzige Gut, so mir mein Unglück übriggelassen hat, daß ich dich nicht hintergehe. Das Bildnis, so du in Händen hast und womit ich dir ein Geschenk mache, stellt eine Schwester Zelidens vor: du liebest sie und wirst beständig in deiner Liebe sein. Wende alles mögliche an, sie zu finden; findest du sie, so wirst du auch dich selbst wiederfinden.» «Aber ums Himmels willen, wo soll ich sie suchen?» rief Neangir, indem er das reizende Bildnis küßte, das ihm der Unbekannte gegeben hatte; «Ihr macht mich auf einmal zum glücklichsten und zum unglücklichsten Menschen auf der Welt.» «Ich kann Euch nichts weiter sagen», antwortete der Unbekannte. «So will ich's tun», sprach Zelide. «Morgen, sobald es Tag ist, geht in den Bazar der Juden und kauft Euch in der zweiten Bude rechter Hand eine silberne Uhr, und sobald es nahe um Mitternacht ist...» Zelide konnte nicht ausreden, denn ihr Vater hielt ihr die Hand vor den Mund und sagte: «So schweig doch, Kleine! Willst du durch deine Unbesonnenheit auch dir das Schicksal deiner Schwester zuziehen?»

Durch die Bewegung, die der Unbekannte machte, um Zeliden den Mund zu schließen, stieß er die Flasche mit dem Elixier um, wovon Neangir getrunken hatte; auf einmal erhob sich ein dicker Rauch, der die Lichter auslöschte; die alte Sklavin stürzte mit einem lauten Schrei herein, und Neangir, voller Schrecken über dieses Abenteuer, schlich im Dunkeln davon.

Er brachte die Nacht auf den Stufen einer Moschee zu; aber die seltsamen Dinge, die ihm begegnet waren, und seine Liebe zu dem schönen Geschöpfe, dessen Bild sich unauslöschlich in seine Seele eingedrückt hatte, ließen ihm keinen Augenblick Ruhe. Sobald der Tag anbrach, verbarg er das ihm so kostbar gewordene Bildnis in seinen Turban und erkundigte sich ungesäumt nach dem Bazar und der Bude, wovon Zelide gesprochen hatte.

Der Jude, bei welchem er eine silberne Uhr besprach, empfing ihn sehr freundlich und suchte ihm selbst eine aus, die er für die beste gab und wofür er sechs Zechinen verlangte. Neangir gab sie ihm, ohne lange zu handeln; aber der Kaufmann wollte ihm die Uhr nicht einhändigen, bis er ihm seine Wohnung gesagt hätte. «Die weiß ich selbst nicht», erwiderte Neangir; «ich bin erst seit gestern hier, und ich würde das Haus, wo ich bei meiner Ankunft aufgenommen wurde, schwerlich wiederfinden können.» - «Gut», versetzte der Kaufmann, «so will ich Euch zu einem wackern Musulmann führen, wo Ihr Euch um einen sehr leidlichen Preis für Kost und Wohnung herrlich wohl befinden sollt; kommt nur mit.» Neangir folgte dem Kaufmann durch verschiedene Gassen und trat endlich in einem Hause ab, wo er auf Empfehlung des Juden aufgenommen wurde und seine zwei noch übrigen Zechinen vorausbezahlte.

Nach dem Mittagessen schloß er sich in sein Kämmerchen ein, um das reizende Bildnis wieder zu betrachten, das ihm beständig im Sinne lag. Aber indem er es aus seinem Turban hervorlangte, zog er einen versiegelten Brief mit heraus, worauf er sogleich die Hand der Zinebi erkannte. Er erbrach ihn mit Ungeduld und las darin, wie folget:

Mein lieber Sohn!

Ich schreibe Euch diesen Brief, den ich mit Vorwissen meines Mannes in Euern Turban gesteckt habe, um Euch zu berichten, daß Ihr nicht mein Sohn seid: wir vermuten, Euer Vater sei ein großer Herr, der aber weit von uns entfernt ist; aus der Beilage könnt Ihr sehen, wie er uns bedroht, wofern wir Euch nicht zurückgeben. Schreibet nicht an uns und suchet uns nicht auf; beides würde vergebens sein, weil wir nicht mehr zu finden sind. Ihr werdet uns immer lieb bleiben - lebet wohl!

Die Beilage lautete folgendermaßen:

Nichtswürdige, Ihr seid ohne Zweifel mit den Kabbalisten in Verständnis, die dem unglücklichen Siroco seine Töchter geraubt und ihre Talismane entwendet haben. Ihr haltet mir meinen Sohn zurück; aber ich habe Euern Schlupfwinkel entdeckt, und Euer Verbrechen soll nicht lange ungestraft bleiben. Ich schwör' es bei dem Propheten! Die Schneide meines Säbels soll Euch schneller vertilgen, als der Blitz die Wolke zerreißt.

Neangir schöpfte ebensowenig Trost als Licht aus diesen Briefen. Sie schienen ihm zwar zu sagen, daß er der Sohn des vornehmen Mannes sei, der diesen Brief an Muhammed und sein Weib geschrieben hatte; aber was half ihm diese Nachricht? Er wußte nicht, wo er ihn aufsuchen sollte, und hatte keine Hoffnung mehr, diejenigen zu finden, die man bisher für seine Eltern gehalten hatte. «Wie unvorsichtig war es doch von meinem Vater», rief er traurig aus, «meine Pflegeltern durch solche Drohungen zu erschrecken! Er hätte kommen sollen, mich bei ihnen abzuholen, anstatt ihnen eine solche Angst einzujagen, daß sie mich so allein und hülflos von sich schickten, ohne daß ich weiß, was nun aus mir werden soll.» Die Gedanken, die alles dies in ihm erweckte, waren so niederschlagend, daß er, um ihrer loszuwerden, aus dem Hause ging und nicht wieder zurückkam, als bis es gänzlich Nacht war. Er war eben im Begriff, wieder in das Haus hineinzugehen, als er im Mondschein etwas Glänzendes auf der Türschwelle liegen sah; er hob es auf und fand, daß es eine goldene, mit Edelsteinen reich besetzte Uhr war. Er sah sich auf allen Seiten um, ob jemand vorhanden wäre, dem sie zugehörte; und da er sich ganz allein sah, steckte er sie in seinen Busen zu der silbernen, die er diesen Morgen gekauft hatte. Er betrachtete sie als ein Geschenke, das ihm das Glück mache, um ihn aus der Verlegenheit seiner gegenwärtigen Umstände zu ziehen. «Ich werde», dacht' er, «mehr als tausend Zechinen für diese Steine bekommen und wenigstens was zu leben haben, bis ich meine Eltern wiederfinde.»

Es war etwas so Tröstliches in diesem Gedanken, daß er sich ganz ruhig schlafen legte, nachdem er seine beiden Uhren auf die Estrade neben sich hingesetzt hatte. Da er zufälligerweise mitten in der Nacht erwachte, hörte er eine kleine Stimme, aber so rein wie ein Silberglöckchen, die aus einer von den beiden Uhren zu kommen schien und sagte: «Liebe Schwester Aurore, bist du um Mitternacht aufgezogen worden?» - «Nein, meine beste Argentine», antwortete eine andre Stimme, «und du?» - «Ich?» versetzte die erste, «man hat Mich auch vergessen.» - «Wie unglücklich!» erwiderte die andre; «es ist schon über eins, und wir müssen nun noch einen ganzen Tag warten, bis wir unsrer Gefangenschaft entledigt werden können.» - «Ja», sagte die erste, «wenn man uns nicht wieder vergißt wie heute.» - «Für jetzt haben wir hier nichts mehr zu tun», sprach Aurore, «wir müssen fort, wohin uns unsre Bestimmung nötigt - komm!»

In diesem Augenblicke sah Neangir, der, ganz bestürzt über ein so seltsames Wunderding, sich mit halbem Leibe aufgerichtet hatte, beim Mondscheine die beiden Uhren auf den Fußboden herabhüpfen und durch das Katzenloch in der Türe aus seiner Kammer wegrollen. Er sprang eilends auf, öffnete die Tür und lief der Treppe zu, um sie einzuholen; aber er kam zu spät, und sie waren schon unter der Pforte, die auf die Gasse ging, weggeschlüpft. Er versuchte sie zu öffnen, aber sie war abgeschlossen; und aus der Behendigkeit, womit sich die beiden Uhren davongemacht hatten, urteilte er sehr richtig, daß, wenn er auch Lärm machen und sich die Türe aufschließen lassen wollte, er sie doch nimmer einholen würde. Er kehrte also wieder um und legte sich nieder; aber sein Unglück und der Gedanke, sich ohne Eltern, ohne Freunde, ohne Geld, und nun auch auf eine so seltsame Weise seiner beiden Uhren wieder beraubt zu sehen, beschäftigte seine Einbildung auf eine sehr unangenehme Art.

Sobald es Tag war, steckte er seinen Dolch in den Gürtel und eilte in voller Wut, den Juden aufzusuchen, der ihm die silberne Uhr verkauft hatte. Er fand ihn nicht in dem Bazar und in der Bude, wo er ihn anzutreffen hoffte; aber dafür fand er einen andern darin sitzen, der einem wackern Manne gleichsah und ihn sehr freundlich empfing. «Die Person, die Ihr sucht, ist mein Bruder», sagte er zu Neangir, «und wir pflegen es so zu halten, daß immer einer von uns hier ist, während der andere unsere Geschäfte in der Stadt besorgt.» - «Saubere Geschäfte», schrie Neangir; «Ihr seid der Bruder eines Betrügers, der mir gestern eine Uhr verkaufte, die mir diese Nacht wieder davongelaufen ist; aber ich will ihn wiederfinden, oder Ihr sollt mir für ihn gutstehen, da Ihr sein Bruder seid.» «Was sagt Ihr da», versetzte der Jude in Beisein einer Menge Volkes, das um die Bude herumstand; «eine Uhr, die davonläuft! Wenn von einem Faß Öl oder Wein die Rede wäre, da könntet Ihr recht haben; aber daß eine Uhr weglaufe, ist unmöglich.» - «Das wollen wir vor dem Kadi sehen», antwortete Neangir; und da er in dem nehmlichen Augenblicke seinen Kaufmann gewahr wurde, packte er ihn flugs beim Arme und schleppte ihn, so sehr er sich sträubte (denn der Pöbel half dem jungen Menschen Hand anlegen), mit sich vor die Wohnung des Kadi.

Während dem Lärmen, den diese Szene verursachte, näherte sich derjenige, den Neangir in der Bude angetroffen hatte, seinem Bruder und sagte leise, doch daß Neangir es hören konnte, zu ihm: «Ich bitte dich, Bruder, gestehe nichts, oder wir sind beide verloren.»

Sobald man bei dem Richter angelangt und das herzudrängende Volk mit Prügeln (nach türkischer Manier) auf die Seite geschafft war, hörte der Kadi vor allem die Klage des Neangir an, die ihm sehr außerordentlich vorkam. Er befragte hierauf den Juden, der aber, anstatt zu antworten, die Augen gen Himmel erhob und in Ohnmacht fiel. Der Richter, der noch mehr Geschäfte auszumachen hatte, sagte ganz gelassen zu Neangirn: Seine Klage sei ohne alle Wahrscheinlichkeit und er würde sogleich den Kaufmann wieder nach Hause bringen lassen. Dies brachte Neangirn aus aller Fassung: «Er soll mir», schrie er, «sogleich wieder zu sich selbst kommen und die Wahrheit gestehen!» Und damit zog er seinen Dolch und gab dem Juden einen tüchtigen Stoß in das Dickbein. Der Jude schrie laut auf. «Ihr seht», sprach er zum Kadi, «daß dieser junge Mensch rasend ist und seinen Verstand verloren hat; ich verzeihe ihm die Wunde, die er mir beigebracht; aber, um Gottes willen, gnädiger Herr, befreiet mich aus seinen Händen.»

In diesem Augenblicke ritt der Bassa vom Meere vor dem Hause des Kadi vorbei, und da er einen so großen Lärm hörte, stieg er ab, um sich nach der Ursache zu erkundigen. Nachdem man ihm berichtet hatte, was vorgegangen war, betrachtete er Neangirn sehr aufmerksam und fragte ihn freundlich, wie das alles möglich sein könne. «Gnädiger Herr», versetzte Neangirn, «ich schwöre Euch zu, daß alles wahr ist, und es wird Euch nicht mehr so seltsam vorkommen, wenn Ihr höret, daß ich selbst ein Opfer der kabbalistischen Künste dieser Art von Leuten gewesen bin; ich selbst war drei Jahre lang in einen kupfernen Tiegel mit drei Füßen verwandelt und bin nicht eher wieder Mensch geworden, bis man einen Turban auf meinen Deckel setzte.»

Kaum hatte Neangir die letzten Worte ausgesprochen, so fiel ihm der Bassa um den Hals und rief mit Entzückung aus: «O mein Sohn, mein lieber Sohn! Ist's möglich, daß ich dich wiederfinde? Kommst du nicht aus dem Hause von Muhammed und Zinebi?» - «Ja, mein gebietender Herr», antwortete Neangir; «sie sind es, die sich meiner in meinem Unglück angenommen und mich durch ihre guten Lehren und Beispiele dahin gebracht haben, eines solchen Vaters weniger unwürdig zu sein.» - «Gelobet sei der große Prophet», versetzte der Bassa, «der mir in dem Augenblicke, wo ich's am wenigsten hoffte, einen von meinen Söhnen wiedergibt! Ihr wißt», fuhr er gegen den Kadi fort, «daß ich in den drei ersten Jahren meiner Ehe mit der schönen Zambak, mit welcher nur die unsterblichen Jungfrauen des Paradieses zu vergleichen sind, drei Söhne von ihr bekam. Als sie das dritte Jahr zurückgelegt hatten, schenkte ein weiser Derwisch von meiner Bekanntschaft dem Ältesten einen Tesbusch von überaus schönen Korallen und sagte dabei: ‹Mein Sohn, trage große Sorge zu diesem Kleinod und sei dem Propheten getreu, so wirst du glücklich sein.› Dem zweiten, den Ihr hier sehet, gab er ein Stück Kupferblech, worauf der Name des Gesandten Gottes in sieben verschiedenen Sprachen eingegraben war, und sagte: ‹Der Name des Freundes des Allerhöchsten beschirme dein Haupt, und der Turban, das Zeichen der Rechtgläubigen, begleite ihn allezeit, so wird dein Glück vollkommen sein!› Endlich gab er auch meinem dritten Sohn ein Armband, das er ihm mit eigner Hand um den rechten Arm befestigte, und sprach: ‹Rein sei deine rechte Hand und deine Linke unbefleckt! Bewahre dieses Kleinod, das in der heiligen Stadt Medina gewebt wurde, und nichts wird deine Glückseligkeit stören können!› Mein ältester Sohn hat die Lehre des weisen Derwisch nicht wohl beobachtet, und oh! wie unglücklich ist er dadurch geworden! Sein Schicksal ist so beklagenswürdig als der Zustand meines jüngsten. Um denjenigen, den Ihr hier sehet, vor einem ähnlichen Unglück zu verwahren, hatte ich ihn unter der Aufsicht eines getreuen Sklaven namens Guluku an einem abgelegenen Orte erziehen lassen, während daß ich gegen die Feinde unsers Gesetzes zu Felde zog. Bei meiner Zurückkunft fand ich weder Guluku noch meinen Sohn wieder. Urteilet selbst, wie groß seit dieser Zeit meine Verzweiflung war. Erst seit etlichen Monden habe ich erfahren, daß dieser mir so liebe Sohn sich bei einem gewissen Muhammed und seinem Weibe Zinebi aufhalte. Ich muß gestehen, daß ich ihnen seine Entführung Schuld gab. Melde mir doch, mein Sohn, wie du in ihre Hände geraten bist.»

«Mein gebietender Herr», antwortete ihm der junge Mensch, «ich erinnere mich der ersten Jahre meines Lebens nicht mehr; dies weiß ich nur, daß ich mit einem alten Schwarzen, dessen Namen Ihr mir eben jetzt wieder ins Gedächtnis gebracht habt, in einem Schlosse am Ufer des Meeres lebte. Ich war ungefehr zwölf Jahre alt, als wir einsmals, da er mich auf einen Spaziergang herausführte, einen Menschen, der genau wie dieser Jude aussah, antrafen, der sich mit Tanzen und Springen an uns machte und uns durch seine Gaukeleien sehr belustigte. Was darauf weiter erfolgte, davon kann ich nichts sagen, als daß mich auf einmal eine Betäubung überfiel, wovon mir der Kopf ganz schwindlicht wurde: wie ich meine Hände dahin bringen wollte, um zu fühlen, was mit mir vorgehe, verwandelten sie sich in Henkel; kurz, ich wurde in einen kupfernen Kochtiegel umgestaltet. Ich weiß nicht, wie mein Aufseher sich bei dieser Begebenheit benahm; aber das weiß ich noch recht wohl, daß ich vor Erstaunen ganz außer mir war. Doch fühlte ich, daß man mich aufhub und in großer Eilfertigkeit mit mir davonlief. Einige Tage darauf, soviel ich erkennen konnte, setzte mich derjenige, der mich davongetragen hatte, bei einer Hecke auf die Erde, und bald darauf hörte ich ihn an meiner Seite schnarchen. Sogleich entschloß ich mich, ihm zu entfliehen. Ich schlüpfte, so gut ich konnte, durch die Hecke durch und lief wohl eine Stunde lang. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, mein gebietender Herr, wie unbequem es ist, auf drei Füßen zu gehen und dazu noch mit so steifen Beinen, als ich damals hatte. Bei jedem Schritte blieb mein vorderster Fuß im Sande stecken, und wenn ich den hintersten heben wollte, war ich in Gefahr umzukippen. Nach einer sehr mühsamen Wanderschaft merkte ich endlich, daß ich in einem Küchengarten angelangt war, und versteckte mich in einem Kohlfelde, wo ich eine ziemlich ruhige Nacht zubrachte. Am folgenden Morgen wurde ich gewahr, daß jemand neben mir ging; ich fühlte, daß man mich aufhob und von allen Seiten betrachtete. Endlich hörte ich die Stimme eines herzukommenden Mannes, der seinem Weibe mit dem Namen Zinebi rief ‹O mein lieber Muhammed›, antwortete sie, indem sie mich forttrug, ‹da finde ich in unserm Garten den schönsten Kochtiegel in der ganzen Welt.› Muhammed, der, wie ich merkte, ihr Mann war, nahm mich in die Hände und schien viel Gefallen an mir zu haben. Kurz, ich wurde nun ein Teil ihres Küchengerätes, und Zinebi trug große Sorge für mich. Sie war noch ziemlich jung, und da ich sie mir, nach dem Klang ihrer Stimme und der Sanftheit ihrer Hände, sehr liebenswürdig einbildete, so war es kein kleines Vergnügen für mich, alle Morgen von einer so hübschen Frau ausgescheuert zu werden. Es ist wahr, meine Lebensart hatte außerdem wenig Unterhaltendes: ich arbeitete nicht, ich dachte nichts Sonderliches; aber wie viele wackere Leute gibt es in der Welt, die in ihrem ganzen Leben nichts mehreres tun und doch sehr wohl mit sich selbst zufrieden sind. Ich will damit nicht gesagt haben, daß der Stand eines Kochtiegels etwas sehr Beneidenswürdiges sei; indessen ist gewiß, daß ich in diesem Stande drei ganze Jahre recht vergnügt bei diesen guten Leuten zubrachte. Nach dieser Zeit trug sich's zu, daß Zinebi, da sie mich eines Morgens mit einer Hammelsbrust angefüllt, das gehörige Gewürze dazugetan und mich auf ein gelindes Feuer gesetzt hatte, aus Besorgnis, ihr Ragout möchte verdunsten - vermutlich, weil mein Deckel nicht genau mehr einpaßte -, etwas suchte, womit sie ihn bedecken könnte. Weil sie in der Eile nichts anders finden konnte als einen alten Turban von ihrem Manne, so bediente sie sich dessen, deckte mich damit zu und ging davon. Kaum war sie fort, so fühlte ich, daß das Feuer, von welchem ich bisher keine Ungelegenheit verspürt hatte, mich an die Fußsohlen zu brennen anfing; ich sprang eilends zurück und erstaunte, wie Ihr denken könnt, nicht wenig, da ich mich auf einmal wieder in einen Menschen verwandelt sah.

Um die Zeit, da das dritte Gebet gesprochen wird, kamen Muhammed und Zinebi zurück. Aber wie groß war ihre Bestürzung, da sie ihren Kochtiegel nicht mehr fanden, hingegen an seiner Statt einen jungen Menschen, der ihnen ganz unbekannt war. Ich erzählte ihnen die Geschichte meiner Verwandlung, welcher sie anfangs keinen Glauben beimessen wollten; endlich schien doch meine Jugend und die unschuldige Treuherzigkeit, womit ich sie der Wahrheit meiner Erzählung versicherte, ihr gutes Herz zu überwältigen; und nachdem sie sich heimlich miteinander besprochen hatten, umarmte mich Muhammed, gab mir den Namen Neangir und erklärte mich für seinen Sohn. In der Tat hätte er mich in den zwei Jahren, die ich noch in seinem Hause lebte, nicht besser halten können, wenn ich es wirklich gewesen wäre. Was mir seitdem begegnet ist, gnädige Herren, habt ihr bereits von mir vernommen; und hier sind noch die zwei Briefe, die ich in meinem Turban fand und woraus ihr euch von der Wahrheit meiner Reden vielleicht noch besser überzeugen werdet.»

Während Neangir seine Geschichte erzählte, hatte man mit Erstaunen wahrgenommen, daß die Wunde des Juden auf einmal von selbst zu bluten aufhörte, und in diesem Augenblicke zeigte sich an der Pforte des Gerichtssaals eine junge Person, die man an ihrer Kleidung für eine Jüdin erkannte. Sie schien ungefehr zweiundzwanzig Jahre alt zu sein und war, ungeachtet der Unordnung ihres Anzugs, äußerst reizend. Ihr Kopfputz sah ganz zerstört aus, und die Haare fielen ihr in großen Locken auf die Schultern und auf den halbentblößten Busen; sie hatte, um desto schneller laufen zu können, eine Seite ihres langen Kleides aufgebunden, und ihr Gesicht sah so erhitzt aus wie bei einer Person, die in der äußersten Unruhe ist. Sie hatte zwei Krücken von weißem Holze in der Hand, und hinter ihr drein kamen zwei Männer, deren einen Neangir sogleich für den Bruder des von ihm Verwundeten erkannte; der andere schien ihm demjenigen völlig gleich zu sein, den er in dem Augenblicke seiner Verwandlung gesehen hatte. Beide hatten den rechten Schenkel mit einer breiten Wundbinde von Leinwand umwickelt und stützten sich jeder auf ein paar ebensolche Krücken, wie die junge Frauensperson in der Hand trug.

Die schöne Jüdin näherte sich demjenigen, welchen Neangir verwundet hatte; sie legte die Krücken neben ihn, betrachtete ihn mit großer Gemütsbewegung und konnte ihre Tränen nicht zurückhalten. «Unglückseliger Izuf», rief sie endlich aus, «muß dich denn deine gefährliche Neigung in so verderbliche Händel verwickeln? Siehe nun, in was für einen Zustand du dich selbst und deine beiden Brüder gesetzt hast!» Während sie ihm diese Vorwürfe machte, waren die beiden Mannspersonen, wie durch eine verborgene Gewalt genötigt, hereingekommen und hatten sich auf den Fußteppich neben den verwundeten Juden niedergelassen.

Der Bassa, der Kadi und Neangir, ebenso verwundert über diese Begebenheit als betroffen über die außerordentliche Schönheit der Jüdin, verlangten von ihr, daß sie ihnen ein so seltsames Geheimnis erklären möchte. «Gnädige Herren», antwortete sie ihnen, «Sie sehen ein unglückliches Mädchen vor sich, die durch die stärkste Leidenschaft wider ihren Willen an einen von diesen drei Männern gefesselt ist. Mein Name ist Sumi, und ich bin die Tochter des Moyses, eines unsrer berühmtesten Rabbinen. Der Mann, den ich liebe, ist Izaf», setzte sie hinzu, indem sie auf denjenigen zeigte der zuletzt hereingetreten war, «und trotz seiner Undankbarkeit kann ich nie aufhören, ihn zu lieben. Grausamer Feind der Unglücklichen, die dich anbetet, und deiner selbst», fuhr sie fort, sich an Izaf wendend, «rede du selbst an meiner Statt und suche durch deine Aufrichtigkeit und Reue von deinen Richtern Gnade für dich und deine beiden Brüder zu erhalten!» 

Während daß Sumi dieses sagte, schlugen die Juden die Augen nieder und beobachteten ein tiefes Stillschweigen. Aber der Kadi hieß die schöne Jüdin sich auf den Sofa niedersetzen, und nachdem er dem Izaf ihr zu gehorchen befohlen, fing dieser seine Geschichte, die zugleich die Geschichte seiner beiden Brüder war, folgendermaßen zu erzählen an.

Geschichte der drei Juden

«Wir sind drei Zwillingsbrüder, die Söhne des berühmten Nathan Ben Sadi und der weisen Dizara; unser Vater nannte den ältesten von uns dreien Izif, den zweiten Izuf, und mich, den jüngsten, Izaf. Er unterwies uns von unsrer zartesten Jugend an in den verborgensten Geheimnissen der Kabbala, und unsre Fähigkeit betrog seine Erwartungen nicht. Da wir unter der nehmlichen Konstellation geboren sind, so findet sich auch in unserm Genie und in unsern Neigungen die vollkommenste Gleichheit; aber die Natur hat überdies noch eine ganz sonderbare Gleichförmigkeit in uns gelegt, und es waltet eine so außerordentliche Sympathie zwischen uns, daß, was einem von uns widerfährt, zu gleicher Zeit auch den beiden andern begegnet: stößt ihm ein Glück auf, so verbreitet es sich sogleich auch auf die übrigen; trifft ihn ein Unfall, so leiden seine Brüder das nehmliche; wird einer von uns zum Beispiel verwundet, so werden es, wie ihr sehet, die andern auch, zur nehmlichen Zeit und auf die nehmliche Art, wenn wir gleich tausend Meilen voneinander entfernt wären.»

«Also und dergestalt», fiel der Kadi ein, «daß, wenn einer von euch beiden gehenkt oder verbrannt würde, die beiden andern das nehmliche Schicksal hätten, ohne daß es darum mehr Holz oder Stricke kostete?» - «Gnädiger Herr», antwortete ihm Izaf, «wir haben zwar das Experiment noch nicht gemacht; ich bin aber fest überzeugt, daß es nicht fehlen würde.» - «Mir ist lieb, daß ich das weiß», versetzte der Kadi; «fahre nur in deiner Erzählung fort!»

«Wir hatten unsre Mutter in unsrer Kindheit schon verloren», fuhr Izaf fort; «und als wir das fünfzehnte Jahr erreicht hatten, wurde unser Vater von einer Krankheit überfallen, gegen welche weder die gewöhnlichen Mittel noch die Geheimnisse seiner Kunst anschlagen wollten. Da er sich dem Tode nahe fühlte, rief er uns zu sich. ‹Meine Kinder›, sprach er, ‹ich werde euch keine großen Schätze hinterlassen; mein Reichtum bestand in den Geheimnissen, die ich euch bereits mitgeteilt habe; ihr besitzt verschiedene Talismane und versteht die Kunst, andere, noch mächtigere zu verfertigen; aber was euch mangelt, sind die drei Ringe der Töchter des Siroco; trachtet ihrer habhaft zu werden, nur hütet euch, wenn ihr dieser schönen Kinder ansichtig werdet, daß die Liebe euer Herz nicht überwältige! Sie sind einem andern Glauben zugetan als der eurige; sie sind den drei Söhnen des Bassa vom Meere bestimmt; sie können niemals die eurigen werden: wenn sie euch Liebe einflößen, so würdet ihr die unglücklichsten aller Menschen werden. Was euch vor dem Unglücke, das euch bedrohet, verwahren kann, ist das Buch der Geheimnisse, das die Tochter des Rabbi Moyses von ihrem Vater geerbt hat; ihr wisset, daß Izaf von ihr geliebt wird; ihre Macht ist größer als die eurige; versäumt ja nicht, ihre Freundschaft zu unterhalten, und suchet ihren Beistand, wenn ihr in Not geratet.›

Kaum hatte Nathan Ben Sadi diese Worte ausgesprochen, so verschied er und ließ uns in einer tödlichen Ungeduld, die drei Talismane der Töchter Sirocos zu besitzen. Wir erkundigten uns bei Sumi nach seinem Aufenthalt und erfuhren, daß man ihn zwar nach dem Treffen bei Lepante totgesagt habe, daß er aber Mittel gefunden, sich zu retten, und daß er sich in einem abgelegenen Hause verborgen halte, aus Furcht, das Unglück, das der Seemacht des Großherrn zugestoßen, mit seinem Kopfe zu bezahlen. Wir erfuhren zugleich, daß seine drei Töchter Wunder von Schönheit seien und daß sich die älteste Aurore, die zweite Argentine und die dritte Zelide nenne.»

Der Bassa und sein Sohn machten eine Bewegung des Erstaunens, da sie diese Namen hörten, hielten aber an sich, um die Erzählung nicht zu unterbrechen,

«Wir beschlossen», fuhr Izaf fort, «uns in fremde Kaufleute zu verkleiden, um uns den Zutritt zu diesen jungen Personen zu verschaffen. Wir nahmen die schönsten und kostbarsten Juwelen auf Kredit auf und wurden, unter dem Vorwande, ihnen etwas davon zu verkaufen, von einer Sklavin eingeführt, die wir uns durch ein ansehnliches Geschenke günstig gemacht hatten. Bei ihrem Anblick konnten wir die Klippe nicht vermeiden, vor welcher uns Nathan Ben Sadi gewarnet hatte. Aber wer hätte auch den Reizungen widerstehen können, die sich unsern Augen darstellten? Die drei Schwestern saßen beisammen auf einem Sofa, und es schien, als ob eine der andern ihre Reize noch zu ihren eigenen leihe, um ihre Wirkung desto unwiderstehlicher zu machen. Die schöne Aurore war in einen Kaftan von goldnem Mohr, Argentine, welche blond war, in Silberstoff, und Zelide, die ungeachtet ihres noch zarten Alters den tiefsten Eindruck auf mich machte, in den niedlichsten persischen Zitz gekleidet. Wenn auch keine Sympathie zwischen mir und meinen Brüdern gewesen wäre, so würden wir doch alle drei nicht weniger auf einmal in voller Flamme gestanden sein.

Unter den Seltenheiten, die ich bei mir hatte, war auch ein Fläschgen, mit einem Elixier angefüllt, welches die Eigenschaft hatte, die vollkommenste Liebe zwischen einer Mannsperson und einem Frauenzimmer hervorzubringen, sobald sie einander darin zugetrunken hatten. Es war ein Geschenk der schönen Sumi, wovon sie selbst zu meinen Gunsten Gebrauch gemacht, wiewohl ich mich immer geweigert hatte, für sie das nehmliche zu tun. Ich zeigte dieses Elixier den drei Schwestern, die sich aus unsern Kostbarkeiten auswählten, was ihnen gefiel; und ich hatte eben eine kristallne Tasse genommen, um ihnen davon einzuschenken und sie zu bereden, mit uns davon zu trinken, als Zelide, der ich das Fläschgen in die Hand gegeben, die Augen auf ein Stück Papier warf, womit es umwickelt war, und plötzlich ausrief. ‹Ah, ihr Bösewichter! Was lese ich hier? 'Kostet nicht von diesem Tranke außer mit dem, der Euch zum Gemahl bestimmt ist; jeder andere sucht Euch bloß zu verführen.'› Ich warf einen Blick auf das Papier und erkannte die Handschrift der Sumi.

Inzwischen hatten meine beiden Brüder bereits die Ringe, welche Aurore und Argentine an ihren Fingern trugen und die das vornehmste Ziel unsrer Wünsche waren, gegen einige ihrer Juwelen eingetauscht; aber wie groß war unser Erstaunen, da wir, sobald die beiden Schwestern ihre Ringe von sich gegeben hatten, eine goldne Uhr und eine silberne, die schönsten, die man sehen konnte, an ihrer Stelle sahen! In eben dem Augenblicke kam die alte Sklavin, die uns aufgeführt, mit einem schwarzen Verschnittnen hereingelaufen, um uns Zelidens Vater anzukündigen. Wir zitterten vor Angst. Meine Brüder steckten die beiden Uhren in ihren Busen; die alte Sklavin, voller Bestürzung, zwei von ihren Gebieterinnen nicht mehr zu finden, riß Zeliden, die in Ohnmacht gefallen war, das Fläschgen aus der Hand; und während daß der Verschnittne und die Sklavin nicht wußten, was sie anfangen sollten, machten wir uns so eilfertig, als wir konnten, davon.

Da wir uns nicht in unsre gewöhnliche Wohnung zurückzukehren getrauten, so flüchteten wir uns zu Sumi, die wir in Tränen fanden, weil sie besorgte, uns nicht wiederzusehen. ‹Was habt ihr getan, Unglückliche›, rief sie uns entgegen, ‹ist dies euer Gehorsam gegen die letzten Befehle eines sterbenden Vaters? Eine sonderbare Ahnung bewog mich diesen Morgen, das Buch der Geheimnisse nachzuschlagen, und da sahe ich, daß ihr euer Herz in diesem Augenblick einer Leidenschaft überließet, die euer Verderben sein wird. Glaubet nicht, daß ich es dulden werde. Ich bin es, die das Papier in Zelidens Hände gespielt hat, das sie verhinderte, von dem Elixier der vollkommnen Liebe mit dir zu trinken. Und ihr›, setzte sie hinzu, indem sie sich an meine Brüder wandte, ‹lernet aus diesem Buche den Wert des Schatzes kennen, dessen ihr euch mit den beiden Uhren bemächtigt habt; aber bildet euch nicht ein, jemals eures Raubes zu genießen; was ihr davon erfahren werdet, wird bloß dazu dienen, euch unglücklicher zu machen.› Mit diesen Worten hielt uns Sumi das Buch des weisen Moyses vor, und wir lasen darin folgendes: ‹Wenn die beiden Uhren mit dem goldnen und mit dem silbernen Schlüssel um Mitternacht aufgezogen werden, so werden sie während der ganzen ersten Stunde des Tages ihre wahre Gestalt wiedererhalten. Sie werden immer in der Verwahrung eines Frauenzimmers sein und immer zu ihr zurückkehren: die Tochter des Moyses ist bestimmt, sie in Verwahrung zu haben.›

Meine beiden Brüder waren über diese Entdeckung äußerst aufgebracht. ‹Weil wir es doch nicht verhindern können›, sagten sie zu der Tochter Moyses, indem sie ihr die beiden Uhren hingaben, ‹so magst du dann im Besitze des Schatzes bleiben, der uns zugehört; wenigstens sollst du doch die Talismane nicht zu sehen kriegen, die wir ihnen abgenommen haben.› Mit diesen Worten begaben sie sich voller Unmut hinweg; ich, meines Orts, blieb bei Sumi, und wir erwarteten die Nacht mit Ungeduld, um den Verfolg dieses Abenteuers zu sehen.

Gegen Mitternacht zog Sumi die beiden Uhren, jede mit ihrem eigenen Schlüssel, auf, und im Nu sahen wir die schöne Aurore und ihre Schwester zum Vorschein kommen. Sumi wurde von ihrer Schönheit fast verblendet. Die beiden jungen Personen schienen aus einem sanften Schlafe zu erwachen. Sie waren erstaunt und unruhig darüber, daß sie sich an einem ganz unbekannten Orte sahen; und als Sumi ihnen das schreckliche Geheimnis ihres Schicksals eröffnet hatte, sanken sie ihr mit einem Strom von Tränen in die Arme. Die schöne Sumi suchte sie zu trösten, mit dem Versprechen, daß sie auf ihren Beistand rechnen könnten und daß auf dieses ihr Unglück die vollkommenste Glückseligkeit folgen werde. Sobald die erste Stunde vorbei war, wurden sie wieder Uhren.

Ich brachte den Rest der Nacht bei der Tochter Moyses zu, und als der Tag anbrach, fühlte ich ganz außerordentliche Bewegung in mir. Meine Seele wurde wechselweise mit Wut und Schrecken angefüllt; eine unsichtbare Gewalt riß mich wider Willen fort und trennte mich von Sumi. ‹Ach!› rief ich, ‹ich fühle, daß einer von meinen Brüdern ins Gefängnis geführt wird. Lebe wohl! allzu liebenswürdige Sumi, ich muß ihm folgen.›

Ich eilte wirklich aus ihrem Hause, und indem ich, ohne zu wissen wohin, durch die Straße lief, stieß ich auf Izif, der mir sagte, daß er die nehmliche Beängstigung fühle und daß Izuf ohne Zweifel für einen von den Männern, die im Hause des Siroco gewesen, erkannt worden sein müsse. Sogleich fiel mir ein Mittel ein, meinen Bruder zu befreien. Ich sagte zu Izif, daß er ihm nachlaufen und ihm einen Säbel, um sich wehren zu können, in die Hand zu spielen suchen sollte. Ich selbst aber ging in das nächste Bagno, das in meinem Wege lag, wo verschiedene Häscher täglich zusammenzukommen pflegten, um Wein zu trinken. Da es mir nicht an Gelde fehlte, so tat ich neun oder zehn von diesen Gesellen den Antrag, jedem von ihnen zwei Zechinen zu geben, wenn sie sich, solange mir's beliebte, von mir durchwalken lassen wollten. Diese Kerls, die für Geld alles zu leiden und zu unternehmen bereit sind, nahmen meinen Antrag mit Vergnügen an. Kaum hatten sie das Geld voraus empfangen, so stürmte ich mit einem Säbel, den ich von dem Herrn des Bagno geborgt hatte, auf sie ein; und indessen, daß ich auf diese Leute, die dafür bezahlt waren, Hiebe regnen ließ, begegnete sympathetischerweise meinen Brüdern das nehmliche mit denen, die nichts dafür bekommen hatten. Ich kam siegreich aus den Händen der Häscher, die ich in die Flucht trieb, und traf unterwegs meine beiden Brüder an, die durch Sympathie das nehmliche Glück mit denen, welche sie ins Gefängnis führen wollten, gehabt hatten. Indessen hielten wir nicht für ratsam, länger in Konstantinopel zu verweilen, und wir machten uns aus dem Staube, ohne von der schönen Sumi Abschied zu nehmen.

Des folgenden Tages erfuhren wir, daß man unser Haus niedergerissen und alles, was wir besaßen, geplündert habe. So verdrießlich uns diese Nachricht war, so könnt ihr doch leicht denken, gnädige Herren, daß wir uns nicht einfallen ließen, Klage darüber bei der Obrigkeit anzustellen. Wir hatten nichts mehr, als was uns von den Juwelen und andern Waren übriggeblieben war, und die beiden Ringe der Töchter des Siroco. Um nicht so leicht erkannt zu werden, beschlossen wir, uns zu trennen und ein irrendes Leben zu führen.

Nach einigen Tagen befand ich mich am Ufer des Meeres; ich sah einen alten Kämmerling vor der Pforte eines einsamen Schlosses sitzen und näherte mich ihm. Er wollte mir anfangs aus dem Wege gehen; aber mit etlichen Kleinigkeiten, die ich ihm zum Geschenk anbot, machte ich ihn so zahm, daß er mir neben ihm Platz zu nehmen erlaubte und sich von freien Stücken mit mir in ein Gespräch einließ. Er sagte mir, er wäre bei einem jungen Herrn von Stande, einem Sohne des Bassa vom Meere, der schon eine lange Zeit wegen des Krieges, den man damals mit den Christen führte, abwesend sei. Er sprach mir von einem Talisman, den sein Zögling besitze und dessen Tugend mir nicht unbekannt war. Endlich berichtete er mir auch, dieser junge Herr sei, nebst zweien Brüdern, die er habe, von seiner Kindheit an bestimmt, die Töchter des Siroco zu heuraten, deren Abenteuer er mir erzählte, ohne sich beigehen zu lassen, daß ich es besser wisse als er. Während er so schwatzte, loderte alle die Liebe, die Zelidens erster Anblick in mir entzündet hatte, wieder in meinem Busen auf und erfüllte mich mit Eifersucht. ‹Wie?› sprach ich zu mir selbst, ‹vielleicht ist es dieser Knabe, dem sie zugedacht ist, vielleicht ist er's, mit dem sie von dem Elixier der vollkommnen Liebe trinken soll? Nein! das kann und will ich nicht geschehen lassen!›

Ich beschloß sogleich, den Sohn des Bassa zu entführen, und um desto leichter zu meinem Zwecke zu kommen, geriet ich auf den Einfall, mich wahnwitzig zu stellen, und fing an, zu singen und zu tanzen, was das Zeug hielt. Der alte Kämmerling, der seinen jungen Herrn auch an diesem Spaß Anteil nehmen lassen wollte, holte ihn herbei, und ich tanzte von neuem wie ein Mensch, der nicht klug ist. Der junge Herr hatte große Lust an meinen Bockssprüngen, und der alte Kämmerling wollte sich zu Tode lachen. Endlich tat ich ihnen den Antrag, daß ich sie die Künste, die ich machte, lehren wollte, und sie ließen sich's gefallen. Der Alte war gar bald so außer Atem, daß er's aufgeben mußte, und der junge Mensch zerfloß in Wasser. Ich bat den Kämmerling, er möchte etwas zu trinken holen; und während er hineinging, ersah ich meinen Vorteil und riet dem jungen Menschen, die Leinwand von seinem Turban abzulegen, weil er ihm gar zu warm mache. Er folgte meinem Rate; aber in dem nehmlichen Augenblicke wurde er in einen dreifüßigen Kochtiegel verwandelt, dessen ich mich sogleich bemächtigte und so behende mit ihm davonlief, daß der Alte, wiewohl er sogleich wieder herauskam, mich nicht einholen konnte. Ich sah von ferne, daß er, aus Verzweiflung, seinen Zögling nicht mehr vorzufinden, sich ins Meer stürzte; aber es kam mich keine Lust an, ihn wieder herauszufischen.»

Hier unterbrach der Bassa den Juden, indem er ausrief. «O du weiser Derwisch, wohl hattest du recht! Sobald das kupferne Blech nicht mehr von dem Zeichen der Rechtgläubigen bedeckt war, war mein Sohn nicht mehr! Aber du, Unglücklicher», sagte er zu Izaf, «sieh diesen Jüngling recht an: ist es nicht derjenige, den deine Bosheit unglücklich gemacht hat?» - «Ich glaube, ihn zu erkennen», versetzte Izaf; «allein, da er seine erste Gestalt wiedererlangt hat, so bin ich nicht mehr so schuldig, als ich es befürchtete.»

«Aber, in meiner Erzählung fortzufahren, so lief ich mit meiner Beute etliche Tage lang, indem ich mich immer weiter von Konstantinopel entfernte, als ich mich eines Abends auf einmal so matt fühlte, daß ich nicht mehr konnte, wiewohl ich an selbigem Tage keinen großen Weg gemacht hatte; und ich war am ganzen Leibe so zerbleut, als ob ich eine Menge Schläge bekommen hätte. Ich legte mich neben einem Garten ins Gras nieder, setzte meinen Tiegel neben mich und schlief ein. Mein Schlaf wurde durch tausend unruhige Bewegungen unterbrochen. Bald schwamm ich in lauter Fröhlichkeit, bald schnürte mir die Furcht die Kehle zu, bald verging ich schier vor Traurigkeit. Endlich, da ich wieder erwachte, sah ich, daß mein Kochtiegel weg war; ich befand mich in bloßen Schlafhosen und erkannte meine beiden Brüder, die im nehmlichen Aufzuge mir zur Seite schliefen. Als sie aufwachten, fragte ich sie zitternd, ob sie wüßten, warum wir uns alle drei in solchen Umständen befänden. ‹Leider ja!› antwortete Izuf, nachdem er uns beide eine Weile betrachtet und endlich einen Blick auf sich selbst fallenlassen, ‹ich seh' es nur zu wohl, daß wir gänzlich zugrunde gerichtet sind! Was für ein unseliges Abenteuer!› Ich lag ihm an, mir zu entdecken, was ihnen denn zugestoßen sei. ‹Diese verwichnen Tage›, sagte er, ‹waren wir, mein Bruder und ich, ungewöhnlich vergnügt; vermutlich mußte dir irgend etwas Glückliches begegnet sein, worüber wir die Freude aus Sympathie, wie gewöhnlich, mit dir teilten.› - ‹Dem ist wirklich also›, versetzte ich; ‹es sind nur etliche Tage, seit ich den Sohn des Bassa vom Meere entführte, den ich in einen Kochtiegel verwandelt hatte.› - ‹Nun, dann›, fuhr mein Bruder fort, ‹indem wir so wohlgemut einherzogen, kamen wir bei einem Karawanserei vorbei, wo wir hörten, daß lustige Lieder gesungen wurden, daß man aus vollem Halse lachte; kurz, daß man alle mögliche Zeichen der Fröhlichkeit von sich gab. Dies lockte uns hinein. Wir fanden einige Türken, welche zirkassische Tänzerinnen von ungemeiner Schönheit bei sich hatten. Unter diesen stachen uns gar bald ein Paar in die Augen, deren feine Gesichtszüge und außerordentlicher Reiz alle übrigen auslöschte. Wir wurden freundlich aufgenommen und an einen Tisch gesetzt, um Wein zu trinken, der in Überfluß vorhanden war und reichlich eingeschenkt wurde. Man hatte uns zu den beiden schönsten Zirkasserinnen gesetzt, die uns durch ihr einnehmendes Wesen ganz bezauberten. Die Männer, die bei ihnen waren, bezeugten nicht die mindeste Eifersucht darüber. Nachdem wir uns einige Zeit auf diese Weise erlustiget hatten, sagte eine von den beiden schönen Zirkasserinnen zur andern: 'Ihr Bruder hat getanzt, sie müssen auch tanzen.' Diese Worte waren ein Rätsel für uns...› ‹Für mich nicht›, unterbrach ich meinen Bruder, ‹ich tanzte, als ich den Sohn des Bassa entführen wollte.› - ‹Vermutlich wollten sie das damit sagen›, fuhr Izuf fort; ‹und damit nahmen die beiden Mädchen uns bei der Hand und machten uns mit einer unmäßigen Lebhaftigkeit tanzen. Eine Weile darauf, da wir uns wieder zu Tische setzten und von neuem zu trinken anfingen, stieg uns der Wein, der viel stärker als der erste war, zu Kopfe; die Männer, in deren Gesellschaft wir die Zirkasserinnen gefunden hatten, zogen ihre Säbel und drohten uns niederzumetzeln. Der Wein und die Ermüdung hatte uns so entkräftet, daß wir uns nicht wehren konnten; wir fielen in Ohnmacht und schliefen ein; und diesen Morgen finden wir uns neben dir in dem Zustande, worin du uns siehest. Man hat uns völlig ausgeplündert; aber was wir am meisten zu beklagen Ursache haben, ist der Verlust der beiden Talismane der Töchter Sirocos, die wir, um sie besser zu verbergen, als Siegelringe hatten fassen lassen und bei uns trugen.›

Nachdem wir unser Unglück eine Weile bejammert hatten, fanden wir keinen bessern Rat, als nach Konstantinopel zurückzukehren, wo man uns vermutlich nicht mehr suchen würde, und unsre Zuflucht zu der guten Sumi zu nehmen. Wir machten uns auf den Weg und langten, nach überstandnem vielem Ungemach, endlich bei diesem liebenswürdigen Mädchen an. Der Anblick unsers Elends rührte sie, aber sie hatte es schon lange in dem Buche der Geheimnisse gelesen. Da sie nicht reich genug war, uns auf andre Art wieder aufzuhelfen, so schlugen wir ihr vor, alle Tage die silberne Uhr zu verkaufen, in welche Argentine verwandelt worden war. ‹Du weißt›, sagten wir ihr, ‹daß sie täglich wieder zu dir zurückkommen muß; es wäre denn, daß der silberne Schlüssel sie um Mitternacht aufzöge; und du läufst also keine Gefahr, sie zu verlieren.› Sumi willigte endlich ein, doch mit der Bedingung, daß wir uns allemal nach der Wohnung des Käufers erkundigen sollten, damit sie auch die goldne Uhr dahin tragen könne und Argentine sich also nicht allein befinde, falls man sich's etwa von ungefehr einfallen ließe, sie zur gesetzten Zeit aufzuziehen.

Seit dieser Zeit treiben wir diesen Uhrenhandel, der uns alle Tage jedem zwei Zechinen einträgt, und die beiden Töchter des Siroco sind noch allemal zu ihrer Hüterin zurückgekommen. Gestern verkaufte Izuf die silberne Uhr an diesen jungen Menschen und legte auf Sumis Befehl auch die goldne auf seine Türschwelle. Vermutlich, junger Herr, habt Ihr vergessen, sie aufzuziehen, denn diesen Morgen in aller Frühe waren sie schon wieder da.»

«Ich möchte verzweifeln», rief Neangir. «Hätte ich mehr Verstand gehabt, so hätte ich die anbetenswürdige Argentine gesehen, deren bloßes Bild mich schon bezauberte!» - «Das war nicht Eure Schuld», sagte der Kadi, «Ihr seid kein Hexenmeister. Wer könnte auch erraten, daß er seine Uhr gerade um Mitternacht aufziehen müsse? Aber dem soll bald geholfen werden: ich werde diesen Kaufmann anhalten, sie Euch wiederzugeben, und diese Nacht werdet Ihr sie nicht vergessen.» «Heute», sprach Izuf, «ist es uns unmöglich, sie wiederzugeben; sie war schon verkauft, ehe dieser junge Herr uns aufsuchte.» - «Nun gut », sagte der Kadi, «so sollt Ihr ihm wenigstens sein Geld zurückgeben! Waren's nicht sechs Zechinen, die er Euch für die Uhr bezahlte?» Der Jude, sehr vergnügt, so leicht davonzukommen, griff schon in seine Tasche, als Neangir, voll Unwillen über die Entscheidung des Kadi, ausrief: «Es ist auch wohl die Rede hier von meinem Gelde! Die unvergleichliche Argentine will ich haben; ohne sie kann mir alles übrige nichts helfen.» - «Mein lieber Kadi», sagte der Bassa, «seht Ihr nicht, daß Ihr Unrecht habt und daß ein Schatz wie der, den mein Sohn verloren hat, mit keinem Gelde zu vergüten ist?» «Gnädiger Herr», antwortete der Richter, «Ihr habt mehr Verstand und Ansehen als ich; tut selbst den Ausspruch in diesem Handel; ich, meines Ortes, bekenne, daß ich mich nicht dareinfinden kann.» «Ich lasse mir's gefallen», sagte der Bassa; «komm du mit mir, mein Sohn, komm in meinen Palast; Ihr, schöne Sumi, bleibet bei uns, und man führe auch die drei Brüder dahin: ich hoffe, in kurzem sollen wir alle zufrieden sein.» - «Nur bitte ich», versetzte der Kadi, «wohl Sorge zu tragen, daß uns keiner von diesen drei Schelmen entwische; er könnte gehen und irgendeinem Bassa oder Kadi Geld geben, um sich eine Tracht Schläge geben zu lassen, und dann käme heraus, daß wir von seinen beiden Brüdern, vermöge der saubern Sympathie, die sie unter sich haben, zu Tode geprügelt würden.» - «Gnädiger Herr», antwortete Izuf, «Ihr habt nichts dergleichen zu besorgen; wenn die Kadis Geld annehmen, so geschieht es gewiß nie, um sich Schläge dafür geben zu lassen.» - «Verlaßt Euch auf mich», sagte der Bassa; «es liegt niemanden mehr daran, das Ende dieses Abenteuers zu sehen, als mir.» Mit diesen Worten stund er auf und ließ den Kadi Händel von geringerer Schwierigkeit ausmachen. Neangir und die schöne Sumi mußten sich auf ein paar Handpferde setzen, er selbst ritt zwischen ihnen, und die drei Juden folgten, unter Begleitung einiger Sklaven des Bassa, auf ihren Krücken langsam hinterher.

Wie der Zug vor dem Palaste des Bassa anlangte, sah man auf einer steinernen Bank im Vorhofe zwei verschleierte Frauenspersonen sitzen, die ihrer Gestalt und übrigem Ansehen nach ungemein jung zu sein schienen. Sie waren aufs zierlichste gekleidet; ihr Kaftan und ihre Beinkleider waren von hellblauem Atlas mit Silber gestickt; und ihre Pantoffeln, vom feinsten weißen Leder, dessinierten die niedlichsten Füßchen, die man sehen konnte. Eine von ihnen hatte einen ziemlich großen Sack von rosenfarbnem Taft auf den Knien liegen, in welchem etwas steckte, das sich zu bewegen schien. Die beiden jungen Frauenzimmer standen auf, wie sie den Bassa herankommen sahen, um ihm entgegenzusehen, und diejenige, die den Sack trug, sprach zu ihm: «Mein guter Herr, habt Ihr nicht Lust, uns unsern Sack, mit dem, was drin ist, unbesehen abzukaufen?» - «Wie teuer wollt Ihr ihn geben?» sagte der Bassa. «Um dreihundert Zechinen», antwortete die Unbekannte. Der Bassa lachte über eine so ausschweifende Forderung und ritt fort, ohne sie einer Antwort zu würdigen. «Der Kauf wird Euch nicht gereuen», rief ihm die Unbekannte nach; «wir kommen vielleicht morgen wieder, und dann bezahlt Ihr vierhundert Zechinen dafür - denn, das sag' ich Euch, der Sack wird mit jedem Tage um hundert Zechinen teurer.» «Komm, komm», sagte die andere, indem sie ihre Gefährtin beim Ärmel zog, «wir wollen uns nicht aufhalten; es könnte schreien, und vielleicht wäre dann unser Geheimnis auf einmal verraten.» Mit diesen Worten entfernten sich die beiden jungen Frauenzimmer, und man verlor sie bald aus dem Gesichte.

Neangir, welchem Dinge begegnet waren, die keinem Menschen begegnen, würde vermutlich diese Begebenheit mehr als andere zu Herzen genommen haben, wenn seine Gedanken nicht alle bei seiner geliebten Argentine gewesen wären; die übrigen waren gleich damit fertig, die beiden Weibspersonen für Närrinnen zu erklären, und gingen in den Palast hinein, ohne weiter an die Sache zu denken.

Man ließ die drei Juden, von einigen Sklaven bewacht, in einem Saale des Vorhofes; Neangir aber mit der Jüdin folgte seinem Vater in das Innere des Harems, dessen Pracht seine ungewohnten Augen ganz verblendete. In allen Zimmern war das Gold an Decken und Wänden verschwendet; die Fußböden waren mit kostbaren Tapeten belegt und aufs herrlichste möbliert; in einem prachtvollen Saale saßen eine Anzahl schöner Sklavinnen von verschiedenen Nationen auf dem Sofa im Kreise herum, und eine große Menge von Kämmerlingen, stehend und mit über die Brust gelegten Armen, erwarteten in tiefster Stille die Befehle ihres Gebieters, bereit, sie augenblicklich mit unumschränktem Gehorsam zu vollziehen.

In der Vertiefung des Saales erblickte man auf einer mit reichen Teppichen bedeckten Estrade eine Frau von ungefehr fünfunddreißig Jahren, welche ungeachtet der tiefen Schwermut, worin sie versunken schien, eine Person von außerordentlicher Schönheit war; sie lag unter einem Thronhimmel auf übereinander geschichteten Polstern, mit dem Gesicht auf dem Inwendigen ihrer rechten Hand. Sobald der Bassa hereintrat, stunden die Frauenspersonen allesamt aus Ehrfurcht auf; er ging mit Neangirn an der Hand auf diejenige zu, die auf der Estrade stand, und sprach zu ihr: «Schöne Zambak, holdes Licht meiner Augen, freue dich mit mir; hier ist dein Sohn wieder, der dich so viele Tränen gekostet hat und den ich endlich wiedergefunden.» Die schöne Zambak fuhr vor Freude zusammen. «O mein gebietender Herr und Gemahl», sagte sie zum Bassa, «mögen alle Feinde unsers unüberwindlichen Sultans zu Euern Füßen gelegt werden, und wenn einst der Engel des Todes Eure Augen schließt, möge Euch für dies Geschenke, so Ihr mir macht, die schönste Jungfrau des Paradieses durch ihre Liebe belohnen!»

Neangir, der hieraus erkannte, daß Zambak seine Mutter sei, warf sich ihr zu Füßen. Die schöne Zambak nahm sein Haupt in ihre beide Hände und küßte ihn auf die Stirne. «Das ganze Haus nehme Anteil an meiner Freude», sprach der Bassa; «man rufe meinen Söhnen Ibrahim und Hassan, daß sie kommen und ihren Bruder umarmen!» - «Ach, mein gebietender Herr», sagte Zambak, «erinnert Ihr Euch nicht, daß es ihre Stunde ist: Hassan weint auf seine Hand und Ibrahim sucht.» - «Gelobet sei der Prophet ewiglich!» rief der Bassa; «wenn das ist, so muß man sie machen lassen.» - «Mein Sohn Neangir, wir werden sie diesen Abend sehen.»

«Verzeihet meiner Neugier, gnädiger Herr», sagte die schöne Sumi, «wenn ich Euch bitte, mir dieses Rätsel zu erklären; vielleicht kann ich Euch dienen. Das Buch der Geheimnisse, so ich besitze, enthält deren vermutlich, die Euch nicht gleichgültig sind.» - «Reizende Sumi », erwiderte der Bassa, «Wieviel würde ich Euch dafür schuldig sein! Folget mir in ihr Zimmer: der Anblick meiner unglücklichen Söhne wird Euch besser unterrichten, als es meine bloße Erzählung tun könnte.»

Sumi und Neangir folgten dem Bassa in ein großes Gemach, wo sie zwei junge Leute von der liebenswürdigsten Gestalt antrafen; der eine schien kaum neunzehn Jahre und der andere etwa siebzehn alt. Der jüngere saß neben einem Tische, über den er sich herbückte, indem seine Tränen auf seine rechte Hand, die er vor die Augen hielt, tröpfelten. Er blickte einen Augenblick auf, aber wie erschraken Neangir und die schöne Jüdin, da sie sahen, daß die Hand, die er mit Tränen badete, von Ebenholz war! Die Traurigkeit des Jünglings schien sich bei ihrem Anblick zu verdoppeln; er legte die Augen wieder auf seine Hand, holte einen tiefen Seufzer und fing von neuem an, bitterlich zu weinen. Der andere junge Mensch war inzwischen beschäftigt, mit großer Eilfertigkeit eine Menge von Korallkügelchen auszulesen, die unter den Tischen und Möbeln im Saale herumrollten; er legte eines nach dem andern auf den nehmlichen Tisch, auf den der andre Jüngling sich stützte. Neangir und Sumi bemerkten, daß er ihrer bereits achtundneunzig beisammen hatte; aber indem er sich eben darüber zu erfreuen schien, rollte alles wieder den Tisch herab und im ganzen Saale herum, und so ging die Arbeit des armen Jünglings wieder von vornen an.

«Ihr seht nun», sagte der Bassa, «das Schicksal meiner unglücklichen Söhne: der eine sucht alle Tage drei Stunden lang die Korallen, die ihr da herumrollen sehet; und der andere, dessen Hand schwarz worden ist, weint eine ebenso lange Zeit darüber, ohne daß ich erfahren kann, was die Ursache dieses seltsamen Unglücks ist.»

«Bleiben wir nicht länger hier», sagte Sumi; «unsre Gegenwart scheint ihre Betrübnis zu vermehren. Erlaubet mir, das Buch der Geheimnisse zu holen, welches uns ohne Zweifel die Ursache ihres Unglücks und vielleicht auch das Mittel dagegen lehren wird.» Der Bassa ließ sich den Vorschlag der schönen Jüdin wohl gefallen; aber Neangir konnte sich nicht entschließen, die Person von sich zu lassen, von welcher es abhing, ihm in dieser Nacht den Anblick seiner geliebten Argentine zu verschaffen, und versicherte, daß es sein Tod sein würde, wenn er noch eine Nacht mehr auf diesen Trost warten müßte.

«Beruhiget Euch», sagte Sumi; «ich werde vor Nacht wieder hier sein; wie könnt Ihr fürchten, daß ich Euch verlassen möchte, da ich Euch meinen geliebten Izaf als Geisel hinterlasse?» Da Neangir nichts hiegegen einzuwenden hatte, so führte er sie bis an die äußerste Pforte des Palasts, nachdem sie noch einen Augenblick die drei Juden besucht und einen Befehl durch ihn ausgewirkt hatte, daß man es ihnen an nichts fehlen lassen sollte.

Kaum hatte sich Sumi von Neangirn entfernt, der sich noch in dem Vorsaale bei den drei Juden verweilte, als er eine alte Sklavin mit einem Manne hereinkommen sah, den er nicht gleich für den nehmlichen erkannte, der ihn vor zwei Tagen so freundlich bewirtet hatte, weil er jetzt in einem ganz andern Aufzug erschien; denn er war in einen prächtigen, mit Zobel gefütterten Kaftan gekleidet und trug einen Busch von Reigerfedern (das Zeichen der Feldherrnwürde) auf seinem Turban und einen reich mit Edelsteinen besetzten Säbel an seinem Gürtel. Aber die alte Sklavin erkannte er sogleich für die nehmliche, die er bei dem Unbekannten gesehen hatte. «Mein gebietender Herr», sagte die Sklavin zu dem Feldherrn, «ich habe mich nicht geirret, da ich ihnen von dem Hause des Kadi bis zu diesem Palaste nachging; es sind die nehmlichen; Ihr könnet Eure Rache sicher an ihnen nehmen.»

Alsbald entflammte sich das Angesicht des Unbekannten; er zog seinen Säbel und war im Begriff, auf die drei Juden einzuhauen, wenn ihn Neangir und die Bedienten des Bassa nicht zurückgehalten hätten. «Was habt Ihr vor, mein Herr», rief ihm Neangir zu; «wollt Ihr Leute anfallen, denen der Bassa in seinem Hause Zuflucht gegeben hat?» «O mein Sohn», antwortete der Feldherr, der ihn augenblicklich erkannte, «wenn dies ist, so kennt der Bassa weder die Leute, denen er Zuflucht gibt, noch Euch selbst.» - «Herr», erwiderte Neangir, «er kennt sie und weiß, daß ich sein Sohn bin; erlaubet, daß ich Euch zu ihm führe; er wird Euern Unwillen am besten besänftigen können.»

Der Unbekannte und die alte Sklavin folgten Neangirn in das Innere des Palastes; aber wie groß war das Erstaunen des jungen Menschen, da er seinen Vater den Feldherrn mit allen Zeichen der lebhaftesten Freude umarmen sah! «Wie», rief der Bassa, «seid Ihr's, mein liebster Siroco? Ihr, der, nach der allgemeinen Sage in jenem unglücklichen Treffen, wo die Feinde des Glaubens obsiegten, umgekommen war? Aber warum sehe ich Euer Gesicht von eben dem Feuer glühen, wovon es flammte, da wir gegen die Feinde unsers allgebietenden Sultans stritten? Stillet Euern Grimm und überlaßt Euch den frohesten Hoffnungen; daß ich meinen Sohn wiedergefunden habe, den Ihr hier sehet, ist mir ein sicherer Verbote unsers gemeinschaftlichen Glückes.»

«Ich zweifelte nicht», sagte Siroco, nachdem sie sich gesetzt hatten, «Ihr würdet bald die Freude haben, einen so geliebten Sohn wiederzusehen; es sind erst drei Tage, seitdem mir der Prophet im Traum erschien und mir befahl, daß ich um die Stunde des Sonnenuntergangs nach dem Tore von Galata gehen sollte. ‹Du wirst›, sagte er zu mir, ‹einen jungen Menschen daselbst finden, den du in deine Wohnung führen sollst; er ist der zweite Sohn deines alten Freundes, des Bassa vom Meere; und damit du nicht irren könnest, so greife ihm oben an seinen Turban; du wirst das kupferne Blech fühlen, worein mein Name in sieben Sprachen gegraben ist.› Ich gehorchte dem Befehle des Propheten», fuhr Siroco fort, «und ich fand diesen jungen Menschen; er gefiel mir, und mit dem größten Vergnügen habe ich ihn in Argentinen, deren Bildnis ich ihm gab, verliebt gemacht; aber während daß ich dem Vergnügen nachhing, meiner Tochter einen so liebenswürdigen Gatten zu versichern und Euch Euern Sohn wiederzugeben, wurden durch einen Zufall etliche Tropfen von dem Elixier der vollkommenen Liebe auf den Tisch verschüttet, und in dem dicken Rauche, der dadurch verursacht wurde, verlor ich Euern Sohn. Diesen Morgen berichtete mich die Sklavin, die Ihr hier sehet, sie habe die Verräter entdeckt, die mir meine beiden Töchter geraubt haben; ich flog zur Rache, aber wenn sie, wie Ihr mich versichert, zu nichts helfen würde, so will ich mich Eurer Leitung und meinem Schicksal unterwerfen.»

«Ich hoffe, es wird uns günstig sein», versetzte der Bassa; «wenigstens sind wir so gut als gewiß, daß wir diese Nacht die goldene und die silberne Uhr haben werden. Schicket sogleich nach der jungen Zelide; laßt sie in Zambaks Arme kommen, um das Vergnügen, zwei so zärtlich geliebte Schwestern wiederzusehen, mit ihr teilen zu können.» Siroco winkte der alten Sklavin seinen Befehl zu, und sie ging ab.

In diesem Augenblicke traten Ibrahim und Hassan, deren Buße für heute vorüber war, herein und umarmten Neangirn, welchen der Bassa ihnen als ihren Bruder darstellte. Es schien, als ob sie in diesem Augenblick alle ihren Kummer vergessen hätten; und auf die Nachricht, die man ihnen von dem Versprechen der Tochter Moyses gab, öffneten sich ihre Seelen den tröstlichen Hoffnungen.

Gegen Abend stellte sich die schöne Jüdin mit ihrem Buche ein. Sie öffnete es und rief den Hassan auf, zu kommen und sein Schicksal darin zu lesen. Wirklich fand man in hebräischer Sprache diese Worte auf einem eigenen Blatte: «Die rechte Hand ist schwarz und zu Ebenholz geworden, weil sie das Fett eines unreinen Tieres angerührt, da die christliche Sklavin ihren Kuchen knetete; und sie wird so lange Ebenholz bleiben, bis das letzte von der Rasse des unreinen Tieres im Meer ersäuft worden sein wird.»

«Leider!» sagte Hassan, «erinnere ich mich dessen nur zu wohl; ich sah eine christliche Sklavin einen Kuchen zubereiten; sie warnte mich, ihn nicht anzurühren, weil er mit Schweinfett gemacht sei; ich tastete ihn aber demungeachtet an, und plötzlich wurde meine Hand so, wie Ihr sie sehet.»- «O weiser Derwisch», rief der Bassa aus, «du hattest wohl recht: sobald mein Sohn der Lehre ungehorsam ward, die du ihm gabst, als du ihm das Armband schenktest, so wurde er nach der Strenge dafür bestraft. Aber, gute Sumi, wo werden wir das letzte von der Rasse des unreinen Tieres finden, das zum Unglück meines Sohnes den Anlaß gab?» - «Leset», antwortete Sumi, nachdem sie ein paar Blätter umgeschlagen; und der Bassa fand diese Worte: «Das schwarze Ferkel ist in dem Sacke von rosenfarbem Taft, den die zwei zirkassischen Tänzerinnen tragen.» Bei diesen Worten stürzte der Bassa voll Verzweiflung auf den Sofa hin. «Oh, ganz gewiß», rief er, «ist das der Sack, den mir diesen Morgen zwei unbekannte Weibspersonen um dreihundert Zechinen verkaufen wollten; und allem Ansehen nach sind sie es eben die Zirkasserinnen, welche die beiden Brüder der schönen Sumi tanzen machten und ihnen die Talismane der Töchter Sirocos entwendeten. Wehe mir, daß ich sie davongehen ließ! Sie hätten aller unsrer Not ein Ende machen können. Man eile, sie aufzusuchen, sie wiederzubringen; ich bin bereit, ihnen die Hälfte meiner Schätze zu geben.»

Während daß der Bassa seinen Unmut so ausließ, hatte Ibrahim das Buch der Geheimnisse ebenfalls aufgeschlagen und mit Beschämung diese Worte darin gefunden: «Der Tesbusch wurde abgereihet, um Gerad oder Ungerad zu spielen: der Eigentümer desselben wollte betrügen und ein Kügelchen heimlich auf die Seite schaffen; der Unredliche mag so lange suchen, bis er die fehlende Koralle findet.» - «O Himmel», rief lbrahim, «itzt besinne ich mich der unseligen Geschichte wieder; ich hatte den Faden der Betschnur abgeschnitten, um mit der schönen Aurore zu spielen; ich hatte alle neunundneunzig Korallen in der Hand, und sie riet ungerade; um zu gewinnen, ließ ich eine fallen; es war nun gerade, und sie verlor; aber wiewohl ich täglich drei ganzer Stunden suchen muß, hab' ich doch mit allem meinem Suchen das Kügelchen, das ich fallenließ, nicht wiederfinden können.» - «O du weiser Derwisch», sagte der Bassa, «wohl behältst du recht! Sobald der Tesbusch, den du meinem Sohne schenktest, nicht mehr vollzählig war, mußte er schwer dafür büßen! Aber sollte uns das Buch des Moyses kein Mittel zeigen, wie der arme Ibrahim seiner täglichen Marter wieder loswerden könnte?» - «Höret», sagte Sumi, «was ich hier lese: ‹Die Koralle ist in die fünfte Falte der Robe von goldnem Mohr gefallen.›» - «Wie glücklich», rief der Bassa; «wir werden die schöne Aurore nun bald zu sehen bekommen; vergiß ja nicht, mein Sohn, in der fünften Falte ihrer Robe zu suchen: denn gewiß meint das Buch der Geheimnisse keine andre.»

Kaum hatte die schöne Jüdin das Buch wieder zugemacht, so erschien die alte Sklavin mit der jüngsten Tochter des Siroco, unter der Bedeckung verschiedener Kämmerlinge. Die Freude, ihren geliebten Hassan zu sehen, hatte das holde Kind noch reizender gemacht, als Neangir an dem Abend, da er mit ihr zu Nacht speiste, sie gefunden hatte. Hassan war vor Entzücken außer sich; und Zambak, welche Zelide noch nie gesehen hatte, konnte nicht müde werden, sie mit Liebkosungen zu überschütten, so sehr war sie von ihrer Anmut und Artigkeit bezaubert. Die beiden andern Brüder hätten sich kaum erwehren können, Hassans Glück mit neidischen Augen anzusehen, wenn die Hoffnung, womit Sumi sie bei guter Laune zu erhalten suchte, ihrer Erfüllung nicht mit jeder Stunde nähergekommen wäre.

Indessen war es Abend geworden, und die Gesellschaft stieg in die Gärten des Bassa herab, um der frischen Luft zu genießen, die den Wohlgeruch unzähliger Gattungen von Blumen und blühenden Büschen überall umherstreute. Was die größte Schönheit dieser Gärten ausmachte, waren verschiedene große Terrassen, von denen man nach und nach wie auf Stufen bis zum Meerufer herabstieg. Die schöne Zambak erwählte die unterste dieser Terrassen, um daselbst unter einer großen Laube von Jasminen, die am äußersten Ende stand, mit der ganzen Gesellschaft auszuruhen. Sie hatten sich kaum niedergelassen, als sie durch ein Getöse überrascht wurden und, indem sie aufmerksam gegen die Mauer, woher es kam, hinhorchten, mit großer Heftigkeit reden hörten. «Undankbare», sagte eine männliche Stimme, «können fünf Jahre, seit ich Euch mit der feurigsten Leidenschaft liebe, mir keine bessere Begegnung von Euch verschaffen? Sehet selbst, was für eine unerträgliche Beleidigung Ihr mir da wieder zugefügt habt! Ich muß mich nun gänzlich aus der Welt verbannen, und diese Höhle selbst ist noch nicht finster genug, mich vor den Augen aller Menschen zu verbergen.» Diese Rede erregte eine allgemeine Aufmerksamkeit; aber man hörte statt der Antwort nichts als ein Gelächter, das kein Ende nehmen wollte. «Ah, ihr treulosen Geschöpfe», fuhr die nehmliche Stimme fort, «hätte ich mich nach den großen Wohltaten, die ich euch erwiesen, einer solchen Begegnung zu euch versehen sollen? Ist's das, was ihr mir versprachet, als ich euch die Talismane der Schönheit in die Hände spielte? Leider seid ihr dadurch nur angereizt worden, mich treuloserweise zu verlassen; und da ich euch endlich wiedergefunden, so macht ihr euch kein Bedenken, mir den empfindlichsten Schimpf anzutun! Ist das der Dank dafür, daß ich euch das kleine schwarze Ferkel geschenkt habe, womit ihr das größte Glück machen könnt?»

Bei diesen Worten stieg die Verwunderung und die Begierde, noch mehr zu wissen, bei den Zuhörern auf den höchsten Grad. Der Bassa ließ sogleich alle seine Leute zusammenrufen und befahl ihnen, die Mauer einzureißen, die ihn von den Unsichtbaren trennte, deren Stimme man gehört hatte. Sein Befehl war in wenig Augenblicken ins Werk gesetzt; aber man fand den Mann, der gesprochen hatte, nicht mehr: man sah bloß zwei junge Personen von außerordentlicher Schönheit, die, ohne die mindeste Unruhe über diesen Vorgang blicken zu lassen, mit leichten tanzenden Schritten der Gesellschaft auf der Terrasse sich näherten. Ein alter Schwarzer kam hinter ihnen drein, den der Bassa für eben den Guluku erkannte, dem er Neangirn anvertraut hatte, ehe er in einen kupfernen Kochtiegel verwandelt wurde.

Sobald der Sklave den Bassa ansichtig wurde, warf er sich mit dem Angesicht auf die Erde vor ihm hin und sprach sich selbst sein Urteil. «Ich verdiene den Tod», sprach er, «weil ich Euern Sohn verlorengehen ließ; aber mein Verbrechen war unvorsetzlich und verdient keine grausame Bestrafung.» - «Stehe auf, Guluku», sagte der Bassa; «ich habe meinen Sohn wiedergefunden; dein Versehen soll dir verziehen sein, zumal da du dich, wie man mir sagte, selbst bestrafen wolltest und dich ins Meer stürztest, als mein Sohn verschwunden war. Aber sage mir, wie es zuging, daß ich dich noch am Leben finde? Und vor allem sage, wer sind diese beiden schönen Mädchen, und was bedeuten die Reden, die soeben in dieser Höhle geführt wurden?» - «Mein gebietender Herr», antwortete Guluku, «aus Verzweiflung über den Verlust meines jungen Herrn hatte ich mich zwar ins Meer gestürzt; aber sobald ich im Wasser war, behielt die Liebe zum Leben die Oberhand. Ich schwamm, so lang ich konnte, und erreichte endlich mit vieler Mühe das Ufer. Dort fand ich einen guten Derwisch, der mich das eingeschluckte Wasser wieder von mir geben ließ und Sorge zu mir hatte. Ich erzählte ihm das Unglück, das mir zugestoßen, und er schien alles für bekannt anzunehmen. ‹Ich weiß, was aus deinem jungen Herrn geworden ist›, sagte er; ‹er wird sich wiederfinden; aber inzwischen wirst du wohl tun, wenn du deinem Herren aus dem Wege gehst. Ich will dich als Bedienten zu einem Paar junger Frauenzimmer bringen; du sollst sie heute noch zu einer großen Lustbarkeit begleiten und in allem zu ihrem Befehle sein.› Ich folgte also dem Derwisch, und so stellte er mich diesen beiden jungen Damen vor, die ich seit diesem immer als ihr getreuer Sklave begleitet habe; aber was ihren Stand und ihre Geschichte betrifft, darüber werden sie Euch selbst die beste Auskunft geben können.» - «Vor allem sagt mir», fuhr der Bassa etwas rasch heraus, «wo ist das schwarze Ferkel, dessen ich erwähnen hörte?» - «Herr», antwortete sogleich eine von den beiden Mädchen, wiewohl die Frage nicht an sie gerichtet war, «sobald der Alte, bei dem wir waren, die Mauer einreißen hörte, entfloh er durch eine Öffnung, die ins Feld hinausgeht, und da hat er den Sack zusamt dem Ferkel mitgenommen.» «Man laufe ihm eilends nach», rief der Bassa, «und ergreife ihn!» - «Ihr könnt ganz ruhig sein, mein Herr», sagte das andere Mädchen; «der Mann ist ein Derwisch, er ist in uns verliebt, und er kommt ganz gewiß wieder; gebt nur Befehl, daß man den Eingang bewache, um ihm, sobald er wieder drin ist, den Ausgang zu versperren.»

Weil der Tag beinahe gesunken war, kehrte die ganze Gesellschaft in den Palast zurück. Der Bassa und Siroco schienen sehr von den Reizungen der beiden Unbekannten eingenommen und erwiesen ihnen große Achtung; aber was ihnen eigentlich am Herzen lag, war doch, je bälder, je lieber herauszubringen, ob sie nicht diejenigen seien, die im Besitz der zwei Talismane waren, welche Izif und Izuf Auroren und Argentinen entwendet hatten.

Man trat in einer prächtigen Galerie ab, die den Harem von dem vordern Teile des Palastes absonderte. Sie war durch eine große Anzahl kristallner Kronleuchter mit silbernen Lampen beleuchtet. Sobald man Platz genommen hatte, wurde die Gesellschaft mit Kaffee, Sorbet, trocknen und eingemachten Früchten und einer Menge anderer Erfrischungen bedient. Der Bassa, dem seine Zweifel lästig zu werden anfingen, befahl die drei Juden herbeizuholen, um zu sehen, ob sie die beiden jungen Personen für diejenigen erkennen würden, die ihnen in dem Karawanserei ihre Kostbarkeiten abgenommen; aber man brachte ihm die Nachricht: Während daß die Sklaven gegangen seien, die Mauer einzureißen, hätten sich die drei Juden aus dem Staube gemacht. Die schöne Sumi erblaßte bei dieser Zeitung, beruhigte sich aber bald wieder, nachdem sie, ohne bemerkt zu werden, ihr Buch hervorgezogen und einen Blick dareingetan hatte. Sie steckte es geschwind wieder ein und sagte halblaut: «Sie werden den Derwisch erwischen, man braucht ihrentwegen in keiner Unruhe zu sein.» Indessen konnte sich Hassan doch nicht enthalten, seinen Unmut laut werden zu lassen. «Wir sind doch sehr unglücklich», rief er aus; «wenn uns das Glück auf der einen Seite in die Hände läuft, so geschieht es immer nur, um uns auf der andern wieder zu entwischen.»

Ein Leibpasche des Bassa, der alles bei ihm galt, konnte sich über diesen Gedanken des Lachens nicht enthalten. «Gnädiger Herr», sagte er zu Hassan, «was kümmern Euch die drei Juden? Ich würde mich an Eurer Stelle an diesen beiden jungen Personen erholen, die ich nicht gegen alle Juden in der Welt vertauschen wollte. Dies Glück kam uns tanzend, jenes lief auf Krücken davon; es wird nicht sehr weit laufen.» Der Bassa, dem diese Freiheit seines Paschen in der bösen Laune, worin er sich eben befand, anstößig war, befahl ihm, sich sogleich zu entfernen und ihm nicht wieder vor die Augen zu kommen. «Ich gehorche, mein Gebieter», sagte der Pasche; «aber es soll nicht lange anstehen, so will ich in so guter Gesellschaft wiederkommen, daß Ihr mich mit Vergnügen sehen sollt.» Und damit verschwand er, ohne daß man begriff, was er sagen wollte.

Die Ungeduld, zu wissen, ob die beiden schönen Unbekannten die Talismane der Töchter Sirocos in ihrer Gewalt hätten oder nicht, wurde inzwischen immer dringender; und Neangir konnte sich endlich nicht länger halten. «Ihr sehet hier», sagte er zu ihnen, «drei junge Leute, die von der heftigsten Leidenschaft eingenommen sind. Nichts ist liebenswürdiger als die Gegenstände unsrer Sehnsucht; aber zwei von ihnen leiden großes Ungemach und sind aller ihrer Vorzüge beraubt. Wenn es nur bei Euch stände, wolltet Ihr ihnen nicht ihre Reize und ihre Freiheit wiedergeben?»

Bei diesen Worten schienen die beiden Unbekannten vor Zorn feuerrot zu werden. «Was?» sagte eine von ihnen mit einer Heftigkeit, die ans Komische grenzte. «Wir? Wir sollten den Leiden irgendeines Liebenden abhelfen? Nein, macht Euch keine Hoffnung dazu! Wir sind Eure Sklavinnen nicht, und Ihr könnt uns nicht dazu zwingen. Nachdem das Schicksal so grausam gegen uns gewesen ist, uns unsrer Geliebten auf ewig zu berauben, möchte doch die ganze Welt ebenso unglücklich sein als wir. Ja, meine liebe Schwester», setzte sie hinzu, sich zu ihrer Gefährtin wendend, «wiewohl mein Kopf leicht geworden ist, so werde ich doch unsrer Schwüre nie vergessen; und sofern es in unsrer Macht steht, soll niemand, den die Liebe begünstigen will, unsers Unglücks durch seine Freude spotten!»

Diese Reden setzten alle Anwesenden in große Verwunderung, und man ersuchte die Unbekannte, sich zu erklären, was es mit ihrem Unglück für eine Bewandtnis habe und durch was für einen Zufall ihr Kopf leicht geworden sei. Sie bezeugte sich dazu nicht abgeneigt, und nachdem sie einen Blick auf ihre Gesellin geworfen, als ob sie sich ihre Einwilligung ausbäte, begann sie ihre Erzählung folgendermaßen:

«Mein Name ist Dely, und meine Schwester hier nennt sich Tezile. Wir sind in Zirkassien geboren und wurden von unsern Eltern, die sich große Hoffnungen von unsrer Gestalt machten, von früher Kindheit an für den Harem des Großherrn bestimmt; eine Spekulation, womit Leute von geringem Stande und Vermögen in unserm Lande sehr gewöhnlich ihre Glücksumstände zu verbessern pflegen. Zu diesem Zwecke wurden wir frühzeitig in allen Künsten geübt, die den natürlichen Reiz der Jugend und Schönheit erhöhen; und ich darf sagen, daß wir schon als sehr junge Mädchen auf allen Arten von Instrumenten, im Singen und vornehmlich im Tanzen wenige unsersgleichen hatten. So hart es auch unsre Eltern anzukommen schien, sich von uns zu trennen, so vergnügt waren sie doch, als diejenigen, welche sich damit abgeben, Odalisken für den Harem des Großherrn aufzukaufen, nachdem sie uns in Augenschein genommen hatten, uns würdig fanden, dem obersten Beherrscher der Gläubigen dargestellt zu werden. Der Tag, an welchem wir nach Konstantinopel abgehen sollten, war nun bestimmt, als wir des Abends zuvor zwei junge Unbekannte von der einnehmendsten Gestalt in unsre Wohnung treten sahen. Der eine schien zwanzig Jahre alt; seine Haare waren rabenschwarz, seine Augen voll Feuer, und sein Gesicht glühte in der lebhaftesten Farbe der Gesundheit; der andere, der kaum fünfzehn zu haben schien, war blond, hatte himmelblaue Augen, eine blendendweiße Haut, die das frischeste Rosenrot durchschimmern ließ, und überhaupt so feine Züge und eine so zarte Bildung, daß er für das schönste Mädchen hätte verkauft werden können. Sie redeten uns mit einem furchtsamen Anstand an und gaben vor, daß sie sich verirret und wegen einbrechender Nacht genötiget gesehen hätten, eine Zuflucht bei uns zu suchen. Unsre Mutter, wiewohl nicht ohne Angst vor unsern Käufern, denen ein solcher Besuch nicht anständig hätte sein mögen, konnte es doch nicht über ihr Herz bringen, sie abzuweisen, und erlaubte ihnen also, die Nacht in unsrer Hütte zuzubringen. Wenn diese beiden jungen Fremdlinge auf unsre Eltern selbst Eindruck gemacht hatten, so war es wohl kein Wunder, daß wir junge Mädchen, die außer unserm Vater noch keinen Mann gesehen hatten, ganz von ihrem Anblick bezaubert wurden. Vorher hatten wir uns auf unsre Abreise gefreut, in der kindischen Hoffnung, daß es uns nicht fehlen werde, große Damen im Harem des Sultans zu werden; nun stellten wir uns unser Schicksal als das fürchterlichste Elend vor: wir seufzten wider Willen bei jedem Atemzuge, und kurz, die heftigste Leidenschaft hatte sich in einem Augenblick unsrer kleinen Herzen bemeistert.

Inzwischen ward es Nacht. Ich lag neben Tezilen; aber beide ganz mit dem Bilde der jungen Fremdlinge beschäftigt, hatte keine von uns den Schlaf finden können. Endlich hörte ich dicht an meinem Ohre flüstern; ich war im Begriffe, laut aufzuschreien, aber zum Glücke ließ mich der erste anbrechende Tagesschimmer sehen, daß es der jüngste der beiden Fremden war, der neben mir saß, indes sein Gefährte sich auf der andern Seite mit Tezilen unterhielt. ‹Ruhig, schöne Dely›, flüsterte er mir zu, indem er mich bei der Hand nahm, ‹höre einen Prinzen an, den im ersten Augenblicke, da er dich sah, die Liebe zu deinem Sklaven gemacht hat.› Ich war außer mir, zitterte und verstummte und hatte nicht so viel Kraft, meine Hand zurückzuziehen, die er mit der zärtlichsten Inbrunst küßte. Er sagte mir hierauf, er nenne sich Alidor, sei der Sohn des Königs der schwarzen Marmorinsel; sein Gefährte sei zwar kein Königssohn, aber er besitze Geheimnisse, die ihn den größten Königen gleich machten; er selbst sei von dem Hofe seines Vaters heimlich entflohen, weil man ihn mit der Prinzessin Okimpare, einer Nichte des Königs, habe vermählen wollen, die zwar ein Wunder von Verstand und Schönheit sei, aber das rechte Auge ein wenig größer habe als das linke. Meine kleine Eitelkeit fand sich von einer so glänzenden Eroberung unendlich geschmeichelt, und ich kehrte ihm mit einem schmachtenden Blicke beide Augen zu, um ihm zu zeigen, daß die meinigen einander vollkommen gleich seien, aber dieser Blick hätte ihm beinahe den Verstand gekostet; ich sah, daß er die Augen verdrehte und in Gefahr war, unmächtig hinzusinken. Ich hatte nichts um mich als die Haut eines Tigers, den mein Vater auf der Jagd erlegt und womit er mir ein Geschenke gemacht hatte; ich konnte also unmöglich aufstehen, aber Tezile, die meine Verlegenheit merkte, warf einen Rock um und kam ihm mit Thelamir zu Hülfe. Als Alidor wieder zu sich selbst kam, fand er sich in einer Lage, die ihm mehr als die stärkste Liebeserklärung von meiner Seite wert sein mußte, denn ich hatte mich mit dem halben Leibe aufgerichtet, um seinen Kopf zu unterstützen, der, anstatt auf den Boden (wie ich gefürchtet hatte), an meinen Busen gesunken war. Meine Schwester, die vor Angst zitterte, daß man uns in diesem Zustande überraschen möchte, mußte alle ihre Stärke anwenden, ihn von mir wegzureißen.

Einen Augenblick darauf hörten wir ein Getöse, und unsre jungen Liebhaber hatten kaum noch Zeit, uns die Hand zu küssen und sich unsichtbar zu machen. Es waren unsre Führer, die uns abzuholen kamen. In der Verwirrung, worin wir uns befanden, mußten wir alles mit uns machen lassen, was man wollte. Wir sahen eine Karawane von mehreren Kamelen, deren jedes zwei große hölzerne Kasten trug. Unsre Eltern umarmten uns zum letzten Male, und man packte uns, mich und meine Schwester, in eines dieser Gehäuse ein, das oben durch ein Fenster Licht empfing und worin wir ganz bequem sitzen und liegen konnten. Wir reiseten auf diese Weise etliche Tage lang in großer Unruhe, was aus unsern Liebhabern geworden sei, die indessen Tag und Nacht der Inhalt unsrer Gespräche und Träume waren. Endlich erblickte ich eines Morgens durch das Fenster, das über meinem Kasten war, eine junge Person in einer Kleidung wie die unsrige, die mich bei meinem Namen rief. Ich sprang in Entzückung auf und erkannte den Prinzen Alidor, der mir sagte, Thelamir habe ihn auf diese Art verkleidet, indem er sich für einen Sklavenhändler ausgegeben, der dem Sultan eine wunderschöne Sklavin zum Geschenke bringen wollte. Diesem zufolge habe er einen Kasten auf eben dem Kamele, wo der unsrige war, gemietet und ihn als die vergebliche Sklavin darein verschlossen; und durch Thelamirs Beihülfe habe er Mittel gefunden, den Deckel seines Kastens aufzuheben und über den Saumsattel des Kamels bis an unser Fenster zu steigen. Wir waren außer uns vor Freude über diese schlaue Erfindung, die uns, verschiedene Tage durch, das Vergnügen verschaffte, einander zu sprechen oder wenigstens zu sehen; denn um nicht entdeckt zu werden, mußten wir bescheidener sein, als uns lieb war. Aber inzwischen näherten wir uns täglich dem fürchterlichen Orte unsrer Bestimmung, und die Frage war, wie wir es anstellen wollten, um uns in Freiheit zu setzen. Endlich meldete uns Alidor, Thelamir habe unterweges einen guten Derwisch gefunden, dem er weisgemacht, wir wären seine Schwestern, die ihm wider seinen Willen entführt würden; er habe ihn um eine Zuflucht gebeten, auf den Fall, daß er uns den Händen unsrer Räuber entreißen könnte; der Derwisch habe sich erbitten lassen, und es käme also nur darauf an, in der nächsten Nacht, wenn unsre Führer schliefen, durch die obere Öffnung unsrer Gehäuse herauszusteigen und mit ihm davonzugehen. Die Sache kam mit Hülfe unsrer Liebhaber glücklich zustande; wir stiegen heraus, ließen das Kamel stehen, und unsre Führer langten ohne Zweifel des folgenden Tages mit den leeren Kasten bei guter Zeit in Konstantinopel an.

Thelamir war inzwischen unser Wegweiser; wir gingen wieder zurück, und nachdem wir eine Zeitlang durch Pfade, die sonst keinem Menschen bekannt waren, fortgekrochen waren, langten wir an die Einsiedelei des Derwischen an, der uns erwartete. Wir fanden bei ihm eine gute Mahlzeit bereitet, wozu ihm Thelamir Geld gegeben hatte, und entschädigten uns nun für die auf unserm Kamele ausgestandene Langeweile durch das Vergnügen, an einem Orte, der der ganzen Welt verborgen war, in Freiheit und beisammen zu sein. Thelamir und Tezile, die einander seit vielen Tagen nicht gesehen hatten, schienen über dem Vergnügen ihrer Wiedervereinigung alles andere zu vergessen; ich hingegen überließ mich meiner natürlichen Fröhlichkeit. Da ich bemerkte, daß der gute Derwisch mich und meine Schwester nicht gleichgültig ansehen konnte, so verführte ich ihn, mehr Wein zu trinken, als seiner Weisheit zuträglich war, um ihn noch mehr zu entzünden und mit seiner lächerlichen Leidenschaft unser Spiel zu treiben. Tezile sang ein paar Liedchen, die ihn ganz aus seiner Fassung brachten; und ich selbst machte ihm, boshafterweise, so viele Liebkosungen, daß mein geliebter Alidor beinahe eifersüchtig darüber geworden wäre. So brachten wir die Nacht sehr kurzweilig hin. Des folgenden Tages schenkte uns der Derwisch einen schwarzen Sklaven zu unsrer Bedienung und sagte, es läge nur an uns, so wollte er uns zu den schönsten Personen in der ganzen Welt machen. ‹Folget mir alle›, sprach er, ‹in ein Karawanserei, das nicht weit von hier liegt; ihr werdet dort zwei Juden finden, die im Besitze unschätzbarer Kleinode sind, so sie gestohlen haben: trachtet sie in euere Gewalt zu bekommen.› Thelamir riet uns, von dieser Nachricht Gebrauch zu machen; wir folgten dem Derwisch in das Karawanserei, wo wir von einigen Kaufleuten wohl empfangen wurden und uns mit ihnen zu Tische setzten. Es währte nicht lange, so sahen wir die beiden Juden anlangen, die uns der Derwisch beschrieben hatte. Wir setzten sie zwischen uns; und da uns der Derwisch (ohne daß wir begriffen, was er damit sagen wollte) ins Ohr raunte, ihr Bruder habe getanzt, so mußten sie auch mit uns tanzen. Sie können sich rühmen, einen sehr vergnügten Abend mit uns zugebracht zu haben. Wir setzten sie in einen solchen Zustand, daß wir ihnen ohne Mühe alles, was sie hatten, abnahmen, und so überließen wir sie ihrem Schicksal.

Wir hatten sie kaum verlassen, so kam es dem Prinzen und Thelamir und mir selber vor, als ob Tezile hundertmal schöner geworden sei, als sie zuvor war; und das nehmliche sagten sie auch von mir. Thelamir, der selbst eine Menge Geheimnisse besaß, wünschte uns zu dem Schatze, den wir besäßen, Glück, sagte aber nicht, was es wäre.»

Siroco und der Bassa sahen einander hier mit einer Miene an, welche zu erkennen gab, daß sie einerlei Gedanken hatten: sie wollten aber die schöne Dely in ihrer Erzählung nicht unterbrechen.

«Wiewohl Alidor mehr als jemals von mir bezaubert schien, so mißbilligte er doch unsre Unternehmung und wollte schlechterdings nicht, daß wir zu dem gefährlichen Derwisch zurückkehren sollten. Wir schifften uns also, weil es doch nirgends sichrer für uns war, nach der schwarzen Marmorinsel ein und langten ohne einen widrigen Zufall in einem Schlosse an, das mitten in einem großen Walde lag und dem Thelamir zugehörte.

Wir erfuhren hier, daß des Prinzen Vater über seine heimliche Entweichung sehr aufgebracht sei, daß er noch immer auf seiner Vermählung mit der Prinzessin Okimpare bestehe und es also nicht ratsam für den Prinzen wäre, ihm unter die Augen zu kommen. Ich gestehe, wiewohl ich eben nicht ehrgeizig bin und meinen Prinzen bloß um seiner selbst willen liebte, so würde es mir doch unendlich geschmeichelt haben, an einem Hofe zu schimmern und alles dort unter mir zu sehen. Da es aber unter solchen Umständen nicht sein konnte, so überredeten wir einander ohne Mühe, daß wir, um glücklicher als Könige zu sein, nichts als unsre Liebe nötig hätten, zumal da unsre Liebe noch so jung war und uns in Thelamirs Schlosse nichts abging, was wir zu unserm Vergnügen wünschen konnten. Es glich einem wahren Zauberpalaste und war aus einem so glatt polierten Marmor erbaut, daß sich die Gärten, wovon es umgeben war, mit allen ihren Bäumen, Springbrunnen, Lauben, Teichen und Gebüschen darin wie in einem Spiegel abbildeten. Es war von einem ungeheuren Umfang und inwendig aufs prächtigste, bequemste und zierlichste eingerichtet. Besonders war da ein kleines, mit blaßgelbem Taft und Silber möbliertes Appartement, das ich für mich auswählte, weil es zu meinen pechschwarzen Haaren einen ganz entzückenden Effekt machte. Meine Schwester und ich wurden wie ein Paar kleine Königinnen gehalten. Wir hatten eine Menge bildschöner Sklavinnen zu unsrer Bedienung und alle Tage andere Kleider anzuziehen; kurz, wir waren über alle Maßen glücklich; und leider! fehlte nichts als daß es nicht länger dauerte. Doch eines hätte ich bald vergessen, wiewohl es in der Tat mehr dazu diente, unsre Glückseligkeit zu erhöhen als zu unterbrechen. Meine Schwester, die von Natur reicher an Zärtlichkeit ist als ich, befand sich in einem solchen Überflusse, daß ihr, nach allem, was sie davon an Thelamir verschwendete, noch etwas für den Prinzen übrigblieb und würklich (mit ihrer Erlaubnis) mehr als nötig war, um den armen Thelamir in die heftigste Eifersucht zu setzen. Dies brachte von Zeit zu Zeit kleine Stürme hervor, die aber durch Tezilens Tränen und meine gefällige Vermittlung sich immer wieder zu ihrem Vorteile legten und Aussöhnungen veranlaßte, wobei wir alle gewannen.

Mitten in diesem wonnevollen Leben kam uns die Nachricht zu, daß der König gefährlich krank liege. Ich riet dem Prinzen, nach Hofe zu gehen, um selbst zu sehen, wie es stünde, und sich den Großen des Reichs zu zeigen. Er konnte sich lange nicht entschließen, sich von uns zu trennen; aber endlich redete ihm Tezile an einem Morgen in Thelamirs Gegenwart so stark zu, daß er ihr nicht widerstehen konnte. Aber da ihm seine Liebe zu mir näher am Herzen lag als die Krone, so versprach er uns, daß er noch vor Nacht wieder bei uns sein wollte. Indessen brach die Nacht herein, ohne daß wir ihn wiederkommen sahen. Tezile, die an seiner Abreise schuld war, ließ eine Unruhe darüber blicken, in welcher Thelamir gar zu viel Zärtlichkeit zu sehen glaubte. Ich, meines Ortes, befand mich in einer unbeschreiblichen Bewegung. Ich stund mitten in der Nacht auf und machte mich, in der Hoffnung, ihm zu begegnen, ganz allein auf den Weg, den ich ihn durch den Wald hatte nehmen sehen. Mein Vorgefühl hatte mich nicht betrogen; ich hörte ein Geräusch: es war mein geliebter Prinz; er stieg vom Pferde, sobald er mich erkannte, und wir setzten uns zusammen ins Gras, um uns unserer beiderseitigen Empfindungen zu erleichtern. Wir hatten keine Zeit, von seiner Reise zu sprechen; das Vergnügen, wieder beisammen zu sein, beschäftigte uns ganz allein. ‹Liebster Prinz›, sagte ich zu ihm, ‹möchte ich Euch doch meine ganze Liebe zeigen können. O gewiß, meine Schwester, mit aller ihrer Zärtlichkeit, kann nicht lieben wie ich!› Mein geliebter Alidor war außer sich vor Vergnügen; und sein Gesicht auf das meinige gedrückt, antwortete er mir: ‹O gewiß, wie feurig auch Thelamir lieben mag, seine Liebe wird die meinige nie erreichen!› Kaum hatte Alidor diese Worte ausgesprochen, so hörte ich ein Geräusch hinter uns; wir hatten nicht Zeit, uns umzusehen, von einem einzigen Säbelzug flogen unsre beiden Köpfe und rollten etliche Schritte von uns im Grase.»

«Beim Mahomed», rief Siroco, «es geschah euch recht: wer wird sich auch so abgenutzter Wendungen bedienen, um seine Liebe auszudrücken? Und was soll das heißen: ‹Ich liebe dich so viel und so viel› - oder: ‹Andre Leute lieben nicht wie ich!› Das nenn' ich Plattheiten und klaren Unsinn. Hättet ihr einander was Gescheuteres oder lieber gar nichts gesagt, so würde euch diese Verdrießlichkeit nicht begegnet sein.» - «Oh, was das betrifft», fiel Tezile ein, um sich ihrer Schwester anzunehmen; «wenn das Herz recht voll ist, so hat der Kopf keine Zeit, auf Ausdrücke zu studieren.» - «Ihr seid auch gar zu streng, mein Herr», sagte Dely; «es wäre kein Bleiben mehr in der Welt, wenn man allen Leuten, die ohne Sinn reden, die Köpfe abschlagen wollte.

Aber, um meine Erzählung zu Ende zu bringen, in eben dem Augenblicke, da unsre Köpfe herunterflogen, hörte ich die Stimme Thelamirs, der in äußerstem Grimme zu uns sagte: ‹Treulose, antwortet mir, ich gebe euch auf etliche Augenblicke die Macht dazu: ungetreue Tezile, falscher Alidor, es ist heute nicht zum ersten Male, daß ich euer Einverständnis entdecke; was für Ursache habe ich euch gegeben, mir so mitzuspielen?› Nun sahe ich erst, daß mich Thelamir für meine Schwester gehalten hatte. ‹Ich bin nicht Tezile›, antwortete ihm mein Kopf mit schwacher Stimme; ‹ich bin die arme Dely, die Ihr mit Euerm Freunde unschuldig ums Leben bringt.› - ‹Wenn das ist›, versetzte Thelamir, indem er sich augenblicklich wieder faßte, ‹so seid ohne Kummer, ich kann euch das Leben wiedergeben.› Sogleich suchte er auch den Kopf des Prinzen, schob einem jeden von uns eine magische Pastille in den Mund und setzte uns unsre Köpfe wieder auf, die denn auch, durch die Wunderkraft der magischen Zeltchen, im Nu wieder so gut einpaßten und so fest saßen, daß nicht die mindeste Narbe daran zu sehen war; aber weil es Nacht und Thelamir in Eile war, hatte er sich vergriffen und meinen Kopf auf Alidors Hals und des Prinzen seinen auf den meinigen gesetzt.

Wir wunderten uns nicht wenig über die ungewohnten Vorstellungen, die aus unserm Herzen in unsern Kopf aufstiegen. Wir langten mit den Händen an unsre Stirne; des Prinzen seine waren ebensowenig gewohnt, einen weiblichen Kopfputz, als die meinigen, einen Turban da zu finden; wir konnten gar nicht begreifen, was mit uns vorgegangen sein müsse. Aber bei unsrer Zurückkunft in den Palast, wo uns meine Schwester mit Lichtern entgegenkam, wie groß war mein Erstaunen, da ich meinen Kopf auf einem andern Rumpf als auf dem meinigen stehen sah! Meine Schwester glaubte anfangs, daß ich die Kleider mit dem Prinzen verwechselt hätte; aber da sie ihren Irrtum gewahr wurde, so war ihr Erstaunen nicht kleiner als das unsrige; und weil es unmöglich war, ihr die Geschichte dieser seltsamen Versetzung unsrer Köpfe zu verbergen, so hatte Thelamir, der bei diesem allem die schlimmste Rolle spielte, nicht wenig zu tun, wegen eines so übel angebrachten Beweises seiner Liebe zu ihr, Verzeihung zu erhalten. Um seinen Fehler wiedergutzumachen, sagte er uns: Er habe noch ein paar Zeltchen von gleicher Kraft und Tugend, und wenn es uns gefällig wäre, wollte er die Operation wiederholen und jedem das seinige wiedergeben. Aber wir konnten uns nicht entschließen, die Probe noch einmal an uns machen zu lassen, und begnügten uns, die magischen Pastillen anzunehmen, die er uns anbot, um davon Gebrauch zu machen, falls wir jemals in den Fall kommen sollten, unsre Köpfe zu verlieren.

Inzwischen hatte der Irrtum des Thelamir natürlicherweise eine Menge Folgen, die uns alle Augenblicke in kleine Verlegenheiten setzten. Mein Kopf führte den Prinzen, ohne daran zu denken, in mein gelbes Zimmer, wo ihm aber meine Sklavinnen die Türe vor der Nase zuschlossen, mit der Versicherung, es wäre nichts darin, das ich brauchen könnte; und man führte mich in die Zimmer des Prinzen. Aber da man mich auskleiden wollte, hätte ich gleich vor Beschämung sterben mögen, so viele Mannsgestalten um mich herum zu sehen. Am allermeisten setzte mich meine eigene Person in Befremdung: ich war wie schlaftrunken und konnte mich gar nicht daran gewöhnen, Alidor zu sein, da ich doch in meinen Gedanken Dely war. Ich stellte mir vor, daß es dem Kopfe des Prinzen, der in diesem Augenblick auf meinem Körper in meinem Zimmer war, nicht besser ergehen würde, und ich hätte gar zu gerne sehen mögen, wie er sich dabei benähme; aber mit allen diesen Gedanken war mein Schlaf nicht der ruhigste. Indessen brauchte es doch nur wenige Tage, um uns selbst und alle Personen im Schlosse an diese Metamorphose zu gewöhnen. Ich wurde mit Alidors Kopfe die schönste Blondine von der Welt; Alidor wurde mit dem meinigen, so wie ihr ihn hier vor euch sehet (denn ich bekam ihn in der Folge wieder), ein Brünett, der die Miene hatte, einiges Unheil unter den Weibern anzurichten.

Bald darauf erhielten wir Nachricht, daß der König gestorben sei. Alidor, der mit meinem Kopfe eine Menge Ambition bekommen hatte, war voller Ungeduld, sich nach der Hauptstadt zu erheben und zum König ausrufen zu lassen. Aber nun wurden wir erst der schlimmsten Folge unsers Kopfwechsels gewahr, denn welches von uns beiden sollte den neuen König vorstellen? Die Person, die des Prinzen Gesichtszüge hatte, war ein Mädchen; der Prinz war unkennbar mit einem andern Gesichte als dem, so er immer geführt hatte; und den Großen des Reichs unsre Geschichte zu erzählen, hätte zu nichts helfen können, denn man würde sie nicht geglaubt haben. Es wäre schwer gewesen, uns durch einen vernünftigen Ausweg aus dieser Verlegenheit zu finden; aber mein Kopf ersparte uns diese Mühe: er tat, was er wollte, und so gingen wir, mein Liebhaber und ich, uns den Ständen darzustellen. Allein, wir fanden unsre Sache bereits in einer sehr schlimmen Lage. Der König, da er seinen Tod vor Augen sah, hatte seinen Sohn noch vorher enterbt und die Prinzessin Okimpare auf den Thron gesetzt. Die Großen des Reichs hatten eine Antwort für uns bereit, gegen welche gar nichts einzuwenden war: Sie würden, sagten sie, dem Sohne des verstorbenen Königs ohne Bedenken den Vorzug vor der Prinzessin gegeben haben; aber sie könnten ihn weder in Alidor noch in mir erkennen. Wir wurden also für Betrüger erklärt, man machte uns den Prozeß, und man verurteilte uns, noch zu allem Glücke, den Kopf zu verlieren. Unter andern Umständen würde uns diese Entwicklung unsrer Geschichte nicht die angenehmste gewesen sein, aber jetzt trösteten wir uns mit dem Gedanken, daß dies eine Gelegenheit sei, unsre eigne Köpfe wiederzubekommen und vielleicht dadurch den Sachen eine andre Wendung zu geben. Wir verließen uns auf den Beistand Thelamirs und Tezilens, welche Mittel gefunden hatten, auf das Schafott gelassen zu werden. Alles ging nach Wunsche vonstatten. Sobald unsre Köpfe herunter waren, steckte uns Thelamir die Pastillen, die er noch übrig hatte, in den Mund, setzte uns die Köpfe wieder auf und stellte nun, zu allgemeinem Erstaunen, dem versammelten Volke in Alidor den Sohn des Königs und den rechtmäßigen Thronfolger dar, welcher auch augenblicklich von jedermann dafür erkannt wurde. Okimpare, die auf einem Balkon des königlichen Palastes zusah, fiel in Ohnmacht und wurde weggetragen. Ich lief in Entzückung auf meinen geliebten Prinzen zu, um ihn in meine Arme zu schließen; aber wie groß war mein Entsetzen, da ich sah, daß sein Gesicht leichenblaß wurde, seine Augen allen Glanz verloren und da er mit schwacher Stimme zu mir sagte: ‹Ich sterbe, meine liebe Dely, aber ich sterbe als König und getreu.› Itzt sah ich, daß eine Pulsader seines Halses nicht recht eingepaßt war und das Blut meines lieben Prinzen unter seinem Rocke herabfloß. Kurz, der arme Alidor konnte sich nicht länger auf seinen Füßen erhalten; er sank in unsre Arme und atmete seine Seele aus. In diesem Augenblicke machte mich die Verzweiflung wütend. Ich ergriff das Schwert, das auf den Boden des Schafotts gefallen war. Thelamir wollte mir in die Hand fallen, weil er glaubte, daß ich mich selbst durchbohren wolle; aber ich bestrafte ihn dafür, daß er den Kopf meines geliebten Prinzen nicht besser aufgesetzt hatte, und stieß ihn mitten durchs Herz; er fiel tot zu den Füßen meines Liebhabers hin.»

Jedermann hörte mit größter Aufmerksamkeit einer so wundervollen Geschichte zu, als man gewahr wurde, daß Dely auf einmal todblaß wurde und daß Tezile auf die Polster, worauf sie saß, hingesunken war; so sehr hatte die Erinnerung an diese unglückliche Szene beide Schwestern angegriffen. Zambak befahl ihren Sklavinnen, alles anzuwenden, um sie wieder zurechte zu bringen, und ließ sie in ein Zimmer nahe an dem ihrigen tragen.

Inzwischen, und während daß man über die Geschichte, welche Dely erzählt hatte, allerlei Betrachtungen anstellte, rückte die Mitternacht herbei. Neangir, der neben der schönen Jüdin saß, zeigte ihr das Bildnis der reizenden Argentine und hörte mit großem Vergnügen von ihr, daß sie noch schöner sei, als sie da gemalt war. Die ganze Gesellschaft wartete nun mit Ungeduld auf die beiden Uhren, welche zu Sumi zurückkehren sollten, und der Bassa hatte deswegen befohlen, alle Türen im Palast offenstehen zu lassen; aber man war zugleich in großer Angst, derjenige, der sie diesen Morgen gekauft hatte, möchte sie von ungefehr aufgezogen haben und sie möchten also diese Nacht nicht wiederkommen, als man den jungen Paschen hereintreten sah, den der Bassa diesen Abend aus seiner Gegenwart verbannt hatte. Der Bassa warf einen zürnenden Blick auf ihn. «Asemi», sprach er zu ihm, «ist das der Gehorsam, den du meinen Befehlen leistest? Habe ich dir nicht verboten, mir vor die Augen zu kommen?» - «Mein gebietender Herr», antwortete Asemi mit Demut, «ich stand im Vorsaal bei der Türe und hörte der Erzählung dieser schönen Tänzerinnen zu. Ihr seid ein Liebhaber von Historien: ich weiß eine, die gar nicht lang ist, die Euch aber sehr interessieren wird; habt die Gnade, sie anzuhören, und wenn sie Euch nicht gefällt, so laßt mich nach der Strenge züchtigen.» «Es sei darum», sagte der Bassa; «gib wohl acht, was du sagen wirst.»

«Mein gnädigster Gebieter, ich lustwandelte diesen Morgen in der Stadt herum. Von ungefehr komme ich neben einem Manne zu gehen, dem ein Sklave von gutem Aussehen mit einem großen Korbe folgte. Der Mann geht vor einen Bäckerladen, läßt sich vom besten Brote geben und beladet den Sklaven damit. Hierauf geht er zu einem Obsthändler, kauft von seinen schönsten Früchten ein und übergibt sie dem Sklaven. Von da gehen wir auf den Markt, wo er das beste Wildbret und alle Arten Gewürz zur Zubereitung einkauft und es ebenfalls dem besagten Sklaven gibt.»

«Nun - bei meinem Leben», sagte Siroco, «Asemi wird unter zweihundert Prügeln auf die Fußsohlen nicht davonkommen; seine Erzählung ist nichts weniger als interessant.»

«Ich bin aber auch noch nicht damit zu Ende», sagte der Pasche; «das Interessante wird schon kommen, wenn man mich nur fortfahren läßt. Der Unbekannte sagte hierauf zu seinem Sklaven: ‹Trage nun das alles nach Hause und sorge dafür, daß das Essen bis Mitternacht auf den Punkt fertig ist; ich werde Gesellschaft haben, aber wir können nicht länger als eine Stunde bei Tische sein.› Der Sklave trabte mit diesem Befehle fort, und ich folgte meinem Unbekannten noch immer in einiger Entfernung. Da sah ich, daß er eine Uhr kaufte, sie in seinen Busen steckte und davonging. Einige Schritte vorwärts sah ich, daß er sich bückte, um eine goldne Uhr aufzuheben, die er vor seinen Füßen fand. Ich lief eilends hinzu, um meinen Anteil zu fordern, weil ich die Uhr zu gleicher Zeit gesehen hätte. ‹Das ist billig›, sagte er, führte mich in seine Wohnung, gab mir vierhundert Zechinen für die Hälfte der Kostbarkeit, die er in meiner Gegenwart gefunden hatte, und ließ mich damit gehen. Ich eilte nach Hause, um meinen Dienst zu tun, und begleitete Euch, gnädiger Herr, da Ihr bei dem Kadi abstieget. Hier hörte ich aus der Geschichte der drei Juden, was die beiden Uhren auf sich hätten; ich lief sogleich nach der Wohnung meines Unbekannten; aber ich traf niemand an als den Sklaven, der mich kurz zuvor bei ihm gesehen hatte und mich für einen seiner Freunde halten mochte. Da ich vorgab, ich hätte seinem Herrn etwas Wichtiges zu sagen, so ließ er mich hineingehen, um zu warten, bis sein Herr zurückkäme. Ich sah die beiden Uhren auf einem Tische liegen, steckte sie zu mir, legte statt der goldnen die vierhundert Zechinen und sechse statt der silbernen auf den Tisch und ging davon. Ich vergaß nicht, die Uhren zur gehörigen Zeit aufzuziehen, und in diesem nehmlichen Augenblicke sind Aurore und Argentine unter einem doppelten Schloß in meiner Kammer.»

Bei diesen Worten fiel Siroco, vor Freude außer sich, dem Paschen um den Hals, und alle übrigen liefen hinzu und erstickten ihn beinahe mit Umarmungen. Neangir und seine Brüder sprangen wie unsinnig herum, indessen Asemi auf einmal unsichtbar wurde, aber einen Augenblick darauf mit Auroren an der einen und Argentinen an der andern Hand in den Saal zurückkam.

Die Szene, die nun folgte, läßt sich besser denken als beschreiben. Zelide flog in die Arme ihrer so lange beweinten Schwestern; Siroco weinte vor Freuden, daß er seine Kinder wieder hatte; Zambak ließ sie neben sich auf den Sofa sitzen und konnte sich nicht satt an ihnen sehen; die drei Jünglinge standen und verschlangen sie mit ihren Augen; und Neangir fand seine geliebte Argentine tausendmal reizender, als er sie in ihrem Bilde gefunden hatte.

Inzwischen nahte sich Ibrahim der schönen Aurore, warf sich zu ihren Füßen und suchte und fand in der fünften Falte ihres Kleides die Koralle, die er verloren hatte. Voller Freude reihte er sie geschwinde mit den achtundneunzig übrigen an einen Faden und rief entzückt: «Der Tesbusch ist wieder vollständig, ich werde nicht länger suchen!» - «Aber ich Armer», rief Hassan, «ich werde noch immer weinen müssen und bin nun allein unglücklich. Es war doch wenigstens eine Art von Trost für mich, mein lieber Bruder, wenn ich dich in unserm Zimmer so herumrennen sah, während ich, in der tiefsten Traurigkeit versunken, auf meine schwarze Hand herab weinte!» Man tröstete den armen Hassan so gut als möglich, indem man ihm vorstellte, daß der Derwisch mit dem rosenfarbtaftenen Sack ganz unfehlbar würde eingeholt werden.

Neangir, dem vor dem bloßen Gedanken schauderte, daß seine geliebte Argentine in Gefahr gewesen war, von einem Unbekannten aufgezogen zu werden, erkundigte sich bei ihr, ob sie nicht wisse, wer dieser Mann sei und wie er hinter ihr Geheimnis habe kommen können. «Alles, was ich davon weiß», sagte sie, «ist, daß es der nehmliche Musulmann war, bei dem ihr gestern euer Nachtlager hattet; und daß ich, während ihr eure Tür aufschlosset, um uns auf der Treppe einzuholen, jemand sagen hörte: ‹Geht nur, ihr artigen Kinder, morgen will ich euch kaufen und nicht so nachlässig sein wie er.› Neangir fiel dem Paschen von neuem um den Hals und konnte nicht Worte genug finden, ihm seine Dankbarkeit auszudrücken. Inzwischen wurde eine Kollation für die beiden Schwestern aufgetragen, und nachdem Siroco das Fläschgen mit dem Elixier der vollkommnen Liebe hatte holen lassen, brachten es Neangir und Ibrahim jeder seiner Geliebten zu. Sobald sie davon getrunken hatten, blitzten ihre Augen von einem noch schönern Feuer, und sie wurden nicht müde, einander ewige Zärtlichkeit zuzuschwören. Die Freude war so groß, daß man ganz vergessen hatte, daß sie nur eine Stunde dauern würde. Diese glückliche Stunde war nur zu bald vorbei; auf den Schlag eins verschwanden die Töchter Sirocos und wurden wieder Uhren. Allgemeine Traurigkeit folgte nun auf die allgemeine Freude; aber Asemi versprach bei Verlust seines Kopfes, der Bezauberung binnen vierundzwanzig Stunden ein Ende zu machen, wenn man ihm die Uhren anvertrauen wollte. Seine Bitte wurde ihm zugestanden, und der Bassa, um ihm desto mehr Lust zur Sache zu machen und ihn für die Zechinen, die er dem Unbekannten wiedergegeben, zu entschädigen, warf ihm einen Beutel mit tausend Dukaten zu.

Sobald es tagte, stieg Asemi (den die Freude über seinen Reichtum und sein Versprechen, die Töchter Sirocos zu entzaubern, die ganze Nacht durch wach erhalten hatte) in die Gärten herab. Nachdem er einige einsame Gänge durchloffen, machte ihn eine schöne Stimme aufmerksam, die aus einem nicht weit entfernten Gebüsche zu kommen und sich mit den erwachenden Vögeln, deren anmutig wildes Wirbeln und Gluchzen die Luft erfüllte, wie in die Wette hören zu lassen schien. Der junge Mensch folgte der Stimme, schlich unbemerkt hinzu und erkannte die beiden Zirkasserinnen. Die Sängerin (es war Dely) saß auf dem Rasen und hatte eine Menge Blumen in ihrem Schoße, womit Tezile die Haare ihrer Schwester zu durchflechten beschäftigt war; und da sie ohne Zeugen zu sein glaubten, so dachten sie auch an keine Zurückhaltung. Delys Haare wallten, größtenteils noch aufgelöst, um ihre bloßen Schultern und um ihren Busen; und Tezile, welche die weiten Ärmel ihres Kaftans zurückgeschlagen hatte, ließ Arme von unbeschreiblicher Schönheit sehen. Asemi, der selbst äußerst wohlgebildet und noch in der ersten Jugend war, konnte bei einem so reizenden Schauspiel keinen gleichgültigen Zuschauer abgeben; und beinahe hätte er, über den Regungen, die er fühlte, das Interesse seiner Gebieter und der Töchter Sirocos vergessen. Nachdem er seinen Augen eine Zeitlang gütlich getan, wollte er sich den lieblichen Schwestern nähern. Diese waren, beim ersten Geräusche, das sie hörten, im Begriff davonzulaufen, als er die schöne Dely zurückhielt. «Warum vor mir fliehen», sagte er; «was könnt ihr in den Gärten dieses Palastes fürchten?» - «Was wir fürchten?» versetzte Tezile lächelnd; «nichts, als daß Ihr eine von uns mehr lieben möchtet als die andere und also eine unglücklich sein müßte. Ihr seid nicht der alte Derwisch, der nur die unglücklich macht, der er den Vorzug gibt.» - «Der Derwisch liegt euch sehr am Herzen, wie ich sehe» erwiderte Asemi; «aber erlaubet mir, mich hier neben euch zu setzen, und erzählet mir, wenn ich bitten darf, wie es euch, nach dem unglücklichen Schicksal eurer Liebhaber, in der schwarzen Marmorinsel erging und wie ihr dem alten Derwisch wieder in die Hände geraten seid.»

«Von Herzen gerne», sagte Tezile. «Sobald ich meinen geliebten Thelamir fallen sah...»

«Oh», fiel ihr der Pasche ein,«ich bitte gar schön, laßt Dely erzählen; nicht, als ob Ihr nicht Verstand wie ein Engel hättet, aber sie hat so einen gewissen Ton der Stimme, daß man Musik zu hören glaubt, wenn sie spricht.» - «Gut», sagte Dely, «damit Ihr seht, daß wir die gefälligsten Mädchen von der Welt sind, so will ich erzählen, weil Ihr's so haben wollt.

Sobald also der arme Prinz und Thelamir das Leben verloren hatten, ließ uns die Königin Okimpare in ihrem Palast abholen; und um sich zu rächen, daß ich ihre Nebenbuhlerin gewesen war, legte sie uns die Strafe auf, noch am nehmlichen Tage in einem großen öffentlichen Schauspiele zu singen und zu tanzen. Es war sehr natürlich, wie Ihr seht, daß mein Kopf, während er zweimal von einem Leibe auf einen andern versetzt wurde, sich ein wenig auslüftete. Würklich war er dadurch so leicht geworden, daß ich nicht merkte, wie übel es sich schicke, an dem nehmlichen Tage zu tanzen, da ich einen Liebhaber wie Alidor verloren hatte: ich bezauberte alle Menschen durch meine Leichtigkeit. Was meine Schwester betrifft, die immer ein weiseres Mädchen gewesen ist als ich, die sang so zärtliche und schmachtende Arien, daß man vor Langerweile dabei seufzte; und die Worte, die sie dazu wählte, waren so albern, daß sie alle Sängerinnen der Welt hätten um den Kopf bringen sollen. Indessen, weil man sich immer wieder am Ballett erholte, so fehlte es unsern Schauspielen nicht an Zuspruch. Um diese Zeit war es, daß meine Schwester mich endlich dahin brachte, den Schwur mit ihr zu tun, daß wir alle Liebhaber so unglücklich machen wollten, als wir es selbst gewesen wären. Sobald wir ein paar Herzen einverstanden sahen, boten wir allen unsern Verführungskünsten auf, um den Liebhaber in unser Garn zu ziehen; die Geliebte wußten wir durch die boshaftesten Afterreden gegen ihn einzunehmen; kurz, es war keine Möglichkeit, dem Gifte zu widerstehen, das wir über alle diejenigen ausspritzten, welche durch Herz, Geschmack oder Konvenienz miteinander verbunden waren. Die Damen machten endlich gemeine Sache gegen uns und bestürmten die Königin mit so bittern Klagen, daß sie uns auf ewig aus ihrer Insel verbannte. Man brachte uns mit unserm Sklaven Guluku auf ein Schiff und setzte uns in der Gegend von Konstantinopel ans Land, ohne sich weiter um unser Schicksal zu bekümmern. Am Ufer der See sahen wir einen Alten in einer Beschäftigung, die uns sonderbar vorkam. Er vertrieb sich die Zeit damit, kleine schwarze Schweinchen, eines nach dem andern, im Meere zu ersäufen, und sprach während dieser Operation mit ihnen, als ob sie ihn hätten verstehen können. ‹Eure unselige Rasse›, sprach er zu ihnen, ‹hat den jungen Menschen unglücklich gemacht, dem ich das Armband von Medina schenkte: dafür sollt ihr mir auch alle sterben!› Wir näherten uns ihm aus Vorwitz und erkannten in ihm den nehmlichen Derwisch, der uns bei sich aufgenommen hatte, als wir den Kaufleuten, die uns ins Serail führten, entflohen waren. Sobald der Derwisch auch uns erkannte, gab er seine Arbeit auf und lief mit unbeschreiblicher Freude auf uns zu. Wir wollten von ihm wissen, was das zu bedeuten hätte, was wir soeben gehört und gesehen hatten. Aber ohne sich in eine Erklärung einzulassen, führte er uns in eine Höhle, die er bewohnte, und machte uns mit dem einzigen Schweinchen, das noch lebte, ein Geschenke. Der Bassa vom Meere, sagte er, würde uns soviel dafür geben, als wir nur verlangen wollten. Da sein Geschenk von solcher Wichtigkeit war, so leerte ich meinen Arbeitssack aus und steckte das Schweinchen hinein. Diesen Morgen wollten wir es dem Bassa anbieten, aber er wies uns spöttisch ab. Wir beschlossen, uns an dem Derwisch, der uns zum besten gehabt hatte, zu rächen; und da wir ihn bei unsrer Zurückkunft schlafend fanden, schnitten wir ihm den ganzen Bart bis auf die Stoppeln ab, so daß er sich vor keinem Menschen mehr sehen lassen darf Das war es, was uns so großen Spaß machte, als man die Mauer der Höhle einschlug, worin wir uns mit ihm befanden.»

Asemi, dem es nicht an Lebhaftigkeit fehlte, scherzte mit Dely über diese neue Probe der Leichtigkeit ihres Kopfes, und von Scherz zu Scherz kam er endlich so weit, daß er den beiden Schwestern, im ganzen Ernste, wie es schien, die zärtlichsten Sachen von der Welt vorsagte. Die Zirkasserinnen schienen, aus Koketterie oder zur Kurzweil, Gefallen daran zu finden; und wiewohl sie sich die Miene gaben, als ob sie einen hohen Wert auf ihre kleinsten Gnadenbezeugungen legten, so schienen sie doch nicht abgeneigt, zugunsten des schönen Paschen eine Ausnahme von ihrem Gelübde zu machen, wofern er Mittel finden könnte, sie von der Aufrichtigkeit seiner Liebe zu überzeugen. Asemi erbot sich zu jeder Bedingung und Probe. «Die sichersten Mittel, euch zu gefallen, meine reizenden Gebieterinnen», sagte er, «werden diejenigen sein, die ihr mich selbst lehren werdet. Sagt mir nur, was ich tun soll und wie ihr mich haben wollt.» - «Das ist so schwer nicht», versetzte Dely, «wer gefallen will, muß angenehm, aufmerksam und verschwiegen sein, muß der geliebten Person immer tausend kleine Dienste erweisen, ihr immer etwas Verbindliches zu sagen haben.» - «Oh», fiel Tezile ein, «wir haben von unsern Gespielinnen auf der Marmorinsel noch ein weit hübscheres Geheimnis gelernt.» - «Und was ist das?» fragte Asemi mit Lebhaftigkeit. «Freigebig sein», antwortete Tezile lachend; «nichts gewinnt die Herzen so schnell als das!» - «Gut, daß ihr mich erinnert», versetzte der kleine Schalk, der seine geheimen Absichten hatte; «darf ich bitten, schöne Dely, diese Uhr von mir anzunehmen, die Euch, eh' ich hieherkam, schon zugedacht war?» (Mit diesen Worten gab er ihr die goldne Uhr in die Hand, und Dely nahm sie mit Bewunderung an.) «Und weil Ihr eine Liebhaberin von kleinen Diensten seid, so erlaubet mir, Euern Kopfputz zu vollenden.» - «Ich bin's zufrieden», sagte die junge Zirkasserin; «wir wollen sehen, wie Ihr Euch dazu anschicken werdet.»

Asemi kniete vor sie hin und schien vor Vergnügen außer sich, ihre langen rabenschwarzen Haare, die ihr bis unter den Gürtel reichten, zu streicheln und auszumessen; er machte sich nun darüber her, sie aufzuwenden und mit Blumen zu durchflechten, aber alle Augenblicke ließ er eine Blume auf ihren Nacken oder in ihren Busen fallen, wo er sich die kleine Freiheit nahm, sie wieder hervorzuholen. Die junge Zirkasserin lachte über diese Kinderei oder bestrafte sie wenigstens nicht sehr strenge. «Aber, wenn man es sagen darf, Tezile», sprach er zu dieser, «Ihr habt eben nicht die schönsten Blumen in diesem Garten ausgesucht; wenn Ihr so gut sein wolltet, andre aus dem Blumenstücke dort zu wählen, so wollte ich Euch mit Vergnügen diese silberne Uhr geben; seht nur, sie ist nicht zu verachten, wiewohl sie nur von Silber ist.» Tezile, die schon darüber eifersüchtig war, daß Asemi ihrer Schwester deutlich genug den Vorzug über sie gab, lachte über das Präsent aus voller Kehle. «Eine wahre Paschen-Galanterie!» rief sie aus; «wenn ist jemals erhört worden, Frauenzimmern von unserer Gattung silberne Uhren anzubieten?» - «Ihr seid etwas schwer zu befriedigen, sehe ich», erwiderte Asemi; «indessen wollte ich darauf wetten, daß eine von euch einen silbernen Siegelring hat, der vollkommen zu dem Geschenke, das ich der schönen Tezile mache, passen sollte.» - «Das ist wahr», sagte Dely; «Schwester, hänge einmal deinen silbernen Siegelring an diese Uhr: ich habe einen goldenen, wie du weißt, ich will ihn sogleich an die meinige hängen.» Die beiden Zirkasserinnen hängten also, gleichsam zum Scherz, den Uhren die Talismane an, die sie den Gebrüdern Izif und Izaf im Karawanserei abgenommen hatten; aber in dem nehmlichen Augenblicke schlüpften ihnen die Uhren aus der Hand, und Aurore und Argentine standen leibhaftig vor ihnen da, jede mit ihrem Talisman der Schönheit am Finger.

Die beiden Töchter Sirocos schienen anfangs ganz verblüfft, da sie sich selbst so unverhofft wiederfanden; das Sonnenlicht schien sie zu verblenden, so lange war's, daß sie den Tag nicht gesehen hatten; es war ihnen, als ob alles um sie her wie durch den Schlag einer Zauberrute ans nichts hervorspringe. Endlich, da sie die Talismane an ihren Händen wiedererkannten und daraus abnahmen, daß ihre Bezauberung nun gänzlich aufgehört habe, brach ein Schimmer von Entzücken aus ihrem Gesichte hervor; sie fielen einander um den Hals und bezeugten sich in den lebhaftesten Ausdrücken ihre Freude über eine so glückliche Veränderung.

Man kann sich vorstellen, wie groß das Erstaunen der beiden Zirkasserinnen war, da sie auf einmal zwei so liebreizende und ihnen völlig unbekannte Personen vor ihren Augen entstehen sahen; aber wie sie gewahr wurden, daß ihre Talismane dies Wunder gewürkt und daß diese nun für sie verloren seien, fingen sie bitterlich zu weinen an. Asemi, der aus Ehrfurcht für die Töchter des Bassa von Alexandrien auf die Seite getreten war, näherte sich jetzt der schönen Dely mit schüchterner Gebehrde und bemühte sich, ihren Schmerz zu besänftigen; aber sie wollte ihn nicht anhören, sondern stieß ihn, das Gesicht von ihm wendend, mit der Hand zurück. Aurore und Argentine, welche nun klar in der Sache zu sehen anfingen, bemühten sich, ihnen auf das freundlichste Trost zuzusprechen. Sie machten ihnen begreiflich, daß sie mit diesen Talismanen nichts verloren hätten, als was ihre angebornen Reizungen ihnen sehr entbehrlich machten, dahingegen sie dasjenige wiedergefunden, woran das Glück oder Unglück ihres Lebens geheftet sei. Überdies versprachen sie ihnen, daß ihr Vater nicht ermangeln würde, sie für ihren Verlust auf eine andere Weise reichlich zu entschädigen.

Inzwischen war Asemi nach dem Palaste geflogen und hatte die Nachricht von der Entzauberung der beiden Uhren überall verbreitet. Zambak, Zelide und Sumi eilten in den Garten; in wenig Augenblicken folgten auch Siroco und der Bassami seinen beiden Söhnen, denn Hassan, der damals just auf seine Hand von Ebenholz weinen mußte, konnte nicht mit ihnen kommen. Die Freude war allgemein und unbeschreiblich. Die einzige Zelide konnte sich nicht enthalten, über die Abwesenheit ihres geliebten Hassan zu seufzen und die Dauer seines unglücklichen Schicksals, woran das ihrige hing, zu beklagen, als man plötzlich die Sklaven, welchen der Bassa die Bewachung der Höhle des Derwischen anbefohlen hatte, wiederkommen sah, und Hassan in ihrer Mitte, der schon von ferne in die Hände klopfte und Zeichen der lebhaftesten Freude von sich gab. Er eilte in vollem Sprung herbei, um zu zeigen, daß seine Buße ein Ende habe und seine Hand wieder geworden sei, wie sie gewesen, ehe er den Speckkuchen der christlichen Sklavin angerührt hatte. Wie es damit zugegangen, konnte er nicht sagen; man zweifelte aber nicht, das schwarze Ferkel müsse ersäuft worden sein, wiewohl man nicht wußte, bei wem man sich dafür zu bedanken habe. Alles, was die Sklaven berichten konnten, war, sie hätten diesen Morgen drei Männer gesehen, die einem vierten nachgelaufen und gewaltig auf ihn zugeschlagen hätten; dieser habe sich endlich in die Höhle geflüchtet, die drei Männer wären ihm gefolgt, und sogleich hätten sie (ihrem obhabenden Befehle gemäß) die Öffnung der Höhle mit großen Felsenstücken zugestopft.

Kaum hatten die Sklaven ihren Bericht geendigt, so hörte man ein großes Geschrei auf der Terrasse, und man sah einen Mann angelaufen kommen, den die Zirkasserinnen sogleich für ihren alten Derwisch erkannten, wiewohl er beide Hände vors Gesicht hielt, um seinen abgestutzten Bart zu verbergen. Zu gleicher Zeit erkannte man auch die drei Juden, die ihn, ohne Krücken, so behend und hitzig verfolgten, als ob sie nie am Schenkel verwundet gewesen wären. Sobald der alte Derwisch einer so zahlreichen Gesellschaft gewahr wurde, so suchte er auf einer andern Seite zu entfliehen; aber weil ihm die Sklaven des Bassa in die Flanke fielen, so blieb ihm nichts übrig, als sich gutwillig zu ergeben. Wie groß war itzt das Erstaunen des Bassa, indem er in diesem Derwisch denjenigen erkannte, der seinen drei Söhnen ehemals den Tesbusch, das kupferne Blech und das Armband gegeben hatte! Da er (wie man bereits hat bemerken können) der weichherzigste Bassa von der Welt war, so konnte er sich nicht enthalten, mit offnen Armen auf ihn zuzugehen. «Seid ohne Furcht, mein ehrwürdiger Vater», sprach er zu ihm; «Ihr seid in dem Hause eines echten Musulmanns, der Euern Habit verehrt, und wehe dem, der Euch beleidigen wollte! Aber sagt mir, wer durfte sich erfrechen, Euch des ehrwürdigen Zeichens Euers Standes zu berauben? Nennet mir ihn: es soll ein schreckliches Exempel an ihm statuiert werden!»

Die beiden Zirkasserinnen brachen bei dieser Drohung in ein lautes Gelächter aus. «Gnädiger Herr», sagten sie, «das ist ein Stück von unsrer Arbeit; aber es widerfuhr ihm nicht mehr, als er verdient hat.» Und darauf erzählten sie der ganzen Gesellschaft, daß es eben der Derwisch sei, der ihnen ehmals aus ihrem Käfig geholfen und sich in sie verliebt habe, und alles übrige, was sie dem Asemi bereits erzählt hatten. Der arme Mann, der schon durch seine niedergeschlagenen Augen und sein Stillschweigen alles eingestanden, was die leichtfertigen Mädchen von ihm sagten, hatte nun nichts Bessers zu tun als sich - wie ein Derwisch aus der Sache zu ziehen.

«Ich gestehe meine Verblendung mit Schamröte», sagte er; «wie konnte ich von den leichtsinnigen Geschöpfen, von denen mein Herz sich hatte überraschen lassen, jemals eine bessere Begegnung erwarten? Aber selbst die weisesten Menschen sind nicht vor einem unglücklichen Augenblick sicher, worin sie sich vergessen können, und sind um so mehr zu beklagen, da die Weiber, die über ihre Tugend siegen, gemeiniglich nicht zur Klasse derjenigen gehören, die nach Grundsätzen leben. Die Tugend dieser Letztern unterstützt die unsrige: nur an Leichtsinn und Torheit scheitert die Vernunft. Glücklich ist es indessen, daß es auch um so viel leichter ist, von einer solchen Leidenschaft geheilt zu werden. Meine Augen sind nun wieder offen, und der Zauber, den diese jungen Dirnen auf mich geworfen, ist aufgelöst. Um euch aber, gnädige Herren, nichts zu verschweigen, was mich meine törichte Leidenschaft gekostet hat, so will ich euch sagen, daß ich, wie die Mauer, welche die Rückenwand meiner Höhle ausmachte, eingerissen wurde, aus Scham, in diesem Zustande bei diesen zwei jungen Personen gefunden zu werden, so schnell ich konnte mit dem Sacke von rosenfarbem Taft davonlief. Ich brachte diese Nacht auf dem Felde zu. Diese drei Männer hier kamen und setzten sich neben mich. Sie sagten mir, sie wären soeben einer großen Gefahr entgangen, und sie wären, da einer von ihnen eine Wunde bekommen, alle drei auf die nehmliche Weise verwundet worden. Ich konnte ihnen dies unmöglich glauben; aber um die Probe zu machen, pflückte ich einige Wundkräuter, deren Kräfte mir bekannt sind; und sobald ich sie einem von ihnen auf seine Wunde gelegt hatte, fand sich nach einigen Stunden, daß alle drei geheilt waren, wiewohl ich den beiden andern nichts aufgelegt hatte. Wir brachten nun den Rest der Nacht ganz ruhig zu; aber wie der Tag anbrach, betrachtete mich einer von ihnen mit Aufmerksamkeit. ‹Ah›, rief er seinen Gefährten zu, ‹das ist der nehmliche, der die Tänzerinnen begleitete, die uns im Karawanserei ausplünderten!› Diese Rede machte mich bestürzt. Ich sah nun auch ihnen schärfer ins Gesichte und erkannte die beiden Männer, denen die jungen Zirkasserinnen die Talismane der Töchter Sirocos und alle Waren, so sie bei sich trugen, genommen hatten. Nun wurde mir angst; ich wollte mich davonmachen, aber sie fielen grimmig über mich her, und wie schnell ich ihnen zu entlaufen suchte, so fielen doch nicht alle ihre Schläge auf die Erde. Instinktmäßig lief ich meiner Höhle zu, und sie verfolgten mich bis auf die Terrasse dieses Gartens. Im Laufen bemächtigte sich einer von ihnen meines Sackes, und vermutlich aus Unwillen, nichts als das kleine schwarze Schweinchen darin zu finden, warf er ihn samt dem unreinen Tier ins Meer, wie ich selbst schon lange getan haben würde, wenn die beiden Undankbaren, die ich liebte, meine Vernunft nicht benebelt hätten. Ich weiß, gnädiger Herr», setzte der Derwisch hinzu, indem er sich gegen den Bassa wandte, «daß das Glück eines Eurer Söhne von diesem Umstande abhing; diese drei Juden sind die Werkzeuge, die ihn von seiner schweren Buß befreiet haben; und anstatt einiger Bestrafung haben sie vielmehr die größte Belohnung um Euch verdient. Alles, was ich noch wünsche, ist, daß der Prophet, um sie derselben würdig zu machen, ihnen die Gnade verleihe, unsern allein wahren Glauben anzunehmen.»

Der Derwisch, wie man sieht, sprach und wünschte, wie es einem Derwisch zukommt. Während seiner Rede hatten die Gebrüder Izif und Izuf ihre Augen auf die reizenden Zirkasserinnen geheftet, und die Zauberkraft derselben, die sie bereits erfahren, als sie ihnen im Karawanserei in die Hände fielen, würkte neuerdingen so sichtbarlich auf sie, daß alle Anwesenden den frommen Wunsch des ehrwürdigen Derwisch für erfüllt ansahen, sobald diese holden Verführerinnen sich ihre Bekehrung zu Herzen nehmen wollten.

Der Bassa und sein Freund Siroco fanden, nachdem alles auf so gutem Wege war, daß nun nichts weiter übrig sei, als mit Hülfe des Kadi (welchen man hatte einladen lassen, um an der Wonne einer so glücklichen Entwicklung teilzunehmen) so viel Paare aus den Personen des Dramas zu machen, als nur immer herauszubringen waren. Die drei Töchter Sirocos wurden den drei Söhnen des Bassa vom Meere zuteil, mit denen sie bereits das Elixier der vollkommnen Liebe gekostet hatten; die schöne Sumi nahm es auf sich, ihren geliebten Izaf glücklich zu machen; und die beiden Zirkasserinnen ließen sich ohne Mühe bereden, den Brüdern Izif und Izuf die Hand zu geben unter der Bedingung, daß sie sich gefallen ließen, das Gesetz des Propheten anzunehmen; eine Sache, die dem alten Derwisch so große Freude machte, daß er sich durch die Zeremonie, ihnen den Turban aufzusetzen, für den Verlust seines Bartes reichlich entschädiget hielt.

Um die Einigkeit unter diesen Neuvermählten desto fester zu gründen, präsentierte man nun auch der schönen Dely und ihrer Schwester das Elixier der vollkommnen Liebe, wovon sie allein noch nicht gekostet hatten; sie tranken alles aus, was noch in der Flasche war, und ließen keinen Tropfen für alle Tänzerinnen übrig, die nach ihnen gekommen sind.

Quelle:
(Christoph Martin Wieland Dschinnistan oder Auserlesene Feen- und Geistermärchen)
 
 
 
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