Auf einer Landzunge, die in der Nordwestecke des Rasvalsees in der Bergwerksgegend von Linde liegt, wohnte in alten Zeiten ein Kohlenbrenner, der hieß Nils, und wurde deshalb der Köhlernils genannt. Sein bißchen Ackerland ließ er durch einen Knecht besorgen; er selber hauste immer im Wald, im Sommer hieb er das Holz und im Winter brannte er es zu Kohlen. Aber wie sehr er sich auch bemühte, so war doch kein Segen auf seiner Arbeit, und überall sprach man nur von dem armen Köhlernils.
Eines Tages, als er sich auf der anderen Seite des Sees, in der Nähe des düsteren Harsberges befand, kam eine fremde Frau zu ihm und fragte, ob er keine Hilfe beim Kohlenbrennen brauchen könne.
»Ja freilich, das wäre gar nicht übel,« meinte der Köhlernils. Da begann sie Blöcke und Baumstämme herbeizutragen, viel mehr als der Köhlernils mit seinem Pferd hätte schleppen können, und um die Mittagszeit war genug Holz für einen neuen Meiler da. Als es Abend wurde, fragte sie den Köhlernils, ob er mit ihrem Tagewerk zufrieden sei und ob sie morgen wiederkommen solle.
Das war dem Kohlenbrenner sehr recht, und sie kam am nächsten Tag wieder und auch alle anderen Tage. Als der Meiler ausgebrannt war, half sie ihm beim Ausräumen, und noch nie hatte Nils so viel und so prächtige Kohlen gehabt als dieses Mal.
So blieb sie drei Jahre lang bei ihm im Walde und bekam drei Kinder. Aber das kümmerte den Köhlernils wenig, denn sie sorgte für die Kleinen und er hatte gar keine Beschwer davon.
Als es nun in das vierte Jahr ging, wurde sie anspruchsvoller und wollte durchaus mit ihm heimziehen und seine Frau werden. Nils wollte nichts davon wissen; aber weil sie ihm beim Kohlenbrennen so nützlich war, ließ er sich nichts merken und sagte, er wolle sich die Sache überlegen.
Eines Sonntags traf es sich, daß er in die Kirche ging, wo er schon jahrelang nicht gewesen war, und was er dort zu hören bekam, brachte ihn auf Gedanken, die er nicht mehr gehabt hatte seit der Zeit, als er noch ein unschuldiges Kind war. Er begann zu überlegen, ob das wohl mit rechten Dingen zugegangen sei, und ob es nicht am Ende die Waldfrau sei, die ihm mit so großer Bereitwilligkeit beim Kohlenbrennen half.
Ganz vertieft in diese und ähnliche Gedanken, vergaß er bei seiner Rückkehr zum Meiler, daß er mit der Fremden übereingekommen war, schon am Anfang, als sie in seinen Dienst trat, daß er, wenn er zu Hause gewesen war und wieder auf den Meiler kam, mit der Axt drei Schläge gegen eine alte Kiefer tun sollte, die in der Nähe des Meilers stand. Diesmal vergaß er, wie gesagt, das Zeichen, und nun bekam er etwas zu sehen, das ihm fast den Verstand stillstehen ließ.
Als er sich dem Meiler näherte, sah er ihn in hellen Flammen stehen, und darum herum stand die Mutter mit den drei Kindern, und sie waren am Ausräumen.
Sie rissen und löschten, daß Feuer, Rauch und Asche himmelhoch aufwirbelten, aber an Stelle der Fichtenzweige, die man sonst zum Löschen braucht, hatten sie buschige Schwänze, die sie in den Schnee tauchten.
Als der Köhlernils das eine Weile angesehen hatte, schlich er wieder zurück zu der Kiefer, und mit den drei Hammerschlägen ließ er ihren Stamm erdröhnen, daß man es weit im Harsberg hörte. Darauf ging er zu dem Meiler, als ob er nichts gesehen hätte, und nun war wieder alles wie sonst. Der Meiler glimmte gleichmäßig und schön, und die große Frau ging herum und arbeitete wie gewöhnlich.
Als sie den Köhlernils erblickte, kam sie wieder mit ihrem dringenden Anliegen, ob sie nicht mit ihm in seinem Häuschen wohnen und seine Frau werden dürfe.
»Ja, das wird schon kommen,« tröstete Nils und wandte sich nach Hause, um das Pferd zu holen. Aber statt dessen ging er auf die Landzunge von Kallernäs, am östlichen Strand des Rasvalsees; dort wohnte ein weiser Mann, und den fragte er, was er tun solle.
Der Alte riet ihm, heimzugehen und das Pferd an den Kohlenwagen zu spannen, er solle das Pferd aber so anschirren, daß keine Schlinge am Geschirr und an den Strängen zu finden sei. Dann solle er sich auf das Pferd setzen und übers Eis fahren und zu dem Meiler, ohne anzuhalten, die Trollfrau und die Kinder in den Wagen steigen lassen und sogleich wieder aufs Eis hinausfahren.
Der Köhler tat, wie ihm der Mann gesagt hatte, sattelte sein Pferd und gab genau acht, daß am Zaum und Sattel keine Schlinge war, fuhr übers Eis und durch den Wald zum Meiler und hieß die Trollfrau und die Kleinen aufsitzen.
Dann wandte er rasch durch den Wald wieder aufs Eis hinaus, und da ließ er sein Pferd laufen, was es nur vermochte. Als er mitten auf dem See war, sah er von Abodaland am Nordende des Sees ein Rudel Wölfe daherstreichen und ihre Richtung aufs Eis zu nehmen. Da riß er das Sattelzeug von den Strängen, daß der Wagen mit dem Trollvolk auf dem blanken Eis stehen blieb, und ritt, was das Pferd laufen konnte, auf das andere Ufer zu. Als die Trolle die Wölfe erblickten, fingen sie an zu schreien.
»Kehr um, kehr um,« schrie die Mutter, »willst du nicht um meinetwillen, so tu es wenigstens deiner jüngsten Tochter Vipa (Kiebitz) zu lieb.« Aber der Köhlernils ritt ohne umzusehen nach dem Ufer. Da hörte er, wie die Trollfrau andere zu Hilfe rief:

»Bruder im Harsberg,
Schwester in Stripa,
Vetter im Ringfels
Packt die Schlinge und zieht!«

»Es ist keine Schlinge da,« antwortete es tief im Harsberg.
»Dann faßt ihn bei Härkällarn ab!«
»Er reitet nicht nach dieser Richtung,« klang es vom Ringfelsen her.
Und der Köhlernils ritt auch nicht dorthin, sondern über Stock und Stein geraden Wegs nach Hause. Aber als er seinen Hof erreichte, stürzte das Pferd, und ein Trollschuß riß die Ecke des Stalles weg. Nils wurde kurz darauf krank und mußte viele Wochen im Bett liegen. Als er wieder gesund war, verkaufte er sein Waldland und bestellte den Acker bei seiner Hütte bis zu seinem Tod.
So zog das Trollgeschöpf diesmal den Kürzeren.

[Schweden: Clara Stroebe: Nordische Volksmärchen]
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