Ein Bäuerlein hatte in der Stadt seine Geschäfte gemacht und war mit seinem Karren auf dem Weg nach Hause, doch je länger er fuhr, umso langsamer wurde der Schritt seines Pferdes. Da half kein Schnalzen, kein Knallen mit der Peitsche und kein Schimpfen. Schließlich blieb der Gaul sogar stehen und war nicht mehr von der Stelle zu bewegen.
Der Bauer stieg vom Wagen, schlug das Pferd und verfluchte es: „Wie oft sind wir diesen und weitere Wege schon gefahren?! Immer hast du uns hin und zurück gebracht! Was ist heute bloß in dich gefahren, dass du mich so im Stich lässt! Ach, hol dich doch der Teufel!“
Dabei schirrte er das Pferd los und stieß es in den Straßengraben.
Nur einen Augenblick darauf kam ein Hündchen herbei gesprungen, machte vor dem Bauern Männchen, wedelte mit dem Schwanze, leckte ihm die Hände und streichelte ihn dreimal mit der Pfote und im nächsten Moment war es auch schon wieder verschwunden. Der Bauern wunderte sich und schüttelte den Kopf, dachte sich aber nichts weiter dabei und trat ärgerlich den Heimweg zu Fuß an.
Erschöpft kam das Bäuerlein mit seinem Karren auf seinem Hof an, stellte ihn ab und ging erschöpft schlafen.

Als er am nächsten Morgen ein anderes Pferd von der Koppel holen wollte, graste dort sein Zugpferd und sah prächtiger aus denn je. „Hast du alter Gauner es doch bis hierher geschafft und lässt’s dir gut gehen. Gleich spanne ich dich vor den Pflug und will sehen, ob du wieder so von Kräften kommst wie gestern!“, sagte der Bauer und wollte dem Pferd das Halfter anlegen. Da stand wie aus dem Boden gewachsen ein feiner Herr vor ihm und verwehrte ihm das Tier mit den Worten: „Der Gaul gehört mir.“
„Das Pferd soll dir gehören?“, schalt das Bäuerlein. „Ich selbst habe es aufgezogen und ausgebildet und magst du es nicht glauben, dann frage die Nachbarn.“
„Hast du es mir nicht gestern überlassen? Ich bin der Teufel von der Allerweltsheide. Erinnerst du dich nicht mehr an meinen Neffen, den ich sofort zu dir schickte, der dir die Hand leckte und dich mit der Pfote streichelte?“
Da bekreuzigte sich der Bauer dreimal. Einschüchtern ließ er sich aber von dem Leibhaftigen nicht. Er stieß ihn zur Seite, fluchte: „Was habe ich mit dir zu schaffen“ und legte dem Pferd das Halfter an. Gegen das Kreuzzeichen vermochte der Teufel nicht anzukommen und verschwand.
Als der Bauer aber mit dem Pferd auf den Hof kam, um es vor den Pflug zu spannen, stand dort ein zweiter Herr, der es ihm verwehren wollte. „Lass’ den Gaul wo er ist. Ich bin der Teufel vom Krallensumpf und der ältere Bruder des Teufels von vorhin. Wenn du den Gaul anspannst, werde dich mit glühenden Eisenruten peitschen.“
Der Bauer merkte sofort, dass mit dem Kreuzzeichen gegen diesen hier nichts auszurichten war, nahm seine Mütze ab und sprach ein Vaterunser, worauf der Teufel augenblicklich verschwand.
Fröhlich klopfte der Bauer den Hals seines Pferdes und lachte sich eins: „Denen habe ich gezeigt, wo der Haken hängt, jetzt wirst du wohl bei mir bleiben.“
Darauf spannte er das Tier vor den Pflug und führte es aufs Feld. Kaum war er dort angekommen und wollte mit der Arbeit beginnen, fuhr eine schwarze Gestalt wie ein Heuschober auf ihn zu: „Wirst du wohl die Finger von unserem Pferd lassen! Was du dem Teufel versprochen hast, muss dem Teufel bleiben! Denn was wir in den Klauen haben, geben wir nicht mehr her.“
‚Jetzt habe ich mit den Leibhaftigen wirklich meine liebe Not’, dachte das Bäuerlein. Er sah, dass mit diesem hier nicht zu spaßen war und begann sich aufs Bitten und Betteln zu verlegen, er bräuchte das Pferd für seinen Unterhalt und er wolle dem Teufel gern einen Gefallen tun, wenn er ihm nur das Pferd ließe.
„Nun gut, du magst deinen Gaul behalten, wenn du uns zum Weihnachtsfest einlädst“, willigte der Teufel schließlich ein.
Das Bäuerlein überlegte, was das wohl kosten mochte und fragte: „Wie viele seid ihr und was wollt ihr essen?“
„Wir sind drei. Mein jüngster Bruder von der Allerweltsheide verlangt eine Tonne Hafer, mein mittlerer Bruder vom Krallensumpf einen Kübel Blut und ich ein Fass Fleisch“, forderte der Teufel. Der Bauer willigte ein und der Teufel ließ ihm das Pferd, das das Feld in einem Zug pflügte wie noch nie und auch an keinem der folgenden Tage und Wochen ermüdete.

Indessen nahte das Weihnachtsfest und der Bauer hatte seine Bedenken wegen der ungebetenen Gäste. Schließlich ging er zu einem Schwarzkünstler, vertraute sich ihm an und fragte, was er tun könne.
„Die drei Teufel werden wie es ihrer Sitte entspricht nacheinander in dein Haus treten. Sage folgende Zaubersprüche, so können sie dir nichts anhaben.“ Dann lehrte der Schwarzkünstler das Bäuerlein die Zaubersprüche und es ging frohgemut nach Haus.
Als der Weihnachtsabend anbrach und alle Familien bei Tische saßen, da klopfte es auch beim Bäuerlein an der Tür und als es sie aufmachte, stand dort der älteste Teufel und forderte seinen Kübel Blut. „Krieche in den Spalt an der Wand und sauge Blut, wenn du kannst!“, antwortete ihm da das Bäuerlein wie es ihn der Schwarzkünstler gelehrt hatte. Bei diesen Worten verwandelte sich der Teufel in eine Wanze. Doch nur einen Augenblick später stand da schon der Teufel vom Krallensumpf und forderte sein Fleisch. „Fort in den Wald und fange selbst dein Fleisch.“, sagte der Bauer und im nächsten Augenblick wurde aus dem Teufel ein Wolf der jaulend im Wald verschwand.
Da kam der dritte Teufel und rief: „Den Hafer her! Den Hafer her!“
Der Bauer aber antwortete: „Aufs Feld mit dir und such dir selbst deine Körner!“ Da wurde aus dem jüngsten Teufel der Rattenkönig, der auf dem Felde verschwand.
So kam der Bauer endlich auch zu seinem christlichen Weihnachtsfest und hatte obendrein seinen Gaul behalten. Das Fluchen aber ließ er von diesem Tag an bleiben.

Quelle:
Märchen aus Estland
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