Es war einmal eine Frau, die hatte keine Kinder. Da sprach sie: »Lieber Gott, beschere mir ein Mädchen; und wenn es groß ist, sollen es die Elfen haben.« Und es geschah, wie sie gewünscht hatte. Als nun das Mädchen herangewachsen war, da kamen die Elfen und sprachen zu ihm: »Sage deiner Mutter, sie solle uns das geben, was sie uns gelobt hat.« Und das Mädchen wußte nicht, daß es Elfen waren, sondern hielt sie für Frauen. Sie ging also zu ihrer Mutter und sagte: »Es kamen einige Weiber zu mir, die verlangten, ich möchte dir sagen, daß du ihnen geben solltest, was du ihnen gelobt hast. Was ist denn das?« Die Mutter aber sagte: »Sie wisse von nichts.« Darauf kamen die Elfen wieder zu dem Mädchen und sprachen wie vorher. Und als sie das der Mutter erzählte, sagte diese abermals, »sie erinnere sich keines Gelübdes.« Da kamen die Elfen zum drittenmal, und das Mädchen sagte zu ihnen: »Meine Mutter hat euch nichts gelobt.« Da nahmen die Elfen das Mädchen und brachten sie in ihre Höhle. Und wenn das Mädchen weinte, so machten sie aus ihren Tränen Nelken und aus ihrem Lächeln Rosen. Dann stachen sie ihr die Augen aus und jagten sie fort. Sie aber ging, indem sie mit den Händen tastete, und fand einen Alten und sprach zu ihm: »Väterchen, laß mich in deine Hütte; denn ich bin eine Waise.« Da ließ er sie ein. Darauf erfuhr der König, daß aus ihren Tränen Nelken und aus ihrem Lächeln Rosen würden. Da befahl er, daß alle Mädchen in seinem Reiche Bretzelbrote backen sollten: das Mädchen aber besteckte das ihre mit Nelken, die aus ihren Tränen, und mit Rosen, die aus ihrem Lächeln entstanden waren, und der König erklärte diese Bretzel für die beste und nahm das Mädchen zur Frau.


[Griechenland: Johann Georg von Hahn: Griechische und Albanesische Märchen]

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