Es waren einmal drei Brüder, mit Namen Zi, Ba und Achmet Zelebi. Von diesen heiratete Achmet Zelebi ein schönes Mädchen, hatte aber eine alte Frau zur Feindin. Die wollte ihn behexen und sprach daher zu der jungen Frau Achmets: »wenn du mir die Haare vom Haupte deines Mannes gibst, so würde ich ihn zu meinem Herrn machen.« Die junge Frau erbat sich also von Achmet dessen Haupthaar zum Geschenk. Er erwiderte zwar, daß sie diese Bitte bereuen würde, weil sie aber darauf bestand, so schnitt sich Achmet Zelebi sein Haupthaar ab und gab es seiner Frau, und diese gab es der Alten. Darauf behexte die den Achmet, daß er nicht zu Hause bleiben konnte, sondern in die Welt gehen mußte. Bevor er aber sein Haus verließ, gürtete er seine schwangere Frau mit einem Gürtel und sprach: »du sollst das Kind nicht eher gebären, als bis ich dir den Gürtel löse.« Drauf ging er mit seinen Brüdern in die Welt.
Nachdem die junge Frau lange Zeit vergebens auf ihn gewartet hatte, nahm sie einen Stab und machte sich auf, um ihn zu suchen, und kam in eine Gegend, wo drei Elfinnen in drei Häusern wohnten. Sie klagte der ersten ihr Leid und fragte sie, ob sie nicht etwa drei Brüder hier vorüberkommen gesehen habe. Die Elfin antwortete: »nein«, schenkte ihr aber ein goldenes Rebhuhn und schickte sie um Auskunft zu ihrer höher wohnenden Schwester. Diese wußte auch nichts von den drei Brüdern, schenkte ihr aber eine Krone und wies sie um Auskunft an ihre höher wohnende Schwester. Als die junge Frau zur dritten Elfin kam, sprach diese zu ihr: »da nimm diesen Goldapfel und gehe in jene Stadt, und frage nach dem Schlosse des Königs, dort wirst du deinen Mann finden.«
Ihr Mann war aber mit seinen Brüdern in jenes Land gekommen, und es war ihm gelungen dort König zu werden. Er war grade im Begriff, sich wieder zu verheiraten, und hatte in seinem Schlosse mehrere Schneider, welche Tag und Nacht an den Hochzeitskleidern arbeiteten, weil der König große Eile hatte.
Die junge Frau erkaufte sich von den Dienern des Königs mit dem Goldapfel die Erlaubnis, eine Nacht in dem Gemache zu schlafen, das unter des Königs Schlafzimmer war. Die Diener führten sie aber nicht dahin, sondern in das Zimmer, das unter dem lag, in welchem die Schneider arbeiteten; und dort rief sie die ganze Nacht durch: »Achmet Zelebi, löse meinen Gürtel, damit ich gebären kann!« Die Schneider wurden durch dieses Geschrei so zerstreut und aufgeregt, daß sie die ganze Nacht über nichts taten, und als der König am andern Morgen nach der Ursache fragte, da entschuldigten sie sich damit, daß die ganze Nacht über etwas unter ihnen gerufen habe, und sie nicht hätten verstehen können, was es wolle. Der König gab aber nichts auf ihre Reden.
Für die zweite Nacht gab die junge Frau das goldene Rebhuhn hin, und nun ging es wie das erste Mal, und als der König die Schneider fragte, warum sie die Nacht über gefeiert hätten, antworteten sie, daß sie dadurch gestört worden seien, daß etwas unter ihnen in einem fort Achmet Zelebi und noch was anderes gerufen habe, was sie nicht verstehen konnten. Für die dritte Nacht gab die junge Frau die Goldkrone hin. Der König aber war durch den Bericht der Schneider aufmerksam geworden und kam in der Nacht, um zu hören, was das für ein Ruf sei, der die Schneider in ihrer Arbeit störe. Als er nun seine Frau rufen hörte, erkannte er sie an der Stimme und rief: »also bis hierher bist du mir nachgefolgt!« Darauf ging er hinunter, löste ihr den Gürtel und sofort gebar sie einen Knaben, und nun erhielt sie die Brautkleider, die für die andere gemacht worden waren, und statt eine neue Frau zu nehmen, behielt er die alte.


[Griechenland: Johann Georg von Hahn: Griechische und Albanesische Märchen]

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