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Es war einmal ein armer Mann, der ging in die Fremde, um Geld zu verdienen. Auf seiner Wanderschaft kam er an einen Fluß und fand dort aller Arten Vögel, und die zwitscherten, pfiffen und sangen so schön, daß er so lange an dem Fluß zu bleiben beschloß, bis er die Vogelsprache erlernt habe. Er brauchte aber drei Jahre, bis er die Sprache aller Vögel verstand. Darauf kehrte er nach Hause zurück, und als ihn seine Frau fragte, wo er das Geld habe, das er auf seiner Wanderschaft erworben, antwortete er: »Geld habe ich keines mitgebracht, aber dafür verstehe ich nun die Vogelsprache, an der ich drei Jahre zu lernen hatte.« Da fing die Frau zu klagen und zu schelten an, er aber kümmerte sich nicht darum und dachte bei sich, daß es ihm nicht fehlen könne, und er mit der Vogelsprache noch sein Glück machen müsse.
Eines Tages hörte er von einer Königin, die eine Kröte in ihrem Leibe habe, und der noch kein Arzt habe helfen können, und sofort machte er sich auf, ging zu dem Schlosse dieser Königin und klopfte dort an. Als die Wächter, welche an der Türe standen, aufmachten und ihn ansahn, hielten sie ihn für einen Bettler und wollten ihn nicht einlassen, er aber ließ sich nicht abweisen, und darüber entstand ein so lauter Wortwechsel zwischen ihm und den Wächtern, daß das Geschrei bis zu der Königin drang und sie den Mann vor sich kommen ließ. Als dieser zu ihrem Bette trat, fragte er sie: »was fehlt dir?« und sie antwortete: »ich habe große Schmerzen in meinem Magen.« Darauf begann er und machte wie die Schlange, aber im Leibe der Königin blieb alles stumm; drauf machte er wie der Frosch, aber im Leibe der Königin blieb es stumm; endlich machte er wie die Kröte, und da antwortete es aus dem Leibe der Königin. Da fragte er: »was machst du da drinnen?« und die Kröte antwortete: »nichts.« »Darf ich zu dir kommen?« »Nein, denn es ist kein Platz mehr.« »Bekommst du gutes Essen?« »Oh ja, aber mitunter kommen auch saure Sachen und die kann ich gar nicht vertragen.« Da ließ der Bettler Essig bringen und gab der Königin davon drei Gläser zu trinken. Davon starb die Kröte, und als sie tot war, brach sie die Königin aus. Darauf fragte ihn der König: »was verlangst du für die Wohltat, die du uns erwiesen hast?« und er erwiderte: »ich verlange gar nichts.« Da griff der König in die Tasche, langte einen Dukaten hervor und gab ihn dem Mann, dieser aber nahm ihn, bedankte sich und ging seiner Wege.


[Griechenland: Johann Georg von Hahn: Griechische und Albanesische Märchen]

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