Ein Jüngling that einst das Gelübde, sich nur mit einem Mädchen kaiserlichen Geblütes vermählen zu wollen, und eines Tages faßte er sich ein Herz, ging hin zum Kaiser und warb um dessen Tochter. Der Kaiser, der es nicht wagte ihn geradezu abzuweisen, sprach: »Gut Söhnlein, ich werde dir das Mädchen geben, wenn du bis längstens in acht Tagen drei Pferde und zwar erstens ein fleckenlos weißes, noch nie gezäumtes, zweitens ein fuchsrothes, nie gerittenes mit schwarzem Kopfe, drittens ein noch nie beschlagenes schwarzes Pferd mit weißem Kopfe und weißen Füßen zu schaffen weißt, und mich dann damit beschenkest, außerdem aber sollst du noch für die Kaiserin, meine Gemahlin, so viel Gold herbeibringen, als diese drei Pferde zu tragen im Stande sind, kannst du diese Bedingungen nicht erfüllen, so wird das Mädchen nicht dein.« Nachdem der Jüngling dieses vernommen hatte, überlegte er es sich lange hin und her, dankte aber zuletzt dem Kaiser für die versprochene Braut, und kehrte in Gottes Namen zurück von wo er gekommen war. Zum Glück für ihn hatte des Kaisers Tochter Alles mit angehört, was er mit ihrem Vater sprach, und als sie ihn auch gesehen hatte, schien er ihr schöner als irgend ein Mann auf Erden. Unverzüglich schrieb sie daher einen Brief, welchen sie ihm durch einen ihrer vertrautesten Diener nachschickte, und worin sie ihm andeutete, nächsten Tag mit dem Frühesten heimlich zu ihr zu kommen, und weiter nichts zu unternehmen, wenn ihm daran liege, sie zur Frau zu erhalten. Als sie den Brief abgefertigt hatte, entwendete sie noch in derselben Nacht in aller Heimlichkeit ihrem Vater ein wunderthätiges Messer, und ging damit dem Jünglinge entgegen, der sich einfand wie sie ihm geschrieben hatte. Und als sie zusammen trafen, reichten sie sich die Hände, und waren bald mit einander befreundet, gestanden sich ihre gegenseitige Neigung und gelobten einander, daß nur die schwarze Erde sie zu trennen im Stande sein solle. Hierauf sprach das Mädchen zu ihrem Freier: »Nun nimm mein Pferd, besteig es und reit damit eilends in den Wald der Wilen, immerzu gegen Sonnenaufgang, und wenn du auf einen dreispitzigen Hügel gelangst, dann wende dich von rechts nach links bis du eine Wiese erblickst die von Perlen erglänzt, und auf welcher die verschiedensten Pferde weiden. Aus diesen wähle dann drei solche Pferde, wie sie dir der Vater bezeichnet hat. Sollten sie sich aber vor dir scheuen, so ziehe dieses Messer hervor, und laß die Sonne darin sich spiegeln, daß die Wiese davon erglänzt, alsbald werden alle Pferde von selbst herbei kommen und Lämmern gleich sich vor dir nieder lassen, dann kannst du sie nach Gefallen wählen und alle drei mit dir fortführen. Nachdem du die Pferde schon gefangen haben wirst, blicke aber um dich, und wenn du mitten in jener Wiese eine Cypresse gewahren wirst, deren Wurzel von Messing, deren Aeste von Silber, deren Blätter ganz von Gold sind, so gehe darauf zu, poche mit der Schneide des Messers an die Wurzel, und alsbald wird eine Unzahl Geldes verschiedenen Gepräges hervor quellen, davon nimm, belaste die drei Pferde, und eile mit ihnen hieher, so wirst du meinen Vater, den Kaiser, zufrieden stellen, und er wird mich dir geben.« Als der Jüngling alles vernommen hatte, freute er sich gewaltig, und bestieg des Mädchens Pferd, das wunderthätige Messer aber barg er im Gürtel, und so ausgerüstet, lenkte er gerade nach jenem Walde ein. Als er den bezeichneten Hügel erreicht hatte, erblickte er auch vor sich die Wiese und auf der Wiese Pferde jeglicher Gattung. Kaum aber betrat er die Wiese, so fingen die Pferde scheu zu werden an, da holte er das Messer hervor und hielt es gegen die Sonne, das warf einen Schimmer, daß die ganze Wiese davon erglänzte, wie die Berggipfel bei aufgehender Sonne. Siehe, da kamen von allen Seiten die verschiedensten Pferde herbei, und jedes das herbei kam, ließ sich vor ihm auf die Knie nieder, und er fing zu wählen an, und wählte drei solche, wie sie ihm der Kaiser bezeichnet hatte. Nachdem die Pferde ausgewählt waren, schaute er nach allen Seiten, bis er mitten in der Wiese jene Cypresse gewahrte, auf die er zuging, und mit der Schneide des wunderthätigen Messers an des Baums Wurzel pochte, bis, - du hättest es sehen sollen! - diese sich öffnete und eine Unzahl Geldes ihr entströmte. Da füllte er eilends mehrere Säcke, belastete damit die drei Pferde und ritt zurück zum Kaiser. Als er vor den Kaiser kam und dieser die Pferde und das Geld sah, war er voll Verwunderung, und weil ihm nichts anderes zu thun übrig blieb, verlobte er ihm die Tochter, und fragte ihn, was und wie viel er zur Mitgift verlange, worauf der Jüngling ihm erwiederte: »Glücklicher Kaiser! als Kapital verlange ich nur das Mädchen zur Frau, und statt der Zinsen dein wunderthätiges Messer.« Und als der Kaiser ihm beides gewährt hatte, kehrte er mit seiner jungen Frau und dem Messer singend nach Hause zurück.

[Serbien: Vuk Stephanovic Karadzic: Volksmärchen der Serben]
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