Es war einmal ein Vater, der hatte drei Söhne, und während zwei von ihnen auf den Feldern arbeiteten, machte sich der Jüngste daran, alle Kunstfertigkeiten der Magie zu erlernen. Da sagten die Brüder zu dem Vater: »Wir haben bisher gearbeitet, damit unser Vater leben kann, und unser jüngster Bruder tut gar nichts. Fortan soll er aus dem, was er gelernt hat, Nutzen ziehen.« Der jüngste Sohn bat den Vater, er möge ihm den Maulkorb eines Jagdhundes geben, und er sagte ihm: »Ich will mich in einen Jagdhund verwandeln. Ihr, Vater, sollt einen Riemen und einen Stab mitführen, damit sie mit Kaninchen vollgehängt werden, und am Haus des Händlers vorbeigehen, der sich für einen großen Jagdfreund ausgibt.« Der Vater legte dem Jungen, der sich in einen Hund verwandelt hatte, den Maulkorb an, und ging mit ihm zur Jagd. Er fing viele Kaninchen, hing sie an dem Stab auf und brachte sie heim, den Hund hinter sich. Als der Händler ihn an seinem Haus vorbeigehen sah, fragte er: »He, Mann, nur mit diesem Hund allein hast du soviel Wild gefangen?« »Ja, Herr.« »Du mußt mir diesen Hund verkaufen.« »Nur wenn Ihr mir hunderttausend Reis gebt.« »Aber ja. Der Hund ist verkauft.« Er zählte das Geld. Der Hund blieb da und der Mann ging fort. Der Händler ging mit dem Hund in einem Gehege jagen. Hinter einem Kaninchen herjagend drang der Hund in eine Dornenhecke ein, und schlüpfte zur anderen Seite wieder hinaus. Mit den Krallen zog er den Malkorb herunter und er wurde wieder ein Mensch. Der Händler mühte sich ab, den Hund zu rufen und auf ihn zu warten. Der Junge kam an ihm vorüber und er fragte ihn: »Hast du hier einen Jagdhund gesehen?« »Gesehen nicht, aber in der Hecke, die sehr dicht ist, habe ich etwas sich bewegen gehört. Vielleicht ist das das Tier, das dort nicht mehr herauskann.« Sicher ist, daß der Händler den Hund und sein Geld verlor, und ohne etwas vondannen ging. Der Junge sagte zu seinem Vater: »Jetzt sollt Ihr Zügel kaufen, damit ich mich in ein Pferd verwandle.« So tat der Vater, und er ging mit dem Pferd durch alle Straßen. Der Zaubermeister von Paris, der es zu Hause gehabt hatte, erkannte das Pferd sofort und erreichte es, daß der Mann es ihm zu hohem Preis verkaufte. Er achtete nicht auf das Geld und übernahm das Pferd. Er führte es in seinen Pferdestall, ohne ihm die Zügel abzunehmen, so daß es nichts fressen konnte. Der Zaubermeister hatte drei Töchter und er legte ihnen nahe, nicht in den Pferdestall zu gehen. Sobald der Vater weggegangen war, sprachen sie zueinander: »Laßt uns sehen, was im Pferdestall ist.« Sie gingen hin und sahen ein hübsches, wohlgestaltetes Pferd, und bemerkten, daß es nicht fressen konnte. »Das arme Pferd! Wir wollen ihm die Zügel abnehmen um zu sehen, ob es frißt.« Sie nahmen ihm die Zügel ab, und sobald es sagte: »Ach, ich armer Vogel!« flog es durch das Fenster hinaus. Unterwegs begegnete der Vogel dem Zaubermeister, der ihn erkannte und sagte: »Ach, ich arme Weihe!« - das war, um den Vogel zu töten. Er fühlte sich sehr in Bedrängnis, als er die Weihe, hinter sich sah, und sagte: »Ach, ich armer Ring!« Und er fiel in die Wellen des Meeres, und ein Barsch verschlang ihn. Der Barsch schwamm in ein anderes Land. Ein Fischer fing ihn und ging, ihn ihm Palast zu verkaufen. Die Prinzessin sah zu, wie der Fisch zubereitet wurde, und erblickte in seinem Bauch einen Ring. Die Magd wusch den Ring und gab ihn der Prinzessin. Diese schätzte den Ring mehr als alle Edelsteine, die sie besaß. Wenn die Prinzessin sich hinlegte, zog sie den Ring von ihrem Finger und legte ihn auf eine Bank. Des Nachts verwandelte sich der Ring in einen Mann, und der fing an, sich mit der Prinzessin zu unterhalten. Diese rief voller Furcht den König, ihren Vater. In diesem Augenblick verwandelte sich der Mann in eine Ameise, und der König kam und sah nichts. Dies geschah drei Nächte lang. In der letzten Nacht sagte er zu der Prinzessin: »Ich bin der Ring, den Ihr am Finger tragt. Ich muß Eurer Hoheit sagen, daß der König, Ihr Vater, sehr krank ist. Die Ärzte können ihn nicht heilen. Nur der Zaubermeister von Paris kann ihn heilen. Aber er wird kein Geld, kein Geschenk, noch irgendeinen Edelstein wollen. Er wird vom König nur den Ring verlangen, den die Prinzessin trägt. Eure Hoheit gebe ihn ihm nicht in die Hand, sondern lasse ihn zu Boden fallen.« Sie tat, wie der Junge es von ihr erbeten hatte. Man erfuhr von der Krankheit des Königs und schließlich wurde der Zaubermeister gerufen, der darauf bestand, den Ring zu bekommen. Verärgert über seine Beharrlichkeit warf die Prinzessin den Ring auf den Boden. Der Ring sagte: »Ach, ich armes Hirsekorn!« Und er fiel als Hirsekorn auf den Boden. Der Zaubermeister verwandelte sich in ein Huhn, um es aufzupicken, und der Junge verwandelte sich in ein Wiesel, schnappte mit den Zähnen nach dem Huhn und tötete es. Kaum hatte er das getan, verwandelte er sich in einen Mann und erklärte dem König alles. Und da er es war, der die Heilung des Königs gezeigt hatte, verheiratete dieser ihn mit der Prinzessin, und sie waren sehr glücklich.

[Portugal: T. Braga: Contos tradicionaes do povo portuguez]
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