Eine sehr arme Wittwe, die drei Kinder hatte, war sehr kummervoll, weil sie nichts hatte, was sie ihnen geben konnte.
Eines Tages kamen zu ihr zwei kleine alte Männer, die aussahen, wie wenn sie die ganze Welt durchwanderten und frugen an, ob sie übernachten könnten und ob man ihnen ein Abendessen geben wolle. Jene Frau war sehr betrübt und sagte ihnen:
- Wie kann ich euch Abendessen geben, da ich Kieselsteine im Topfe habe, um die Kinder zu unterhalten, damit sie einschlafen?
- Nun, schauet einmal, ob sie gesotten sind, sagten die kleinen Alten.
- Und würdet ihr einfältiger wie die Kinder sein, habe ich euch nicht gesagt, dass es Kieselsteine sind?
- Lasset es gehen, schauet wieder nach, ob sie gekocht sind?
Sie baten so viel, bis schliesslich die Frau ging, nachzusehen und sie fand den Topf voll Saubohnen und sie sagte zu jenen Männern:
- Jesus, ja ihr könnt schon zu Abend essen, aber ich habe nichts mehr, was ich hinzufügen könnte.
- Gehet und schauet in euere Krüge.
Sie ging hin und fand sie mit Oel gefüllt und ihre Körbe voll Brod.
- Schaut, sagte sie, seit meines Mannes Tod war noch fast kein Brod da gewesen.
Sie assen Alle zu Abend und als sie gegessen hatten, sagte die Frau zu ihnen, sie möchten in ihrem Bette schlafen, aber sie wollten das nicht und gingen schlafen auf den Dachboden.
Als die Frau sie am anderen Morgen rufen wollte, fand sie Niemanden mehr, aber in ihrem Hause gingen nie mehr die Speisen aus.
Jene kleinen Alten kamen am anderen Abend zu einem Landgut und frugen, ob sie übernachten und Abendessen könnten und der Pächter sagte zu ihnen:
- Abendessen geben wir nicht, übernachten ja.
Und alle Armen, welche zu ihm kamen, liess er in einem Stalle schlafen, wo zwei Hunde waren, die sie auffrassen.
Jene beiden Alten enthüllten sich als der heilige Peter und der gute Jesus und als sie im Stalle waren, sagte der gute Jesus:
Peter setze dich auf einen der zwei Hunde und ich werde mich auf den anderen setzen.
Am folgenden Morgen fand man jene beiden Männer auf den Fleischerhunden reitend und als der Pächter sah, dass die Hunde sie nicht aufgefressen hatten, sagte er:
- Diese Männer treiben böse Künste, und er rief die Knechte zusammen, damit sie sie gefangen nehmen und in den Kerker führen sollten.
Als sie unterwegs waren, sagte der eine der alten Männer, man glaubt es war der gute Jesus:
- Pächter, diese Knechte verlieren ihre Arbeit und es wäre nicht nothwendig, dass sie sie verlören, weil wir euch nicht entfliehen werden und ihr seid Leute genug, um uns zu begleiten.
Jene Männer gingen weg und als sie nicht mehr da waren, sagte der gute Jesus zum heiligen Peter:
- Peter setze dich auf diesen Esel, und der Pächter war zum Esel geworden.
Und mit dem Esel kamen sie zu dem Hause jener Wittwe und der heilige Peter sagte zu ihr:
- Frau nehmet hier diesen Esel und verwendet ihn, lasset ihn die Wasserhebebrunnen (Noria) drehen, bestellet mit ihm den Gemüsegarten, ihr werdet viel Gemüse bekommen und beladet den Esel wenn ihr geht, um es zu verkaufen und ihr dürft ihm nie zu Fressen geben und dürft ihm den Maulkorb nie abnehmen und nie wird er ermüden.
So machte es jene Wittwe und sie hatte den Esel sieben Jahre lang. Eines Tages kam der älteste Knabe jener Frau, der bereits gross geworden war, der eine Ladung Gemüse mit dem Esel geführt hatte und dieser frass einen Asphodel und fiel todt nieder und nun hatten sie keinen Esel mehr.
Indessen kamen jene kleinen Alten wieder und der älteste Sohn sagte zu seiner Mutter:
- Meine Mutter, jene zwei kleinen Alten, die uns den Esel geschenkt und die wir seither nicht mehr gesehen hatten, sind wieder zurückgekehrt und folgen mir sogleich nach.
Als sie angekommen waren, sagte ihnen die Frau:
- Ach meine Herrchen, jener Esel, den ihr mir gabet, ist todt, noch könnte ich den Asphodel finden, der ihm, als er ihn frass, den Tod brachte.
- Wir wollen also gehen, sagten jene kleinen Alten, um zu sehen, ob noch etwas von ihm übrig geblieben ist.
- Ja, sagte die Frau, ich denke, dass noch der Kopf vorhanden ist.
Sie gingen hin und fanden noch den Kopf des Esels.
Einer der zwei kleinen Alten gab ihm einen Fusstritt und sagte zu ihm:
- Stehe auf, weil Gott dir schon verziehen hat.
Mit dem stand er auf und verwandelte sich in den Pächter, den Besitzer der Hunde und der kleine Alte sagte zu ihm:
- Wenn Arme wieder zu dir kommen, gebe ihnen zu essen und sperre sie nicht mehr in den Stall mit den Fleischerhunden.
Als jener Mann wieder bei seinem Hause angekommen war, wollten sie ihn nicht aufnehmen, weil sie meinten, dass er schon lange todt sei und die Aasgeier ihn gefressen hätten.
Aber er erzählte ihnen den ganzen Hergang und sie nahmen ihn auf und jetzt ist er gläubig geworden.


[Katalonien: Erzherzog Ludwig Salvator: Märchen aus Mallorca]
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