Gabriel Perxanch war ein älterer Junggeselle, welcher ganz allein in seinem Hause wohnte und vom Ertrag seiner Güter lebte. Eu Vilá gehörte ihm auch und er brachte dort viele Tage zu, um die Feldarbeit zu verrichten und verkehrte im Dorfe, um zu Abend zu essen und dort zu schlafen.
Eines Tages, als er nach seinem Hause zurückgekehrt war, bemerkte er, dass alle Hausarbeiten schon fertig waren, die Teller gespült, die Krüge voll Wasser, das Bett gemacht, das Haus gekehrt, und im Hofe waren die Hühner mit Futter versorgt.
Wie ist denn das, dachte Gabriel, ich nehme doch den Schlüssel mit und wenn ich nicht im Dorfe bin, betritt Niemand mein Haus.
Und jeden Abend, wenn er zurückkam, fand er alle Arbeiten gemacht.
- Ich werde schon erfahren, wer das Haus in Ordnung macht, und eines Tages, wo er vorgehabt hatte, nach Eu Vilá zu gehen, blieb er zu Hause, ohne Jemanden etwas davon zu sagen, und versteckte sich, um aufzupassen, wer ihm die Arbeiten mache.
Es dauerte nicht lange, dass er im Verstecke war, als er einen Lärm innerhalb der Brunnen-Mündung hörte, und nach kurzer Zeit sah er eine Frau aus derselben herauskommen, welche anfing, das Haus in Ordnung zu machen.
- Sage mir, bist du die Magd die jeden Tag kommt mich zu bedienen? fragte er sie.
- Ja antwortete sie.
- Und wer bist du?
- Ich bin die Wasserfrau.
- Die Wasserfrau! ich sehe, dass du auch verstehst, Hausfrau zu sein.
Sie antwortete nichts und nach einer kleinen Pause fing er wieder zu sprechen an:
- Nun denn, wenn du doch einmal die Frau dieses Hauses bist, könntest du auch meine Frau werden. Wenn du dich mit mir vermählen willst, können wir heirathen.
- Ja sagte sie, aber es soll nur unter der Bedingung geschehen, dass du mich niemals die Wasserfrau nennen kannst.
- Also vermählen wir uns, dass dies leicht zu machen ist.
Jene Frau kehrte nun nicht mehr in den Brunnen zurück und sie verheiratheten sich und bekamen zwei Kinder, ein Knabe und ein Mädchen.
Eines Tages, es war im Monat Februar, ging die Frau nach Eu Vilá und anstatt aus den Saaten das Unkraut auszujäten, riss sie alle Blüthen der Saubohnen- Pflanzungen ab. Am folgenden Morgen ging der Mann dahin und gewahrte den Schaden, den seine Frau angerichtet hatte und nach Hause zurückgekehrt, frug er sie warum sie die Blüthen der Saubohnenpflanzungen vernichtet habe.
- Weil es ohnehin einen Frost machen sollte und dann dieselben verderben würden, erwiederte sie ihm.
Aber der Mann, der mit diesem Beweggrund nicht einverstanden war, gab ihr böse Scheltworte und nannte sie Wasserfrau.
Sobald sie diese Worte vernahm, nahm sie auf jeden Arm ein Kind und kehrte in den Brunnen zurück und kam niemals mehr heraus.
Dieser Brunnen der Wasserfrau ist derselbe Brunnen, der jetzt noch in Can Garrit, in der Gasse von Montision gelegen, besteht.


[Katalonien: Erzherzog Ludwig Salvator: Märchen aus Mallorca]
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