Auf einem Bauernhof lebte ein stolzer, wunderschöner Hahn mit einem prächtigen Kamm und herrlichen bunten Schwanzfedern. Weit und breit gab es keinen ähnlichen und so kam es, dass der Hahn sehr eitel wurde.
Eines Tages beschloss er auf Brautschau zu gehen. Aber die Hühner, die ihm scharenweise nachliefen, waren ihm alle zu albern und nicht hübsch genug. Nein, für ihn musste es schon etwas Besonderes sein.
Als er eines Tages spazieren ging, traf er am nahegelegenen Teich den Schwan. Er war sofort entzückt über die majestätische Anmut und das elegante weiße Federkleid.
Er dachte bei sich: „ Das ist die Richtige!“ Sofort stellte er sich in Pose und ließ seine bunten Schwanzfedern in der Sonne funkeln. Dann schmetterte er sein lautestes „Kikeriki“.
Der Schwan kam auch sogleich ans Ufer geschwommen, doch anstatt dem Werben des Hahnes nachzugeben, pickte er nach ihm und sprach: „Was willst du hier, du Lümmel? Such dir einen anderen Ort. Der Lärm ist mir zuwider.“
Der Hahn gab zurück: „Aber sieh mich wenigstens an. Bin ich denn nicht das schönste und stolzeste Geschöpf auf Erden?“
Der Schwan antwortete: „ Stolz bist du schon, aber das ist keine Tugend. Eitel bist du obendrein, und was deine Schönheit betrifft, deine bunten Federn gleichen eher einem Possenreiter, einem Narren und zu dem hast du dich eben gemacht!“
Ohne ein weiteres Wort drehte der Schwan dem stolzen Hahn den Rücken und glitt davon.

Quelle: Berta Berger

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