Einst war’s gewesen, da lebte in dem kleinen Dorf am See ein Fischer Namens Blondschopf. Er machte sich auf den Weg zur Arbeit. Die Sonne war noch nicht zu sehen, als er sein Boot zu Wasser ließ. Gut gelaunt und mit reinem Herzen begann er sein Tagwerk. Als er die Mitte des Sees erreicht hatte, warf er die Netze aus und verharrte frohen Mutes, während er einige der alten Fischernetze sorgsam flickte.
Nach einiger Zeit nun wollte er sehen, wie groß sein Fang wohl wäre, doch dabei passierte etwas gar Schreckliches. Das Boot wurde von einer riesigen Welle erfasst, er rutschte aus, schlug mit dem Kopf auf die Bootskante und stürzte dann ohnmächtig in das Wasser.

„Hallo, hallo... so werde doch wach!“, sprach eine Stimme. Blondschopf rieb sich die Augen. Er selbst wusste nicht was geschehen war. Erschrocken stellte er fest, dass er sich auf einem Lager aus Muscheln und Algen befand. Er blickte hoch und sah in das Gesicht einer wunderschönen, jungen Frau. „Wie komme ich hierher und wer seid ihr?,“ murmelte der junge Mann, immer noch völlig verwirrt.
„ Ich bin Unda, die Herrin dieses Sees. Du bist hier in meinem Reich, die Tiefe des Wassers ist mein Sitz.“
„Woher weißt du meinen Namen?“ „Blondschopf, der See ist wie ein Spiegel. Ich sehe, wie du jeden Tag deiner Arbeit nachgehst. Dabei bist du nicht so wie die meisten Fischer, sondern hast ein gutes Herz. Du nimmst dir nur, was du zum Leben brauchst. Bei dir muss kein Geschöpf des Wassers Qualen erdulden, und alles, was zu klein oder ohne Verwendung für dich ist, befreist du sorgsam aus den Netzen und gibst es dem See zurück. Es ist mein Volk, dem du da Gutes tust, wie sollte ich dich da wohl nicht kennen?“
„Aber wieso bin ich hier?“
„Es ist so, ich bin die alleinige Herrscherin des Sees. Alles, was darauf und darin ist gehört mir! Nur ich entscheide letztendlich was damit passiert! Also gehören auch du und deine Seele mir. Sie ist sehr verlockend für mich, denn sie strahlt wie Gold, und wer kann dem Glanz von Gold schon widerstehen? Ist es nicht das, was wir alle lieben? Doch muss ich dir sagen, ich weiß ja um dein gutes Herz mit dem du für mein Volk gewirkt hast, deswegen wirst du dich einer Prüfung bei meinem Berater, dem grünen Mann, unterziehen. Er ist so weise wie niemand hier und wird sehen wie gut du wahrhaftig bist. Also kann ich dir nur raten, bleibe dir selbst treu, nur wer sich selbst treu bleibt, dem wird gar ein Lohn, aus dieser Prüfung, zuteil.“
Damit wies sie Blondschopf den Weg.

Dort angekommen an einer kleinen Höhle, sprach eine Stimme
aus der Dunkelheit: „Blondschopf, Blondschopf... sage mir, warum ist das Wasser wie ein ewiger Spiegel. Was zeigt es dem, der es betrachtet?“
Der junge Fischer dachte nach, er überlegte reiflich. Dann sprach er: „Es zeigt mir, was es bedeutet Mensch zu sein.
Es zeigt mir, was es bedeutet Verantwortung
zu tragen.
Es zeigt mir meine Seele, wenn ich nur lange
genug hineinschaue.

Kaum ausgesprochen, spuckte der See den Mann wieder aus. Die Stimme sprach: „Deine Antwort war sehr weise und weil das Wasser um deine reine Seele weiß, erhältst du einen angemessenen Lohn, der deiner würdig ist.“

Es war tiefe Nacht als Blondschopf aufwachte. Mond und Sterne standen am Himmelszelt. Er wusste nicht, ob er geträumt hatte oder ob ihm all das wirklich geschehen war. Doch als er sich im Boot umschaute, war es voller Fische und mitten im Fang stand eine riesige Kiste, gefüllt mit Gold. Glücklich erreichte er am frühen Morgen das kleine Dorf, wo man schon besorgt um ihn gewartet hatte.
Alle waren sehr erstaunt über den riesigen Fang, doch am allermeisten waren die Leute an den Schatz und der geheimnisvollen Geschichte drum herum interessiert. Wie überall gab es Neider und einer der Schlimmsten war ein Mann namens Schwarzschopf.

Auch er war ein Fischer. Alle mochten ihn, die Frauen, liebten seine Schönheit, besonders sein Haar, denn es war schwarz wie Ebenholz. Aber der junge Mann wusste darum und war eitel wie ein Pfau. Seiner Arbeit ging er nur sehr halbherzig nach, lieber ließ er sich umgarnen.
Als er nun von dieser Geschichte hörte, dachte er bei sich: „Ei, was soll ich mich noch länger plagen, wo ich doch so hübsch bin! Wenn ich dazu noch einen Kasten voller Gold hätte, was wäre es doch für ein schönes Leben.“
So fuhr er also, wie er es von Blondschopf gehört hatte, in die Mitte des Sees und sprang in die Tiefe.

Auch er erwachte und die Herrin Unda sah ihn durchdringend
an: „Schwarzschopf, was machst du hier?“ „Ach“, sprach er, „ich hörte ihr belohnt hier die Fischer sehr angemessen. Also dachte ich bei mir, wenn ihr doch so genau um uns Bescheid wisst, Herrin des Sees, dann wisst ihr doch auch, was für ein feiner Mann ich bin.“ Unda sah ihn mit ihren grünen Augen bösefunkelnd an und sprach: „Ich weiß sehr genau um dich Schwarzschopf, der See ist wie ein Spiegel. Ich sehe wie du und auch einige andere Fischer, missmutig eurer Arbeit nachgeht. Ihr seit dabei schlimmer als die wilden Tiere. Ihr habt keine Achtung vor den Geschöpfen des Wassers und euch ist es egal, ob ihr überhaupt Verwendung für etwas habt, was in eure Netze gelangt. Ihr lasst alles solange nach Luft schnappen, bis es qualvoll verendet. Einen Lohn willst du also? Dann komm nur mit mir mit! Mein Berater, der Wassergeist und ich, werden dich einer Prüfung unterziehen, dann werden wir wohl sehen was für ein feiner Mann du bist.
Du bist dir aber doch im Klaren darüber, das deine Seele und du mir gehören? Nur wenn du die Prüfung bestehst, gebe ich dich frei!“
Doch Schwarzschopf, war nicht ängstlich, hatte er doch alles von Blondschopf gehört, was er sagen musste.


Somit führte Unda auch ihn zur Höhle des grünen Mannes. Dort angekommen, sprach die Stimme nun zu ihm: „Schwarzschopf, Schwarzschopf... sage mir, warum ist das Wasser wie ein ewiger Spiegel, was zeigt es dem, der es betrachtet?“
Schwarzschopf überlegte nicht lange, sondern war sich seiner Antwort sehr gewiss: „Es zeigt mir, was es bedeutet Mensch
zu sein.
„Es zeigt mir, was es bedeutet
Verantwortung zu tragen.“
.

Schwarzschopf wollte auch noch den dritten Satz aussprechen, doch da tat sich Unda, in ihrer ganzen Schönheit vor ihm auf, so das er nicht mehr Herr seiner Sinne und Gedanken war und wie von innen heraus hörte er sich selbst reden:
„Es zeigt mir, dass ich viel zu schön bin,
genau wie eure schöne Herrin hier, um
um stinkenden Fisch zu fangen!“


Erschrocken über sich selbst und dem was er sagte, sah er sich um, und erblickte das Unda mit ihrer Schönheit auch den grünen Mann aus seiner Höhle gelockt hatte. Sie nahmen sich bei den Händen und es schien als wollten sie tanzen. Doch es war mehr als das. Ihre Körper vereinten sich zu einem Einzigem und aus der schönen Herrscherin, wurde eine hässliche, grüne Nixe, die sich Schwarzschopf ins Maul stopfte.
Alles was von ihm übrig blieb war seine Seele, die aber nicht golden, sondern schwarz wie sein Haar war. So wurde aus ihm ein Wassertier der Dunkelheit. In den tiefen des Sees hielt er sich versteckt, voller Angst vor den Menschen, die so waren wie er, stolz und ohne Mitleid.

Blondschopf, obgleich reich, ging seiner Arbeit auch weiterhin nach. Er blieb ein guter Mensch mit einer Seele aus Gold. Und wenn er nicht gestorben ist, so erzählt er auch heute noch die Geschichte von Unda, der Herrscherin der Tiefe.

Quelle: Bianca Deters

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