Im Zauberwald, hinter den drei Bergen bei den zwölf Zwergen, lebten einmal viele Tiere friedlich zusammen, bis eines Tages ein Troll für Aufregung sorgte. Er war allseits als Bösewicht bekannt, der die Tiere und Zwerge stets mit seinen listigen Streichen in Angst und Schrecken versetzte.
Auf einem Bein hüpfend tanzte er diesmal um einen Baum herum und sang: „Ach wie gut dass niemand weiß, dass ich bald hier König heiß!“
Der Rabe saß auf dem Baum. Seine Augen und Ohren weiteten sich. Er konnte kaum glauben, was er da zu hören bekam. Was führte der Troll wohl im Schilde? Und was hatte es zu bedeuten, dass er bald König sein würde? Sicher nichts Gutes. Also erhob sich der Rabe und flog schnurstracks zum Haus der Zwerge, um das Vorgefallene zu berichten.

Die Zwerge wurden einer nach dem anderen blass, als sie die Worte des Raben vernahmen: „Zauberer Grintus hat bereits angedeutet, dass wir bald einen König bekommen werden. Als ich ihn danach fragte, wer denn dieser König sei, meinte er nur: Es wird jemand sein, der es versteht, unser Land zu regieren. Und dann hörte ich auch noch den Troll ein Lied darauf singen.“

Der Zauberer war der weiseste unter ihnen. Bisher hatte er die Angelegenheiten im Zauberwald geregelt. Doch mit zunehmendem Alter wollte er die Arbeit niederlegen und kam so auf die Idee, er könnte einen König ernennen.

„Hat er denn gesagt, dass er den Troll zum König machen will?“, fragte ein Zwerg.
„Das eigentlich nicht“, erwiderte der Rabe. „Aber wer käme denn sonst in Frage?“
Indes schüttelten die Zwerge traurig den Kopf: „Oh je, oh je! Was machen wir bloß? Stellt euch vor, wir müssen alle nach des Trolls Pfeife tanzen!“
Auch dem Raben gefiel dieser Gedanke ganz und gar nicht. Entschlossen flog er durch die Gegend und krächzte all seine Freunde zusammen. Sie schrien wild durcheinander und waren außer sich vor Wut: „Wir müssen verhindern, dass der Troll unser König wird!“
„Aber was können wir dagegen machen?“, fragte die Schnecke ängstlich.
„Lasst uns gemeinsam zum Zauberer gehen und mit ihm sprechen!“, schlug das Schaf vor.
Also marschierten, krochen und flogen sie zur Höhle des Zauberers.


Überrascht öffnete Grintus das Tor und schaute in die verärgerten Gesichter der Tiere.
„Stimmt es, dass der Troll unser König werden soll?“, platzte die Schlange heraus.
Zauberer Grintus hob seine Augenbrauen und sagte: „Noch ist es nicht entschieden. Aber ja, ich bin am Überlegen, ihn zum König zu ernennen.“
„Wieso gerade er?“, wollte die Regenbogenraupe wissen.
„Tja, er hat gewisse Fähigkeiten, ist intelligent und weiß, wie er andere dazu bringen kann, ihm zu gehorchen!“, meinte der Zauberer.

Daraufhin rief der Drache verärgert: „Ein Bösewicht ist er und sonst gar nichts! Kann nicht unsereins König werden?“
Zauberer Grintus schaute von einem Tier zum anderen: „Aber ihr seid doch nichts Besonderes!“
„Schau mich an!“, erwiderte das Schaf. „Ich habe so ein flauschiges Fell. Mein Wesen ist so weich und warm wie mein Fell. Ich wäre der richtige König für den Zauberwald!“
„Papperlapapp! Das ist für einen König zu wenig!“, wandte der Zauberer ein. „Du bist viel zu dumm!“

„Und wie wär’s mit mir?“, versuchte die Schnecke vorsichtig einzuwenden. „Ich bin zwar klein, aber fein. Und stark bin ich auch. Wer schleppt schon sein ganzes Haus mit sich rum? Sind das nicht die perfekten Voraussetzungen, um König zu werden?“
„Papperlapapp! Das ist für einen König zu wenig!“, wandte der Zauberer wiederum ein. „Du bist viel zu langsam!“

„Ich bin so bunt wie der Regenbogen. Ich strahle nach außen und bin schön wie… wie es sich eben für einen König gehört!“, war die Regenbogenraupe von sich überzeugt.
„Papperlapapp! Das ist für einen König zu wenig!“, verteidigte der Zauberer seinen Standpunkt. „Ein bunter, dicker Faden auf dem Waldboden! Was ist das schon?“
Da fiel ihm der Frosch ins Wort: „Hör doch mal, wie gut ich singen kann! Ich bin es, der den Zauberwald mit lieblicher Musik erfüllt! Gebührt es also nicht mir König zu werden?“
„Papperlapapp! Das ist für einen König zu wenig!“, so der Zauberer. „Doch ich habe schon einmal von einem Frosch gehört, der König geworden ist.“
Der Rabe schlug aufgeregt mit seinen Flügeln und meinte: „So gut wie ich kann keiner fliegen. Ich kann gut hören wie kein anderer. Und ein König muss doch auch auf sein Volk hören!“
„Papperlapapp! Das ist für einen König zu wenig!“, so der Zauberer. „Dein Gekrächze ist doch eines Königs nicht würdig!“
Ein Tier nach dem anderen pries seine Fähigkeiten an, doch an jedem hatte Grintus etwas auszusetzen.
Die Schlange zischte: „Und wie schaut’s mit mir aus? Ich bin schnell und wendig, bin Furcht erregend und schön zugleich. Der Titel des Königs sollte mir gehören!“
„Papperlapapp! Das ist für einen König zu wenig!“, so der Zauberer. „Dein Anfang gleicht deinem Ende. Sieht so ein König aus?“
Als letzter meldete sich der Drache zu Wort: „Ich bin der Größte im Zauberwald. Ich bin stark, kann fliegen und sogar Feuer speien. Wenn das nicht gute Voraussetzungen sind, um König zu werden!“
Der Zauberer sah ein, dass die Tiere nicht so schnell aufgeben würden und machte folgenden Vorschlag: „Na gut! Ihr sollt eine Gelegenheit bekommen, euch als König zu bewerben. Ich will euch eine Aufgabe stellen. Wer sie zu lösen vermag, soll König werden!“
Gespannt warteten die Tiere auf die Verkündigung.
„Derjenige, der es schafft, von einer Prinzessin geküsst zu werden, soll König vom Zauberwald werden. Zudem will ich ihm ein prächtiges Schloss schenken, auf dem er mit seiner zukünftigen Gemahlin bis ans Lebensende glücklich und zufrieden regieren wird. Zudem werde ich jenem, der die Aufgabe zu lösen vermag, eine Menschengestalt verleihen.“


Die Aufregung unter den Tieren war groß. Keiner wusste, wie er es anstellen sollte, von einer Prinzessin geküsst zu werden.
Nur einer saß zwei Tage und Nächte auf einem Seerosenblatt im Teich, bis er die Idee hatte. Am dritten Tag sprang er über die Grenzen des Waldes hinaus und ließ sich am Brunnen eines prunkvollen Schlossgartens nieder. Nun schaute er der wunderschönen Prinzessin beim Spielen im Garten zu. Er überlegte gerade, wie er mit der Prinzessin ein Gespräch beginnen könnte, da fiel plötzlich die goldene Kugel der Prinzessin mit Schwung in den Brunnen.

Der Frosch überlegte nicht lange und rief: „Was gibst du mir, wenn ich deine goldene Kugel aus dem Brunnen heraufhole?“
„Verlang, was du willst!“, antwortete sie und lief auf den Frosch zu. „Nur bring mir rasch mein Lieblingsspielwerk zurück.“
Kaum ein Wimpernschlag und der Froschkönig hielt die goldene Kugel der Prinzessin entgegen. Diese griff hastig danach, doch der Frosch war nicht dumm und rief: „Halt, Prinzessin! Erst löse dein Versprechen ein und gib mir einen Kuss.“
„Was soll ich? Dir einen Kuss geben? Dir?“, lachte die Prinzessin.
Doch, ob sie wollte oder nicht, sie musste ihr Versprechen halten, sonst hätte er das Spielzeug wieder ins Wasser geworfen.

Kaum hatte sie den Frosch - wenn auch widerwillig - geküsst, verwandelte sich dieser in einen wunderschönen jungen Mann.

Überglücklich führte er seine Braut ins Reich des Zauberwaldes, wurde zum König ernannt und lebte fortan glücklich und zufrieden in einem traumhaft schönen Schloss - das Hochzeitsgeschenk des Zauberers.
Der Troll ärgerte sich so sehr darüber, dass er dem Zauberwald den Rücken kehrte und ihn seither niemand mehr gesehen hat.

Quelle: Carmen Kofler

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