Es war einmal ein Bettler. Er hatte weder ein Zuhause, noch einen roten Heller für einen Becher Wasser. Es herrschte große Hitze. Der Bettler war sehr durstig. Er wollte so gerne arbeiten und sich etwas verdienen, allerdings nahm ihn keiner auf, denn er sah in seinen Lumpen allzu erbärmlich aus. Darüber war der Bettler sehr traurig. Er setzte sich auf den Pflasterweg der Stadt und bettelte. Bis zur Abenddämmerung saß er dort. Doch die meisten Menschen beachteten ihn gar nicht. Einige wenige Heller waren jedoch zusammengekommen. Davon kaufte er sich Wasser und Brot. Die restlichen Heller legte er sorgsam in ein schmuddeliges Tuch und steckte es in seine Hosentasche.

Und so saß er jeden Tag auf dem Pflasterweg. Die Menschen kannten ihn mittlerweile, weil er immer auf der selben Stelle saß. Tagein, tagaus bettelte er, bis er alt und müde wurde. Da beschloss er eines Tages, einmal wo anders zu betteln. Vielleicht gab es irgendwo doch noch den rechten Platz für ihn, was hatte er schon zu verlieren. Und so wanderte er viele Tage am Stück durch sieben kleine Dörfer. Doch die Not der Menschen war überall gleich groß und die Reichen schenkten ihm auch hier keine Beachtung. Aber eines Tages wanderte er durch einen Wald. Der Bettler freute sich sehr, als er einen fließenden Bach sah. Der alte Mann ließ sich nieder und trank. Plötzlich sah er ein goldenes Tröpfchen im Bach schwimmen, schnappte es, schaute es sich ganz genau an und legte es zu den drei Hellern in sein Tuch. Kurze Zeit später sah er eine Flasche im Bach schwimmen. Der Mann fischte sie heraus, entfernte den Korken und fand einen Brief. Nun fing er an, die undeutlichen Buchstaben auf dem Zettel zu entziffern. Dort stand: "Hast du das Goldtröpfchen gefunden? Dann nimm es ein, und deine Taschen werden immer mit Gold gefüllt sein!"

Der Mann folgte der Aufforderung nur allzu gern. Dann passierte es: Plötzlich waren seine Taschen voller Gold. Nun wanderte er frohen Mutes den weiten Weg zurück in seine Stadt. Als er nach langer Zeit dort angekommen war, kaufte er sich alles, was sein Herz begehrte. Und so wurde aus dem armen Bettler ein angesehener Mann, der den Armen half, wo er nur konnte. Die Reichen schickte er zum Teufel. Darüber, wie der Bettler zu seinem Wohlstand gekommen war, wurde so manche Geschichte erzählt, doch die Wahrheit kannte einzig und allein der wahre Wohltäter der Stadt.

© Lea Eberlein (11 Jahre)
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