Dies habe ich als die russische Version gefunden, also eigentlich unterscheiden sich nur die Namen.
Die zwölf Monate
- Weißt Du wie viel Monaten ein Jahr hat?
- Zwölf.
- Wie heißen sie?
- Januar, Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober, November und Dezember.
- Richtig. Sobald ein Monat zu Ende geht, folgt ihm ein anderer. Es ereignete sich noch nie, dass der Februar früher als der Januar eingetreten ist oder der Mai den April überholte. Die Monate vergehen einer nach dem anderen und treffen sich nie. Doch erzählen die Leute über ein Mädchen aus einem bergigen Land Bogemija, das alle zwölf Monate zusammen gesehen hat. Wie war das? Nun höre...
Es war einmal eine Mutter, die hatte zwei Töchter, die eine war ihr eigen Fleisch und Blut, die andere ihre Ziehtochter.
Ihre eigene Tochter Helena liebte sie über alles, die Ziehtochter aber konnte sie nicht ausstehen, und das nur deshalb, weil Maria viel schöner war als Helena. Maria musste alle Arbeit verrichten, aufräumen, kochen, waschen, spinnen, weben, und auch die Kuh fütterte sie allein. Helena aber putzte sich den ganzen Tag und sonnte sich auf der Schwelle des Hauses. Maria ertrug alles geduldig, doch es nützte ihr nichts, und sie wurde von Tag zu Tag schöner, und Helena wurde von Tag zu Tag hässlicher. Und vor Neid beschlossen Mutter und Tochter, sich des schönen Mädchens zu entledigen.
Eines Tages, es war im Januar, sagte Helena zu ihrer Stiefschwester: "Maria, geh und bring mir aus dem Wald Veilchen, damit ich sie mir in den Gürtel stecken und daran riechen kann!" ,Ach Schwesterchen, was fällt dir nur ein. Wer hätte je gehört, dass unter dem Schnee Veilchen wachsen", klagte Maria. "Was, du wagst zu widersprechen!" fuhr die Schwester sie an. "Marsch in den Wald! Und wenn du ohne Veilchen zurückkommst, so schlage ich dich tot." Und die Stiefmutter stieß sie aus der Hütte und schob den Riegel vor die Tür.
Was sollte das arme Mädchen tun? Der Schnee hatte alle Wege verweht, und hungernd und frierend irrte sie durch den Wald. Da sah sie in der Ferne Feuerschein, und sie stieg einen Berg hinan, dem Feuer entgegen. Als sie oben angekommen war, da erblickte sie zwölf Männer, die saßen auf Steinen um ein großes Feuer herum. Drei waren alt und weißbärtig, drei waren etwas jünger, drei noch jünger, und die drei jüngsten, die waren am schmuckesten anzusehen. Es waren die zwölf Monate, die wortlos auf ihren Steinen saßen und ins Feuer starrten. Auf dem höchsten Platz saß der große Januar und hielt einen Stab in der Hand.
Maria erschrak und blieb furchtsam stehen, doch dann nahm sie allen Mut zusammen und bat: "Gute Leute, lasst mich ein wenig ans Feuer setzen, ich bin schon ganz durchfroren. Der große Januar nickte mit dem Kopf und fragte: "Was suchst du denn bei diesem Wetter im Wald?" - "Ich soll Veilchen suchen", antwortete Maria. "Im Winter wachsen keine Veilchen!" - "Ich weiß. Aber meine Schwester hat mich in den Wald geschickt, und wenn ich ohne Veilchen zurückkomme, so schlägt sie mich tot. Ach, wisst ihr nicht, wo ich welche finden könnte?"
Da erhob sich der Januar und trat zu einem der Brüder: "Bruder März, setz dich auf meinen Platz!" Der März setzte sich auf den Stein, nahm den Stab und schwang ihn über dem Feuer. Da züngelten die Flammen hoch, der Schnee taute, die Blätter begannen zu sprießen, das Gras zu grünen, und es war Frühling. Und unter den Sträuchern wuchsen bald so viele Veilchen, dass es aussah, als wäre die ganze Wiese mit einem blauen Teppich bedeckt.
"Schnell, pflücke die Blumen, Maria!" sprach der März freundlich. Maria bückte sich, und schon bald hielt sie einen großen Strauß der schönsten Veilchen in der Hand. Sie bedankte sich bei den zwölf Monaten und trat fröhlich den Heimweg an.
Wie wunderten sich die Stiefmutter und die Stiefschwester, als Maria die herrlichen Blumen nach Hause brachte. Helena steckte sich sogleich den Strauß in den Gürtel, roch daran, ließ die Mutter riechen, doch Maria sagte sie nicht einmal Dankeschön.
Am nächsten Tag hatte Helena Appetit auf Erdbeeren. "Lauf in den Wald, Maria, und bring mir einen Korb voll Erdbeeren!" - "Ach Schwesterchen", weinte Maria, "was fällt dir nur ein, wer hätte je gehört, dass unter dem Schnee Erdbeeren wachsen?" - "Was, du wagst zu widersprechen!" fuhr die Schwester sie an. "Marsch in den Wald. Und komme nicht ohne Erdbeeren zurück, sonst schlage ich dich tot!" Und die Stiefmutter schob das arme Mädchen aus der Hütte und schob den Riegel vor die Tür.
Was sollte das arme Mädchen tun? Der Schnee hatte alle Wege verweht, und so irrte sie hungernd und frierend durch den Wald. Doch da sah sie in der Ferne wieder das Feuer, und als sie freudig zu dem Feuer lief, da saßen wieder die zwölf Monate auf ihren steinernen Sitzen, an der Spitze der Januar. "Gute Leute", bat das Mädchen, "lasst mich ein wenig an das Feuer, ich bin schon ganz durchfroren." Der Januar nickte mit dem Kopf und fragte: "Was suchst du denn bei diesem Wetter im Wald?" - "Ich soll Erdbeeren pflücken", antwortete Maria. "Im Winter wachsen keine Erdbeeren!" - "Ich weiß. Aber die Stiefmutter und die Stiefschwester haben mich in den Wald geschickt, und wenn ich ohne Erdbeeren zurückkehre, so schlagen sie mich tot. Ach, wisst ihr nicht, wo ich welche finden kann?"
Da erhob sich der Januar und trat zu dem Bruder, der ihm gegenüber saß: "Bruder Juni, setz dich auf meinen Platz!" Der Juni setzte sich auf den Platz des Januar und schwang den Stab über dem Feuer. Da schlugen die Flammen hoch empor, der Schnee taute, das Gras wurde grün, die Bäume standen in voller Blütenpracht, die Vögel sangen, und es war Sommer.
Auf der Wiese aber blühten Tausende weiße Blümchen, und aus den Blümchen wurden rote Beeren. Und ehe es sich Maria versah, da war die ganze Wiese mit den herrlichsten Erdbeeren übersät, als wäre sie von einem roten Teppich bedeckt. "Schnell, pflücke die Beeren, pflücke sie", sagte der Juni freundlich. Und Maria bückte sich, und schon bald hatte sie die Schürze voll der schönsten Erdbeeren.
Wie staunten die Stiefmutter und die Stiefschwester, als sie die herrlichen Beeren sahen. Helena aß sich satt daran, die Mutter aß sich satt, aber Maria sagten sie nicht einmal Dankeschön.
Am nächsten Tag bekam Helena Appetit auf Äpfel. "Lauf in den Wald, Maria, und bring mir Äpfel!" befahl sie. "Aber Schwesterchen", klagte Maria, "was fällt dir nur ein, wer hätte je gehört, daß im Winter Apfel reifen?" - "Was, du wagst noch zu widersprechen!" fuhr die Schwester sie zornig an. "Marsch in den Wald. Und komme mir nicht ohne Äpfel nach Hause, sonst schlage ich dich tot!" Und die Stiefmutter schob das Mädchen zur Hütte hinaus und schob den Riegel vor die Tür.
Was sollte das arme Mädchen tun? Der Schnee hatte alle Wege verweht, doch diesmal verirrte sich Maria nicht, sondern eilte geradewegs auf den Berg, auf dem die zwölf Monate um das Feuer saßen. "Ach, gute Leute, laßt mich ein wenig ans Feuer, ich bin schon ganz durchfroren." Der greise Januar nickte mit dem Kopf und fragte: "Was suchst du denn bei diesem Wetter im Wald?" - "Ich soll Äpfel pflücken." - "Im Winter reifen keine Äpfel!" - "Ich weiß, aber die Stiefmutter und die Stiefschwester haben mich in den Wald geschickt, und wenn ich ohne Äpfel nach Hause komme, so schlagen sie mich tot. Bitte, sagt mir, wo ich welche finden kann."
Da erhob sich der Januar von seinem Platz, und an seine Stelle setzte sich der September, nahm den Stab in die Hand und schwang ihn über dem Feuer. Hoch schlugen die Flammen, der Schnee schmolz, doch die Bäume blieben ohne Blätter. Auf der Wiese blühten die letzten Nelken, am Waldrand stand das Farnkraut hoch, und an einem der Bäume hingen ganz oben in der Krone rote Äpfel. Das Mädchen schüttelte den Baum einmal, da fiel ein Apfel ins Gras, sie schüttelte zum zweiten Mal, da fiel ein zweiter herab. "Beeile dich, Maria!" rief der September. Da las das Mädchen schnell die beiden Äpfel auf, bedankte sich bei den zwölf Monaten und ging fröhlich nach Hause.
Wie staunten die Stiefmutter und die Stiefschwester, als sie die herrlichen Äpfel sahen. "Wo hast du die gepflückt?" fragten beide wie aus einem Munde. "Oben auf dem Berg, es wachsen noch viel mehr davon." - "Und warum hast du nicht mehr mitgebracht? Sicher hast du sie unterwegs alle gegessen!" - "Schwesterchen, nicht einen einzigen Bissen! Ich habe einmal gerüttelt, da fiel ein Apfel herab, ich habe zum zweiten Mal gerüttelt, da fiel der zweite Apfel herab, und mehr Äpfel durfte ich nicht pflücken." Helena aß einen Apfel, die Mutter den zweiten, aber Maria sagten sie nicht einmal Dankeschön.
Und die Äpfel schmeckten so süß und saftig, wie sie noch nie welche gegessen hatten. Da sprach Helena: "Mutter, gib mir einen Korb. Ich werde selbst in den Wald gehen. Den Platz werde ich schon finden und werde so viel Äpfel pflücken, wie es mir gefällt, ganz gleich, ob es jemand erlaubt oder nicht. Maria würde uns nur alle unterwegs wegessen."
Wie gesagt, so getan. Der Schnee hatte alle Wege verweht, und so irrte Helena durch den Wald, bis auch sie in der Ferne das Feuer sah. Als sie näherkam, sah sie die zwölf Monate um das Feuer sitzen. Zunächst erschrak sie, doch sie hatte sich schnell gefaßt, trat an das Feuer und wärmte sich über den Flammen die Hände.
Der greise Januar blickte sie unmutig an und fragte: "Was willst du denn hier?" - "Das geht dich nichts an, Alter!" Da wurde der Januar zornig, er schwang den Stab über dem Feuer, und das Feuer wurde ganz klein.
Der Himmel verfinsterte sich, und es brach ein solcher Schneesturm aus, daß Helena sich im Walde verirrte und den Heimweg nicht mehr fand.
Zu Hause wartete die Stiefmutter und sah jeden Augenblick zum Fenster hinaus. "Sicher schmecken ihr die Apfel so gut, daß sie gar nicht mehr nach Hause kommt", sprach sie, zog den Pelz über und ging in den Wald hinaus, die Tochter zu suchen.
Maria blieb allein im Hause zurück. Sie kochte das Essen, gab der Kuh ihr Futter, aber noch immer waren die Mutter und die Schwester nicht zurück. "Wenn ihnen nur nichts zugestoßen ist", klagte das gute Mädchen.
Aber Helena und die Stiefmutter kehrten nie mehr zurück. Das Mädchen blieb allein, und ihr gehörte nun das Häuschen, die Kuh und ein schönes Stück Feld dazu. Und später heiratete sie einen hübschen Burschen, und beide lebten glücklich und zufrieden in der Hütte.
Russisches Volksmärchen