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einemamama

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1

Donnerstag, 1. Oktober 2009, 20:56

Suche dringend das russische Märchen über die 12 Monate

Hallo,
ich suche verzweifelt das russische Märchen über die 12 Monate, aber nicht die Version,die hier existiert. Es geht um Mädchen, das von der Stiefmutter in Wald geschickt wurde um in schwersten Sturm mal Maiglöckchen, mal Erdbeeren zu bringen. Sie trifft auf 12 Gestalten, die die 12 Monate sind und man wird ihr für eine kurze Zeit die Jahreszeit herzaubern, in der die gewünschten Sachen sind... Ich habe es vor 60 Jahren gelesen und würde gerne meinen Enkelkindern vorlesen, so könnten sie leichter die Monate merken. Es gibt ein DVD, aber ich möchte zuerst das Märchen ihnen vorlesen.
Danke für die Hilfe
eine Großmutter

Cassadi

Mario Eberlein

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2

Donnerstag, 1. Oktober 2009, 21:59

Hallo einemamama,


hast du auch dieses Märchen gefunden? Es handelt sich hier zwar nicht um das originale russische Märchen, jedoch kommt es dem von dir Gesuchten sehr nahe.

Von den zwölf Monaten

Vielleicht magst du dieses ja deinen Enkelkindern vorlesen, um sie auf den Film einzustimmen. :tach:
mit märchenhaftem Gruß
Cassadi

einemama

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3

Montag, 5. Oktober 2009, 20:50

danke

Hallo Cassadi,
ich weiss es nicht, wie ich anders antworten sollte. Ich danke dir sehr für das Märchen, ich habe es Samstag meinen Enkelkindern vorgelesen und sie waren sehr zufrieden damit. Ich habe übrigens das Märchen noch nicht gefunden, nicht einmal auf eine russische Seite, aber einen Spur bei Kindergartenkinder. Ich werde aber eine treue Besucherin von dieser Seite bleiben, sie ist mehr, als fantastisch. Danke dafür
einemama (oder wie meine Enkelkinder sagen mamama)

Cassadi

Mario Eberlein

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4

Montag, 5. Oktober 2009, 22:17

Hallo einemamama,

na das ist ja prima. Die Enkel sind zufrieden und Du bist ein Fan dieser Seite. Herz was willst du mehr. :hurra:

Viel Spass beim lesen und hören der vielen Märchen hier.
mit märchenhaftem Gruß
Cassadi

minuk

Märchenwichtel

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5

Montag, 5. Oktober 2009, 22:35

Dies habe ich als die russische Version gefunden, also eigentlich unterscheiden sich nur die Namen.

Die zwölf Monate


- Weißt Du wie viel Monaten ein Jahr hat?

- Zwölf.

- Wie heißen sie?

- Januar, Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober, November und Dezember.

- Richtig. Sobald ein Monat zu Ende geht, folgt ihm ein anderer. Es ereignete sich noch nie, dass der Februar früher als der Januar eingetreten ist oder der Mai den April überholte. Die Monate vergehen einer nach dem anderen und treffen sich nie. Doch erzählen die Leute über ein Mädchen aus einem bergigen Land Bogemija, das alle zwölf Monate zusammen gesehen hat. Wie war das? Nun höre...

Es war einmal eine Mutter, die hatte zwei Töchter, die eine war ihr eigen Fleisch und Blut, die andere ihre Ziehtochter.

Ihre eigene Tochter Helena liebte sie über alles, die Ziehtochter aber konnte sie nicht ausstehen, und das nur deshalb, weil Maria viel schöner war als Helena. Maria musste alle Arbeit verrichten, aufräumen, kochen, waschen, spinnen, weben, und auch die Kuh fütterte sie allein. Helena aber putzte sich den ganzen Tag und sonnte sich auf der Schwelle des Hauses. Maria ertrug alles geduldig, doch es nützte ihr nichts, und sie wurde von Tag zu Tag schöner, und Helena wurde von Tag zu Tag hässlicher. Und vor Neid beschlossen Mutter und Tochter, sich des schönen Mädchens zu entledigen.

Eines Tages, es war im Januar, sagte Helena zu ihrer Stiefschwester: "Maria, geh und bring mir aus dem Wald Veilchen, damit ich sie mir in den Gürtel stecken und daran riechen kann!" ,Ach Schwesterchen, was fällt dir nur ein. Wer hätte je gehört, dass unter dem Schnee Veilchen wachsen", klagte Maria. "Was, du wagst zu widersprechen!" fuhr die Schwester sie an. "Marsch in den Wald! Und wenn du ohne Veilchen zurückkommst, so schlage ich dich tot." Und die Stiefmutter stieß sie aus der Hütte und schob den Riegel vor die Tür.

Was sollte das arme Mädchen tun? Der Schnee hatte alle Wege verweht, und hungernd und frierend irrte sie durch den Wald. Da sah sie in der Ferne Feuerschein, und sie stieg einen Berg hinan, dem Feuer entgegen. Als sie oben angekommen war, da erblickte sie zwölf Männer, die saßen auf Steinen um ein großes Feuer herum. Drei waren alt und weißbärtig, drei waren etwas jünger, drei noch jünger, und die drei jüngsten, die waren am schmuckesten anzusehen. Es waren die zwölf Monate, die wortlos auf ihren Steinen saßen und ins Feuer starrten. Auf dem höchsten Platz saß der große Januar und hielt einen Stab in der Hand.

Maria erschrak und blieb furchtsam stehen, doch dann nahm sie allen Mut zusammen und bat: "Gute Leute, lasst mich ein wenig ans Feuer setzen, ich bin schon ganz durchfroren. Der große Januar nickte mit dem Kopf und fragte: "Was suchst du denn bei diesem Wetter im Wald?" - "Ich soll Veilchen suchen", antwortete Maria. "Im Winter wachsen keine Veilchen!" - "Ich weiß. Aber meine Schwester hat mich in den Wald geschickt, und wenn ich ohne Veilchen zurückkomme, so schlägt sie mich tot. Ach, wisst ihr nicht, wo ich welche finden könnte?"

Da erhob sich der Januar und trat zu einem der Brüder: "Bruder März, setz dich auf meinen Platz!" Der März setzte sich auf den Stein, nahm den Stab und schwang ihn über dem Feuer. Da züngelten die Flammen hoch, der Schnee taute, die Blätter begannen zu sprießen, das Gras zu grünen, und es war Frühling. Und unter den Sträuchern wuchsen bald so viele Veilchen, dass es aussah, als wäre die ganze Wiese mit einem blauen Teppich bedeckt.

"Schnell, pflücke die Blumen, Maria!" sprach der März freundlich. Maria bückte sich, und schon bald hielt sie einen großen Strauß der schönsten Veilchen in der Hand. Sie bedankte sich bei den zwölf Monaten und trat fröhlich den Heimweg an.

Wie wunderten sich die Stiefmutter und die Stiefschwester, als Maria die herrlichen Blumen nach Hause brachte. Helena steckte sich sogleich den Strauß in den Gürtel, roch daran, ließ die Mutter riechen, doch Maria sagte sie nicht einmal Dankeschön.

Am nächsten Tag hatte Helena Appetit auf Erdbeeren. "Lauf in den Wald, Maria, und bring mir einen Korb voll Erdbeeren!" - "Ach Schwesterchen", weinte Maria, "was fällt dir nur ein, wer hätte je gehört, dass unter dem Schnee Erdbeeren wachsen?" - "Was, du wagst zu widersprechen!" fuhr die Schwester sie an. "Marsch in den Wald. Und komme nicht ohne Erdbeeren zurück, sonst schlage ich dich tot!" Und die Stiefmutter schob das arme Mädchen aus der Hütte und schob den Riegel vor die Tür.

Was sollte das arme Mädchen tun? Der Schnee hatte alle Wege verweht, und so irrte sie hungernd und frierend durch den Wald. Doch da sah sie in der Ferne wieder das Feuer, und als sie freudig zu dem Feuer lief, da saßen wieder die zwölf Monate auf ihren steinernen Sitzen, an der Spitze der Januar. "Gute Leute", bat das Mädchen, "lasst mich ein wenig an das Feuer, ich bin schon ganz durchfroren." Der Januar nickte mit dem Kopf und fragte: "Was suchst du denn bei diesem Wetter im Wald?" - "Ich soll Erdbeeren pflücken", antwortete Maria. "Im Winter wachsen keine Erdbeeren!" - "Ich weiß. Aber die Stiefmutter und die Stiefschwester haben mich in den Wald geschickt, und wenn ich ohne Erdbeeren zurückkehre, so schlagen sie mich tot. Ach, wisst ihr nicht, wo ich welche finden kann?"

Da erhob sich der Januar und trat zu dem Bruder, der ihm gegenüber saß: "Bruder Juni, setz dich auf meinen Platz!" Der Juni setzte sich auf den Platz des Januar und schwang den Stab über dem Feuer. Da schlugen die Flammen hoch empor, der Schnee taute, das Gras wurde grün, die Bäume standen in voller Blütenpracht, die Vögel sangen, und es war Sommer.

Auf der Wiese aber blühten Tausende weiße Blümchen, und aus den Blümchen wurden rote Beeren. Und ehe es sich Maria versah, da war die ganze Wiese mit den herrlichsten Erdbeeren übersät, als wäre sie von einem roten Teppich bedeckt. "Schnell, pflücke die Beeren, pflücke sie", sagte der Juni freundlich. Und Maria bückte sich, und schon bald hatte sie die Schürze voll der schönsten Erdbeeren.

Wie staunten die Stiefmutter und die Stiefschwester, als sie die herrlichen Beeren sahen. Helena aß sich satt daran, die Mutter aß sich satt, aber Maria sagten sie nicht einmal Dankeschön.

Am nächsten Tag bekam Helena Appetit auf Äpfel. "Lauf in den Wald, Maria, und bring mir Äpfel!" befahl sie. "Aber Schwesterchen", klagte Maria, "was fällt dir nur ein, wer hätte je gehört, daß im Winter Apfel reifen?" - "Was, du wagst noch zu widersprechen!" fuhr die Schwester sie zornig an. "Marsch in den Wald. Und komme mir nicht ohne Äpfel nach Hause, sonst schlage ich dich tot!" Und die Stiefmutter schob das Mädchen zur Hütte hinaus und schob den Riegel vor die Tür.

Was sollte das arme Mädchen tun? Der Schnee hatte alle Wege verweht, doch diesmal verirrte sich Maria nicht, sondern eilte geradewegs auf den Berg, auf dem die zwölf Monate um das Feuer saßen. "Ach, gute Leute, laßt mich ein wenig ans Feuer, ich bin schon ganz durchfroren." Der greise Januar nickte mit dem Kopf und fragte: "Was suchst du denn bei diesem Wetter im Wald?" - "Ich soll Äpfel pflücken." - "Im Winter reifen keine Äpfel!" - "Ich weiß, aber die Stiefmutter und die Stiefschwester haben mich in den Wald geschickt, und wenn ich ohne Äpfel nach Hause komme, so schlagen sie mich tot. Bitte, sagt mir, wo ich welche finden kann."

Da erhob sich der Januar von seinem Platz, und an seine Stelle setzte sich der September, nahm den Stab in die Hand und schwang ihn über dem Feuer. Hoch schlugen die Flammen, der Schnee schmolz, doch die Bäume blieben ohne Blätter. Auf der Wiese blühten die letzten Nelken, am Waldrand stand das Farnkraut hoch, und an einem der Bäume hingen ganz oben in der Krone rote Äpfel. Das Mädchen schüttelte den Baum einmal, da fiel ein Apfel ins Gras, sie schüttelte zum zweiten Mal, da fiel ein zweiter herab. "Beeile dich, Maria!" rief der September. Da las das Mädchen schnell die beiden Äpfel auf, bedankte sich bei den zwölf Monaten und ging fröhlich nach Hause.

Wie staunten die Stiefmutter und die Stiefschwester, als sie die herrlichen Äpfel sahen. "Wo hast du die gepflückt?" fragten beide wie aus einem Munde. "Oben auf dem Berg, es wachsen noch viel mehr davon." - "Und warum hast du nicht mehr mitgebracht? Sicher hast du sie unterwegs alle gegessen!" - "Schwesterchen, nicht einen einzigen Bissen! Ich habe einmal gerüttelt, da fiel ein Apfel herab, ich habe zum zweiten Mal gerüttelt, da fiel der zweite Apfel herab, und mehr Äpfel durfte ich nicht pflücken." Helena aß einen Apfel, die Mutter den zweiten, aber Maria sagten sie nicht einmal Dankeschön.

Und die Äpfel schmeckten so süß und saftig, wie sie noch nie welche gegessen hatten. Da sprach Helena: "Mutter, gib mir einen Korb. Ich werde selbst in den Wald gehen. Den Platz werde ich schon finden und werde so viel Äpfel pflücken, wie es mir gefällt, ganz gleich, ob es jemand erlaubt oder nicht. Maria würde uns nur alle unterwegs wegessen."

Wie gesagt, so getan. Der Schnee hatte alle Wege verweht, und so irrte Helena durch den Wald, bis auch sie in der Ferne das Feuer sah. Als sie näherkam, sah sie die zwölf Monate um das Feuer sitzen. Zunächst erschrak sie, doch sie hatte sich schnell gefaßt, trat an das Feuer und wärmte sich über den Flammen die Hände.

Der greise Januar blickte sie unmutig an und fragte: "Was willst du denn hier?" - "Das geht dich nichts an, Alter!" Da wurde der Januar zornig, er schwang den Stab über dem Feuer, und das Feuer wurde ganz klein.

Der Himmel verfinsterte sich, und es brach ein solcher Schneesturm aus, daß Helena sich im Walde verirrte und den Heimweg nicht mehr fand.

Zu Hause wartete die Stiefmutter und sah jeden Augenblick zum Fenster hinaus. "Sicher schmecken ihr die Apfel so gut, daß sie gar nicht mehr nach Hause kommt", sprach sie, zog den Pelz über und ging in den Wald hinaus, die Tochter zu suchen.

Maria blieb allein im Hause zurück. Sie kochte das Essen, gab der Kuh ihr Futter, aber noch immer waren die Mutter und die Schwester nicht zurück. "Wenn ihnen nur nichts zugestoßen ist", klagte das gute Mädchen.

Aber Helena und die Stiefmutter kehrten nie mehr zurück. Das Mädchen blieb allein, und ihr gehörte nun das Häuschen, die Kuh und ein schönes Stück Feld dazu. Und später heiratete sie einen hübschen Burschen, und beide lebten glücklich und zufrieden in der Hütte.

Russisches Volksmärchen
LG
minuk

Was ist wertvoller, Wissen oder Fantasie?
- Es ist die Fantasie, denn das Wissen hat Grenzen. -

Methusalem

Vorlesepate und Erzähler

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Mittwoch, 4. November 2009, 19:16

Zwölf mit der Post

eine weitere Version wäre die von Hans Christian Andersen. hier ist sie Zwölf mit der Post




Es war eine schneidende Kälte, sternenheller Himmel, kein Lüftchen regte sich.
'Bums!' Da wurde ein alter Topf an die Haustüre des Nachbars geworfen.
'Puff, paff!' Dort knallte die Büchse; man begrüßte das neue Jahr. Es war Neujahrsnacht! Jetzt schlug die Turmuhr zwölf!
'Trateratra!' Die Post kam angefahren. Der große Postwagen hielt vor dem Stadttore an. Er brachte zwölf Personen mit, alle Plätze waren besetzt.
"Hurra! Hurra! Hoch!" sangen die Leute in den Häusern der Stadt, wo die Neujahrsnacht gefeiert wurde und man sich beim zwölften Schlage mit dem
gefüllten Glase erhob, um das neue Jahr leben zu lassen.
"Prost Neujahr!" hieß es, "ein schönes Weib! Viel Geld! Keinen Ärger und Verdruss!"
Das wünschte man sich gegenseitig, und darauf stieß man mit den Gläsern an, dass es klang und sang - und vor dem Stadttore hielt der Postwagen mit den
fremden Gästen, den zwölf Reisenden.
Und wer waren diese Fremden? Jeder von ihnen führte seinen Reisepass und sein Gepäck bei sich; ja, sie brachten sogar Geschenke für mich und dich und
alle Menschen des Städtchens mit. Wer waren sie, was wollten sie, und was brachten sie?
"Guten Morgen!" riefen sie der Schildwache am Eingange des Stadttores zu.
"Guten Morgen!" antwortete diese, denn die Uhr hatte ja zwölf geschlagen.
"Ihr Name? Ihr Stand?" fragte die Schildwache den von ihnen, der zuerst aus dem Wagen stieg.
"Sehen Sie selbst im Passe nach", antwortete der Mann. "Ich bin ich!" Und es war auch ein ganzer Kerl, angetan mit Bärenpelz und Pelzstiefeln. "Ich bin der Mann, in den sehr viele Leute ihre Hoffnung setzen. Komm morgen zu mir; ich gebe dir ein Neujahrsgeschenk! Ich werfe Groschen und Taler unter die Leute, ja ich gebe auch Bälle, volle einunddreißig Bälle, mehr Nächte kann ich aber nicht darauf gehen lassen. Meine Schiffe sind eingefroren, aber in meinem Arbeitsraum ist es warm und gemütlich. Ich bin Kaufmann, heiße Januar und führe nur Rechnungen bei mir."
Nun stieg der zweite aus, der war ein Bruder Lustig; er war Schauspieldirektor, Direktor der Maskenbälle und aller Vergnügungen, die man sich nur denken kann. Sein Gepäck bestand aus einer großen Tonne.
"Aus der Tonne", sagte er, "wollen wir zur Fastnachtszeit die Katze heraus jagen. Ich werde euch schon Vergnügen bereiten und mir auch; alle Tage lustig! Ich habe nicht gerade lange zu leben; von der ganzen Familie die kürzeste Zeit; ich werde nämlich nur achtundzwanzig Tage alt. Bisweilen schalten sie mir zwar auch noch einen Tag ein - aber das kümmert mich wenig, hurra!"
"Sie dürfen nicht so schreien!" sagte die Schildwache.
"Ei was, freilich darf ich schreien", rief der Mann, "ich bin Prinz Karneval und reise unter dem Namen Februarius."
Jetzt stieg der dritte aus; er sah wie das leibhaftige Fasten aus, aber er trug die Nase hoch, denn er war verwandt mit den 'vierzig Rittern' und war Wetterprophet. Allein das ist kein fettes Amt, und deshalb pries er auch das Fasten. In einem Knopfloche trug er auch ein Sträußchen Veilchen, auch diese
waren sehr klein.
"März! März!" rief der vierte ihm nach und schlug ihn auf die Schulter; "riechst du nichts? Geschwind in die Wachstube hinein, dort trinken sie Punsch, deinen Leib- und Labetrunk; ich rieche es schon hier außen. Marsch, Herr Martius!" - Aber es war nicht wahr, der wollte ihn nur den Einfluss seines Namens fühlen lassen, ihn in den April schicken; denn damit begann der vierte seinen Lebenslauf in der Stadt. Er sah überhaupt sehr flott aus; arbeiten tat er nur sehr wenig; desto mehr aber machte er Feiertage. "Wenn es nur etwas beständiger in der Welt wäre", sagte er; "aber bald ist man gut, bald schlecht gelaunt, je nach Verhältnissen; bald Regen, bald Sonnenschein; ein- und ausziehen! Ich bin auch so eine Art Wohnungsvermietunternehmer, ich kann lachen und weinen, je nach Umständen!
Im Koffer hier habe ich Sommergarderobe, aber es würde sehr töricht sein, sie anzuziehen. Hier bin ich nun! Sonntags geh' ich in Schuhen und weißseidenen Strümpfen und mit Muff spazieren."
Nach ihm stieg eine Dame aus dem Wagen. Fräulein Mai nannte sie sich. Sie trug einen Sommermantel und Überschuhe, ein lindenblattartiges Kleid, Anemonen im Haare, und dazu duftete sie dermaßen nach Waldmeister, dass die Schildwache niesen musste. "Zur Gesundheit und Gottes Segen!" sagte sie, das war ihr Gruß. Wie sie niedlich war! Und Sängerin war sie, nicht Theatersängerin, auch nicht Bänkelsängerin, nein, Sängerin des Waldes; - den
frischen, grünen Wald durchstreifte sie und sang dort zu ihrem eigenen Vergnügen.
"Jetzt kommt die junge Frau!" riefen die drinnen im Wagen, und aus stieg die junge Frau, fein, stolz und niedlich. Man sah es ihr an, dass sie, Frau Juni, von faulen Siebenschläfern bedient zu werden gewohnt war. Am längsten Tage des Jahres gab sie große Gesellschaft, damit die Gäste Zeit haben möchten, die vielen Gerichte der Tafel zu verzehren. Sie hatte zwar ihren eigenen Wagen; allein sie reiste dennoch mit der Post wie die andern, weil sie zeigen wollte, dass sie nicht hochmütig sei. Aber ohne Begleitung war sie nicht; ihr jüngerer Bruder Julius war bei ihr.
Er war ein wohlgenährter Bursche, sommerlich angekleidet und mit Panamahut.
Er führte nur wenig Gepäck bei sich, weil dies bei großer Hitze zu beschwerlich sei; deshalb hatte er sich nur mit einer Schwimmhose versehen,
und dies ist nicht viel.
Darauf kam die Mutter selbst, Madame August, Obsthändlerin en gros, Besitzerin einer Menge Fischteiche, sie war dick und heiß, fasste selbst überall an, trug eigenhändig den Arbeitern Bier auf das Feld hinaus. "Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen!" sagte sie, "das steht in der Bibel. Hinterdrein kommen die Spazierfahrten, Tanz und Spiel und die Erntefeste!" Sie war eine tüchtige Hausfrau.
Nach ihr stieg wieder ein Mann aus der Kutsche, ein Maler, Herr Kolorier Meister September; der musste den Wald bekommen; die Blätter mussten Farbe
wechseln, aber wie schön; wenn er es wollte, schillerte der Wald bald in Rot, Gelb oder Braun. Der Meister pfiff wie der schwarze Star, war ein flinker Arbeiter und wand die blaugrüne Hopfenranke um seinen Bierkrug. Das putzte den Krug, und für Ausputz hatte er gerade Sinn. Da stand er nun mit seinem Farbentopfe, der war sein ganzes Gepäck!
Ihm folgte der Gutsbesitzer, der an den Saatmonat, an das Pflügen und Beackern des Bodens, auch an die Jagdvergnügungen dachte; Herr Oktober führte Hund und Büchse mit sich, hatte Nüsse in seiner Jagdtasche – 'knick, knack!' Er hatte viel Reise gut bei sich, sogar einen englischen Pflug; er sprach von der Landwirtschaft; aber vor lauter Husten und Stöhnen seines Nachbars vernahm man nicht viel davon.
Der November war es, der so hustete, während er ausstieg. Er war sehr mit Schnupfen behaftet; er putzte sich fortwährend die Nase, und doch, sagte er, müsse er die Dienstmädchen begleiten und sie in ihre neuen Winterdienste einführen; die Erkältung, meinte er, verliere sich schon wieder, wenn er ans
Holzmachen ginge, und Holz müsse er sägen und spalten; denn er sei Sägemeister der Holzmacherinnung.
Endlich kam der letzte Reisende zum Vorschein, das alte Mütterchen Dezember mit der Feuerkiepe; die Alte fror, aber ihre Augen strahlten wie zwei helle
Sterne. Sie trug einen Blumentopf auf dem Arme, in dem ein kleiner Tannenbaum eingepflanzt war. "Den Baum will ich hegen und pflegen, damit er gedeihe und groß werde bis zum Weihnachtsabend, vom Fußboden bis an die Decke reiche und emporschieße mit flammenden Lichtern, goldenen Äpfeln und ausgeschnittenen Figürchen. Die Feuerkiepe wärmt wie ein Ofen; ich hole das Märchenbuch aus der Tasche und lese laut aus ihm vor, dass alle Kinder im
Zimmer still, die Figürchen an dem Baume aber lebendig werden und der kleine Engel von Wachs auf der äußersten Spitze die Flittergoldflügel ausbreitet, her abfliegt vom grünen Sitze und klein und groß im Zimmer küsst, ja, auch die armen Kinder küsst, die draußen auf dem Flure und auf der Straße stehen
und das Weihnachtslied von dem Bethlehemsgestirne singen."
"So! Jetzt kann die Kutsche abfahren", sagte die Schildwache, "wir haben sie alle zwölf. Der Beiwagen mag vorfahren!"
"Lass doch erst die zwölf zu mir herein!" sprach der Wachhabende, "einen nach dem andern! Die Pässe behalte ich hier; sie gelten jeder einen Monat;
wenn der verstrichen ist, werde ich das Verhalten auf dem Passe bescheinigen. Herr Januar, belieben Sie näher zu treten."
Und Herr Januar trat näher.
Wenn ein Jahr verstrichen ist, werde ich dir sagen, was die zwölf uns allen gebracht haben. Jetzt weiß ich es noch nicht, und sie wissen es wohl selbst
nicht - denn es ist eine seltsam unruhige Zeit, in der wir leben.

Hans Christian Andersen

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