Es war einmal ein Bauer, der hatte drei Töchter. Es waren arme Leute, und sie wohnten in der Nachbarschaft des Königs. Einmal saßen die drei Mädchen am Abend am Fenster – es war Mondschein – und sie sprachen miteinander. Ein Diener des Königs aber ging unter dem Fenster vorbei und hörte, was die Mädchen untereinander redeten. Die Älteste sagte: „Wenn der König mich heiratete, müsste bei mir alles von Gold und Silber glänzen.“ Die Mittlere sagte: „Wenn der König mich heiratete, müsste bei mir alles von Perlen und Edelsteinen glänzen.“ Und die Jüngste sagte: „Wenn der König mich heiratete, so möchte ich mir nichts anderes wünschen, als daß ich zwei Büberl wiegte mit goldenem Haar. Der Diener hatte all das gehört und sagte es seinem Herrn. Da ließ der König die Mädchen zu sich kommen und fragte sie: „Was habt ihr euch gewünscht?“ Und sie mußten sagen, was sie dann und dann am Abend unter sich gesprochen hatten. Die Jüngste schämte sich: Ach! sie wollte es nicht sagen! Aber der König befahl: „Sag es nur!“ Da sprach sie: „Ich habe mir gewünscht, daß ich, wenn der König mich heiratete, zwei Büberl wiegte mit goldenem Haar.“ Als der König dies hörte, sagte er gleich: „Dich heirate ich!“ Und er heiratete die Jüngste und nahm auch ihre zwei Schwestern zu sich auf sein Schloß. Und richtig, jetzt waren sie schon ein Jahr verheiratet und erwarteten ihr erstes Kind. Jetzt war dort eine Hofdame, eine falsche, und die hätte dem König gern die eigene Tochter zur Frau gegeben. Diese hatte einen Hund, der gerade zu der Zeit zwei Jungen geworfen hatte. Als die junge Königin niederkam, war nur die Hofdame bei ihr; der König hatte zur Waffenübung einrücken müssen. Richtig brachte die Königin zwei Büberl zur Welt, und die hatten so wunderbare goldene Lockerl gehabt; da nahm die Hofdame ihr die Kinder weg und legte an ihrer Stelle zwei Hunderl.

Die zwei Buben mit den goldenen Haaren aber verscharrte sie im Misthaufen. Jetzt kam der König von der Waffenübung nach Hause. Die Hofdame sagte zu ihm: „Deine Frau, die Königin, hat zwei junge Hunderl zur Welt gebracht.“ Die junge Frau weinte und weinte, der König aber sagte: „Was soll ich mit dir machen, da du eine so große Schande über mich gebracht hast?“ Er ließ einen Turm bauen, und dort ließ er die Königin lebendig einmauern; dort mußte sie hinter einem vergitterten Fenster und in jeder Hand ein Hunderl halten, und die Leute, die vorübergingen, schauten zum Fenster hinein und lachten sie aus und spuckten sie an. Der junge König aber nahm die Tochter der Hofdame zur Frau. Nicht lange darauf kam der Stallknecht zum König und meldete: „Herr, bei uns ist heute in der Nacht ein Wunder geschehen. Auf unserem Misthaufen sind zwei Pappeln gewachsen mit goldenem Laub.“ Alle liefen herbei und bewunderten die zwei Pappeln mit goldenem Laub. Da sagte die falsche Königin: „Ich will, daß man die Pappeln umhaut, und daß aus ihrem Holz zwei Betten gemacht werden!“ Da hieben sie die zwei Pappeln um und machten daraus zwei Betten. Der König schlief gut in seinem Bett, aber die Frau konnte in ihrem Bett nicht schlafen; das schlechte Gewissen gab ihr keine Ruhe. Sie hörte, wie in der Nacht das eine Bett zum andern sagen: „Bruder, schläfst du gut?“ Und das andere Bett antwortete: „Ja, ich schlafe gut, denn auf mir liegt mein lieber Tatti; und du!“ „Ich kann nicht schlafen, weil auf mir die böse Hexe liegt.“ Am anderen Tag sagte die Frau: „Ich kann in diesem Bett nicht schlafen, ich werde krank.“ Und sie befahl, daß die Betten verhackt und verbrannt werden, aber so, daß jedes Schatterl verbrannt wird und auch kein einziges Stückl Glut aus dem Feuer herausspringen.

Die zwei Schwestern der verstoßenen Königin waren im Schloß geblieben, sie mußten immerfort wie Mägde arbeiten; diese nahmen zwei Glutstückchen aus dem Feuerbrand und warfen sie in den Garten. In der Früh kommt der Gärtner zum König und sagte: „Herr, bei uns hat sich über Nacht ein Wunder ereignet. Im Garten sind zwei goldene Krauthäupterl gewachsen.“ Die Königin gleich: „Kochen wir sie!“ Meinte der König: „Ist es nicht Sünde, zwei so schöne goldene Krauthäupterl zu kochen?“ Sie aber antwortete: „Kochen wir sie nur! Goldene Krauthäupterl haben wir eh’ noch nicht gegessen!“ Und sie kochten die goldenen Krauthäupterl, aber die zwei Schwestern nahmen davon zwei Blätter und gaben sie den Schafen zu fressen. Jetzt wollte in der Früh der Schafhirt die Schafe austreiben, da findet er, ein Schaf hat zwei goldene Lamperl geworfen. Geht er zum König und sagt: „Herr, bei uns hat sich ein Wunder ereignet, etwas Merkwürdiges: Ein Schaf hat zwei goldene Lamperl geworfen.“ Sagt die Königin: „Die werden wir schlachten. Wozu brauchen wir so unnützes goldenes Zeug?“ Jetzt schlachteten sie halt die Lämmer, und dort floß so ein kleines Wasser vorbei, darin mußten die Schwestern die Därme waschen. Die König aber hatte die Därme bis auf die Zentimeter ausgemessen, daß ja nichts davon fehlt. Sie befahl den Schwestern, gut achtzugeben, daß von den Därmen auch kein Zipferl verloren geht, aber die Schwestern gingen her und schnitten doch ein Bröckerl ab, so klein, daß man es gar nicht merken konnte, und warfen es ins Wasser. Und auf einmal schwammen auf dem Wasser zwei Buben mit goldenem Haar! Es war schon Abend. Die Sonne war im Untergehen, und sie konnte die Knaben nicht mehr zu sich hinaufziehen. Sie schien und schien – es hätte die Sonne schon hineingehen und der Mond herauskommen sollen, und es war schon spät am Abend, und Sonne schien noch immer, aber wie sie sich auch abmühte, sie konnte und konnte die nicht Buben hinaufziehen.

Da sagte sie: „Bruder Mond, unten auf dem Sande sitzen zwei Büberl mit goldenem Haar, ich kann sie nicht heraufziehen, weil ich keine Kraft mehr habe, bringe du sie herauf!“ Es war gerade Vollmond, und dann hat der Mond die größte Kraft ( dann lockt er auch die Mondsüchtigen, nicht wahr?) ,er schien so stark, daß die Leute erschraken, daß es sogar heiß ward, und zog die Kinder hinauf. Die Sonne nahm die Kinder zu sich. Sie pflegte sie, erzog sie und belehrte sie. Sie erzählte ihnen von ihrer Mutter, die eingemauert ist und unschuldig leidet. Als die Kinder sechs Jahre alt waren, sagte die Sonne: „Ich werde euch jetzt zu eurer Mutter hinuntertragen, zu ihrem Fenster, und ihr sollt den Leuten sagen: „Das ist unsere Mutter, spuckt nicht auf sie!“ Sie zog die Kinder an: sie gab ihnen ein weißes Hemderl, grüne Jankerl und rote Boza – Kapperl ( wie früher die Bosniaken sie trugen) und weiße Strümpfe und rote Patscherl, und so ließ die Sonne sie hinunter zu ihrer Mutter im Turm. Sie sagte: „Kinder, kniet euch hin bei eurer Mutter und tut die Hände zusammen, und wenn die Kinder in die Schule gehen und eure Mutter auslachen, jagt sie fort und sagt ihnen: „Sie ist unsere Mutter, und wir sind ihre Kinder!“ Und die Kinder knieten hin und taten ihre Patschhändchen zusammen, und die Sonne schien so hell, so schön, so kräftig, und die Leute, die auf den Markt gingen, und wie in der Früh halt schon alles beschäftigt ist, versammelten sich und fragten die zwei Büberl mit den goldenen Haaren: „Kinder, wer seid ihr?“ Und sie sagten: „Das ist unsere liebe Mutter, und sie mußte unschuldig leiden.“ Da weckten die Leute den König und meldeten ihm das und der König kam, so wie er war, im Pyama dorthin gelaufen und fragte die Kinder: „Wer seid ihr?“ Und die zwei Buben sagten auch ihm: „Das ist unsere liebe Mutter, und sie muß unschuldig leiden.“ Da nahm der König die Kinder in die Arme, eins rechts und eins links, und lief mit ihnen ins Schloß. Die Mutter wurde aus dem Turm geholt; durch die lange Gefangenschaft war sie ganz schwach geworden; die Ärzte mußten sie pflegen, bis sie wieder zu Kräften kam. Nun, ihre Schwestern waren auch voll Glück. Die alte Hofdame aber wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt, und ihre Tochter ließ man von vier Pferden in Stücke reißen.
Wenn dieses Märchen früher beim Federschleißen erzählt wurde, haben die Kinder immer geweint.

Märchen aus dem Banater Bergland