Es war ein Mann in Sokolar mit seinen Schafen auf dem Burghügel. Es war Ostersonntag. Und wie er so mit seinen Schafen geht, sieht er auf einmal im Felsen eine offene Tür. Er ging hinein. Er kam in eine Höhle, und da war ein langer, langer Tisch – der Herrgott weiß wie lang! Und an dem Tisch saß ein alter Mann und rauchte. Der Hirt sah: das ist kein Scherz! Es brannten Edelsteine, auf dem Boden lag Geld in Haufen, und es standen dort in Reihen Weinfässer; das Holz der Dauben war verfault, aber um den Wein hatte sich eine feste Haut gebildet. Der Alte sagte: „Nimm dir, was du willst, aber beeile dich, daß du hinauskommst; gleich geht der Berg zu, und dann bleibst du hier für alle deine Tage!“ Der Hirt nahm eine Handvoll Geld und lief, was er konnte, aus dem Berg. Als er draußen war, ging hinter ihm der Berg zu und zwängte seinen Hirtenrock ein. Der Mann konnte nicht aus den Ärmeln schlüpfen, er nahm sein Taschenmesser und schnitt den eingezwickten Rockzipfel ab, so kam er davon. Später suchte er immer wider den Platz wo im Felsen der Stoffzipfel steckengeblieben war, konnte ihn aber nicht mehr finden. Mehrere Sokolarer Männer taten sich zusammen und wollten den Burgfelsen sprengen, aber der Stuhlrichter von Iam kam ihnen dahinter und verbot es. Man darf weder den Felsen sprengen noch die Mauern der Burg abwaschen.


Sage aus dem Banater Bergland