Es war früher im Neratal, vom heutigen Roman – Saska talaufwärts, ein Dorf.
Und es ist oben auf den Hügeln oberhalb der Schlucht ein flacher Platz, der heißt Nedeile, die Festwiese. Dorthin zogen einmal Leute aus jenem Dorf und feierten oben auf den Wiesen ein Tanzfest. Ein junger Bursche aus dem Geschlecht der Sirbulesti führte mit seinem Mädchen einen Reigen.
Während dieser Lustbarkeit kamen auf der Kamenitza, dem steinigen Weg, Wagen heraufgefahren. In den Wagen waren, in Kisten und unter Stroh versteckt, bewaffnete Türken. Sagt der Vortänzer zu den anderen: „Diese Wagen kommen mir nicht richtig vor.“ Indessen hatten die Wagen die Tanzenden umzingelt. Auf einmal taten sich die Kisten auf, und aus den Kisten und unter dem Stroh kamen die Türken hervor und fielen über die Rumänen her und machten alles nieder. Sie mordeten alte und junge Männer, Weiber und Kinder. Sie rotteten das ganze Dorf aus. Nur das junge Paar, das im Reigen den Vortanz geführt hatte, entkam. Der Bursche nahm das Mädchen an der Hand und floh mit ihr über den Hügelkamm gegen den Ort, wo heute das Waldhaus Damian steht. Ein Türke zu Pferd verfolgte sie. Sie kamen zu dem Ort, der Turnuri, die Türme heißt: Hier erheben sich aus der Neraschlucht steile, zackige Felswände und Türme. Das Paar flüchtete auf einen hundert Meter hohen Felsturm. Der Türke stieg vom Pferd und kletterte ihnen nach. Auf der Spitze des Turmes stellte sich der Junge dem Türken und nahm mit ihm den Kampf auf. Es war einer von den Sirbulesti, und das waren besonders kräftige und tapfere Männer. Er faßte den Türken und warf ihn vom Felsen in die Tiefe. Bevor er ihn hinuntergestürzt hatte, fragte er ihn: „Wie heißt du, Türke?“ – „Beg“, antwortete der Türke. Es war ein Beg, ein Kommandant. Darum heißt der Turm: Turnul Begului. Als die Türken noch einmal kamen, wurden sie von den Sirbulesti zurückgeschlagen. Die Familie wurde wegen ihrer Tapferkeit, die sie im Kampf gegen die Türken gezeigt hatte, geadelt.

Sage aus dem Banater Bergland