Ich bin nicht, seit die Mären sind, ich bin mit drei Tagereisen herzu, seit sich die Hunde mit Nußschalen beschuhten und zum heiligen Gebet gingen. Dann will ich euch erzählen eine Mär von neun Frauen, die gewesen und nicht mehr sind. Und wenn sie, die Mär nicht gewesen wäre, würde sie nicht erzählt werden, sie wäre wie die Seifenblase zerplatzt.
Es war einmal ein Däumling, der hieß Sdirka. Der saß in das Ohr des Ochsen und trieb die Ochsen auf die Wiese zum Fressen, und bis sie sich fütterten, sang er im Ohr des Ochsen. Nur einmal kamen zwölf Räuber, und wie sie singen hörten, verwunderten sie sich, denn sie sahen niemanden. Sie hörten und hörten, da sah einer den Sdirka im Ohr des Ochsen sitzen. »Du Stattlicher du, so komm doch ein wenig zu uns, ach bist du stattlich!« Alle zwölf fingen an zu lachen. »Na, nicht lacht mich aus, wenn ich auch klein bin, bin ich doch tapfer und stark.« - »Wir wollen sehen, was du kannst. Geh in einen Keller und bring uns Brot heraus.« Sdirka ging und kroch in einen Keller. Die Mulde war voll Brot. »Du, Sachse, soll ich das Brot mitsamt der Mulde nehmen, oder laß ich sie dir hier?« rief der Däumling. »Hör, Treng (Katharina), wer ist im Keller?« fragte der Mann. Sie gingen beide in den Keller und suchten überall und fanden nichts. Da rief der Kleine wieder unter der Mulde: »Nehme ich das Brot mit oder ohne Mulde?« - »Mach, was du willst, und nicht mehr ärgere mich«, sagte die Frau und ging hinauf und legte sich schlafen. Der Däumling nahm die Mulde mit dem Brot und trug sie in den Wald zu den zwölf Räubern. Diese verwunderten sich, waren aber nicht befriedigt. Sie schickten ihn jetzt auch um Speck.
Er ging wieder zum Sachsen, stieg auf den Boden und rief: »Treng, nehm' ich den Speck mitsamt dem Ring oder lass' ich den hängen?« Die Frau antwortete: »Mach, was du willst, nur daß ich dich nicht mehr hör'.« Der Kleine nahm den Speck mitsamt dem Ring und trug ihn in den Wald zu den zwölf Räubern. Als er ihn gebracht, lachten die Räuber nicht mehr über den Sdirka, aber befriedigt waren sie noch nicht, sie schickten ihn wieder um ein Fäßchen Wein. Dieser ging.
Als er in den Keller kam, rief er: »Du Sachse, nehme ich den Wein mitsamt dem Fäßchen oder lass' ich's dir, daß du es im Herbst hast?« - »Was sollte dies sein«, sagte der Sachse zu seiner Frau, »es ist, als ob diese Nacht verwünscht sei.« - »Ach laß, wir werden geträumt haben«, antwortete die Treng und schlief wieder ein; er hatte auch nicht Lust, wieder in den Keller zu gehen. Als niemand antwortete, nahm der Kleine das Fäßchen auf den Rücken und trug es in den Wald zu den zwölf Räubern. Als es leer war, schickten sie den Sdirka mit dem Fäßchen um Wasser. Er ging zum Graben, nahm sich einen Stock und schlug damit auf den Rasen, und wenn er geschlagen, rief er in einem fort: »Nicht schlagt mich, nicht schlagt mich, nicht ich habe das Brot gestohlen und den Speck und den Wein, es haben gestohlen die zwölf Räuber aus dem Wald, tulai tulai.« Aber der Sachse sah am Morgen, was man ihm gestohlen hatte, rief sich die Nachbarn mit Stöcken, um die Diebe zu suchen, und als sie gingen, hörten sie den Däumling schreien, sahen ihn aber nicht. Sie gingen in den Wald und fanden die Räuber. Diese hatten den Kleinen auch schreien hören und gedacht, der Sachse schlage ihn, und machten sich fertig zur Flucht und flohen grade in die Hände der Sachsen. Dann ist diese Mär aus.


[Rumänien: Pauline Schullerus: Rumänische Volksmärchen aus dem mittleren Harbachtal]