Perette, einen Milchtopf auf dem Kopf, der wohl auf ihrem Kisschen balancierte, gedachte ohne Unfall in die Stadt zu kommen. In kurzer Kleidung ging sie raschen Schritts und trug an diesem Tage, um besonders leicht zu sein, nur einen Unterrock und flache Schuhe. So hoch aufgeschürzt, berechnet in Gedanken unsre Milchträgerin den Preis, den sie für ihre Milch davonzutragen denkt und malt sich aus, wie sie das Geld verwenden will. Sie kauft sich hundert Eier, dreimal brüten die Hennen doch im Jahr, wenn man sie gut versorgt. »Leicht kann ich«, sagte sie, »die Küchlein aufziehn. Der Fuchs muß sehr gewandt sein, wenn er mir nicht so viel läßt, dafür ein Schwein zu kaufen. Ein wenig Kleie dann: das Schwein wird fett. Es war schon, als ich es bekam, von respektabler Größe. Wenn ich's verkaufe, kriege ich viel Geld, so daß ich meinen Stall - wer hindert mich daran? - um eine Kuh vergrößern kann. Die wirft ein Kalb. Schon seh ich's in der Herde springen.« Perette ist entzückt von diesem Plan, sie hüpft, die Milch fällt um ... Kalb, Kuh, Schwein, Huhn, ade! Die Herrin dieser Güter läßt tränenvollen Aug's ihr Glück im Kot zurück und geht zu ihrem Mann, der sie verprügeln wird. Darüber hat man einen Schwank gedichtet, »der Milchtopf« heißt er, wie man mir berichtet.
Ach, welcher Mensch greift nicht zur Wünschelrute, wer hätte nie ein spanisch Schloß erbaut? Pikrochol, Pyrrhus, unser Milchweib, alle, der Weise und der Narr in gleichem Maß, ein jeder träumt im Wachen. Und es gibt nichts Süßres. Ein schmeichlerischer Trug hüllt unsre Sinne ein, das Glück der Erde liegt zu unsern Füßen, uns dienen alle Ehren, alle Frauen uns. Wenn ich allein bin, trotze ich dem Stärksten, den Schah von Persien werde ich entthronen, zum König wählt man mich, mein Volk verehrt mich, und die Diademe regnen auf mein Haupt. Irgendein Mißgeschick führt mich zu mir zurück: Dann bin ich wie zuvor der dumme Hans.


[Ernst Tegethoff: Französische Volksmärchen]