Tritt ein und lass dich verzaubern
Hier dreht sich alles um die phantastische Welt der Märchen und davon bekommst du jede Menge geboten. Über 4000 klassische und sehr viele brandneue Märchen warten auf dich.
Die Schöne der Erde
Es war einmal ein sehr reicher Vater, der hatte eine Frau und einen Sohn. Als er zum Sterben kam, hinterließ er seinem Sohn einige Verfügungen, und darunter besonders die, er solle niemals den Ort betreten, wo die Schöne der Erde wohnte. Der Knabe wuchs heran und lebte glücklich und zufrieden, solange er die Stadt der Schönen der Erde nicht betrat. Aber endlich ergriff ihn eine gewaltige Sehnsucht dahin zu gehen, obgleich ihn das Verbot im Testament seines Vaters und seine Mutter abhielten; und es verging keine lange Zeit, da beschloss er, sich auf den Weg zu machen, nahm ein großes Felleisen voll Goldstücke mit und zog aus, um den Ort zu suchen, wo die Schöne der Erde wohnte. Auf dem Wege rastete er bei einer alten Frau, die ihm, wie ein Wort das andre gab, erzählte, dass gerade an diesem Ort die Schöne der Erde wohnte, und dass die jungen Männer mit Aufwand von vielem Geld kaum dazu kämen, einen Augenblick ihren Finger oder ihre Hand zu sehen. Als der Jüngling das hörte, entbrannte er vor Verlangen auch hinzugehen, um wenigstens ihre Hand zu sehen, auch wenn es ihn noch soviel Geld kosten sollte. Und als er von der Alten den Weg erfahren hatte, ging er in den Palast des Mädchens und bat, man möchte sie ihn sehen lassen, indem er zugleich die mitgebrachten Goldstücke zeigte. Als die Dienerinnen des Mädchens das viele Gold sahen, sagten sie es ihr, und sie gab Befehl, ihn einzulassen. Sie stellten ihn an einen Ort, wo er kaum ihren Finger zu sehen bekam, dann nahmen sie ihm seine Goldstücke weg und warfen ihn hinaus. Denn das Mädchen zeigte sich auch ihren Freunden, die dahin kamen, niemals ganz, sondern das erste Mal die Hand, das zweite Mal den Unterarm, das dritte Mal den Oberarm und so fort. Der Jüngling aber, als er wieder zu der Alten zurückkehrte, war trotz allem, was er bei dem Mädchen hatte erleiden müssen, doch so aufgeregt und voll Begierde wiederhinzugehen, dass er es nicht aushalten konnte. Daher machte er sich eilig auf, um nach Hause zurückzukehren, andres Geld zu holen und wiederzukommen. Er redete auch mit der Alten, und die trieb ihn noch mehr dazu an, da auch sie Geschenke von ihm bekam. Am folgenden Tage kam der Jüngling in seine Heimat, berauscht von Liebe, und sowie er sein Haus betrat, ging er gleich hin, um Geld zusammenzusuchen, damit er gleich zu dem Mädchen ziehen könnte. Als die arme Mutter ihren Sohn so ohne einen Heller sah, geriet sie in heftigen Zorn. Sie versuchte, ihn von seinem Entschlusse abzubringen, aber was sie auch tat war vergeblich, denn der Jüngling wollte sich auf keine Weise abhalten lassen. Kurz, er nahm das Geld, diesmal mehr als früher, und zog fort. Als er zu dem Mädchen kam, betrogen sie ihn wieder, indem sie ihm ihre Hand zeigten, ihm sein Geld nahmen und ihn fortjagten. Kurz – dass wir die Erzählung nicht zu sehr ausdehnen – der Jüngling verschleuderte auf diese Weise aus Liebe