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Siebenjahr
Es waren einmal zwei Brüder, ein reicher und ein armer. Der Arme wurde Witwer, und seine Frau ließ ihm ein Töchterchen zurück, das stand im siebenten Jahre, darum nannte man es Siebenjahr. Der Reiche schenkte Siebenjahr ein armseliges Kälbchen, und sie tränkte, fütterte und pflegte es, und aus dem Kälbchen ward eine prächtige Kuh, die brachte ein Kalb mit goldenen Hufen zur Welt. Da kamen die Töchter des reichen Onkels zu Besuch und sahen das Kalb; dann gingen sie fort und sagten es dem Vater. Der Reiche wollte sich das Kalb aneignen, aber der Arme gab es nicht her. Sie stritten und stritten miteinander, gingen zum Vojewoden und baten, ihren Handel zu schlichten. Der Reiche sagte: »Ich hab meiner Nichte nur das Kälbchen geschenkt, nicht seine Nachzucht!« Der Arme jedoch sagte: »Das Kälbchen ist mein, also ist auch die Nachzucht mein!« Wie sollte man da entscheiden? Der Vojewode sprach zu ihnen: »Löst mir drei Rätsel! Wer sie errät, dem soll das Kälbchen gehören. Zuerst ratet: was ist das Allerschnellste?« Die Bauern gingen heim. Da dachte der Arme bei sich: »Was soll ich wohl sagen?«, und er sprach zu seiner Tochter Siebenjahr: »Töchterchen, Töchterchen! Der Vojewode befiehlt zu erraten, was das Schnellste ist auf der Welt. Was soll ich ihm nun antworten?« – »Sei nicht traurig, Väterchen! Bete zum Heiland und leg dich schlafen!« Und er legte sich zur Ruh. Am Morgen weckte ihn Siebenjahr: »Steh auf, steh auf, Väterchen! Es ist Zeit, zum Vojewoden zu gehn. Mach dich auf und sag ihm: das Schnellste auf der Welt ist der Gedanke!« Der Bauer erhob sich und ging zum Vojewoden; auch der Bruder kam hin. Der Vojewode trat zu ihnen hinaus und fragte: »Nun, so sagt mir: was ist das Allerschnellste?« Der Reiche sprang vor und rief: »Ich hab ein so schnelles Roß, daß niemand es einholt: es ist das Allerschnellste, was es gibt!« Der Vojewode lachte nur und sprach zum Armen: »Und was meinst du?« Der Arme sagte: »Der Gedanke ist das Schnellste auf der Welt!« Der Vojewode staunte darüber und fragte: »Wer hat dich das gelehrt?« – »Meine Tochter Siebenjahr.« – »Na, dann gut! Ratet jetzt: was ist das Fetteste auf der Welt?« Die Bauern gingen heim. Der Arme kam und sagte zu Siebenjahr: »Der Vojewode hat uns aufgegeben, zu erraten: was ist das Fetteste auf der Welt? Was soll man da antworten?« – »Nun, Väterchen, gräm dich nicht: der Morgen ist klüger als der Abend. Bete zum Heiland und leg dich schlafen.« Der Alte legte sich zur Ruh. Am Morgen weckte ihn Siebenjahr: »Steh auf, Väterchen! Es ist Zeit, zum Vojewoden zu gehn! Fragt er dich, was das Fetteste sei, so antworte: die Erde ist am fettesten, denn sie bringt Früchte aller Art hervor!« Der Bauer erhob sich und ging zum Vojewoden; auch der Reiche kam hin. Der Vojewode trat zu ihnen hinaus und fragte: »Nun, habt ihr’s erraten? Was ist das Fetteste von allem?« Der Reiche sprang vor und rief: »Ich hab einen verschnittenen Eber, der ist so