Tritt ein und lass dich verzaubern
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Das Schicksal
Einst lebten zwei Brüder zusammen in einem Hause; der Eine der arbeitete Alles, während der Andere müßig ging, und fast immer nur aß und trank. Und sie hatten reichen Segen in Allem, und Ueberfluß an Rindern, Pferden, Schafen, Schweinen, Bienen und an allem Uebrigen. Da dachte der Bruder der Alles arbeitete, einst bei sich: »Warum soll ich denn für diesen Müßiggänger arbeiten? Es wird besser sein, wir trennen uns, ich werde für mich allein arbeiten, und er soll dann thun, was ihm eben gut dünkt.« Und so sprach er auch einmal zu seinem Bruder: »Bruder, es ist unrecht, daß ich Alles verrichten muß, während du mir in gar Nichts behülflich sein willst, sondern nur auf Essen und Trinken bedacht bist; ich habe daher beschlossen, daß wir uns trennen.« Doch der Bruder versuchte ihn hievon abzubringen, indem er sprach: »Thue doch das nicht Bruder, geht es uns ja doch Beiden wohl. Du hast Alles in deinen Händen, sowohl was dein, als was mein ist, und du siehst ich bin mit Allem, was du verrichtest und unternimmst, ganz zufrieden.« Allein der erste Bruder verharrte auf seinem Entschluß, so daß zuletzt auch der andre darin willigte, und zu ihm sprach: »Wenn dem so ist, will ich dir deshalb nicht gram sein, theile du selbst Alles nach deinem Gutdünken.« Da theilte Jener Alles der Reihe nach, und jeder nahm sein Theil für sich. Der Faule nahm sich alsbald für seine Rinderheerden einen Rinderhirten, für die Pferde einen Pferdehirten, für die Schafe einen Schafhirten, für die Ziegen einen Ziegenhirten, für die Schweine einen Schweinhirten, für die Bienen einen Bienenwärter, und sprach zu allen diesen: »All mein Gut überlasse ich Euch und Gott zur Huth,« und hierauf lebte er zu Hause wieder sorglos wie vorher. Der andere Bruder hingegen plagte sich mit seinem Theil wie ehedem, hütete selbst seine Heerden und hatte Acht auf Alles, demungeachtet sah er kein Gedeihen, sondern in Allem nur Schaden, und von Tag zu Tag erging es ihm schlechter, bis er zuletzt so verarmt war, daß er nicht einmal mehr ein paar Opanken1 hatte, sondern baarfuß ging. Da sprach er bei sich selbst: »Ich will nun zu meinem Bruder gehen, um doch zu sehen, wie es ihm gehet.« Sein Weg führte ihn an einer Wiese vorüber, auf der eben eine Schafheerde weidete, und als er nahe kam, bemerkte er, daß die Schafe keinen Hirten hatten, sondern daß ein überaus schönes Mädchen bei ihnen saß, das einen goldnen Faden spann. Nachdem er dem Mädchen ein »Gott helfe dir,« zugerufen hatte, fragte er sie wessen die Schafe seien? worauf sie ihm antwortete: »Wem ich angehöre, dessen sind auch die Schafe,« da fragte er weiter: »Und wer bist du?« worauf antwortete sie ihm: »Ich bin deines Bruders Glück.« Da überkam ihn bittrer Aerger, und er fragte: »Und wo ist denn mein Glück?« Das Mädchen sagte: »o, das ist fern von dir.« »Und kann ich es wohl finden?« fragte er weiter, und sie antwortete: »Du kannst es wohl, such es nur.« Und nachdem er dies