Tritt ein und lass dich verzaubern
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Der goldhaarige Gärtnersbursche
Wo war’s, wo war’s nicht, es war einmal ein armer Mann, und der hatte ein Dutzend Kinder. – Von diesem armen Mann konnte man fürwahr sagen: er hatte nur das liebe Leben, auf der Brust sein Brot, auf dem Rücken sein Haus. Sein ältestes Söhnchen war schon dreizehn Jahre alt; der musste also schon flügge werden. So verdingte er ihn als Pferdeknecht bei einem Mann, der so ehrenwert und gutmütig war, dass selbst seine Neider nur Gutes von ihm sagen konnten. Da der Knabe sich gut führte, so nannten sie ihn „mein lieber, kleiner Knecht“; aber er verdiente es auch, denn er sorgte für das ihm anvertraute Vieh so gut, als ob es sein eigen Hab und Gut gewesen wäre. Wenn er vom Feld, wenn er aus dem Wald nach Hause kam, rührte er für sich nicht einen Bissen an, nicht soviel, wie das Schwarze unter meinem Nagel, bis er nicht die Pferde ausgespannt, angebunden und gefüttert und getränkt hatte; aber er brach auch noch den Bissen im Munde entzwei und gab seinem Pferde die Hälfte. Der Ruf von unserm Hans verbreitete sich nun, was für ein tüchtiger, rechtschaffener Mensch er sei, so dass, wenig gesagt, zehn Herren sich gefunden hätten, die ihn jeden Augenblick angenommen hätten; doch er ging zu keinem (aber sein Herr hätte ihn auch nicht fortgegeben, auch nicht für ein blindes Pferd). Er ging aber darum zu keinem von ihnen, weil in Hansens Dorf ein Teufelsmüller wohnte, in dessen Mühle jede Nacht, die der liebe Gott werden liess, die Hexen kamen, um Unkraut, Wachtelweizen und Wicke zu mahlen, und das mischten sie unter das Mehl der armen Leute; darum haben die so schwarzes Brot. Aber das wusste keine Menschenseele, nicht einmal der Pfarrer wusste das, obgleich der doch ein schriftkundiger, kluger Mann war. Also ich sage, dieser Teufelsmüller zauberte und behexte unsern Hans, so dass, als das neue Jahr herankam, „unser kleiner Knecht“ sich bei ihm als Pferdeknecht verdingte. „Nun, mein lieber Sohn,“ sagte der Teufelsmüller, „im Stall sind zwei Pferde; nur auf die richte deine Sorge, bürste sie, striegle sie; an nichts anderes denke!“ Drei Wochen waren sie hübsch ruhig beisammen gewesen; aber als die vierte angebrochen war und der Müller zur Kirche gehen wollte, trat er in den Stall und sprach zu unserm Hans: „Hör, mein lieber Knecht!“ „Was befiehlst du, mein lieber Herr?“ „Nichts anderes als dies: dort auf dem Boden sind hundert Kübel Hafer; wenn du, während ich in der Kirche bin, damit die beiden senkrückigen Pferde nicht so mästest, dass ihnen das Wasser auf dem Rücken steht, so geht’s dir schlecht!“ Nebenbei sei gesagt, dass des Müllers eines Pferd, der Schimmel, ein Tatosch war; aber davon wusste Hans nichts. Als der Müller zur Kirche gegangen war, legte sich unser Hans auf den Schimmel und schluchzte so bitterlich, dass sogar der Mörtel von der Wand plumpste. Das Tatoschpferd hatte Mitleid mit dem Ärmsten und fragte ihn: „Was weinst, was schluchzst du so bitterlich, mein lieber Herr?“ „Wie sollte ich nicht weinen, wie