Suche

Märchenbasar

Tritt ein und lass dich verzaubern

Hier dreht sich alles um die phantastische Welt der Märchen und davon bekommst du jede Menge geboten. Über 4000 klassische und sehr viele brandneue Märchen warten auf dich.

Märchenbasar-Trenner

Riquet mit dem Schopfe

Es war einmal eine Königin, die bekam einen Sohn, der so häßlich und ungestalt war, daß man lange nicht wußte, ob er eine menschliche Gestalt hätte oder nicht. Eine Fee, die bei seiner Geburt gegenwärtig war, versicherte indes, daß er demungeachtet durch seinen Verstand sehr liebenswürdig werden würde, und sie setzte hinzu, daß er vermöge des Geschenkes, welches sie ihm verliehen habe, seiner Geliebten dereinst ebensoviel Verstand mitteilen könne, als er selbst besäße. Diese Versprechungen beruhigten die arme Königin ein wenig, die sehr bekümmert war, Mutter eines so häßlichen Geschöpfes zu sein. Nun ist es wahr: sobald der Knabe zu reden anfing, hatte er tausend allerliebste Einfälle, und es war etwas Geistreiches in allem, was er vornahm, so daß man ihn liebhaben mußte. Ich habe vergessen zu sagen, daß er mit einem kleinen Haarschopfe auf die Welt kam, daher man ihn nur Riquet mit dem Schopfe nannte, denn Riquet war der Familienname. Nach Verlaufe von sieben oder acht Jahren kam die Königin eines benachbarten Reiches mit zwei Töchtern nieder. Die erste war schöner als der Tag, und die Königin hatte eine so unmäßige Freude darüber, daß man fürchtete, sie möchte sich Schaden tun. Dieselbe Fee, die bei der Geburt des kleinen Riquet mit dem Schopfe gegenwärtig gewesen, war auch hier dabei und sagte der Königin, um ihre Freude zu mäßigen, daß die kleine Prinzessin keinen Funken Verstand haben und ebenso dumm als schön sein würde. Dies betrübte die Königin nun gar sehr, aber sie hatte einige Minuten darauf ein weit größeres Herzleid, denn das zweite Kind, mit dem sie niederkam, war außerordentlich häßlich. »Laßt Euch das nicht so gar sehr zu Herzen gehen«, sagte die Fee zu ihr, »der Mangel der Schönheit wird Eurer Tochter auf andere Art ersetzt werden. Sie wird so viel Verstand und Witz bekommen, daß man ihre Häßlichkeit kaum noch bemerken wird.« »Gott gebe das!« versetzte die Königin. »Aber könnte man der Ältesten, die so schön ist, nicht auch zu etwas Verstand verhelfen?« »Von dieser Seite kann ich nichts für sie tun«, erwiderte die Fee, »aber Schönheit kann ich ihr geben, soviel ich will; und da ich gern alles tun möchte, was nur in meinen Kräften steht, Euch gefällig zu sein, so will ich ihr die Gabe verleihen, dem Manne, der ihr Herz gewinnt, ihre Schönheit mitzuteilen.« Die beiden Prinzessinnen wuchsen nun heran, und ihre Talente wuchsen mit ihnen. Allenthalben sprach man von der Schönheit der Ältesten und dem Verstande der Jüngsten. Aber mit dem Alter vermehrten sich auch ihre Fehler. Die Jüngste wurde zusehends häßlicher und die Älteste von Tag zu Tag dümmer. Sie antwortete entweder gar nicht, wenn man sie fragte, oder sie sagte etwas Albernes. Sie war dabei so ungeschickt, daß sie nicht vier Tassen auf den Kaminsims setzen konnte, ohne eine davon zu zerbrechen, und daß sie kein Glas Wasser trank, ohne die Hälfte davon über ihre Kleider zu schütten. Sosehr man also auch immer der Schönheit eines jungen Frauenzimmers huldigt, so war dennoch die Jüngste in allen Gesellschaften immer weit beliebter

Weiterlesen »

Gefällt dir das Projekt Märchenbasar?

Dann hinterlasse doch bitte einen Eintrag in meinem Gästebuch.
Du kannst das Projekt auch mit einer kleinen Spende unterstützen.

Vielen Dank und weiterhin viel Spaß