Tritt ein und lass dich verzaubern
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Der Schusterknabe und der Sohn des Königs Olenburis
Wo war’s, wo war’s nicht, jenseit der Glasberge war’s, diesseit des Operenzmeeres war’s, war’s oder war’s nicht, vielleicht war’s auch nicht wahr. Wer’s nicht glaubt, gehe von hinnen, wer’s glaubt, der sage es nur, damit ich ihm diesen Weinkrug an den Kopf schmeissen kann. Also, es war einmal auf der »Welt ein König, der hatte drei Söhne. Einstmals ging er mit seinen drei Söhnen hinaus in den Wald, Reisig sammeln. Als es dunkelte, und sie sich schon zur Ruhe anschickten, sagte er zu seinen drei Söhnen: »Nun, meine Söhne, jetzt legt euch schlafen; aber morgen früh sollt ihr erzählen, was ihr geträumt habt!« Die Burschen waren schon sehr schläfrig, sie sagten drauf nur: »jawohl!« Sie legten sich nieder, schliefen. Plötzlich, so gegen Mitternacht erwacht der Jüngste und sieht von weitem ein kleines Licht. Er konnte nicht schlafen, dachte, er wird hingehen und nachsehen, was das dort für ein Licht ist. So geschah’s auch; er verliess das Lager und ging dem Lichte nach. Als er dort anlangt, sieht er, dass im Wipfel eines Baumes eine Kerze brennt, die leuchtete so weit. Er schaut sie lange an, plötzlich spricht die Kerze zu ihm: »Hör, guter Freund! Schneide eine dünne, biegsame Espengerte; dort zwei Schritte neben dir ist die Mitternacht, binde sie, dass sie nicht mucksen kann, und wenn du das vollbracht, schneide noch eine Gerte; damit binde die Morgendämmerung, die ist auch gleich dort. Dann, wenn du das getan hast, suche eine sehr lange Espengerte, schneide sie ab und reiche sie mir!« Der jüngste Königssohn, der sonst auch Schuster- Knabe genannt wurde, sperrte nur den Mund auf, als er hörte, wie die Kerze auf dem Baumwipfel sprach. So etwas hatte er noch nie gehört, noch gesehen. Was blieb ihm anderes übrig? Er fesselte der Reihe nach Mitternacht und Morgendämmerung so, wie ihm geheissen war; dann schnitt er eine furchtbar lange Espengerte ab, glättete sie und langte sie hinauf zum Baumwipfel. Kaum hatte er sie hinaufgereicht, so lief die Kerze auf der Gerte geradewegs hinunter auf seine Hand, von dort auf seinen Nacken, dort drehte sie sich ein paarmal herum, und plötzlich wurde eine Schlange aus ihr. Dann sprach sie zu dem Schuster-Knaben: »Nun, jetzt geh dahin, wohin ich meinen Kopf neige. Bald werden wir bei einer Burg anlangen; dort wohnt mein Vater und meine Mutter; dahin gehen wir. Was immer sie dir geben werden wollen, weil du mich heimgetragen hast, nimm nichts anderes an als nur das elende Fohlen und den schlechten Sattel!« Der Knabe ging hopp, nur gezwungen, nicht gern dahin, wohin die Schlange den Kopf neigte. Er wartete nur immer, wann sie ihn packen würde! Doch nach kurzer Zeit erreichten sie die Burg. Drinnen schliefen sie noch fest. Der Schuster-Knabe pochte sie wach. »Steht auf, ich bringe hier eure Tochter!« Da kamen sie auch flugs heraus, trugen die kleine Schlange hinein, herzten sie, küssten sie, denn sie war ja ihre Tochter. Dann sagten sie zum Schuster-Knaben: »Nun, mein Sohn, also du hast unsere Tochter erlöst! Was geben wir dir nun