Tritt ein und lass dich verzaubern
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Die vier Tücher
»Ihr seid nun groß und stark«, sagte ein Vater zu seinen vier Söhnen, »und müßt euch auch einmal in der Welt umsehen – vielleicht macht ihr euer Glück -, hier könnt ihr doch nicht immer bleiben.« Darüber waren die rüstigen Jungen sehr erfreut und wollten nun alle zugleich in die Fremde gehen, denn schon lange war das ihr sehnlichster Wunsch. Der Vater aber bedeutete ihnen, daß er sie doch nicht alle auf einmal von sich entlassen könne, sondern es werde an jeden die Reihe kommen, sobald nur der andere zurückgekehrt sei. Damit waren die Brüder zufrieden, und der älteste sollte zuerst Stock und Reisebündel nehmen und sich auf den Weg machen. Einen guten Spruch, den ihm der Vater ans Herz gelegt hatte, im Gedächtnis und einige Groschen als Reisegeld von der Mutter in der Tasche, verließ Wastl, so hieß der Bursche, das väterliche Haus und ging, ein Liedlein trällernd, aufs Geratewohl der Nase nach, da er selbst nicht wußte, wohin er wollte. Er war schon eine ziemliche Strecke fortgegangen, als ihm ein kleines, graues Männlein begegnete, das ihn fragte, ob er nichts zu verschachern habe? »Nein«, antwortete Wastl, »ich verstehe mich schlecht aufs Schachern«, und wollte vorwärts. »Nun, eil doch nicht so«, sagte lachend das Männlein, »vielleicht habe ich etwas, was dir zu seiner Zeit wohlbekommen dürfte. Hat dir nicht die Mutter Geld gegeben auf die Reise? Geh, kauf mir dieses Tuch da ab!« Wastl wunderte sich nicht wenig, als der winzige Wicht, den er doch nie zuvor gesehen hatte, von den paar Groschen wußte, die ihm das Mütterchen zugesteckt hatte; doch getraute er sich nicht zu widersprechen, denn ihm wurde völlig unheimlich. Er ging daher auf den Kauf ein und wanderte dann, unbekümmert um das Männlein, weiter, ja er hatte nicht einmal das Tuch recht angesehen, weil ihn gruselte. So ging er zwei Tage seines Weges. Als aber der zweite Tag zu Ende ging, da wußte er keine Nachtherberge. Nirgends sah er ein Wirtshaus, sondern es lag ein großer, dunkler Wald vor ihm. Wenn nur ein Haus in der Nähe wäre!, dachte er, und kam so nachsinnend immer näher und endlich ganz nahe an den Wald. Aber erst jetzt fiel es ihm ein, daß er ja kein Geld mehr habe, und er lachte über sich selbst, wie es ihm habe einfallen können, ohne Geld weiterzugehen oder gar an einen Abendschmaus zu denken. Mißmutig setzte er sich nieder, nahm sein Tuch heraus und breitete es lachend vor sich auf den Boden. Er schaute es nun zur Kurzweil an, weil er nichts Besseres zu tun wußte. Es war hellrot und mit goldenen und silbernen Sternlein auf den Seiten ganz übersät. Ihm gefiel’s, als er es so betrachtete, nicht übel, aber Geld hätte ihm doch noch besser gefallen. Da dachte er: Ja, hätte ich nur so viele Taler, als Sternlein darauf sind, dann wär’s schon recht. Kaum gedacht, da lagen auch schon die klingenden Taler zuhauf auf dem Tuch, ohne daß unser Wastl wußte, wie das zugegangen war. Nun fing er an,