Tritt ein und lass dich verzaubern
Hier dreht sich alles um die phantastische Welt der Märchen und davon bekommst du jede Menge geboten. Über 4000 klassische und sehr viele brandneue Märchen warten auf dich.
Der arme Weber und die indische Königstochter
Darauf machte er sich wie früher auf den Weg und gelangte bei seiner Verfolgung bis in den kühlen Todtenhain, um den Siddhi-Kür zu holen. Als er mit ihm auf dem Rücken die Wanderung angetreten, erzählte Siddhi-Kür wiederum folgende Geschichte. Früh vor Zeiten lebten in einer Stadt im Norden Indiens Vater und Sohn Namens Sanggasba. Da sie kein Vermögen besassen, so pflegten sie durch Holzhandel ihr Leben zu fristen. Einstmals waren sie mit einer Tracht Holz auf dem Rücken von der Spitze eines Berges herab in einen dichten Wald gekommen. Bei dieser Gelegenheit, als sie mitten in diesem Dickicht auf einem Stück unbewaldeten Wiesengrundes sich zum Ausruhen niedersetzten, sprach der Vater Sanggasba zu seinem Sohne: »Während der in dieser Gegend wohnende Sanggasba so mächtig und einflussreich war. bin ich ganz ohne irdische Güter geblieben; wenn ich einmal sterbe, so bring meine Gebeine auf diesen Platz und bestatte sie hier; was meine Armut und Dürftigkeit anlangt, so bin ich desshalb in diese Lage gekommen, weil eine unglückliche Stätte meines Vaters Gebeine beherbergt hat. Wenn du meine Gebeine hier birgst, so wirst du mit einer Fülle von Macht und Glanz ausgestattet werden, welche die eines Königssohnes an Umfang erreicht«. Weil nun ihr Holz nach allen Richtungen gieng, so konnte der Sohn während dieser Zeit, wo er seines Vaters Geschäft betrieb, sonst nichts lernen; nur ein Tuchweber war er geworden. Einst nachdem er um Brennholz zu sammeln weggegangen war, starb der Vater. Da nahm er denn die Gebeine seines verstorbenen Vaters auf die Schultern, trug sie auf die ihm früher gewiesene Stelle und bestattete sie daselbst. Da er die Anweisungen seines Vaters nicht alle verstanden, so zog er in den dortigen Städten umher und verschaffte sich durch den Verkauf der gewobenen Tücher seinen Lebensunterhalt. Einstmals hatte er sich in eine jenseits eines Berges gelegene Stadt begeben. Nachdem er das für seine Webereien angeschaffte Garn zusammen genommen, verweilte er auf dem Rückweg im Walde, woselbst er sein Garn in einander zu schlingen und Tuch zu weben begann. Während er von Hunger und Durst gequält bei sich dachte: »ich will gehen, Wasser zu suchen«, kam eine Lerche und setzte sich auf den Webstuhl. Er schlug mit dem Weberschiffchen nach ihr und tödtete sie. Um sie zu braten und dann zu verzehren, suchte er die früher von seinem Vater besprochene Stelle auf. Dabei dachte er: »Die Worte meines Vaters: ›wenn diese Stätte meine Gebeine aufnimmt, so wirst du reich werden‹ sind offenbar falsch gewesen. Jetzt ist dieses Tuchweben in der Welt ein herabgekommenes Geschäft. Ich will von dem heutigen Tag an mein Webergeschäft aufgeben, die Gewebe verbrennen und um die Tochter des Königs von Indien werben und so dessen Eidam werden«. Mit diesem Entschluss machte er sich auf den Weg. Da die Heimkehr der Königstochter zur Burg sich lange verzögert hatte, so hatte man gerade zu der Zeit in der Nähe des fürstlichen Palastes auf einem Berge bei dem Bilde eines Garuda-Vogels von der Residenz aus ein öffentliches Dankfest veranstaltet. Auf diesen Berg stieg er empor. Er