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Der Traum des Prinzen
Es war einmal ein König, der hatte drei Söhne und eines Abends sprach er zu ihnen: »hört, Kinder, heute Nacht wollen wir aufmerken auf das, was wir im Traume sehn.« Am andern Morgen fragte er zuerst den Ältesten: »was hast du geträumt?« und dieser erwiderte: »Mir träumte, daß ich die Tochter des und des Königs zur Frau nehmen würde.« Der zweite Sohn gab dieselbe Antwort. Darauf fragte der König auch den Jüngsten, »was denn er geträumt habe«, und der antwortete: »ich sage es nicht, denn ich fürchte, daß du mich hinrichten lassest, wenn du es erfährst.« Als der König das hörte, da wurde er erst recht neugierig und sprach: »ei warum denn, hast du etwa Schuld an dem, was du träumst?« und setzte ihm so lange zu, bis jener erzählte, wie ihm geträumt habe, daß sein Vater von dem Throne gestiegen sei und er sich darauf gesetzt habe. Der König aber wurde darüber sehr ärgerlich und rief: »Oh über den Bösewicht, der mich vom Throne stoßen will!« und übergab den Prinzen seinem Scharfrichter mit dem Befehle, ihn in den Wald zu führen und dort hinzurichten, und zum Beweise ihm den kleinen Finger des Prinzen und eine Schale seines Blutes zu bringen, das er trinken wolle. Der Scharfrichter führte also den Prinzen in den Wald, als er ihn aber schlachten wollte, da bat dieser für sein Leben, doch jener antwortete: »ich kann nicht anders, denn ich soll ja dem König dein Blut bringen.« Darauf sagte der Prinz: »schneide mir den kleinen Finger ab und schlachte eine Taube und bringe das Blut dem König.« Der Scharfrichter tat, was der Prinz verlangte, und brachte die Schale dem König; der trank sie aus, und so kam der Prinz mit dem Leben davon. Drauf machte sich der Prinz auf und lief in die Welt hinein, und der Zufall führte ihn zu einem Marmorfelsen, in dessen Innerem ein Pallast mit vierzig Stuben war. Darin wohnte ein Drakos, und als der den Prinzen sah, gefiel er ihm so sehr, daß er sprach: »du mußt bei mir bleiben, ich will dich an Kindesstatt annehmen.« Der Prinz blieb also bei dem Drakos und der gab ihm die Schlüssel zu den neununddreißig Stuben, aber den zu der vierzigsten wollte er ihm nicht geben, so oft ihn auch der Prinz darum bat. Da paßte der Prinz eines Tages, bis der Drakos eingeschlafen war, entwandte ihm den Schlüssel zur vierzigsten Stube und schloß sie auf. Darin fand er ein goldenes Roß und einen goldenen Hund, und vor dem Rosse lagen Knochen, vor dem Hunde aber Heu. Da warf der Prinz das Heu dem Rosse und die Knochen dem Hunde vor und die sagten darauf: »wie sollen wir dir den Dienst vergelten, den du uns geleistet hast?« Er antwortete: »Wir wollen mit einander fort von hier!« »So mache uns los!« versetzten sie. Da machte er sie los, und darauf sprach das Roß: »du mußt eine Hand voll Salz, einen Spiegel und einen Kamm mit auf den Weg nehmen«, und als der Prinz die