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Märchenbasar

Balauer

Drei Schafhirten schliefen mit ihren Schafen einmal im Wald. Nur einmal hörten sie etwas jammern: »Gut Glück.« Einer ging um nachzusehen. Als er hinkam, fand er einen Balauer, der einen Hirsch eingeschluckt, die Hörner hatten sich im Halse eingezwängt, nun jammerten beide. Der Balauer schrie: »Hau dem Hirsch die Hörner ab, ich will dir’s einmal bezahlen.« Der Hirsch schrie: »Hau dem Balauer den Hals ab.« Der Schafhirt hieb die Hörner dem Hirsch ab, der Balauer verschluckte ihn, dann sprach er zu seinem Retter: »Komm jetzt zu mir nach Hause. Ich gehe durch die Wolken, du sollst diesen Weg hier gehen.«
Er ging und traf auf eine Schweineherde und fragte den Hirten: »Wozu führt der Weg zum Balauer?« – »Geh nur bis zur Ochsenherde, die wird es wissen.« Er ging weiter bis zur Ochsenherde: »Wozu führt der Weg zum Balauer?« – »Geh nur bis zur Pferdeherde, die Pferde werden es wissen.« Er ging weiter bis zur Pferdeherde. »Wohin geht der Weg zum Balauer?« – »Geh nur hinaus aus dem Wald, dann wirst du an ein schönes Haus kommen, aber du sollst nichts anderes verlangen als das Lädchen.« Als er in das Haus des Balauer kam, war der schon lange zu Hause und zählte allerart Geld auf, um ihm zu zahlen, weil er ihn vom Tode errettet. Er aber sprach, er verlange kein Geld, er möge ihm nur das Lädchen geben. »Das kann ich dir nicht geben, sieh, ich gebe dir Geld, so viel du willst.« – »Geld brauche ich nicht, gut Glück« (gut Glück, ein Abschiedsgruß) und wandte sich der Türe zu. »Komm also und nimm es.« Er gab ihm das Lädchen. Er nahm es und ging.
Auf dem Wege wurde es ihm schwer und er dachte nachzusehen, was drinnen wäre. Als er es öffnete, lag die Tochter des Balauer da, bekleidet mit einem Schlangenfell. Er kam nach Hause, und als er sah, wie schön sie sei, ließ er sich mit ihr trauen. Sie warf aber das Schlangenfell nur so lange von sich, bis sie in den Krügen Wasser brachte. Die Leute fragten ihn immer: »Wo ist deine junge Frau?« und seine Mutter: »Wo ist meine Schwiegertochter?« Einmal riet ihr eine Nachbarin, sie solle das Schlangenfell verbrennen, wenn ihre Schwiegertochter einmal ausgegangen, sie würde zwar weinen, wenn sie es nicht mehr fände, doch würde sie sich dann gewöhnen und auch werden wie andere Leute. Einmal waren die jungen Leute auf eine Hochzeit geladen. Sie warf das Schlangenfell ins Lädchen und putzte sich auf. Als sie fort waren, verbrannte es die Schwiegermutter. Wie nun die junge Frau heim kam und das Fell umnehmen wollte, fand sie es nicht mehr und fing an zu weinen und weinte so lange, bis sie müde war. Dann weinte sie nicht mehr und war so wie andere Leute, nur noch schöner.
Einmal nahm sie sich die Krüge, wie alle Morgen, um zum Brunnen zu gehen und Wasser zu holen. Als sie am Brunnen stand, kam der Herr ihres Mannes und verwunderte sich über die schöne junge Frau, er hatte sie noch nie gesehen und fragte: »Wem bist du?« – »Dem Schafhirten,« – »Sag deinem Manne, er solle ein wenig bis zu mir kommen.« – »Ich will es ihm sagen.« Als sie nach Hause kam, sagte sie es ihm, und er ging auch gleich hin. Dieser Boär [Bojare] war aber ein schlechter Mensch und quälte seine Leute, was er konnte. Er sagte zum Hirten: »Ich habe ein Weizenfeld, es ist geschnitten und gehaufnet. Dies sollst du dreschen, aber es soll gehaufnet bleiben, das Korn sollst du mahlen und Brot backen und mir es morgen früh bringen.« Gut.
Er kam zu seiner Frau und sagte es ihr. »Aber wie zum Teufel soll ich diese Arbeit machen?« – »Komm, wir gehen zu meinem Vater, vielleicht weiß er es, was du tun sollst.« Sie nahmen sich beide und gingen zum Balauer und erzählten ihm, was sein Herr verlange. Der Balauer nahm eine Peitsche und knallte in alle vier Ecken, nur einmal kamen alle Teufel aus der ganzen Welt und fragten: »Was befiehlst du, unser Herr?« – »Ihr sollt auf das Weizenfeld des Boär gehen und das Korn dreschen, aber es soll gehaufnet bleiben, dann sollt ihr es mahlen und Brot backen.« Gleich fingen die Teufel an. Einige droschen, einige worfelten, einige nahmen zusammen, und schnell wie der Gedanke war das Korn in dem Sack, das Mehl fertig. Dann siebten die einen, die andern kneteten, andere heizten den Ofen, einige schoben das Brot in den Ofen, andere nahmen es heraus. Am Morgen trug der Hirt das Brot seinem Herrn. Dieser nahm die Peitsche und hieb ihm zehn herunter und sprach: »Ich habe einen Wald. Du sollst die Eichen abhauen, pflügen, einen Weingarten pflanzen und morgen mir Trauben bringen.« Er ging wieder zu seiner Frau und war traurig, denn er dachte, dies könne man nicht machen. Aber die sagte: »Komm, wir gehen zu meinem Vater, vielleicht macht er es.« Als sie zum Balauer kamen, nahm dieser die Peitsche und knallte in die vier Ecken, daß wieder alle Teufel aus der ganzen Welt zusammenkamen und fragten: »Was befiehlst du, unser Herr?« – »Ihr sollt in den Wald des Boären gehen und alle Eichen abhauen, dann pflügen und Weinreben setzen, damit ein Weingarten wird und wir morgen Weintrauben nehmen können.« Gut. Sie liefen schnell in den Wald und arbeiteten, einige hieben ab, andere legten das Holz in Klaftern, andere pflügten, andere brachten Weinreben, am Morgen war alles fertig. Der Hirt nahm einen Korb voll Trauben und trug sie seinem Herrn.
Dieser nahm die Peitsche und hieb ihm zwanzig herunter und sagte: »Bis morgen sollst du mir die Krone vom Kopfe meines Vaters aus der Erde bringen.« Dieser ging betrübt zu seiner Frau und sagte es ihr. Die sprach: »Komm, wir gehen zu meinem Vater und hören, was der dazu sagt.« Als sie hinkamen, sprach der Balauer: »Dies ist die schwerste Aufgabe.« Er nahm die Peitsche, knallte in alle vier Ecken, daß alle Pferde der ganzen Welt zusammenkamen. Von diesen wählte er das schwächste Füllen und gab ihm einen Trog voll glühender Kohlen aus dem Ofen, daß es sie fraß. Dann warf er ihm den Halfter über den Kopf, und gleich war ein mutiger Hengst aus ihm geworden wie keiner in der ganzen Herde. Der Hirt setzte sich darauf und ritt auf den Friedhof und warf dem Pferd den Halfter über den Kopf, gleich blieb es eine Steinsäule. Dann stieg er in die Erde hinunter und traf da einen, an dem fraßen die Würmer. Er ging weiter und traf einen, den stießen zwei Böcke mit ihren Hörnern, noch weiter traf er den Vater des Boären mit der Krone auf dem Kopf und verlangte sie ihm. Dieser nahm sie ab und gab sie ihm, dann kehrte er um, und als er zu dem kam, welchen die Böcke stießen, sagte der: »In meinem Leben quälte ich die Leute, jetzt quälen mich diese, daß ich keine Ruhe habe in der Erde.« Der Hirt ging weiter bis zu dem, welchen die Würmer fraßen, der sagte: »In meinem Leben habe ich den Armen nie etwas gegeben, jetzt fressen die Würmer mich, daß ich keine Ruhe habe nicht einmal in der Erde.« Als er herausgekommen, warf er den Halfter gegen den Stein, da stand schon das Pferd fertig, und er brachte es seinem Schwiegervater, dem Balauer, zurück.
Dieser gab ihm ein kleines Gewehr aus Holz und sagte: »Wenn du dem Boär die Krone gegeben, schieß auf ihn aus diesem Gewehr, er ist nicht wert, daß er lebt. Wenn du nicht schießt, wird er dich noch ärger schlagen als gestern und vorgestern, und wird dich umbringen.« Gut. Er ging und brachte ihm die Krone, und als der Boär sah, daß es seines Vaters Krone war, verwunderte er sich und wandte sich nach der Peitsche um, aber der Hirt zog das Gewehrchen und schoß auf ihn. Es blieb nichts als ein Haufen Staub und Asche. Alle Leute dankten Gott und freuten sich, daß sie von dem bösen Herrn befreit waren. Und von wo ich’s gehört, von dort hab’ auch ich’s erzählt.

Sive Bîrsan, Alzen
[Rumänien: Pauline Schullerus: Rumänische Volksmärchen aus dem mittleren Harbachtal]

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