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Märchenbasar

Das billige Holz

Es war einmal ein armer Bauer, der führte immer Holz zum Verkauf in die Stadt. Als er wieder einmal so durch den Wald fuhr, trat ein alter Mann mit langem Bart und grauem Mantel zu ihm und fragte: „Wohin mit dem Holz? – „In die Stadt!“ sagte der Bauer. „Nun, so rate ich dir, wenn du glücklich sein willst, es nicht teurer als um einen Kreutzer zu verkaufen!“ – „Das will ich tun“, sprach der Bauer und fuhr weiter.
Als er in der Stadt anlangte und die Leute zu ihm hinkamen und fragten, wie er sein Holz verkaufen wolle, antwortete er: „Um einen Kreutzer!“ Da lachten sie und glaubten, er sei nicht recht bei Trost und gingen weiter.
Endlich ließ sich ein armer Bürger in den Handel ein und kaufte das Holz um einen Kreutzer; er ließ es auch gleich heimführen und erzählte seiner Frau von dem glücklichen Handel. Diese aber wollte es natürlich nicht glauben, lief zum Bauern hinaus und fragte ihn insgeheim um den Kaufpreis. Als der Bauer die Worte ihres Mannes bestätigte, eilte sie hinein und sagte: „Mann, dem Bauer können wir zum Dank wohl auch einen Trunk Wein geben.“ – Ganz gewiss, hole gleich eine Kanne voll her. „Die Frau ging in den Keller, aber der Wein zeigte sich ganz trüb. Da sagte der Mann: „Was ist das, hast du aus dem rechten Fass gebracht`? Der Wein ist doch nicht trüb, oder war die Kanne nicht rein? Nimm eine andere Kanne und hole nochmals!“ Die Frau ging und holte gleich wieder; da war aber der Wein blutigrot. „so weiß ich doch nicht, was das ist; ich muss am Ende selbst gehen!“ Er wusch sich eine Kanne und ging.
Diesmal aber zeigte sich der Wein goldgelb, aber er war so dick, dass er kaum aus dem Heber floss. Der Mann kam herauf und erzählte dem Bauern das Wunder und entschuldigte sich. Der Bauer sagte: „Das macht ja nichts!“ Und weil er gerade für einen Augenblick nicht durstig war, bat er den Bürger, er solle ihm den Wein in seinen Tornister gießen, bis nach Hause werde es schon dünn werden. Jener tat es.
Als der Bauer durch den Wald nach Hause zog, trat wieder der Mann im langen Bart und grauen Mantel zu ihm und fragte, wie es ihm ergangen. Der Bauer erzählte ihm alles. Da sprach der Mann: „Merke dir nun, was ich dir sage: der trübe Wein bedeutet sieben Hungerjahre, der blutigrote sieben blutige Kriegsjahre; der goldgelbe wird samt dem Kreuzer dein Glück begrünen!“ Damit verschwand der Alte. Als der Bauer zu Hause ankam und seine Frau hörte. dass er das Holz um einen Kreuzer verkauft habe, so schalt sie ihn, als er sie beschwichtigen wollte und ihr erzählte, er habe auch Wein bekommen und habe ihn in seinen Tornister gegossen, war sie nun gar nicht mehr zu bändigen, sie tobte und fluchte:
„O du Dummbart, was muss ich an dir erleben! Hat je ein Mensch gehört, dass man den Wein in den Tornister gießt?” Der Bauer wollte den Wein ausschütten, aber da fielen Goldstücke und zuletzt auch der Kreuzer für das Holz heraus. Schnell zog das Donnerwetter vorüber, und der Himmel heiterte sich im Antlitz seiner Frau auf, dass es eine Lust war, es zu sehen. „Du lieber Mann, verzeiht! Aber wie kann man seine Frau auch so grob foppen wollen?“
„Gott bewahre mich!“ sprach der Mann, „ich sage die lautere Wahrheit; allein nun sehe ich, dass unser Herrgott dies Wunder getan hat, um meinen Glauben zu belohnen!“ Da erzählte er die Geschichte mit dem Mann im langen Bart und grauen Mantel. Die sieben trüben Hungerjahre und die sieben blutigen Kriegsjahre kamen, aber, wie hart auch der Bauer hergenommen wurde, der himmlische Segen half ihm. sie glücklich zu überstehen.

Quelle: Märchen aus Siebenbürgen