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Märchenbasar

Der Pope im Ziegenfell

Ein Pope hatte keine andern Gedanken, als immer nur, wie er die Leute betrügen und bestehlen sollte. Einmal pflügte er auf seinem Acker, und als er fertig war, nahm er auch seinem Nachbarn ein Stück weg. Der Nachbar ärgerte sich, als er es bemerkte, kam zum Popen und sagte: »Herr parinte, komm und sieh, du hast auch auf meinem Acker gepflügt.« – »Aber wie sollte ich dir deine Erde gepflügt haben, meine geht doch bis dahin«, entgegnete der Pope. »Dann, wenn die Steine reden, dann will ich dir meine Erde überlassen«, schrie der Nachbar. Gut. Sie gingen beide mit dem Hannen hinaus auf den Acker. Als sie dort ankamen, fingen die Steine in der Erde an zu reden: »Der Acker des Popen reicht bis her.« Der Nachbar und der Hann standen bestürzt da, aber was in aller Welt konnten sie tun? Sie gingen beide nach Hause, doch der Pope blieb zurück bei seinem nun vergrößerten Acker. Aber dieses verhielt sich so: Als der Nachbar gesagt, er würde ihm das Stück überlassen, wenn die Steine redeten, so ging er mit seinem Sohne und grub ihn in die Erde, damit er rede, daß die Leute dächten, es redeten die Steine in der Erde. Als nun die beiden fortgegangen, zog der Pope seinen Sohn aus der Erde, aber er hatte ihn tot gefunden. Gut.
Als er sah, daß Gott die Sünden nicht vergibt, dachte er: »Gut, ich will die Leute nicht mehr betrügen, jetzt werde ich nur noch stehlen.« Er nahm sich ein Ziegenfell und zog sich es über seine Kleider, damit ihn die Leute nicht erkennen sollten. Und so ging er jetzt stehlen. Aber die Leute merkten, daß bald hier, bald dort etwas fehlte, und sahen diese Ziege bald hier, bald dort und fürchteten, es werde der Pope sein. Sie ließen in der Kirche Gottesdienst halten und beteten zu Gott, er möchte sie behüten vor dem Popen und sie von ihm befreien. Und der liebe Gott machte, daß der Pope das Fell nicht mehr ablegen konnte. So mußte er, so lange er lebte, im Ziegenfell herumgehen, doch die Leute hatten Ruhe.

Marie Bran, Leschkirch
[Rumänien: Pauline Schullerus: Rumänische Volksmärchen aus dem mittleren Harbachtal]