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Märchenbasar

Die Historie vom Pfannkuchen

Es war einmal eine Frau, die hatte sieben hungrige Kinder, und denen buk sie Pfannkuchen; es war Teig mit Milch von einer frischmelkenden Kuh, und der lag in der Pfanne und ging auf, so dick und behäbig, daß es eine Freude war, ihm zuzusehen; die Kinder standen darum herum, und der Großvater saß und schaute zu.
»Gib mir ein klein bißchen Pfannkuchen, Mutter, ich habe so Hunger,« sagte das eine Kind.
»Liebe Mutter,« sagte das zweite.
»Liebe, schöne Mutter,« sagte das dritte.
»Liebe, schöne, gute Mutter,« sagte das vierte.
»Liebe, beste, schöne, gute Mutter,« sagte das fünfte.
»Liebe, beste, schöne, gute, liebste Mutter,« sagte das sechste.
»Liebe, beste, schöne, gute, liebste, süße Mutter,« sagte das siebente, und so baten sie alle um Pfannkuchen, eins schöner als das andere, denn sie waren so hungrig und so gut.
»Ja, Kinder, wartet nur, bis er sich umdreht,« sagte sie – bis ich ihn umgedreht habe, hätte sie sagen sollen – »dann bekommt ihr alle Pfannkuchen, schönen Biestmilchkuchen, seht nur, wie dick und vergnüglich er daliegt!«
Als der Pfannkuchen das hörte, erschrak er, drehte sich plötzlich selbst um und wollte aus der Pfanne; aber er fiel nur auf die andere Seite, und als diese auch ein wenig gebacken war, so daß sie fester wurde und Form bekam, sprang er hinaus auf den Fußboden und rollte davon wie ein Rad, zur Tür hinaus und die Straße entlang.
Heisa! Die Frau hinterher mit der Pfanne in einer Hand und dem Kochlöffel in der anderen, so schnell sie konnte, und die Kinder nach ihr, und zuletzt der Großvater nachgehumpelt!
»Willst du warten! Halt, pack ihn, faß ihn!« schrien sie durcheinander und wollten ihn im Sprung fangen und einholen; aber der Pfannkuchen rollte und rollte, und richtig kam er ihnen so weit voraus, daß sie ihn nicht mehr sehen konnten, denn er hatte flinkere Beine als alle zusammen.
Als er eine Weile gerollt war, traf er einen Mann.
»Guten Tag, Pfannkuchen,« sagte der Mann.
»Guten Tag, Mann Brann,« sagte der Pfannkuchen.
»Lieber, guter Pfannkuchen, roll nicht so schnell, sondern warte ein wenig und laß mich dich essen!« sagte der Mann.
»Hinter mir ist schon Frau Grau geblieben, der Großvater auch und Schreihälse sieben, so komm ich auch dir wohl aus, Mann Brann,« sagte der Pfannkuchen und rollte und rollte, bis er einer Henne begegnete.
»Guten Tag, Pfannkuchen,« sagte die Henne.
»Guten Tag, Henne Glenne,« sagte der Pfannkuchen.
»Lieber, guter Pfannkuchen, roll nicht so schnell, wart ein bißchen, ich will dich aufessen!« sagte die Henne.
»Hinter mir ist schon Frau Grau geblieben, der Großvater auch und Schreihälse sieben und Mann Brann, so komme ich auch dir wohl aus, Henne Glenne!« sagte der Pfannkuchen und rollte wie ein Rad den Weg entlang. Da traf er einen Hahn.
»Guten Tag, Pfannkuchen,« sagte der Hahn.
»Guten Tag, Hahn Kradahn,« sagte der Pfannkuchen.
»Lieber, guter Pfannkuchen, roll nicht so schnell, wart ein bißchen, ich will dich aufessen,« sage der Hahn.
»Hinter mir ist schon Frau Grau geblieben, der Großvater auch und Schreihälse sieben und Mann Brann und Henne Glenne, so komme ich wohl auch dir aus, Hahn Kradahn,« sagte der Pfannkuchen und rollte und rollte, so schnell er konnte. Als er eine lange Weile gerollt war, begegnete er einer Ente.
»Guten Tag, Pfannkuchen,« sagte die Ente.
»Guten Tag, Ente Lawente,« sagte der Pfannkuchen.
»Lieber, guter Pfannkuchen, roll nicht so schnell, wart ein wenig, ich will dich aufessen,« sagte die Ente.
»Hinter mir ist schon Frau Grau geblieben, der Großvater auch und Schreihälse sieben, Mann Brann, Henne Glenne und Hahn Kradahn, so werde ich dir wohl auch auskommen, Ente Lawente,« sagte der Pfannkuchen und rollte weiter, so schnell er konnte. Als er lange, lange Zeit gerollt war, traf er eine Gans.
»Guten Tag, Pfannkuchen,« sagte die Gans.
»Guten Tag, Gans Watschanz,« sagte der Pfannkuchen.
»Lieber, guter Pfannkuchen, roll nicht so schnell, wart ein wenig, ich will dich aufessen,« sagte die Gans.
»Hinter mir ist schon Frau Grau geblieben, der Großvater auch und Schreihälse sieben, Mann Brann, Henne Glenne, Hahn Kradahn und Ente Lawente, so werde ich wohl auch dir auskommen, Gans Watschanz,« sagte der Pfannkuchen und rollte davon.
Als er wieder eine lange, lange Weile gerollt war, traf er einen Gänserich.
»Guten Tag, Pfannkuchen,« sagte der Gänserich.
»Guten Tag, Gänserich Watschenserich,« sagte der Pfannkuchen.
»Lieber, guter Pfannkuchen, roll nicht so schnell, wart ein wenig, ich will dich aufessen,« sagte der Gänserich.
»Hinter mir ist schon Frau Grau geblieben, der Großvater auch und Schreihälse sieben, Mann Brann, Henne Glenne, Hahn Kradahn, Ente Lawente, Gans Watschanz, so kann ich dir wohl auch auskommen, Gänserich Watschenserich,« sagte der Pfannkuchen und begann zu rollen, so schnell er nur konnte.
Als er lange, lange Zeit gerollt war, begegnete er einem Schwein.
»Guten Tag, Pfannkuchen,« sagte das Schwein.
»Guten Tag, Schwein Schmierulein,« sagte der Pfannkuchen und begann zu rollen, so schnell er konnte.
»Nein, wart ein wenig,« sagte das Schwein, »du brauchst dich nicht so zu eilen, wir zwei können ganz gemächlich miteinander durch den Wald gehen, denn da soll es nicht ganz geheuer sein.« Der Pfannkuchen dachte, das könne seine Richtigkeit haben, und also machten sie es so; aber als sie eine Weile gegangen waren, kamen sie an einen Bach.
Das Schwein schwamm von selbst mit seinem Speck, das war ganz einfach; aber der Pfannkuchen konnte nicht hinüber kommen.
»Setz dich auf meinen Rüssel,« sagte das Schwein, »so will ich dich hinübertragen.«
Der Pfannkuchen tat so.
»Nuf, uff!« sagte das Schwein und fraß den Pfannkuchen auf einen Japps,

und da der Pfannkukchen nicht weiter kam,
die Historie hier ein Ende nahm.

[Norwegen: Klara Stroebe: Nordische Volksmärchen]

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