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Märchenbasar

Die Pilger

Eine arme Familie hatte beschlossen eine Wallfahrt nach St. Jago de Compostella zu machen. Bevor diese aber gemacht werden kann, stirbt der Vater. Die Hinterbliebenen waren so arm, dass sie auf Stroh schliefen. Doch war das Bett des Vaters nicht verkauft worden. Eines Nachts will der älteste Sohn in diesem Bette schlafen, wird aber daran verhindert. Er hört sich nämlich beim Namen rufen und eilt nun aufgeschreckt zur Mutter. Ebenso macht es in einer andern Nacht der zweite Sohn. Dagegen fragt der dritte Sohn, als dieser in dem Bette schläft, nach dem Begehren des Rufers. Es ist die Seele des Vaters, welcher die Wallfahrt anbefiehlt, damit er die ewige Seligkeit erlange. So macht sich denn die Mutter mit den drei Söhnen auf den Weg. Des Abends wird sie müde, kann nicht weiter und die Pilger müssen im Walde übernachten. Um sich hier gegen wilde Thiere zu schützen, kommen die Brüder überein, abwechselnd Wache zu halten. Während der älteste Bruder wacht, kommt eine Schlange. Diese tödtet Anton, steckt den abgehauenen Kopf derselben in die Tasche und verscharrt den Körper. Der zweite Sohn macht es mit einem Tiger, der sich zeigt, ebenso. Dem jüngsten Bruder erscheint ein Adler, dessen er sich vergebens zu bemächtigen sucht. Er entflieht in die Lüfte. Wie Peter dann zu seiner Mutter und seinen Brüdern zurückkehren will, findet er diese nicht mehr, wohl aber kommt bald ein Riese des Wegs, welcher ihm Nachricht von seinen Verwandten zu geben verspricht. Zu dem Ende soll er in die Mauer eines Palastes ein Loch schlagen. Dies thut er auch, tödtet jedoch bei dieser Gelegenheit auch den Riesen. Im Palaste, der von Peter untersucht wird, sieht er in einer schönen Kammer auf prächtigem Bette eine schlafende Jungfrau, welcher er die Ringe vom Finger zieht und die Pantoffeln zugleich entwendet. Darauf verlässt er den Palast und findet mit Hülfe einer Alten seine Mutter und seine Brüder wieder. Gemeinschaftlich wird dann die Wallfahrt gemacht. Inzwischen ist jene Jungfrau erwacht und zu ihrem Vater, dem Könige, zurückgekehrt. Neugierig zu erfahren, wer sie befreit und beraubt hat, bewirthet sie in einem Hause alle Vorübergehenden unentgeldlich. So kehren bei ihr auch die Pilger ein, von denen sie sich genau berichten lässt, was ihnen Alles begegnet ist. Auf diese Weise erfährt sie, dass Peter ihre Ringe hat, erkennt in ihm den, welcher sie aus den Händen des Riesen erlöst hat und vermählt sich ihm zum Danke.

[Italien: Georg Widter/Adam Wolf: Volksmärchen aus Venetien]

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