Suche

Märchenbasar

Die Stimmen der Tiere

Das Schaf, der Hahn, das Schwein, die Katze, die Ente und der Truthahn unternahmen eine Reise, und vor einem Unwetter zogen sie sich in eine Hütte zurück, aus der ein Lichtschein fiel. Es war niemand da, und das Schwein ging in den Schweinestall, das Schaf und die Ente ließen sich hinter der Tür nieder, die Katze kauerte sich beim Herd zusammen und der Hahn und der Truthahn setzten sich auf den Dachsparren. Bei fortgeschrittener Nacht kamen die Wölfe, denn ihnen gehörte das Haus, und einer ging zum Herd, um nachzusehen, ob noch Glut da war, doch die Katze zerkratzte ihm die Schnauze. Der Wolf begann zu heulen und alle anderen wollten ihm zu Hilfe eilen, doch das Schwein biß einen ins Bein, das Schaf versetzte einem anderen einen Stoß, der Hahn fing an, zu krähen, die Ente, zu schnattern, und die Wölfe ergriffen die Flucht und versammelten sich erst in weiter Ferne wieder. Einer sagte: »Laßt uns hingehen und nachsehen, was da von unserem Haus Besitz ergriffen hat.« »Ich gehe nicht hin, denn dort war ein Wollkämmer, der mir mit den Karden das Maul gekämmt hat.« (Das war die Katze.) »Und was mich betrifft, so bin ich dort auf einen Schmied gestoßen, der mir mit einer Eisenstange auf die Schienbeine geschlagen hat.« (Das war das Schaf.) »Ich kehre auch nicht dorthin zurück, denn jener Schmied hat mich an einem Bein mit einer Zange gepackt.« (Das war das Schwein mit seinem Gebiß.) »Ich bin noch einmal davongekommen, aber ich habe gehört, wie einer schrie:

Kikerikein, kikerikein,
ich schlag’ alles kurz und klein.

Das ist wahr, und ein anderer schrie: Verschlingt sie, verschlingt sie«

»Richtig, und irgendetwas sagte dort: Habe Ruh’, habe Ruh’«
Die Wölfe aber mochten in jenes Haus nie mehr zurückkehren, denn wer sich vorsieht, vermeidet viele Gefahren.

[Portugal: T. Braga: Contos tradicionaes do povo portuguez]