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Märchenbasar

Die vierzig Märtyrer

Als der Frühlingsmonat anfing, man heißt ihn März, sagte ein Zigeuner zu einem Rumänen: »Hait, ich gehe auf den Jahrmarkt und kaufe mir ein Pferd.« – »He, Kamerad, laß du das Pferd in Ruhe, bis die vierzig Märtyrer vorüber sind, Futter hast du keines, und das Gras wächst nicht, bevor dieser Feiertag vorüber. Dieser ist des Frühlings-Anfang (22. März). Nach diesem Tag wächst das Gras, aber früher darf man gar nicht daran denken.« – »Ich werde es mit der Zange herausziehen, wenn es nicht allein kommt«, antwortete der Zigeuner und ging auf den Jahrmarkt. Abends kam er mit dem Pferd. Jetzt, abends war’s, ja abends, und das Pferd wird nicht so hungrig gewesen sein, dachte der Zigeuner und gab ihm nichts zu fressen. Am Morgen ging er auf die Wiese, um zu sehen, ob das Gras hervorbreche. Aber woher, es war Eis auf der Wiese. »Ach, Herr, mein Pferd hungert, was soll ich machen! Es muß warten bis morgen.«
Am andern Tage ging er wieder hinaus, Eis war keines mehr, aber Gras zeigte sich auch nicht. Der Zigeuner nahm sich die Zange und bemühte sich, das Gras herauszuziehen, aber auch mit dieser Arbeit ging es nicht. Ein Tag verging nach dem andern, und was der Zigeuner auch die Wiese besah, sie blieb doch gelb und dürr. Das Pferd magerte ab, wurde immer schwächer, und eines Tages starb es vor Hunger, grade am Tage der vierzig Märtyrer. Als der Zigeuner mit dem Pferd hinausging, es zu begraben, nur einmal, siehe da, das Gras sproßte hervor. Als er sah, daß die Wiese grün wurde, erzürnte er so, daß er ein übers anderemal rief: »Calcate-ar nevoia« (ein beliebter Fluch: »Der Schlag soll dich treffen.«) Er ging nach Hause um den Hammer und schlug das junge Grün in den Erdboden. Warum sollte es noch wachsen, sein Pferd war tot! Aber wie er sich auch bemühte, es in die Erde zu schlagen, das Gras wuchs immer stärker und schöner. Umsonst, der Frühling war gekommen, vergangen die vierzig Märtyrer.

Petru Faur, Alzen
[Rumänien: Pauline Schullerus: Rumänische Volksmärchen aus dem mittleren Harbachtal]