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Märchenbasar

Ursprung der bösen Geister

Ein Mann heiratete eine Frau und führte sie in sein Haus ein. Er selbst ging Handel treiben, um Geld zu verdienen.
Eines Tages fand die Frau in dem Kasten ihres Mannes eine Menge Geld, es war ein Betrag von dreihundert Rupien. Als sie soviel Geld sah, fühlte sie sich plötzlich sehr krank und legte sich zu Bette. Abends ass sie nichts, am Tage ass sie nichts, sie lebte sieben Tage lang nur von Wasser.
Ihr Mann begab sich alsdann zu einem Lehrer und sprach zu ihm: »Bitte, sieh einmal, wie es mit meiner Frau steht sie ist krank.« Der Lehrer nahm ein Brett mit Sand, machte Figuren hinein, um die Ursache ihrer Krankheit mit Hülfe der Astronomie zu erfahren. Diese besagte: »Deine Frau ist krank und die Ursache ihrer Krankheit besteht darin, dass sie zwei Teufel in sich hat, der erste heisst Kinyamkera, der zweite Kilima. Suche einen Zauberer, der den kinyamkera-Teufel austreiben kann, der ihr Arznei zum Trinken, Räucherwerk und Kräutermedizin zum Einreiben besorge und sie zwei Tage lang mit etwas Dampf aus dem Topfe der Kräutermedizin behandle, dann wird sie, so Gott will, wieder zu Schlaf kommen. Danach sieh Dich nach einem Zauberer um, der den Kilima-Teufel austreibe, der ihr Arznei zum Trinken gebe, Räucherwerk nehme und sie mit Kräutermedizin einreibe und sie mit etwas Rauch aus dem Topfe der gekochten Arznei sieben Tage lang behandle; so wird auch dieser Teufel entweichen.«
Der Mann ging fort, einen Zauberer zu suchen, und sprach zu ihm: »Bitte, Zauberer, meine Frau ist vom Teufel besessen; der Teufel hat sie krank gemacht, ich möchte meine Frau gern wieder gesund sehen, damit sie kochen, essen und sich wie früher mit mir unterhalten kann.« Der Zauberer sagte: »Gut, das schlägt gerade in mein Fach; einigen wir uns also, veranstalte die dazugehörige Ngoma, ich werde dann den bösen Geist aus Deiner Frau austreiben.«
Sie setzten die Dauer der Ngoma auf sieben Tage fest, jeden Tag hatte der Ehemann ein und einen halben Realen an den Zauberer zu zahlen, sowie vier Pishi Reis für denselben und eine Rupie für Zuthaten zum Reis. Für die Leute, welche der Kranken beistanden, musste der Veranstalter der Ngoma bis zum Ende derselben gleichfalls das Essen geben.
Sieben Tage lang war Tanz, und der Eigentümer der Ngoma versorgte die Leute mit Speise und verbrauchte auf diese Weise viel Geld. Am letzten Tage der Ngoma schlachtete man eine Ziege und die Kranke trank das Blut derselben. Dann wurde eine besondere Art Turban aus weissem, rotem und schwarzem Tuch angefertigt und die Kranke damit bekleidet; und alles, was an silbernen Schmucksachen vorhanden war, wurde der vom Teufel Besessenen umgehängt. Der Zauberer wurde alsdann von den Leuten mit Pesa-Stücken beschenkt und der Ehemann verteilte Reis. Während die Trommeln geschlagen wurden, wurde mit Räucherwerk geräuchert und Lieder dazu gesungen. Der Zauberer sprach zu dieser Zeremonie Worte, die von Anfang bis zu Ende nicht verständlich waren.
Plötzlich erfasste die Kranke ein Schütteln des ganzen Körpers, dann fing sie an zu brüllen. Schliesslich wurde sie von ihrem Arzte, dem Zauberer, gefragt: »Bist Du der Geist des Berges?« Sie antwortete: »Ich bin der Geist des Berges und komme aus der grossen Wüste durch die Lüfte, ich schwebte zwischen Himmel und Erde, wie eine Regenwolke.« Der Zauberer sprach: »Fahre hinaus, geh’ Deiner Wege und lass diese Frau in Ruh.« Der Teufel verliess sie und sie wurde wieder gesund.
Der Zauberer nahm nun seinen Lohn, einundzwanzig Realen, dazu acht Realen und was ihm an Geschenken gemacht worden, sowie die Matten und Teller, welche bei der Ngoma gebraucht worden waren, das Brot mit dem Tischbrett, welches für den bösen Geist hingesetzt worden, die Kleider, welche die Kranke getragen hatte, und jenes Fleisch der Ziege, welche geschlachtet worden und deren Blut die Kranke getrunken hatte – das alles nahm er an sich. Die Trommelschläger erhielten fünf Rupien für sieben Tage und der Flötenbläser fünf Rupien für sich.
Dies ist der Ursprung der bösen Geister, wie er in dieser Geschichte niedergeschrieben ist, und die Gebühren für die Zauberer sind so, wie sie hier angegeben sind.

[Afrika: Ostafrika. Märchen der Welt]

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