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Märchenbasar

Vom pfauenhaarigen Mädchen

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Es war einmal ein König, der hatte drei Söhne. Einstmals ging der jüngste in den Lustgarten, um zu schlafen. Wie er dort lag, da kam zu ihm ein pfauenhaariges Mädchen. Die wurde seine Liebste, und dann kam sie etwa dreimal zur Nachtzeit zu ihm.
Da geschah es, dass eine alte Frau dem König nachstellte. Wie die alte Frau nun sah, dass der Königssohn mit dem schönen, pfauenhaarigen Mädchen dort auf dem Beet ruhte, wie sie dann noch diese schönen Haare von ihr sah, da freute sie sich sehr und schnitt ihr eine Handvoll ab.
Als das pfauenhaarige Mädchen erwachte, sagte sie dem Königssohn, dass man ihr jetzt eben um seines Vaters willen ihre schönen Haare abgeschnitten habe. »Nun komme ich nicht mehr zu dir.« Und damit verschwand sie.
Der Königssohn weinte sehr und ging aus dem Garten. Er sagte seinem Vater, dass er fortgehe zu dem pfauenhaarigen Mädchen; da gab ihm sein Vater einen Diener mit. Dann gingen sie fort.
Als sie wanderten, gelangten sie in ein schwarzes Reich. Dort war eine Herberge. Der Wirt gab dem Diener eine Pfeife, dass er auf ihr blase; dann werde der Königssohn gleich einschlafen; so könne er mit dem pfauenhaarigen Mädchen nicht reden. Das that auch der Diener; er blies auf der Pfeife für den Königssohn. Der Königssohn schlief ein; und nun kam das pfauenhaarige Mädchen hin und sah, dass der Königssohn schlief. Sie ging näher heran zu ihm und weckte ihn; aber er wachte nicht auf, denn er war sehr fest eingeschlafen, als der Diener geblasen hatte. Sie fragte, warum er so fest schlafe, und der Diener sagte, er wisse es nicht. Da sagte das pfauenhaarige Mädchen:
»Wenn ich morgen Mittag um zwölf Uhr hierher komme, und er schläft dann auch, so komme ich nicht mehr.«
Und da blies anderntags der Diener wieder für den Königssohn, und da ist er wieder so fest eingeschlafen. Jetzt merkte nun das pfauenhaarige Mädchen, dass der Diener schuld daran war, dass der Königssohn so verschlafen war, und darauf erschoss der Königssohn den Diener. Dann sagte er: »Jetzt wandere ich fort, weil ich mit dem pfauenhaarigen Mädchen nicht sprechen konnte,« und ging fort.
Wie er ging, kam er an einen See. Dort steckte er sein Bajonett in die Erde, dass er sich das Leben nähme. Und wie er nachsinnt, da steht plötzlich eine alte Frau vor ihm und fragt ihn, warum er sich das Leben nehmen will. Und die alte Frau sagt ihm, dass er sich nicht das Leben nehmen solle, sie werde ihn dorthin bringen, wohin er gehen will. Und dann brachte sie ihn nach einem Haus, dort stritten sich drei Teufelskinder um einen Bundschuh. Der Königssohn sprach zu ihnen: »Entfernt euch auf hundert Schritt; indessen teile ich diesen Bundschuh in drei Teile.«
Jene gingen fort, und der Königssohn sprach:
»Hipp, hopp, dort sei ich, wo ich hin möchte!«
Und da war er gleich bei dem pfauenhaarigen Mädchen, und dann nahm der Königssohn sie mit sich und trug sie davon. Auf einmal waren sie dann zu Hause. Dann verheirateten sich auch die beiden Brüder des Königssohns. Aber keiner von ihnen hatte eine so schöne Frau wie der jüngste.

[Ungarn: Elisabet Sklarek: Ungarische Volksmärchen]

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