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Märchenbasar

Von der schönen Nzentola

Es waren einmal ein König und eine Königin, die hatten kein Kind und hätten doch so gern eins gehabt. Da that der König ein Gelübde, wenn ihm ein Sohn bescheert würde, so wolle er, wenn das Kind zwölf Jahre alt sei, einen schönen Brunnen errichten, und zwölf Stunden lang Oel fließen lassen, daß Jeder sich mit Oel versehen könne. Nicht lange, so wurde die Königin guter Hoffnung, und als ihre Stunde kam, gebar sie einen wunderschönen Knaben. Denkt euch nur, welche Freude die Eltern hatten!
Das Kind wuchs heran, und wurde mit jedem Tage schöner. Als es zwölf Jahre alt war, gedachte der König an sein Gelübde, ließ einen schönen Brunnen in seinem Schloßhof errichten, und in seinem ganzen Reiche verkündigen, vierundzwanzig Stunden lang werde Oel fließen, es könne ein Jeder kommen und Oel schöpfen, so viel er wolle. Da kamen von nah und fern die Leute herbei, und drängten sich um den Brunnen, um das Oel zu schöpfen; der Königssohn aber stand auf dem Balkon und freute sich des Schauspiels. Zuletzt, als das Oel schon aufgehört hatte zu fließen, kam noch eine alte Frau mit einem Krüglein. Als sie aber sah, daß sie ihren Krug nicht mehr würde füllen können, nahm sie einen Schwamm, und sammelte sorgsam das Oel, das in den Ritzen zurückgeblieben war. Der Königssohn aber stand am Fenster und sah zu, und als die Alte ihr Krüglein endlich voll hatte, nahm er im Uebermuth einen Stein, und warf damit nach dem Krüglein, also daß es zerbrach, und das Oel verschüttet wurde. Da rief die Alte im Zorn: »So mögest du nicht eher heirathen, als bis du die schöne Nzentola gefunden hast.« Von dem Tage an dachte der Königssohn nur an die schöne Nzentola, und hatte keine Ruhe mehr bei seinen Eltern, und als er etwas älter geworden war, trat er vor seinen Vater und sprach: »Lieber Vater, gebet mir ein Pferd und lasset mich ausziehn, die schöne Nzentola zu suchen.« »O mein Sohn,« rief der Vater ganz erschrocken, »bist du verrückt? Weißt du auch, wie schwierig es ist, die schöne Nzentola zu finden? Weißt du auch, daß ihre Eltern Menschenfresser sind? Denke nicht mehr daran, mein Sohn, und bleibe bei uns; hier fehlt dir ja nichts und du bist unser einziger Sohn.« Der Königssohn aber ließ sich nicht halten, sondern bat immer und immer wieder den König, ihn doch ziehen zu lassen, bis er ihm endlich ein Pferd gab, und ihn mit seinem Segen ziehen ließ.
Der Königssohn ritt eine lange Zeit immer gerade aus bis er endlich eines Abends in eine wilde Gegend kam, wo kein Haus zu sehen war. In der Ferne aber sah er ein Lichtchen, auf das ging er zu, und kam an eine Hütte, darin wohnte ein Einsiedler. Dieser Einsiedler aber war der erste Wächter der schönen Nzentola. »Wer ist da draußen?« frug er mit einer tiefen Stimme. »Ich bin ein armer Jüngling,« antwortete der Königssohn, »lasset mich diese Nacht hier ruhen, und morgen will ich meines Weges weiter ziehen.« »Was? du willst wohl die schöne Nzentola rauben? Jetzt fresse ich dich.« »Fresset mich nicht,« bat der Königssohn, »ich weiß von keiner schönen Nzentola, und will nur zu meinem Vergnügen ein wenig jagen.« Da schloß ihm der Einsiedler die Thüre auf, gab ihm etwas zu essen, und wies ihm ein Lager an. Am anderen Morgen als der Königssohn Abschied nahm, gab ihm der Einsiedler einen Stab von Sammet und Gold, und sprach: »Höre auf meinen Rath, nimm diesen Stab, er wird dir nützen. Eine Tagereise von hier wohnt mein älterer Bruder, bei dem mußt du die nächste Nacht ruhen, und wenn du von ihm weiter ziehst, so lasse dir von ihm zwei Brode geben, sie werden dir nützen. Morgen aber wirst du zu meinem ältesten Bruder kommen, der wird dich aufnehmen. Wenn du nun bei ihm zu Tische sitzest, so reiße ihm drei Barthaare aus und verwahre sie wohl, sie werden dir nützen.« Der Jüngling dankte und ritt den ganzen Tag, bis er am Abend zum zweiten Einsiedler kam.
Er klopfte an, und der Einsiedler sprach: »Wer ist da draußen?« »Ich bin ein armer Jüngling, lasset mich diese Nacht hier ruhen, und morgen will ich meines Weges weiter ziehen.« »Was? du willst wohl die schöne Nzentola rauben?« brummte der Einsiedler, »jetzt fresse ich dich!« »Fresset mich nicht,« bat der Königssohn, »ich weiß von keiner schönen Nzentola, und will nur zu meinem Vergnügen ein wenig jagen.« Da machte der Einsiedler seine Thüre auf, und gab ihm zu essen, und ein Lager für die Nacht. Als er am anderen Morgen Abschied nahm, bat er den Einsiedler: »Gebet mir noch zwei Brode mit, daß ich in dieser Einöde nicht Hungers sterbe.« Da gab ihm der Einsiedler die beiden Brode, und brummte: »Laß es dir nicht einfallen, die schöne Nzentola zu rauben, sonst geht es dir schlecht.« »Was geht mich die schöne Nzentola an,« sprach der Königssohn und ritt davon.
Am Abend kam er zum dritten Einsiedler, der war steinalt, und hatte einen langen weißen Bart, und brummte mit tiefer Stimme: »Wer ist da draußen?« Der Königssohn bat ihn um ein Nachtlager, aber der Einsiedler sprach: »Du willst wohl die schöne Nzentola rauben? Jetzt fresse ich dich!« Der Königssohn aber verschwor sich, er wisse nicht, wer die schöne Nzentola sei, und der Einsiedler ließ ihn endlich herein. Als sie nun beim Essen waren, fuhr der Königssohn auf einmal dem Alten in den Bart, und riß ihm drei Barthaare aus. »Was fällt dir ein?« schrie der Einsiedler, »jetzt fresse ich dich!« »Ach, warum wollt ihr mich denn fressen?« sprach der Königssohn. »Eine Fliege hat sich in euren Bart verwickelt, und da ich euch davon befreien wollte, blieben mir die Haare zwischen den Fingern hängen.« Da beruhigte sich der Alte, und wies ihm sein Lager an, und am nächsten Morgen bestieg der Königssohn sein Pferd und ritt weiter.
Nachdem er nun noch eine Zeit lang geritten war, kam er in eine Ebene, und sah ein wunderschönes Schloß vor sich. Die Thüre stand offen, aber eine riesige Scheere war davor angebracht, die bewegte sich fortwährend auf und zu, also daß Niemand durch konnte. Da stieg der Königssohn vom Pferd, nahm den Stab von Sammet und Gold, und steckte ihn zwischen die Scheere, und während die Scheere den Stab zerschnitt, schlüpfte er unten durch. Kaum war er in das Schloß gedrungen, so stürzten ihm zwei brüllende Löwen entgegen, und wollten ihn fressen. Da warf er ihnen die beiden Brode hin, und während sie damit beschäftigt waren, eilte er die Treppe hinauf. In dem Vorzimmer aber war die Musca vana die erhob ein lautes Gesumme, wenn Jemand in das Schloß drang, damit die Hexe es hören und herbeieilen sollte, der Königssohn aber warf ihr die drei Barthaare zu, daß sie sich darin verwickelte, und nicht mehr an’s Summen dachte. Endlich trat der Königssohn in einen großen Saal, darin saß die schöne Nzentola, die war schöner als die Sonne. »O schöne Nzentola,« sprach er, »sieh, wie viel habe ich um deinetwillen gearbeitet und gelitten. Nun mußt du mir folgen, und meine Gemahlin werden.« »Wie ist das möglich?« antwortete sie. »Meine Eltern sind ausgegangen, aber sie werden gleich wiederkommen, und wenn sie dich finden, so fressen sie dich.« »Dafür kannst du sorgen,« sprach er, »ich habe so viel für dich gethan, jetzt mußt du ausdenken, wie wir fliehen können.« »Gut,« antwortete die schöne Nzentola, »so will ich dich jetzt in meiner Kammer verstecken, und diese Nacht wollen wir entfliehen.« Da versteckte sie ihn in ihre Kammer, und bald kamen der Menschenfresser und seine Frau, und brummten: »Wir riechen Menschenfleisch, wir riechen Menschenfleisch.« »Ach was,« antwortete die Tochter, »wie sollte ein Mensch hierher kommen. Bin ich nicht gut verwahrt, da die Musca vana und zwei Löwen, und die Scheere mich bewachen?« Als nun der Menschenfresser und seine Frau schliefen, rief die schöne Nzentola den Königssohn, spuckte einmal auf den Boden und entfloh mit dem Jüngling.
Nach einer Weile erwachte die alte Hexe, und da sie die Tochter nicht sah, rief sie: »Schöne Nzentola, komm, lege dich schlafen.« »Gleich, ich muß nur noch diesen Strumpf fertig stricken.« »Wie weit bist du denn?« »Ich habe das halbe Bein gestrickt.« Nach einem Stündchen rief die Hexe wieder: »Schöne Nzentola, komm, lege dich schlafen.« »Gleich, ich muß nur noch diesen Strumpf fertig stricken.« »Wie weit bist du denn?« »Ich bin beim Abnehmen.« Wieder nach einem Weilchen rief die Hexe: »Schöne Nzentola, so komm doch, und lege dich schlafen.« »Gleich, ich muß nur noch den Strumpf fertig stricken.« »Wie weit bist du denn?« »Ich stricke die Ferse.« Unterdessen war es beinahe Tag geworden, da rief die Hexe noch einmal: »Schöne Nzentola, so komm doch und lege dich schlafen.« Der Speichel aber war vertrocknet und antwortete nicht mehr. »Schöne Nzentola, schöne Nzentola,« rief die Hexe, aber die schöne Nzentola war längst über alle Berge. Da weckte die Hexe den Menschenfresser, und rief: »Unsere Tochter ist entflohen, komm, wir wollen sie verfolgen.« Um sie aber einzuholen, verwandelten sich der Menschenfresser und seine Frau in eine rothe und eine weiße Wolke, und hatten die Beiden bald eingeholt.
»Schaue hinter dich, und sage mir, was du siehst,« sprach die schöne Nzentola zum Königssohn. »Ich sehe eine rothe und eine weiße Wolke,« antwortete der Königssohn. »So werde ich zur Kirche und du zum Sakristan,« sprach die Schöne, und alsobald wurde sie zur Kirche und der Königssohn zum Sakristan. Der Menschenfresser aber und seine Frau nahmen ihre natürliche Gestalt an, kamen auf den Sakristan zu und frugen ihn: »Sind ein Mann und eine Frau hier vorbeigekommen?« »Für die Messe ist’s noch nicht Zeit,« sprach er und that als verstehe er sie nicht. »Sind ein Mann und eine Frau hier vorbeigekommen?« »Der Pater ist noch nicht gekommen.« »Sind ein Mann und eine Frau hier vorbeigekommen?« »Der Kelch ist noch nicht gebracht worden.« »Sind ein Mann und eine Frau hier vorbeigekommen?« »Die Hostie ist vergessen worden.« »Sind ein Mann und eine Frau vorbeigekommen?« »Das Meßbuch ist nicht zu finden.« Da verloren die Beiden endlich die Geduld, und kehrten brummend nach Hause zurück. Die Hexe aber hatte keine Ruhe und sprach: »Ich muß sie doch noch einholen, und wenn du nicht mitkommst, so gehe ich allein.« Da verwandelte sie sich in eine weiße Wolke und flog den Beiden nach.
»Schau hinter dich, und sage mir, was du siehst,« sprach die schöne Nzentola. »Ich sehe eine weiße Wolke.« »So werde ich zum Garten und du zum Gärtner darin.« Da wurde sie zum Garten und der Königssohn zum Gärtner, und als die Hexe kam, frug sie ihn: »Sind ein Mann und eine Frau vorbeigelaufen?« »Der Fenchel ist noch nicht reif.« »Sind ein Mann und eine Frau hier vorbeigelaufen?« »Lattich kann ich euch noch keinen geben.« »Sind ein Mann und eine Frau hier vorbei gelaufen?« »Was sucht ihr Kohlrabi zu dieser Zeit?« »Willst du mich zum Besten haben,« schrie die Hexe und wollte den Gärtner angreifen. Die schöne Nzentola aber rief: »Werde du zum Rosenstrauch und ich zur Rose darauf.« Da wurde der Königssohn zum Rosenstrauch, auf dem blühte eine wunderschöne Rose. Doch die Hexe wußte wohl, daß die Rose ihre Tochter sei, und wollte sie pflücken; aber der Rosenstrauch stach sie mit seinen Dornen, daß sie ganz zerkratzt wurde. Sie kehrte sich aber nicht daran, und streckte schon die Hand nach der schönen Rose aus, da rief die schöne Nzentola: »Werde du zum Brunnen und ich zum Aal darin.« Alsbald war der Rosenstrauch verschwunden, und statt dessen stand ein Brunnen da, mit klarem Wasser gefüllt, darin spielte ein Aal. Die Hexe wollte den Aal fangen, aber so oft sie ihn schon in der Hand zu haben glaubte, schlüpfte ihr der Aal zwischen den Fingern durch. »Schöne Nzentola, schöne Nzentola,« rief sie, »komm mit oder es wird dich reuen.« Aber sie mochte rufen, so viel sie wollte, die schöne Nzentola folgte nicht. Da sprach die Hexe: »So möge er denn deiner vergessen bei dem ersten Kuß, den seine Mutter ihm gibt!« und kehrte in ihr Schloß zurück.
Die schöne Nzentola und der Königssohn aber setzten ihren Weg fort, und als sie schon nahe bei der Stadt waren, wo seine Eltern wohnten, sprach er zu ihr: »Schöne Nzentola, es gebührt dir nicht, also in meines Vaters Schloß einzuziehen. Bleibe hier, bis ich gehe, und meinem Vater deine Ankunft melde. Morgen komme ich wieder mit einem herrlichen Wagen und großen Gefolge, und führe dich im Triumph auf das Schloß.« »Ach nein,« bat sie, »laß mich nicht hier; denn wenn du deine Mutter küssest, so wirst du meiner vergessen.« »Sei ohne Sorge,« antwortete er, »ich werde meine Mutter nicht küssen, und morgen komme ich wieder.« Da führte er sie zu einem Bauer seines Vaters und ließ sie dort im Bauernhaus. Als er nun auf das Schloß kam, waren seine Eltern voller Freude, ihren lieben Sohn wiederzusehen; er aber sprach: »Liebe Mutter, ihr müsset mich nicht küssen, sonst vergesse ich meine liebe Braut, denn ich habe die schöne Nzentola gefunden, und morgen will ich mit großem Gefolge hinausfahren und sie herbringen.« Als er aber am Abend sich zur Ruhe gelegt hatte, konnte die Königin dem Verlangen nicht widerstehen, ihren Sohn zu küssen, und dachte: »Ich will ihn schon an die schöne Nzentola erinnern.« Da ging sie in seine Kammer und küßte ihn, und in demselben Augenblick vergaß er die schöne Nzentola, und als er aufwachte, wußte er nichts mehr von ihr. »Lieber Sohn, willst du dich nicht auf den Weg machen, die schöne Nzentola einzuholen?« frug die Königin. »Wer ist die schöne Nzentola? Ich weiß nichts von ihr, und will nichts von ihr wissen,« antwortete der Königssohn, blieb bei seinen Eltern und führte ein herrliches Leben, und nach einiger Zeit wählte er sich eine andere Braut, und bald sollte die Hochzeit sein.
Der Bauer aber, bei dem die schöne Nzentola geblieben war, pflegte hie und da nach der Stadt zu gehen. Da er nun eines Tages nach Hause kam, frug ihn die Schöne, was es Neues in der Stadt gebe. »Der Königssohn hat sich eine edle Braut erwählt, und nächstens soll die Hochzeit sein,« antwortete der Bauer. »Thut mir einen Gefallen,« sprach die schöne Nzentola, »kaufet mir in der Stadt sieben rottoli Zucker und Honig, und sieben rottoli Mandelteig.« Als der Bauer ihr das nun gebracht hatte, bildete sie zwei schöne Tauben daraus, und sprach einen Zauberspruch über sie aus, gab sie dem Bauer und bat: »Bringet diese Tauben in das königliche Schloß, und lasset sie heimlich in die Kammer des Königssohnes bringen.« Der Bauer that, wie sie wünschte, und als der Königssohn in die Kammer kam, saßen da die beiden Tauben.
»Ei, wie hübsch sind diese Tauben,« sprach er und ging näher hinzu. Da fing die eine Taube an: »Kurr, kurr, denkst du noch daran, wie du zu mir kamst, und mir sagtest, du hättest so viel für mich gelitten, und nun müßte ich dir folgen?« »Ja,« antwortete die andere Taube. »Kurr, kurr, denkst du noch daran, wie ich dich in meine Kammer versteckte, damit meine Eltern dich nicht fressen sollten?« »Ja.« »Kurr, kurr, denkst du noch daran, wie ich in der Nacht mit dir geflohen bin, und auf den Boden spuckte, damit der Speichel statt meiner antworten sollte?« »Ja.« »Kurr, kurr, denkst du noch daran, wie meine Eltern uns verfolgten, und ich mich in eine Kirche verwandelte, und dich in den Sakristan? Wie sie dich dann frugen, ob ein Mann und eine Frau vorbeigekommen seien und du antwortetest, der Pater sei noch nicht gekommen, und der Kelch und die Hostie seien noch nicht gebracht worden, und das Meßbuch sei nicht zu finden?« »Ja.« »Kurr, kurr, denkst du noch daran, wie meine Mutter uns wieder einholte, und ich mich in einen Garten verwandelte und dich in den Gärtner? Wie sie dich frug, ob ein Mann und eine Frau vorbeigekommen seien, und du sprachst dagegen von Fenchel, Lattich und Kohlrabi?« »Ja.« »Kurr, kurr, denkst du noch daran, wie du zum Rosenstrauch wurdest, und ich zur Rose, und wie meine Mutter mich pflücken wollte, und du sie mit deinen Dornen zerstachst?« »Ja.« »Kurr, kurr, denkst du noch daran, wie du zum Brunnen wurdest und ich zum Aal darin, und wie meine Mutter mich fangen wollte, und ich ihr zwischen den Fingern durchschlüpfte?« »Ja.« »Kurr, kurr, denkst du noch daran, wie meine Mutter mich rief: Schöne Nzentola, komm mit, sonst wird es dich reuen, und ich nicht auf sie hörte, sondern Vater und Mutter verließ, um dir zu folgen? Und wie sie mich dann verwünschte: So möge er denn deiner vergessen bei dem ersten Kuß, den seine Mutter ihm gibt?« »Ja.« »Kurr, kurr, und denkst du noch daran, wie du mich im Bauernhaus ließest, und versprachest wieder zu kommen?« Als sie aber vom Bauernhaus sprach, erinnerte sich der Königssohn alles dessen, was vorhergegangen war, und eilte zum König und sprach: »Lieber Vater, schicket meine Braut nur wieder nach Hause zurück, denn ich habe ja schon eine Braut, meine schöne Nzentola, für die ich so viel gelitten habe.«
Da setzte er sich in einen prächtigen Wagen, und nahm herrliche Kleider mit, und ein großes Gefolge, und fuhr nach dem Bauernhaus, um die schöne Nzentola abzuholen. »Hatte ich es dir nicht gesagt, du solltest mich nicht hier lassen?« sprach sie. »Meine Mutter küßte mich, während ich schlief,« antwortete er, »deshalb vergaß ich deiner. Doch nun sind alle Leiden zu Ende, und ich bin gekommen, dich auf mein Schloß zu bringen.« Da legte sie die schönen Kleider an, und setzte sich zu ihm in den prächtigen Wagen, und fuhr auf’s königliche Schloß mit allen Ehren. Der König und die Königin aber freuten sich über die schöne Braut ihres Sohnes, und veranstalteten eine glänzende Hochzeit. So wurden sie Mann und Frau, und nun ist die Geschichte aus.

[Italien: Laura Gonzenbach: Sicilianische Märchen]