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Märchenbasar

Der Schuster und der Teufel

Es war einmal ein gottesfürchtiger Schuster, der sein Handwerk verstand und stets wunderschöne Schuhe machte. Besonders gut fertigte er Stiefel. Davon hörte auch der Teufel und suchte den Handwerker mit den goldenen Händen auf.
Als der Belzebub die Werkstatt betrat, rief er sogleich: „Mach mir ein paar Stiefel, Schuhmacher!“
Doch dieser winkte ab und sagte: „Kommt in einem halben Jahr noch einmal wieder, dann mache ich Euch die gewünschten Ledernen. Jetzt sind erst einmal die Bauern der Umgebung dran. Diese brauchen das Schuhwerk dringender. Sie müssen im Frühjahr auf die Felder, um die Saat auszubringen.“
Damit war der Teufel natürlich gar nicht einverstanden und er drohte dem Meister: „Wenn du mir nicht sofort die Stiefel machst, dann hole ich dich zu mir in die Hölle!“
Der Handwerker bekam es mit der Angst zu tun. „Dann setzt Euch auf den Stuhl. Wenn ich Euch ein Paar machen soll, muss ich zuerst Maß nehmen.“
Der Gehörnte nahm mürrisch Platz. Bevor der Fachmann mit seiner Arbeit begann, fragte er seinen Kunden, aus welchem Material die Stiefel sein sollten.
„Bevorzugt Ihr sie aus Leder, Stoff oder Holz ?“
Der Schuhmacher konnte sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen.
„Natürlich aus Leder, dem besten!“
Der Schuster nahm Maß und schnitt die Stiefelteile aus einem Stück Ziegenleder, einem sehr weichen Material, zu. Dem Teufel dauerte alles zu lange und daher sagte er: „Ich komme morgen wieder und hole die Ledernen ab!“, und war er gleich darauf verschwunden.

Als der Belzebub die Werkstatt verlassen hatte, überlegte der Meister: „Ich freue mich zwar, dass dem Teufel die Stiefel an den Füßen verbrennen werden, sobald er das Höllenfeuer betreten wird. Aber das wird ihm gar nicht gefallen und er wird mich zu sich holen. Irgendwie muss ich ihn überlisten.“
Schließlich hatte der Schuster eine Idee.

„Sind meine Stiefel fertig?“, rief der Satan am nächsten Tag, als er die Schusterwerkstatt betrat.
„Nein, noch nicht!“, entgegnete der Handwerker mit fester Stimme. „Aber damit Ihr nicht umsonst gekommen seid, könnten wir doch eine Runde Karten spielen. Ich war gestern im Wirtshaus und habe dort von Eurem Besuch erzählt. Und da hat der Müller mit mir gewettet, dass Ihr Euch auf ein Spiel mit einem Schuster nicht einlassen würdet.“
„Die Wette hat der Mehlwurm verloren. Ich spiele gerne, egal was und mit wem, aber nur um Geld, Schmuck und um die Seele meines Gegenspielers.“
„So lasst uns mit dem Geld beginnen!“, schlug der Handwerker vor. Der Teufel stimmte zu.
Der Schuster holte die Karten, mischte und die beiden begannen mit dem Spiel. Gegen den Müller hatte er gewonnen, so sollte es ihm beim Teufel ebenfalls gelingen. Dieser jedoch wusste nicht, dass der Meister der Schuhkünste bei einer Gauklerin einige Kartentricks gelernt hatte, als vor Jahren eine Schaustellertruppe im Ort gastierte.
Nach einigen Spielen wurde der Teufel immer wütender, denn er hatte stets verloren. In seinem Zorn achtete er nicht auf seinen Gegner und so verzockte der Belzebub all seine Taler.
„Du hast kein Geld mehr?“, fragte der Schuster. „Dann spiele ich nicht mehr.“
„Ein Spiel können wir noch machen“, rief der Gehörnte. „Ich setze die Stiefel. Verliere ich, dann kannst du die Ledernen jemand anderem verkaufen.“
Und wie vorauszusehen war, gewann erneut der Schuster.
Wütend forderte der Teufel ein weiteres Spiel. „Dieses Mal geht es um deine Seele. Gewinne ich, musst du mit mir in die Hölle reisen. Bist du aber der Sieger, dann werde ich dich nie wieder behelligen.“
Gesagt, getan!
Die Karten wurden gemischt und verteilt. Der Schuster bekam ein gutes Blatt und musste nicht einmal den Satan überlisten, um zu gewinnen. Als dieser bemerkte, dass er verloren hatte, löste er sich mit wutverzerrtem Gesicht in eine Schwefelwolke auf. Gleichzeitig ging in der Werkstatt eine Kerze an. Das war ein Zeichen des Himmels, dessen Bewohner dem Schuster hilfreich zur Seite gestanden hatten.
Der Teufel aber ward nie wieder in der Schusterwerkstatt gesehen.

Quelle: Friedrich Buchmann

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