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Märchenbasar

Die bestohlenen Diebe

Zu Caltran, einem Dorfe zwischen Thiene und Asiago, lebte vor langer, langer Zeit ein alter würdiger Pfarrherr. Er war bei dem Bischof und der Gemeinde beliebt und hatte gar keine Feinde. Wohl aber beneideten ihn Leute in der Nachbarschaft um das mächtige, schwarze Schwein, welches seine Haushälterin mit Sorgfalt und Fleiss gemästet hatte. Bekanntlich hilft der Teufel seinen Leuten und so ging es auch hier. Kaum war gegen Weihnachten das Schwein geschlachtet und geputzt, so gelang es den Neidern auch, dasselbe zu stehlen. Sie steckten es in einen Sack und verbargen es, um es Nachts aus dem Orte zu schaffen. Unglücklicher Weise waren sie von einem Bauern gesehen worden, der eben auf einer Anhöhe Kohlen brannte. Seinem würdigen Pfarrer das Schwein zu stehlen, wäre der Bauer viel zu gewissenhaft gewesen, aber es den Dieben wiederzustehlen, trug er kein Bedenken, und obendrein, dachte er, sollen sie noch genarrt werden.
Als es kaum dunkel geworden war, zog er den Sack aus dem Verstecke, verbarg das Schwein bei sich zu Hause, in den Sack aber steckte er einen todten Esel und trug ihn wieder an den frühern Ort. Später kamen die Diebe, ihren Sack abzuholen, und schleppten ihn mühsam gar weit in den Wald, um dort die Theilung vorzunehmen. Da griff der Eine in den Sack, zog aber die Hand schnell zurück, als er die Haare von dem Esel fühlte. »Teufel,« sagte er, »es muss heute doch sehr frisch sein, denn auch dem Schweine ist kalt geworden, es macht einen Pelz«. »Warum nicht gar?« meinte der Andere und griff auch in den Sack, und erwischte den Esel beim Hufe. »Meiner Treu!« rief er, »mir scheint gar, dem Schweine sind die Klauen zusammen gefroren.« Da leerten sie den Sack ganz aus und wussten nun, wie sie daran waren.

[Italien: Georg Widter/Adam Wolf: Volksmärchen aus Venetien]

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