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Märchenbasar

Die Feindschaft zwischen Hund und Katze

Einmal, so wahr ich hier sitze, ließ der Herr Jesus Kerbstöcke verschicken, damit alle Heiligen, die einen erhalten hatten, sich zu seinem Rat versammelten – hai. Sei’s wie es sei, sie beratschlagten und beratschlagten, bis sie beschlossen, dem Menschen Verstand zu geben, denn darum war es – bitte schön – früher nicht so gut bestellt, nur so, wie bei den Tieren auch – hai. Danach, so wahr ich hier sitze, schrieben die Engel die Briefe, und der Herr Jesus hielt das Petschaft über das Öllämpchen, und wenn ein Brief geschrieben war, drückte er schnell sein Siegel drauf – hai.

Da beeilte sich der Hund und sagte, er wolle das Schreiben den Menschen überbringen, weil er den Menschen – bitte schön – immer sehr gern sähe. Schließlich sagte der Herr Jesus zu ihm: „Lauf, lauf geschwind, daß ich sehe, ob du bald anlangen wirst.“ Der Hund rannte über das Feld. Erst als er ein gehöriges Stück gelaufen war, gab ihm der Herr Jesus das Schreiben und sprach: „Nimm das, aber schnell, und bringe es den Menschen.
Paß aber gut auf, daß du es nicht verlierst!“

Der Hund rannte und rannte, die Füße taten ihm schon weh, denn es ist doch ein langer Weg vom Himmel zu uns – hai. Er sauste zur Erde und wollte gerade die Botschaft übergeben, da traf er eine Katze, die er gut kannte, und sie begannen zu reden.
Der Hund war ein schlechter Anwalt, er ließ die Tasche mit den Schriften auf die Erde fallen und begann mit der Katze zu schmusen – hai. Er hatte ganz vergessen, was der Herr Jesus ihm aufgetragen hatte – hai.

Bis ihn ein großer Kater erblickte. Der schnappte sich geschwind die Tasche und eilte damit ins Haus, wo er sie unter den Dielen versteckte, damit der Hund sie nicht fand.
doch dann kamen die Mäuse und fraßen den Ratschluß auf, schleckten die Buchstaben – hai – nur ein paar blieben übrig. Und sei’s, wie es sei, als der Hund in den Himmel zurückkehrte, fragt ihn der Herr Jesus: „Weshalb hast du nicht allen Menschen die Briefe überbracht, wie ich es dir aufgetragen hatte?“

Da antwortete der Hund: „Wie konnte ich denn alle verteilen, wenn mir die Katze die Briefe gestohlen und schlecht verwahrt hat, so daß die Mäuse sie gefressen und die Buchstaben abgeschleckt haben. Weshalb haben die süßen Engel, auch mit süßer Tinte geschrieben – he?“ Da ließ der Herr Jesus Menschen und Mäuse zusammenrufen und sprach: „Es ist nicht meine Schuld, daß ihr nicht alle Verstand bekommen habt, sondern die des Hundes, mit ihm müßt ihr rechten – hai.“

Seitdem – bitte schön – ist der Mensch böse und dumm und wirft mit Steinen nach dem Hund – hai – oder prügelt ihn mit einem Knüppel. Der Hund dagegen jagt die Katze, wo immer es sie sieht, um sich für den Diebstahl zu rächen. Die Katze aber fängt die Mäuse und frisst sie, denn sie sind überhaupt an allem schuld, weil sie die Briefe gefressen und die Schrift aufgeschleckt haben – hai.

Ich meine aber, daß der Hund an allem schuld ist. Hätte er sich nicht in die Katze verliebt, dann hätte er auch die Tasche nicht vergessen – hai.Aber ein Weib ist eben ein Weib.
Immer machen sie dem Mann etwas vor, hängen ihm Unglück, und du, Mann, hast es auszubaden – hai. Würde der Mann sie – bitte schön – nicht lieben und ihnen nicht glauben, dann wäre es etwas anderes, aber wie sollte man den Weibern nicht glauben – hai.

 
Quelle: Stopka A. Sabala Krakow 1897
Zakapone
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