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Märchenbasar

Wie der Wagner König wurde

Es war ein Wagner, der hatte drei Söhne. Als diese nach des Vaters Tode herauswuchsen, meinte der älteste zu dem jüngsten, es dürfe wohl an der Zeit sein, daß er, der älteste, in die Welt ginge. Der jüngere stimmt ihm bei. Sie backten ihm Kuchen auf den Weg, damit er nicht Hunger leide. Als er bereit war, ging er, kam in einen Wald und dachte, er sei ein Wagner, er habe nicht nötig, zu Fuße zu gehen, er könne sich einen Wagen machen, der von selbst fahre. Als er den Wagen zu machen anfing, kam ein Greis zu ihm und sagte: „Was machst du da?“
Der Jüngling versetzte: „Ich bin ein Wagner, ich habe nicht nötig, zu Fuße zu gehen, ich kann mir einen Wagen bauen, der von selbst fährt.“ Der Greis sprach zu ihm: „Dein Wagen wird nicht fahren!“ Er achtete nicht darauf und arbeitete weiter. Der Greis entfernte sich.
Der Jüngling stellte nun den Wagen zusammen, allein der Wagen wollte nicht fahren. Da der Wagen nicht fahren wollte, warf er die Stücke auseinander, aß seinen Kuchen auf, und als er nichts mehr übrig hatte, kehrte er heim. Nun sagte der jüngere Bruder:
„Du warst schon in der Fremde, jetzt will ich in die Welt gehen.“ Was der älteste auf den Weg mitbekommen hatte, bekam der jüngere auch, und er ging. Als er an die Stelle kam, wo sein Bruder gewesen, fand er die Stücke vom Wagen. Er dachte, daß er ein Wagner sei, und daß er den Wagen zusammenstellen könne, der von selbst fahre. Es kam wieder jener Greis und sagte zu ihm: „Gottes Segen, junger Mann!“ Er aber sah nicht einmal auf und arbeitete. Der Greis fragte ihn: „Was machst du da?“ Der Jüngling versetzte: „Ich bin ein Wagner, ich habe nicht nötig, zu Fuße zu gehen, ich kann mir einen Wagen zusammenstellen, der von selbst fährt.“

Der Greis sprach zu ihm: „Dein Wagen wird nicht fahren.“ Er achtete nicht darauf und arbeitete fort. Der Greis entfernte sich. Der Jüngling stellte nun den Wagen zusammen, allein der Wagen wollte nicht fahren. Da ward er böse, warf die Stücke auseinander, aß auf, was er mithatte, und kehrte heim. Nun sagte der jüngste Bruder:„Ihr ward beide schon in der Fremde, jetzt will ich in die Welt gehen.“ Sie backten ihm gleichfalls Kuchen und er ging und kam an die Stelle, wo die zwei ersten die Stücke des Wagens auseinandergeworfen, und dachte gleichfalls, daß er ein Wagner sei, daß er es nicht nötig habe, zu Fuße zu gehen und sich einen Wagen bauen könne, der von selbst fahre. Als er mit der Arbeit beschäftigt war, kam der Greis wieder und sagte zu ihm: „Gottes Segen, junger Mann!“ Und er sprach darauf: „Gott vergelt’s! Seid mir gegrüßt!“ Der Greis fragte ihn: „was machst du da?“

Der Jüngling erwiderte: „Ich mache mir einen Wagen, lieber Alter, der von selbst fahre. Ich bin ein ausgelernter Wagner, und darum denk ich, daß ich es nicht nötig habe, zu Fuße zu gehen, sondern in einem Wagen fahren kann.“ Der Greis sprach zu ihm: „Du hast recht, junger Mann; allein er wird nicht von selbst fahren.“ Der Jüngling bat ihn, er möchte so gut sein, ihm den Wagen zusammenstellen zu helfen; er wolle ihm von dem geben, was er zum Essen mithabe. Als der Greis mit ihm den Wagen zusammengestellt, aßen sie; dann setzte sich der Jüngling in den Wagen, und der Greis gab ihm eine Gerte und sprach: „So schnell als du die Gerte schwingen wirst, so schnell wird der Wagen fahren; nur mußt du alle in den Wagen aufnehmen, die dir im Walde begegnen!“ Der Jüngling schwang die Gerte und fuhr. Es begegnete ihm ein Mann, der hatte lange Beine. Sogleich nahm er ihn auf und fuhr weiter. Dann begegnete ihm ein zweiter, der hatte zwei goldenen Kugeln. Er nahm auch diesen auf und fuhr weiter.
Endlich begegnete ihm ein dritter, der hatte ein weit aufgesperrtes Maul, und den nahm er gleichfalls mit. So fuhren sie alle vier, kamen des Abends in ein Wirtshaus und nachtmahlten. Während ,sie nachtmahlten, beschaute sich die Hausmagd durchs Fenster den Wagen und sah die zwei goldenen Kugeln darin hängen. Sie lief hinaus und wollte die Kugeln stehlen; wie sie aber nach ihnen griff, blieb sie mit den Händen an der Kugel kleben und konnte sich nicht losreißen. Die vier fuhren, nachdem sie genachtmahlt, die ganze Nacht, und die Magd lief hinter ihnen.

Des Morgens kamen sie in ein anderes Wirtshaus zum Frühstück. Während sie frühstückten, lief die dortige Hausmagd zufällig mit dem Besen hinaus und sah die erste Magd bei den Kugeln stehen. Sie glaubte, sie wolle stehlen und schlug sie mit dem Besen auf den Rücken, indem sie rief: „Was machst du da bei dem Wagen?“ Allein sie blieb mit dem Besen am Rücken der Magd kleben und konnte sich nicht mehr losreißen. Die vier hatten indes gefrühstückt, setzten sich in den Wagen und fuhren weiter, und die zwei Mägde liefen hinter ihnen. Des Mittags kamen sie in ein drittes Wirtshaus. Dort war die Hausmagd beschäftigt, Mist aus dem Stall zu schaffen, und als sie die zwei anderen Mägde bei dem Wagen stehen sah, lief sie mit der Mistgabel auf sie los und rief: „Ihr nichtsnutzigen Dinger, was macht ihr da? Die eine stiehlt goldene Kugeln, die andere hält ihr müßig den Besen auf den Rücken!“ Sie stieß die zweite mit der Mistgabel in die Lende, blieb aber mit der Mistgabel kleben und konnte sich ebenfalls nicht losreißen.

Die vier hatten indes gemittagmahlt, setzten sich in den Wagen und fuhren in die Stadt. Dort war eine Prinzessin, die seit ihrer Geburt über nichts gelacht hatte, und der prophezeit worden, sie werde dessen Gemahlin, über den sie zuerst lache. Es fuhren dort hohe Herren mit großem Geschick herum, die froh gewesen wären. wenn sie über sie gelacht hätte, und auch Prinzen kamen gefahren; allein sie lachte über niemanden, bis der Wagner, in der Stadt erschien mit seiner Begleitung. Als er durch die Stadt fuhr, sah die Prinzessin eben aus dem Fenster; da lachte sie auf, daß es gellte. Der König und die Königin hörten das Gelächter der Prinzessin, elten in ihr Gemach und fragten sie, worüber sie so lachte. Sie zeigte ihnen den Aufzug in der Stadt, und der König und die Königin mußten gleichfalls lachen, denn solch einen Spaß hatten sie noch nie gesehen. Der König der sehr stolz war, sandte nun nach dem Wagner und verhieß ihm spöttisch, er solle sein Schwiegersohn werden, er solle das Königreich samt der Prinzessin erhalten, aber nur, wenn er ein Stück ausführe. Der Wagner fragte, welches. Der stolze König sprach lächelnd: „Wenn du jemanden stellst, der drei Laib Brot auf einmal aufißt und vier Humpen Bier dazu austrinkt, dann will ich dir die Prinzessin geben.“ Der Wagner ging zu dem, der das Maul weit aufgerissen hatte, und fragte ihn, ob er sich getraue, die Aufgabe zu lösen.

Ich eß und trink noch mehr“, antwortete dieser. „Nur her damit!“ Sogleich backten die Bäcker drei Laub Brot und die Bauern brauten vier Humpen Bier. Als alles fertig war, brachten sie es dem Wagner. Der stellte den mit dem weit aufgerissenen Maul vor sich, nahm Laib für Laib, dann schüttete er Bier in die Kanne und aus der Kanne ihm in das Maul, bis er alles Bier ausgetrunken hatte. Herauf ließ dem König melden, daß er sein Stück ausgeführt. Der König wunderte sich nicht wenig, sagte jedoch dem Wagner, die Prinzessin sei noch nicht sein, er müsse noch ein Stück aufführen. „Dreihundert Meilen von hier“, sprach er, „ist eine Quelle, und aus dieser Quelle will ich noch in dieser Stunde frisches Wasser haben.“ Der Wagner ging zu dem, der die langen Beine hatte, und fragte ihn, ob er sich getraue, die Aufgabe zu lösen.
„Will das Wasser noch früher bringen!“ antwortete dieser. Er ging um elf Uhr aus und kam sehr bequem um halb zwölf zur Quelle, da meinte er, es sei noch Zeit genug und legte sich hin und schlief ein. Bereits wars fast drei Viertel auf zwölf, er kam mit dem Wasser noch immer nicht. Da ging der Wagner zu dem, der zwei goldene Kugeln hatte und fragte ihn, ob er sich getraue, mit einer von ihnen den, der das Wasser bringen sollte, zu treffen, und ihm ein Zeichen zu geben.

Er antwortete: „Freilich!“ Er warf die erste Kugel und traf den andern nicht; er warf die zweite, mit der traf er ihn. Dieser erwachte, klaubte die Kugeln schnell auf, beschleunigte seine Schritte und war am Mittag mit den Kugeln und mit dem Wasser da. Allein der König, der sehr stolz war, sagte nun dem Wagner, er müsse noch ein Stück ausführen, wenn er die Prinzessin erhalten wolle. „Ich habe“, sprach er, „zwölf Hasen und eine Rehziege. Vermagst du sie zu weiden, so will ich dir die Prinzessin geben.“ Der Wagner war zufrieden und trieb seine Herde auf die Weide; doch kaum hatte er sie auf den Weideplatz getrieben, so liefen sie auseinander.

 
Da begann er missmutig zu klagen, bis ihm jener Greis erschien, der ihm den Wagen hatte zusammenstellen helfen, und ihn fragte:„Junger Mann, warum klagst du?“ Der Wagner vertraute ihm sein Leid, daß er habe König werden können, und daß er jetzt nichts mehr werde; daß ihm der König zwölf Hasen und eine Rehziege zu weiden gegeben und daß die Herde auseinandergelaufen. Der Greis gab ihm eine Pfeife, er solle auf ihr pfeifen, die Herde werde wieder gelaufen kommen. Als er zu pfeifen begann, kamen die Tiere wirklich alle gelaufen. Nun weidete er fröhlich und pfiff und sang; des Abends trieb er die Herde nach Hause. Der stolze König, befahl ihm, die Herde bis übermorgen zu weiden.
Über Nacht berieten sich der König und die Königin, wie sie ihm um einen Hasen prellen könnten; sie wollten des Morgens zu ihm auf die Weide schicken, um ihn einen abzukaufen, und ließen einen eisernen Kasten machen, damit der Hase nicht herausspringen könnte, wenn er hineingesteckt wäre.

Die Prinzessin verkleidete sich als Lumpensammlerin und ging, den Hasen zu kaufen. Der Wagner wollte ihr um keinen Preis einen verkaufen; als sie aber inständig bat, versprach er ihr einen zu schenken, wofern sie eine Viertelstunde lang tanze, wie er ihr pfeife. Die Prinzessin meinte, der Wagner habe sie nicht erkannt und willigte ein. Der Wagner pfiff bald langsam, bald geschwind, die Prinzessin drehte sich und sprang, daß es zum Lachen war. Als sie sich abgemüdet, steckte er ihr einen Hasen in den Kasten. Sobald die Prinzessin den Hasen hatte, lief sie freudenvoll nach Hause. Als sie sich jedoch dem Schlosse näherte, begann der Wagner zu pfeifen, und der Hase zersprengte den eisernen Kasten und lief zurück.

Da weinte die Prinzessin vor Zorn und beschwerte sich bei dem Könige bitter über das, was ihr geschehen. Des Nachmittags nahm die Königin einen stählernen Kasten und verkleidete sich als Bettlerin, ging zu dem Wagner auf die Weide und bat ihn, er möchte ihr einen Hasen verkaufen; in der Stadt werde ein Festmahl sein und sie müsse dazu einen Hasen haben, möge sie ihn nehmen, woher immer. Er wollte ihr keinen verkaufen; nach vielen Bitten versprach er ihr einen umsonst, wofern sie nach dem Ton seiner Pfeife eine ganze Viertelstunde auf einem Fuß um die Hasen herumtanze und sich dabei Schnippchen schlage. Die Königin meinte gleichfalls, der Wagner habe sie nicht erkannt und willigte ein. Sie sprang nach dem Ton der Pfeife auf einem Fuße und schlug sich Schnippchen; schon war sie fast außer Atem und sprang noch immer, bis der Wagner laut zu lachen anfing.

Dann steckte er ihr den Hasen in den stählernen Kasten. Freudenvoll eilte sie mit dem Hasen nach dem Schlosse. Als sie jedoch zum Schlosse kam, begann der Wagner auf dem Weideplatz zu pfeifen, und der Hase schlug den Kasten durch und rannte zurück.
Da beschwerte und beklagte sich die Königin bitter, daß ihre Freude zu Ende sei, allein es half ihr nichts. Des andern Tages früh ging der König selbst. Er verkleidete sich als Bettler, nahm einen kupfernen Kasten, kam zu dem Wagner auf die Weide und bat ihn, er möchte ihm einen Hasen verkaufen. Der wollte anfangs nicht, dann aber sprach er: „Wenn du hier eine ganze Viertelstunde Purzelbäume machst, so schenke ich dir einen Hasen.“
Der König, in der Meinung, der Wagner kenne ihn nicht, begann, um ihm den Hasen zu entlocken und seine Tochter nicht geben zu müssen, Purzelbäume zu machen, an die er natürlich nicht gewöhnt war. Er überpurzelte sich häufig, und in einer Viertelstunde war er ganz hin. Der Wagner steckte, als er sich satt gelacht, ihm einen Hasen in den kupfernen Kasten. Freudenvoll eilte der König nach Hause und dachte, der Hase werde ihm nicht aus dem kupfernen Kessel entspringen können.

Als er sich aber nach dem Schlosse näherte, begann der Wagner zu pfeifen, und der Hase sprang mit Gewalt aus dem kupfernen Kasten und lief zurück. Die Prinzessin, die Königin und der König trösteten sich wenigstens damit, daß sie der Wagner auf der Weide nicht erkannt habe, da sie verkleidet waren. Als nun der Wagner mit seiner Herde glücklich nach Hause kam, sprach der stolze König zu ihm: „Du hast alle Aufgaben wohl gelöst, ein Stück aber mußt du noch ausführen. Du mußt drei Scheffel Wahrheit messen; dann missest du die, dann erhälst du meine Tochter zur Gemahlin.“ Der Wagner willigte mit Freuden ein und bat den König, er möchte öffentlich austrommeln lassen, daß er auf dem Marktplatz Wahrheit messen werde.

Das Volk strömte zusammen, und der König, die Königin und die Prinzessin kamen auch und setzten sich auf hohe Sitze. Der Wagner ließ drei Scheffel und ein Streichholz bringen.
Als alle versammelt waren, tat er, als ob er aus einem Sacke etwas in den einen Scheffel schüttete, und sprach dabei: „Ich weidete Hasen und eine Rehziege. Da kam eine Lumpensammlerin zu mir und bot mir viel Geld für einen Hasen; allein ich verkaufte ihr keinen, sondern sagte ihr, ich wolle ihr einen schenken, wenn sie tanze, wie ich pfeifen würde. Die Lumpensammlerin willigte ein und sprang so, wie ihr gleich sehen werdet.“

Da trat derjenige vor, der die langen Beine hatte, als Lumpensammlerin verkleidet, und sprang wie ihm der Wagner pfiff, bald langsam, bald geschwind, und dabei machte er possierliche Gebärden, als ob er sehr erschöpft wäre, so daß alle vor Lachen beinah barsten und selbst der Wagner zuletzt nicht mehr pfeifen konnte; nur die Prinzessin lachte nicht, sondern verbarg ihr Gesicht in ihr Tuch. Hierauf hieß er die falsche Lumpensammlerin abtreten.

Als die Versammlung ruhig geworden, nahm er einen zweiten Sack und ging zu einem andern Scheffel. Er tat wieder, als ob er aus dem Sacke etwas in ihn schüttete und sprach dabei: „In der zweiten Scheffel mess ich folgende Wahrheit: Ich weidete Hasen und eine Rehziege. Da kam eine Bettlerin zu mir und bot mir viel Geld für einen Hasen; allein ich verkaufte ihr keinen, sondern sagte ihr, ich wolle ihr einen umsonst geben, wenn sie nach dem Ton meiner Pfeife auf einem Fuße um die Herde herumtanze und sich dabei Schnippchen schlage. Die Bettlerin willigte ein und sprang auf einem Fuße und schlug sich Schnippchen, und dabei warf er die goldenen Kugeln in die Höhe und fing sie wieder so possierlich gewandt, daß alle laut und gewaltig lachten; nur die Königin war still und schämte sich sehr. Als sie sich satt gelacht, hieß der Wagner die falsche Bettlerin abtreten, ging zu dem dritten Scheffel und tat, als ob er aus dem dritten Sacke etwas hineinschüttete. Dabei sprach er: „Ich weidete Hasen und eine Rehziege. Da kam ein Bettler zu mir und bat mir viel Geld für einen Hasen; allein ich verkaufte ihm keinen, sondern sagte ihm, ich wolle ihm einen schenken, wenn er auf dem Weideplatz eine ganze Viertelstunde Purzelbäume mache.

Der Bettler willigte ein und machte Purzelbäume, wie ihr gleich sehen werdet.“ Nun trat derjenige vor, der das Maul weit aufgesperrt hatte, verkleidet als Bettler, und begann Purzelbäume zu machen, dabei schnitt er solche Gesichter mit seinem ungeheuren Maul und wälzte die Augen so heraus, daß vor unbändigem Lachen niemand unter den Zuschauern bestehen konnte; nur der König sah verdrießlich darein.

Als alle ausgelacht hatten, ließ er auch den dritten abtreten. Nun stellte er alle drei, die Lumpensammlerin, die Bettlerin und den Bettler zu den drei Scheffeln und rief:
„Damit ihr wisset, daß ich in die drei Scheffel Wahrheit gemessen, so will ich euch sagen, daß ich der Lumpensammlerin, als sie vom Springen müde war, einen Hasen in einen eisernen Kasten steckte, und der Bettlerin, als sie sich außer Atem getanzt, einen in einen stählernen Kasten, und dem Bettler, als er sich mit Purzelbäumen wund und lahm gepurzelt, einen Hasen in den kupfernen Kasten; allein dafür konnt ich nicht, daß alle drei Hasen wieder davon – und zu mir zurückliefen, als ich auf meiner Pfeife zu pfeifen anfing. Aber ich will noch das Streichholz nehmen, um die Scheffel glattzustreichen, und euch sagen, wer die Lumpensammlerin, wer die Bettlerin und wer der Bettler gewesen.“ Und dabei blickte er nach dem König, der Königin und der Prinzessin, daß diese nur zu gut merkten, er habe sie erkannt.

Sie wollten um keinen Preis verraten sein, und so sprach der König seinen Stolz endlich bezähmend: Jüngling, geistreicher wirst du durch die drei Scheffel nicht, denn ich befahl dir bloß, in drei Scheffel Wahrheit zu messen. Das hast du getan, und ich geb dir die Prinzessin zur Gemahlin.“ Die Leuten hätten gern gewusst, wer die Lumpensammlerin, die Bettlerin und der Bettlerin gewesen: allein der Wagner sagte es ihnen wohlweislich nicht. Er wollte lieber Hochzeit machen und König werden, besonders da er wußte, daß er im Besitz einer Pfeife sei, nach der alles tanzen müsse.

Quelle: Märchen aus Mähren