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Märchenbasar

Lucys Weihnachtsabenteuer

Die Hexe Lucy ist 274 Jahre alt. Ihr müsst wissen, dass das bei den Hexen ein junges Alter ist. Bei uns sind das ungefähr 12 Jahre.
Lucy wohnte mit ihrer Katze Madora in einem kleinen Häuschen am Waldrand, wo sie oft sehr einsam war. Es war Winter und leise fielen die Schneeflocken vom Himmel. Lucy war gerade mit ihrem Besen Balduin auf dem Rückweg vom Einkaufen. Wenn sie hinunterschaute, sah sie den wunderschönen, weißen Wald. Endlich kam Lucy bei ihrem kleinen, gemütlichen Haus an.
Nanu, als sie die Tür öffnete, lag auf dem Teppich ein Brief. Lucy bekam selten Briefe. Um genau zu sein, ein- oder zweimal im Jahr. Vielleicht ein Weihnachtsbrief, dachte Lucy. Doch als sie genauer hinsah, merkte sie, dass auf der Rückseite ein bärtiger Mann in einem rot-weißem Mantel, einer Zipfelmütze und schwarzen Stiefeln war. Wer mag das wohl sein? (Hexen kennen den Weihnachtsmann nicht)
Lucy öffnete den Brief neugierig und las:

Liebe Lissy!
Ich bin der Weihnachtsmann und bringe den Kindern Geschenke. Wenn du mich nicht kennst, kennst du wahrscheinlich auch nicht die Weihnachtsgeschichte vom Christkind. Ich werde noch heute Abend kommen und sie dir erzählen. Bis später.
Der Weihnachtsmann

Warum hatte der Weihnachtsmann ihren Namen falsch geschrieben? Hundert Fragen gingen ihr durch den Kopf.
WER war der Weihnachtsmann?
MEINTE er wirklich sie oder irgendeine Lissy?
Und KAM dieser Weihnachtsmann wirklich heute Abend?
Lucy war neugierig. Ungeduldig wartete sie auf den Abend. Plötzlich polterte es vor der Tür. Erschrocken sprang sie vom Sofa auf und sah aus dem Fenster. Man konnte es nicht so gut erkennen, weil eine große Schneewolke aufgewirbelt war. Schnell rannte Lucy vor die Tür. Was sie dort sah, verschlug ihr fast den Atem. Da waren acht Rentiere und aus einem großen Schneehaufen schaute eine rote Zipfelmütze heraus. Die Kutsche stand ein paar Meter entfernt. Es herrschte Stille. Totenstille.
Dann bewegte sich der Schneehaufen und ein großer, dicker Mann trat heraus. Er sah genauso aus wie der Mann auf dem Briefumschlag. Konnte es sein, dass dies der Weihnachtsmann war? Auf einmal fluchte der alte Mann los: „Wo ist denn nur schon wieder meine Mütze?“ Lucy schnappte nach Luft. Da entdeckte der Weihnachtsmann Lucy und fragte: „Bist Du Lissy? Zu Dir wollte ich nämlich!“ Lucy, die ihre Fassung wieder gefunden hatte und zwar immer noch nicht glauben konnte, dass da der Weihnachtsmann vor ihr stand, erwiderte: „Ich heiße LUCY und nicht LISSY, und bist Du der Weihnachtsmann?“ Der Weihnachtsmann entgegnete: „Oh, tut mir leid, da habe ich Deinen Namen wohl falsch gelesen. Darf ich trotzdem reinkommen und einen Tee bei dir trinken? Ich bin total durchgefroren. Und die Antwort auf Deine Frage lautet, ja, ich bin der Weihnachtsmann!“ – „Wow, natürlich dürfen Sie reinkommen!“, antwortet Lucy.
Beide gingen ins Haus. „Sie können sich dort in den Ohrensessel am Feuer setzen. Ich koche schon mal den Tee.“
Als Lucy sich mit dem Tee zu ihm setzte, fragte sie vorsichtig: „Könnten Sie mir jetzt vielleicht die Geschichte, wie Sie hierher gekommen sind und auch die vom Christkind erzählen?“ Der Weihnachtsmann erwiderte mit tiefer Stimme: „Natürlich. Also, ich war auf dem Weg zu Dir und schon fast am Ziel. Doch da kam ein großer Schneesturm und ich verirrte mich. Über uns flog ein Adler. Da meine Rentiere sehr große Angst vor diesen Vögeln haben, spielten sie verrückt. Ich hatte sie und die Kutsche nicht mehr unter Kontrolle und wir mussten eine Notlandung machen. Zum Glück sind wir in deinem Garten gelandet. Ich hoffe, es ist nicht so schlimm, dass wir in deinem Salatbeet notlanden mussten. Jetzt habe ich noch ein Geschenk für Dich und dann erzähle ich Dir endlich die Geschichte vom Christkind.“
Ungeduldig riss Lucy das Geschenk auf und ein Rabe kam zum Vorschein. Dieser plapperte gleich los: „Hallo Lucy, ich heiße Abraxas und bin Dein neues Haustier, damit Du nicht mehr so einsam bist!“ Lucy bedankte sich glücklich beim Weihnachtsmann. Dann erzählte ihr der Weihnachtmann die Weihnachts-geschichte.
Als Lucy am nächsten Morgen aufwachte, rannte sie ins Wohnzimmer. Aber dort war kein Weihnachtsmann mehr. Hatte sie alles nur geträumt? Sie sah aus dem Fenster und entdeckte das zertrampelte Salatbeet. „Der Weihnachtsmann musste schon weiter. Er wollte sich noch verabschieden, aber Du warst eingeschlafen. Ich soll Dir einen Gruß von ihm ausrichten.“ sagte eine Stimme hinter Lucy. Es war Abraxas. „Vielen Dank, ich möchte Dich gerne als Haustier haben. Komm auf meine Schulter.“ Und so war Lucy nie mehr einsam. Aber das Erlebnis mit dem Weihnachtsmann vergaß sie auch nicht.

von Jule, 9 Jahre, Dezember 2008

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