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Märchenbasar

Vierzehn

Eine Frau, welche vor langer Zeit lebte – wie mir meine Großmutter erzählt hat, die es selbst von ihrer Großmutter wußte -, ging nicht mit steifen Händen an die Arbeit. Sie hatte in weniger als zehn Jahren ihrer Ehe dreizehn Kinder gehabt, dann war sie weitere zehn Jahre ohne Kinder geblieben, und sie glaubte schon, daß es nun genug sei des Guten, da kam sie eines Tages mit einem Schlingel nieder, der war groß und stark wie der Teufel. Die gute Frau hatte alle Kalenderheiligen erschöpft, um ihren ersten dreizehn Kindern Namen zu geben, und da sie nicht wußte, wie sie den letzten nennen sollte, entschloß sie sich, ihn »Vierzehn« zu taufen, und zwar auf den Rat einer alten Fee, die man zur Taufe eingeladen hatte. »Es genügt noch nicht, ihm den Namen Vierzehn zu geben, gute Fee,« hatte die Mutter gesagt, »er braucht auch noch die Kraft von vierzehn Männern.« »Das ist richtig,« erwiderte die Fee, »ich wünsche, daß er die Kraft von vierzehn mal vierzehn Männern erhalte.« Was die Fee gewünscht hatte, war eingetroffen: Vierzehn hatte eine außergewöhnliche Körperkraft erhalten.
Die gute Frau, seine Mutter, ging schließlich mit Tode ab, und Vierzehn verließ das Dorf, um seine Rundreise durch Frankreich zu machen. Er schlug den ersten besten Weg ein und gelangte in das Haus eines Müllers, den er um Arbeit als Knecht bat. Der Müller nahm ihn an und beauftragte den neuen Ankömmling, zwei Maulesel zu nehmen und in das Nachbardorf zu gehen, um mehrere Sack Korn zu holen. Anstatt zu tun, was ihm sein Herr befohlen hatte, ließ Vierzehn die Maulesel daheim, ging allein ins Dorf und trug die Kornsäcke in die Mühle. Der Müller traute seinen Augen nicht, doch mußte er sich schließlich vom Augenschein überzeugen lassen und sparte nicht mit Lob für seinen kräftigen Knecht.
Am folgenden Morgen rief der Müller Vierzehn zu sich und sprach: »Du wirst einen Pflug und zwei Pferde nehmen und auf meinen Acker gehen.« »Ihr könnt die Pferde im Stall lassen, Meister, ich werde allein Euren Acker umpflügen; schickt nur jemanden mit, der mir zeigt, wo er liegt.« Vierzehn ging ins Feld, und nach Verlauf einer Stunde hatte er alle Ackerstücke des Müllers, seines Herrn, umgepflügt. Bei seiner Rückkehr gab es neue Lobeserhebungen.
Am nächsten Tage sollte Vierzehn mit den anderen Knechten ins Holz gehen, das ziemlich weit entfernt war, um dort große Bäume umzuschlagen, die sie auf einen großen Wagen laden und in die Mühle bringen sollten. Die Knechte gingen in aller Frühe fort und machten sich sogleich ans Werk. Vierzehn wachte erst spät auf und ging ganz gemütlich in den Wald. Dort angekommen, nahm er seine Axt, und im Handumdrehen hatte er zwei von den dicksten Bäumen umgehauen. Die Knechte waren außer sich vor Verwunderung. Vierzehn lud die beiden Eichen auf seinen Wagen und kehrte zur Mühle zurück. Aber unterwegs war ein dicker Baum umgefallen und versperrte den Weg. Ohne eine Miene zu verziehen, beugte sich der starke Knecht unter den Wagen und hob ihn über das Hindernis hinweg. »Schon zurück?« sagte der Müller zu ihm. »Ja, Herr, und ich habe sogar die beiden Bäume umgeschlagen, ehe ich sie auf meinen Wagen aufgelegt habe.« »Das ist unmöglich!« »O nein, es ist alles so, wie ich es Euch sage!«
Gegen Mittag kamen die Knechte zurück und verlangten weitere Pferde, um einen Baum wegzuschaffen, der die Straße versperrte. Der Müller jagte sie alle zum Teufel und behielt nur Vierzehn. Aber die Knechte suchten den Teufel wirklich auf, um ihn zu beauftragen, für sie an Vierzehn Rache zu nehmen. »Was wollt ihr?« sagte der Teufel zu ihnen. »Wir wollen uns an einem gewissen Vierzehn rächen, einer Art Herkules, der Knecht ist beim Müller von Famechon.« »Und wie das?« »Ihr sollt ihn ohne Unterlaß peinigen und gewaltig durchbläuen, wenn Ihr Lust dazu habt.« »Gut, ihr könnt auf mich rechnen. Adieu!« Und der Teufel suchte Vierzehn auf, stritt mit ihm und versuchte ihn zu prügeln. Der Bursch verteidigte sich mit gewaltigen Faustschlägen, aber der Teufel wäre seines Gegners doch fast Herr geworden, wenn nicht Vierzehn eine Flasche Weihwasser ergriffen und dieselbe dem armen Teufel ins Gesicht geschüttet hätte, worauf sich letzterer ganz erschreckt davonmachte und schwur, sich niemals wieder mit diesem Burschen einzulassen. Vom Teufel befreit, blieb Vierzehn in Ruhe beim Müller, dessen Tochter er heiratete. Er bekam zahlreiche Kinder und lebte glücklich und zufrieden.

[Frankreich: Ernst Tegethoff: Französische Volksmärchen]

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